Einen Schnittpunkt der Vergleichenden Regierungslehre und der Internationalen Beziehungen bildet die Untersuchung der Auswirkungen von Institutionen. Die Wahl des Gegenstandes, welcher von den Auswirkungen betroffen ist, setzt daher immer eine normative Grundannahme voraus. Die vorliegende Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, Institutionen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Frieden und die demokratische Stabilität zu untersuchen. In einem weiteren Schritt werden die Bedingungen für das Funktionieren von Institutionen erörtert und Ausnahmefälle formuliert. Dabei muss zwischen nationalen und internationalen Institutionen unterschieden werden. Institutionen auf nationalstaatlicher Ebene gehören der polity-Dimension, als einer der drei Dimensionen von Politik, an (Lauth/ Wagner 2002: 17f.). Definiert werden können nationale Institutionen als „Manifestationen der zentralen Verfassungsnormen (…), die sich entlang der Exekutive, der Legislative und der Judikative ausbildeten“ und deren „formale[n] Regeln und Normen tatsächlich das Verhalten der Beteiligten maßgeblich prägen“ (Lauth/ Wagner 2002: 25). Aus dieser Definition ergibt sich auch der mögliche Untersuchungsgegenstand des Regierungssystems als eine der Institutionen die einen Einfluss auf die demokratische Stabilität ausübt (Lauth/ Wagner 2002: 22). Es wird von der These ausgegangen, dass das parlamentarische System durch mehr Flexibilität und bessere Anpassungsfähigkeit einen höheren Beitrag zur Demokratiestabilisierung leisten kann als der Präsidentialismus. Die wesentlichen Voraussetzungen für das Funktionieren des Parlamentarismus sind dabei auf der polity- und politics-Ebene zu finden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Demokratische Stabilität
Die Flexibilität und das Anpassungsvermögen des Parlamentarismus
Die politische Kultur als Garant für demokratische Stabilität
Frieden
Die Rüstungskontrollregime- eine dauerhafte internationale Kooperation?
Der ökonomische Nutzen und Sicherheitsvorteil von Rüstungskontrollregimen
Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen, Bedingungen und Dysfunktionalitäten von Institutionen sowohl auf nationalstaatlicher als auch auf internationaler Ebene, mit einem spezifischen Fokus auf die demokratische Stabilität parlamentarischer Regierungssysteme sowie die Wirksamkeit von Rüstungskontrollregimen zur Friedenssicherung.
- Vergleich der institutionellen Flexibilität von parlamentarischen und präsidentiellen Systemen.
- Bedeutung der politischen Kultur für die Stabilität demokratischer Institutionen.
- Analyse der Rolle internationaler Regime bei der Senkung von Transaktionskosten.
- Untersuchung von Sicherheitsdilemmata und Kosten-Nutzen-Kalkulationen bei der Rüstungskontrolle.
- Fallbeispiele zur Effektivität von Rüstungskontrollabkommen und deren Herausforderungen.
Auszug aus dem Buch
Die Flexibilität und das Anpassungsvermögen des Parlamentarismus
Bezogen auf die zwei Arten von Regierungssystemen repräsentativer Demokratien, die Mischformen ausgenommen, ergibt sich demzufolge die Annahme, dass der Parlamentarismus durch seine institutionelle Struktur ein höheres Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit besitzt als das präsidentielle System. Dabei zeichnet sich das parlamentarische Regierungssystem durch die Interdependenz zwischen der exekutiven und legislativen Gewalt aus (Schüttemeyer 2007). Die Regierung bzw. der Premierminister oder Kanzler kann durch eine Mehrheit im Parlament abgesetzt und ersetzt werden (Misstrauensvotum) und im Gegensatz dazu kann das Parlament durch die Regierung aufgelöst (Vertrauensfrage) und Neuwahlen ausgerufen werden (Schüttemeyer 2007). So ist die Regierung hinsichtlich ihrer Amtsdauer und Existenz direkt vom Parlament abhängig und wird durch jenes kontrolliert (Schüttemeyer 2007). Das präsidentielle Regierungssystem zeichnet sich hingegen durch die Unabhängigkeit von Exekutive und Legislative aus (Schüttemeyer 2007). Der Stabilitätsvorteil parlamentarischer gegenüber präsidentiellen Regierungssystemen kann u.a, durch den empirischen Nachweis, dass die Mehrheit aller stabilen Demokratien weltweit parlamentarisch strukturiert ist, aufgezeigt werden (Linz 1990: 51). Nationen mit tiefgreifenden politischen Spaltungen und einer höchst pluralistischen Parteienlandschaft können besser durch den Parlamentarismus stabilisiert werden, da er prinzipiell fähig ist, Mehrparteienregierungen zu bilden und somit mehr Interessen im politischen Entscheidungsprozess zu absorbieren (Linz 1990: 52).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung legt die theoretische Grundlage zur Untersuchung nationaler und internationaler Institutionen fest und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Auswirkungen auf Demokratie und Frieden.
