Classroom Management. Klassenführung

Grundlagen für Erfolg schaffen zu Beginn des Schuljahres


Hausarbeit, 2009
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Der Schuljahresbeginn – Aufgaben und Planung
3.1 Aufgaben des Anfangsunterrichts
3.2 Management des Anfangsunterrichts
3.2.1 Klassenklima
3.2.2 Regeln und Prozeduren
3.2.3 Kommunikation mit den Eltern
3.2.4 Weitere planungsrelevante Aspekte für den Schuljahresbeginn

4. Lehrerautorität
4.1 Quellen für Lehrerautorität
4.2 Autoritärer vs. Autoritativer Führungsstil
4.3 Voraussetzungen für Autorität
4.4 Zwei Interpretationen des Autoritätsbegriffs
4.5 Forschungsergebnisse zum Autoritätskonzept
4.5.1 Entwicklung des Autoritätskonzepts
4.5.2 Autorität und Schule

5. Disziplin
5.1 Der Begriff der Disziplin
5.2 Disziplin im Unterricht
5.3 Disziplinverstöße als soziales Lernen
5.4 Die problematische Seite von Disziplin & Autorität– Das Milgram-Experiment

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Zusammenfassung

Da am Beginn eines neuen Schuljahres der Grundbaustein für das Verhalten der Klasse im folgenden Jahr gelegt wird, sollte eine Lehrkraft diesen Einstieg in den Lehr- und Lernprozess genau planen. Hierbei sind Aspekte wie das Klassenklima, dass eine positive Arbeitsatmosphäre ermöglichen sollte, die Einführung von Regeln und Prozeduren, sowie die Kommunikation mit den Eltern zu beachten. Des Weiteren sollte man sich schon vor Beginn des Schuljahres über seine Rolle als Lehrerautorität im Klaren werden und seine persönlichen Quellen der Legitimation der eigenen Autorität reflektieren. Hierbei ist eine Abgrenzung zwischen autoritärem und autoritativem Führungsstil relevant, ebenso wie die individuelle Interpretation des Autoritätsbegriffs. In diesem Zusammenhang stellen wir zwei Studien vor, die sich mit dem Autoritätskonzept von Kindern und Jugendlichen beschäftigen. Damon (1989) untersuchte die Entwicklung des Autoritäskonzepts bei Kindern und stellte Hypothesen zur Veränderung der Anerkennung und Legitimation von Autorität im Laufe der kindlichen Entwicklung auf. Frei (2003) hingegen befragte Schüler zu ihren Meinungen bezüglich der Legitimation der Autorität ihrer Lehrer sowie den Bereichen, in denen sie Lehrerautorität akzeptieren. Da Autorität immer mit Disziplin bzw. Disziplinkonflikten in Verbindung gebracht wird, beschäftigten wir uns anschließend mit dem Verhältnis von Autorität und Disziplin und der historischen Veränderung des Disziplinbegriffs. Zum Abschluss werden die positiven Seiten von Disziplinverstößen sowie die problematische Seite von Disziplin im Allgemeinen, anhand des Milgram-Experiments, erläutert.

2. Einleitung

In der folgenden Arbeit beschäftigten wir uns mit dem Beginn eines Schuljahres. Die Basis unserer Arbeit liefern Evertson und Emmer (2008) und ihre Vorschläge zum Classroom Management am Schuljahresbeginn. Wir fokussierten besonders auf die Planung des Schuljahresbeginns und die hierbei relevanten Konzepte der Autorität und Disziplin, die bei Evertson und Emmer nur angeschnitten wurden und daher durch weiterführende Literatur ergänzt wurde. Aus Gründen der Platzökonomie und zur besseren Lesbarkeit entschlossen wir uns, jeweils nur die männliche Bezeichnung „Schüler“ bzw. „Lehrer“ zu benutzen und verwenden sie durchgängig für die gesamte Gruppe der Personen, unabhängig des Geschlechts. Dies ist kein Werturteil unsererseits sondern lediglich eine Vereinfachung.

