Die feministische Globalisierungskritik bildet unmittelbar eine Antwort auf die zuvor „vergessene“ Frage nach dem Zusammenhang von Globalisierung und Gender. Zwar gibt es – und so wird es auch immer wieder betont – eine umfangreiche und stetig anwachsende Literatur zur Globalisierung, aber bis heute bleibt die Genderperspektive immer noch unterrepräsentiert.
Genderfokussierte globalisierungskritische Diskurse sind in diesem Zusammenhang äußerst wichtig, um zu verstehen, unter welchen Voraussetzungen Globalisierung überhaupt erst funktionieren kann und wie sich Geschlechteridentitäten und -verhältnisse verändern, verfestigen oder durch sich selbst auf den Globalisierungsprozess einwirken. Trotz des Erkenntnisgewinns, den man aus der Genderperspektive ziehen kann, ergeben sich auch durch eben jene „Genderbrille“ semantische Ambivalenzen. Zudem werden häufig diskussionswürdige Vorannahmen getroffen, die es gilt in diesem Essay aufzuspüren und Konzepte vorzustellen, die man ihnen entgegenstellen kann. Die Ausgangsbasis bilden dafür die beiden Ansätze von Maria Mies und Brigitte Young.
Es wird davon ausgegangen, dass die feministische Globalisierungskritik einerseits oftmals darauf beschränkt ist, entweder eine globale Perspektive oder umgekehrt eine Perspektive einzunehmen, die darauf basiert, die lokalen Effekte globaler Prozesse zu untersuchen. Andererseits wird „der Mann“ oftmals nur unzureichend mit in die Analyse einbezogen und spielt – wenn überhaupt – nur marginal eine Rolle.
Im ersten Abschnitt werden die Analysen von Maria Mies und Brigitte Young dargestellt. Darunter fallen vor allem die Konzepte „Hausfrauisierung“, „Genderregime und Genderordnungen“ sowie als auch ihr Verständnis von Globalisierung. Der zweite Schritt beschäftigt sich mit den konzeptionellen Schwächen beider Autorinnen. Zum Schluss werden alternative Sichtweisen und Perspektiven aufgezeigt, ein kurzes Resümee gezogen und offene Fragen formuliert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die 2. und 3.Phase der Analyse von Geschlechterverhältnissen in der Weltwirtschaft
Gegenkonzepte- männliche Perspektive und multimoderne Globalisierung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay analysiert kritisch die Schwachstellen der feministischen Globalisierungskritik, insbesondere die Ansätze von Maria Mies und Brigitte Young, und diskutiert die Notwendigkeit einer differenzierteren Perspektive, die lokale Besonderheiten und männliche Geschlechtsidentitäten einbezieht.
- Kritik an der Dichotomie von „Erster“ und „Dritter Welt“
- Analyse des Konzepts der „Hausfrauisierung“
- Untersuchung von Männlichkeit im Globalisierungsprozess
- Diskussion lokaler versus globaler Machtstrukturen
- Plädoyer für einen multidimensionalen Globalisierungsbegriff
Auszug aus dem Buch
Die 2. und 3.Phase der Analyse von Geschlechterverhältnissen in der Weltwirtschaft
Maria Mies, deren Buch „Patriarchat und Kapital – Frauen in der internationalen Arbeitsteilung“ im Original schon 1986 erschien, hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen handfesten Begriff von Globalisierung entwickelt. Sie kann gemäß dem 3-Phasen-Modell von Saskia Sassen der zweiten Phase der Untersuchungen von Geschlechterverhältnissen in der Weltwirtschaft zugeordnet werden. Jene zweite Phase beschäftigte sich vorrangig mit der „Auslagerung von Industriearbeitsplätzen in unterentwickelte Länder“ (Sassen 1998: 200). Frauen, die zuvor noch nicht dem industriellen Sektor angehörten, waren von nun an diejenigen, die „unabhängig vom Entwicklungsgrad eines Landes […] in bestimmten Industriebereichen wie Bekleidung und der Montage von elektronischen Geräten“ arbeiteten (Sassen 1998: 200). Maria Mies spricht folglich noch von der Neue Internationalen Arbeitsteilung (NIAT) im Gegensatz zu der Alten Internationalen Arbeitsteilung (AIAT) (Mies 1990: 141-143). Bestand die AIAT noch darin, dass die von den Kolonialmächten abhängigen Kolonien zum Zwecke der billigen Produktion von Rohmaterialien und der Herstellung von Absatzmärkten ausgebeutet wurden, so werden im Zuge der NIAT vor allem arbeitsintensive Produktionsprozesse, die einen Teil der industriellen Produktion darstellen, in die sogenannten Länder der „Dritten Welt“ ausgelagert. Nach diesem Verständnis avancieren „Entwicklungsländer“ zum Produzenten der Massenkonsumgüter für die westlichen kapitalistischen Länder. Voraussetzung für das Funktionieren dieser NIAT sei die Mobilisierung von Frauen, die einerseits „billige“ und „leicht manipulierbare“ Arbeitskräfte in der „Dritten Welt“ und andererseits „gehorsame“ und „kaufwillige“ Konsumentinnen in der „Ersten Welt“ sein müssten (Mies 1990: 144). Um die Integration in den kapitalistischen Akkumulationsprozess einerseits und in die „Welt-Marktwirtschaft“ andererseits gewährleisten zu können, würden Frauen auf „beiden Teilen der Welt“ zunehmend als Hausfrauen definiert (Mies 1990: 145).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der feministischen Globalisierungskritik und Vorstellung der zentralen Analyseschwerpunkte sowie der Forschungsfrage bezüglich der konzeptionellen Schwächen bisheriger Ansätze.