Demokratische Stabilität: Dieses Kapitel analysiert das parlamentarische System im Hinblick auf seine strukturelle Flexibilität und die Rolle der politischen Kultur für die Stabilität von Demokratien.
Frieden: Der zweite Teil der Arbeit untersucht, wie internationale Regime und Rüstungskontrollabkommen durch die Reduktion von Transaktionskosten zwischenstaatliche Kooperation und Frieden fördern können.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass parlamentarische Systeme flexibler sind, während der Erfolg internationaler Regime stark von der Interdependenzdichte und Kosten-Nutzen-Kalkulationen abhängt.
Schlüsselwörter
Parlamentarismus, Präsidentialismus, demokratische Stabilität, Institutionen, Internationale Regime, Rüstungskontrolle, Sicherheitsdilemma, Kooperation, Transaktionskosten, politische Kultur, Systemtheorie, Machtgleichgewicht, Friedenssicherung, nukleare Abrüstung, Interdependenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wirkungsweise von Institutionen in zwei Feldern: Sie analysiert die Stabilität von Regierungssystemen auf nationaler Ebene und die Wirksamkeit von Kontrollregimen bei der internationalen Friedenssicherung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Vergleich von parlamentarischen und präsidentiellen Systemen, der Einfluss der politischen Kultur auf Demokratien sowie die Theorie internationaler Regime im Kontext des Sicherheitsdilemmas.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach den Bedingungen, unter denen Institutionen – sowohl nationale Regierungssysteme als auch internationale Rüstungskontrollregime – stabilisierend auf die politische Ordnung und den zwischenstaatlichen Frieden wirken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin oder der Autor greift auf politikwissenschaftliche Theorien zurück, insbesondere die Regierungslehre, Systemtheorie sowie Ansätze des neoliberalen Institutionalismus, um empirische Phänomene und Fallbeispiele zu analysieren.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung parlamentarischer Flexibilität bei der Krisenbewältigung sowie die Analyse von Rüstungskontrollregimen als Mittel zur Senkung von Transaktionskosten zwischen rivalisierenden Staaten.
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind parlamentarische Demokratie, Rüstungskontrolle, Sicherheitsdilemma, Transaktionskosten, internationale Kooperation und institutionelle Stabilität.
Warum wird der Parlamentarismus als flexibler als der Präsidentialismus beschrieben?
Aufgrund der institutionellen Interdependenz zwischen Exekutive und Legislative kann der Parlamentarismus bei Krisen, Regierungswechseln oder politischem Fehlverhalten schneller und ohne tiefe Systemkrisen agieren.
Welche Rolle spielt die Kosten-Nutzen-Kalkulation bei internationalen Rüstungskontrollregimen?
Sie ist entscheidend: Staaten kooperieren in diesem Bereich nur dann dauerhaft, wenn die Kosten der Regimeeinhaltung niedriger sind als der Sicherheitsgewinn durch die Kooperation und der drohende Verlust durch ein unkontrolliertes Wettrüsten.
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- Selina Thal (Author), 2008, Nationale und internationale Institutionen. Auswirkungen, Bedingungen und Dysfunktionalitäten von parlamentarischen Regierungssystemen und Rüstungskontrollregimen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344350