In den ersten Tagen nach der Einschulung trägt die Lehrperson die verantwortungsvolle Aufgabe, eine Grundlage für den Erfolg der Schüler zu schaffen. Die Erfahrungen der ersten Schultage sind von enormer Bedeutung für die weitere Schullaufbahn der Schüler. In diesen ersten Tagen werden Einstellungen zur Schule und zum Lernen allgemein, erwünschtes Verhalten und Arbeitsgewohnheiten vermittelt. Unterstützt man die Schüler darin, dass sie ihre Ziele erreichen können und macht ihnen bewusst, dass schulische Aufgaben es wert sind, sich anzustrengen, setzt man schon an den ersten Tagen des Schuljahres wichtige Meilensteine für die weitere Schullaufbahn (vgl. Emmer/ Evertson, 2008a).

Bei der Klassenführung ist nachgewiesen worden, dass präventive Maßnahmen sinnvoller sind, als das nachträgliche korrigierende Eingreifen in Disziplinprobleme. Beginnt man mit der Prävention direkt am Anfang der Schulzeit bzw. am Anfang des jeweiligen neuen Schuljahres, werden viele Konfliktfelder und Disziplinprobleme erst gar nicht entstehen.

Um bei der Planung der ersten Schultage den Überblick zu behalten, ist es sinnvoll, alles Wichtige in einem Management-Plan festzuhalten (vgl. ebd.). Dazu zählen beispielsweise Regeln und Prozeduren, die in der Klasse eingehalten werden sollen sowie der Zeitpunkt ihrer Einführung, die Begrüßung der Schülerinnen und Schüler, die Kommunikation mit den Eltern, etc. Auf eben genannte Themen wird im Folgenden genauer eingegangen.

Wie oben schon erwähnt, kommt der Lehrperson besonders bei der Planung des Anfangsunterrichts eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe zu, die wir im Folgenden detaillierter erläutern möchten.

3. Der Schuljahresbeginn – Aufgaben und Planung

3.1 Aufgaben des Anfangsunterrichts

Im Zusammenhang mit der Planung des Unterrichts am Schuljahresbeginn werden auch bestimmte Ziele verfolgt. Meyer (2006) nennt fünf Aufgaben des Anfangsunterrichts, die im Folgenden kurz erläutert werden.

Die „Ich-Kompetenz“ (Meyer, 2006, S. 101) der Schüler soll gestärkt werden. Dies bewirkt die Lehrperson durch die Akzeptanz „des […] Könnens der Kinder“ (ebd.). Die Klassenmitglieder sollen so lernen, ihre eigene Persönlichkeit anzunehmen. Persönlichkeit und Können sollen im Weiteren zur größtmöglichen Entfaltung gelangen.

Die „sozial-emotionale […] Kompetenz“ (ebd.) soll ebenfalls gefördert werden. Dies geschieht in der Interaktion des einzelnen Kindes mit den Klassen- und Schulkameraden und der Lehrperson bzw. mehreren Lehrpersonen.

Des Weiteren soll die „Förderung der kommunikative Kompetenz“ (ebd.) stattfinden. Die Schülerinnen und Schüler sollen „möglichst viele Ausdrucks – und Verständigungsformen […] erhalten und weiterentwickeln“ (ebd.).

Außerdem wird die Entwicklung und „Stärkung der Planungs- und Handlungskompetenz“ (ebd.) angestrebt. Die Lernenden sollen dazu befähigt werden, routinierte Handlungen selbstständig auszuführen. Dies steht in enger Verbindung mit dem Erlernen der festgelegten Handlungsabläufe der oben beschriebenen Prozeduren.

Mit der „Stimulation von Sachkompetenz“ (ebd.) sollen den Schülern „Wege und Methoden des Erwerbs und der Verarbeitung von Wissen […] [aufgezeigt werden]“ (ebd.). Die hier vermittelten Fähigkeiten zur Informationsbeschaffung und –verarbeitung sind von enormer Wichtigkeit für den weiteren, und vor allem dem selbstständigen Lernprozess der Schüler. Der schulische Lernprozess der Grundschüler wird im Anfangsunterricht erstmalig angeregt. Der Anfangsunterricht ist somit der „Grundstein“ des weiteren Lernprozesses und ist daher von besonderer Relevanz für die gesamte Schullaufbahn.

3.2 Management des Anfangsunterrichts

3.2.1 Klassenklima

Um die ersten Schultage erfolgreich bewältigen zu können, ist eine besonders sorgfältige und umsichtige Planung notwendig (vgl. ebd.). Ziel dieser Planung ist die Schaffung eines positiven Klassenklimas.