Die 2. und 3.Phase der Analyse von Geschlechterverhältnissen in der Weltwirtschaft: Darstellung der Konzepte von Maria Mies und Brigitte Young, insbesondere der „Hausfrauisierung“ und der Transformation von Geschlechterregimen im globalen Wandel.
Gegenkonzepte- männliche Perspektive und multimoderne Globalisierung: Erläuterung alternativer Ansätze, die männliche Geschlechterrollen sowie differenziertere, kulturell eingebettete Globalisierungsmodelle in den Vordergrund stellen.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der analysierten Theorien und Forderung nach einer empirisch fundierten, ganzheitlicheren Betrachtung von Globalisierung, die lokale Gegebenheiten stärker berücksichtigt.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Feministische Globalisierungskritik, Gender, Patriarchat, Hausfrauisierung, Neue Internationale Arbeitsteilung, Männlichkeit, Geschlechterregime, Klasse, Rasse, Lokalisierung, Neoliberalismus, Maquiladoras, Identität, Soziale Ungleichheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Das Essay untersucht die feministische Globalisierungskritik, identifiziert theoretische Schwachstellen in den Arbeiten von Maria Mies und Brigitte Young und diskutiert Möglichkeiten für eine differenziertere Analyse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Rolle der Frau in der internationalen Arbeitsteilung, die Konstruktion von Männlichkeit im Globalisierungsprozess sowie das Zusammenspiel von lokalen kulturellen Gegebenheiten und globalen ökonomischen Prozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Schwachstellen der bisherigen feministischen Globalisierungskritik und zielt darauf ab, Wege aufzuzeigen, wie diese durch eine breitere, inklusive Perspektive – auch unter Einbeziehung männlicher Identitäten – überwunden werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturkritik, die auf soziologischen Konzepten zu Geschlechterverhältnissen und Globalisierungsmodellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ansätze von Mies und Young, beleuchtet die Rolle von Männern in globalen Industrien wie den Maquiladoras und stellt alternative Globalisierungsdiskurse (Konvergenz-, Divergenz- und multiple-Modernities-Paradigma) gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Globalisierung, Gender, Hausfrauisierung, Geschlechterregime, Männlichkeit und soziale Ungleichheit.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Brigitte Young von der von Maria Mies?
Während Mies das Augenmerk primär auf die Ausbeutung von Frauen in der internationalen Arbeitsteilung und die „Hausfrauisierung“ legt, fokussiert Young stärker auf die Transformation von Geschlechterregimen und -ordnungen im Zuge der Netzwerkökonomie.
Warum wird die „Maquiladora-Industrie“ als Fallbeispiel angeführt?
Dieses Beispiel dient dazu, die komplexen und teils widersprüchlichen Machtverhältnisse sowie die Diskriminierungsmechanismen (auch gegenüber Männern und Homosexuellen) innerhalb der globalen industriellen Produktion zu illustrieren.
Inwiefern hinterfragt das Essay die „Opferrolle“ der Frau?
Das Essay regt dazu an, Frauen nicht nur als passive Opfer globaler Prozesse zu betrachten, sondern auch deren aktive Rolle, regionale Differenzen und unterschiedliche Betroffenheitsgrade durch Bildung und Klasse zu berücksichtigen.
- Citar trabajo
- Selina Thal (Autor), 2010, Schwachstellen der feministischen Globalisierurngskritik und mögliche Gegenentwürfe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343936