Unter dem Begriff „Klima“ wird die „kollektive Wahrnehmung des Unterrichts“ (Meyer, 2006, S. 49) verstanden. Ein positives Klassenklima vermittelt den Schülern Sicherheit und stärkt ihr Selbstwertgefühl. Es soll somit ein effizientes Lernen begünstigen und das Auftreten einiger Probleme einer Schulklasse von vornherein verhindern (vgl. Emmer/ Evertson, 2008b). So kommt es bei einem positiven Klassenklima „seltener zu Unterrichtsstörungen. Aggressives Verhalten und Gewalt nehmen ab. Aggressionsbereite Schüler halten sich besser unter Kontrolle.“ (Meyer, 2006, S. 51). Die Erfahrung eines positiven Klassenklimas in der Primarstufe soll noch in der Sekundarstufe І Wirkung zeigen. Demnach sind Schülerinnen und Schüler, die in der Primarstufe ein positives Klassenklima erlebt haben, in der Sekundarstufe І erfolgreicher als die Mitglieder einer Klasse, in der ein negatives Klima bestand (vgl. ebd.).

In einem positiven Klassenklima lernt es sich leichter, da die Schüler sich sicher fühlen und zuversichtlich sind. Dies ist in den ersten Tagen besonders bei Grundschülern, die zum ersten Mal in die Schule gehen, sehr wichtig, denn viele Schüler sind angespannt und ängstlich, da sie etwas völlig neues in einer völlig neuen Umgebung erleben. Viele Probleme entstehen erst gar nicht, wenn von Anfang an daran gearbeitet wird, eine angenehme Lernatmosphäre zu schaffen und man die Schüler direkt daran gewöhnt, dass es auch in der Institution Schule gewisse Regeln gibt, an die sich jeder einzelne von ihnen halten muss. Die Bedeutung des Klassenklimas kann auch auf die Schulebene übertragen bzw. ausgeweitet werden. Demnach hängt das „Wohlbefinden eines Schülers […] nicht ausschließlich von seinem individuellen Leistungserfolg ab. Es wird auch durch das Schulklima, die psychosoziale Gesamtatmosphäre der Schule, wesentlich mitbestimmt.“ (Wehnert, 2003, S. 19). Das oben genannte Wohlbefinden, das bei der Identifikation mit der eigenen Klasse und der Schule entsteht, wirkt sich wiederum positiv auf den Leistungserfolg aus. Es kann „sowohl den individuellen Lernerfolg als auch den sozialen Lernertrag für das spätere Leben wesentlich steigern.“ (ebd.).

Zur Schaffung eines positiven Klassenklimas ist es essenziell, dass sich die Lehrperson nicht als “Herrscher” über die Klasse versteht, sondern als Lernbegleitung und –beratung der Schüler fungiert (vgl. ebd.). Natürlich soll die Lehrperson die Klasse anleiten und in gewissem Maße eine Autoritätsperson darstellen. Die Schwierigkeit besteht für die Lehrperson darin, die Balance zwischen ihrem persönlichen Verhältnis zu den Schülern und ihrer Funktion als Autoritätsperson zu finden. An dieser Stelle verweisen wir auf den Teil 5 der Hausarbeit, der sich weiterführend mit dieser Thematik auseinandersetzt.

Des Weiteren zählt es zu den Aufgaben der Lehrperson, eine positive, also freundliche und offene, Kommunikation in der Klasse zu ermöglichen. Diese Interaktion bzw. Kommunikation soll sowohl zwischen den Schülern und der Lehrperson, als auch zwischen den Schülern selbst bestehen (vgl. Emmer/ Evertson, 2008a). Ziel ist der Aufbau einer sicheren Lernumgebung, in der sich die Schüler herausgefordert fühlen, das eigene Wissen selbstständig zu erarbeiten; gleichzeitig sollen sie einander in diesem Prozess unterstützen (vgl. ebd.).

Emmer und Evertson (2008) formulierten vier wesentliche Punkte, die zur Förderung eines positiven Klassenklimas beitragen.

Es ist von großer Wichtigkeit, dass die Lehrperson höflich und ruhig mit der gesamten Klasse, einzelnen Schülern, Kollegen und natürlich auch mit den Eltern kommuniziert. Der Lehrperson kommt eine wichtige Vorbild-Funktion zu. Ihr Verhalten, besonders das der verbalen Kommunikation, dient als Modell und wird von den Schülern nachgeahmt. Eine ruhige und freundliche Stimme ermöglicht den Schülern, Fragen zu stellen und ihre Meinung offen zu äußern. Eine laute, unfreundliche Stimme hingegen, wirkt bedrohlich und hat einen negativen Effekt auf die Offenheit der Schüler und somit auch auf das Klassenklima.

Im zweiten Punkt wird die positive Auswirkung auf das Klassenklima erläutert, die durch das schnelle Erlernen der Schülernamen entsteht. Nennt die Lehrperson die Schüler sofort mit ihrem korrekten Namen, fühlen sich diese direkt angesprochen und die Kommunikation wird erleichtert, nebenbei erfahren die Schüler dadurch eine Wertschätzung der eigenen Person. Außerdem ist es wichtig, dass die Lehrperson gleich zu Beginn des Schuljahres das gegenseitige Kennenlernen der Klassenmitglieder fördert. So entsteht Vertrautheit und ein Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern. Ebenso wichtig ist die Vorstellung der Lehrperson vor der Klasse. Hierbei ist es ratsam, auch ein wenig von der persönlichen, privaten Seite, beispielsweise Hobbies und Ähnliches, erkennen zu lassen. Dies hilft den Schülerinnen und Schülern, zusätzlich einen persönlichen Bezug zu der Lehrperson herzustellen.

Emmer und Evertson heben in Punkt drei die Bedeutung der positiven Stellungnahme hervor. Im Allgemeinen erregt negatives Schülerverhalten verstärkt die Aufmerksamkeit der Lehrperson. Daher wird dieses häufiger bewusst wahrgenommen und kommentiert. Die hohe Aufmerksamkeit auf negatives Schülerverhalten lässt aber eine negative Atmosphäre in der gesamten Klasse entstehen, die sich selbstverständlich negativ auf das Klassenklima auswirkt. Um dem entgegenzuwirken, ist es angeraten, vermehrt auf erwünschtes Schülerverhalten zu achten und dieses an die entsprechenden Personen zurückzumelden.

Der vierte Punkt befasst sich mit der Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls. Emmer und Evertson schlagen hierzu sogenannte Klassen-Versammlungen vor. Hier können die Schüler einer Klasse gemeinsam mit der Lehrperson über klassenrelevante Themen, beispielsweise Klassenregeln oder spezifische Problemlösungen, diskutieren (vgl. Emmer/ Evertson, 2008a).

3.2.2 Regeln und Prozeduren

Die Lehrperson sollte sich zudem, auch im Bezug auf das Klassenklima, darüber bewusst werden, zu welchem Zweck und zu welchem Zeitpunkt Regeln und Prozeduren eingeführt werden und wie diese vorher im Plenum diskutiert oder erarbeitet werden sollen.

Um die eng miteinander in Beziehung stehenden Begrifflichkeiten voneinander unterscheiden zu können, folgt eine kurze Abgrenzung:

Regeln bezeichnen feststehende Verhaltensvorschriften, die das Zusammenleben und, bezogen auf den Schulalltag, auch das Lernen in einer Gemeinschaft regeln. So könnte eine Klassenregel lauten: Wenn jemand spricht, hören die Anderen zu.

Prozeduren sind von den Regeln insofern zu unterscheiden, dass sich die Vorschriften auf bestimmte Handlungsabläufe beziehen. Zu einem solchen festgeschriebenen Handlungsablauf zählt beispielsweise das leise Aufräumen der Arbeitsmaterialien am Ende der Unterrichtsstunde und das anschließende stille Verlassen des Klassenraumes, um in die Pause zu gelangen. (vgl. Evertson/Emmer, 2008a)

Die Lehrperson sollte das von den Schülern erwartete Verhalten explizit an diese kommunizieren und nicht davon ausgehen, dass die Schüler dieses erwünschte sowie das unerwünschte Verhalten instinktiv kennen (vgl. ebd.). Dabei ist zu beachten, dass „[e]in Gesetz (eine Regel) […] kurz, klar und verständlich sein [muss].“ (Wehnert, 2003, S. 70). Nur wenn den Schülern klar ist, welches Verhalten von ihnen erwartet wird und welches Verhalten vermieden werden soll, können sie dieses willentlichen befolgen. „Ein Gesetz, das nicht veröffentlicht ist (nicht bekannt ist), ist nicht verpflichtend. Es muss sichergestellt sein, dass jeder die geltenden Regeln kennen kann.“ (ebd.). Es handelt sich bei der Einführung der Regeln und Prozeduren also um einen tatsächlichen Prozess des Lehrens des erwünschten Verhaltens (vgl. Emmer/ Evertson, 2008a).

Emmer und Evertson gliedern diesen Lehr – und Lernprozess in drei Schritte. Sie schlagen vor, die Regeln, und vor allem die Prozeduren, nach und nach, also bei Bedarf, einzuführen (vgl. ebd.). Dadurch kann gewährleistet sein, dass die Schüler die Regeln auch besser behalten und verinnerlichen. Bei zu vielen Regeln, die auf einmal eingeführt werden, fühlen sie sich eventuell sehr eingeschränkt und werden nicht alle Regeln und Prozeduren (und ihre Konsequenzen) behalten können. So handelt es sich zuerst um ein paar wenige Regeln und Prozeduren, die die Schüler für die ersten Schultage benötigen. Dabei sollte, so Emmer und Evertson, wie folgt vorgegangen werden.

Zuerst beschreibt und demonstriert die Lehrperson das erwünschte Schülerverhalten so genau wie möglich. Diese Präzision hilft der Klasse, das Verhalten nachzuvollziehen. Danach übt die Lehrperson das bei den jeweiligen Regeln oder Prozeduren (Handlungsabläufen) erwünschte Verhalten gemeinsam mit den Schülern ein; also beispielsweise das Zusammenpacken der Arbeitsmaterialien, das anschließende leise Heranrücken der Stühle an die Tische, das Aufstellen vor der Klassentür, etc. Diese Übungsphase ist im Lernprozess sehr wichtig, denn nur so erkennen die Schüler genau was von ihnen verlangt wird. Das ledigliche Formulieren der Regeln und Prozeduren durch die Lehrkraft würde dies nicht möglich machen. Der dritte Schritt besteht aus einer möglichst präzisen und positiv formulierten Rückmeldung an die Schüler. Dabei nennt die Lehrperson, was beim ersten Durchlauf der Übung gut funktioniert hat. Ebenfalls nennt sie das Verhalten, das noch einer Verbesserung bedarf. Nun muss das gewünschte Verhalten wiederholt eingeübt werden, bis es von allen Klassenmitgliedern beherrscht und gezeigt wird (vgl. Emmer/ Evertson, 2008).

Regelverstöße sind trotz dieser Einübung des gewünschten Verhaltens dennoch nicht gänzlich auszuschließen. Die Lehrperson sollte sich also im Vorfeld Gedanken um den Umgang mit den Konsequenzen der Regelverstöße machen. Es ist wichtig, dass die gewählte Sanktion „einen Bezug zum Fehlverhalten“ (Wehnert, 2003, S. 68) hat. Erst wenn die Sanktion die Auseinandersetzung mit dem Regelverstoß thematisiert, gelangt der entsprechende Schüler in den Prozess des tiefgehenden Nachdenkens über sein Fehlverhalten.

Sind Regeln und Prozeduren in der Klasse eingeführt und gefestigt, kann es dennoch zu Verstößen kommen. Bei einem solchen Verstoß ist es wichtig, explizit auf die verletzte Regel hinzuweisen und in einem möglichst positiven Ton den Nutzen der Regel bzw. der Prozedur für die Klassengemeinschaft wiederholt zu erläutern (vgl. Emmer/ Evertson, 2008a).

3.2.3 Kommunikation mit den Eltern

Um die Kommunikation mit den Eltern der Schüler sollte sich die Lehrperson bereits zu Beginn des Schuljahres bemühen. Die Einbeziehung der Eltern ist ein relevanter Faktor, der sich auf die schulischen Leistung und das soziale Verhalten der jeweiligen Schülerin bzw. des jeweiligen Schülers auswirkt (vgl. Emmer/ Evertson, 2008a). Auch Wehnert rät zum „ständigen und vor allem offenen und ungeschönten Gedanken-, Erfahrungs- und Informationsaustausch“ (Wehnert, 2003, S. 45) zwischen Lehrperson und Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. Es ist von essenzieller Bedeutung, dass Eltern und Lehrer eine Zusammenarbeit anstreben und diese, ist sie einmal entstanden, regelmäßig pflegen. Ein anzustrebendes Ziel ist es hierbei, die häusliche Kultur der Schüler mit der schulischen Kultur zu verknüpfen (vgl. Emmer/ Evertson, 2008). Zu Beginn der Schulzeit tritt die Lehrperson in einen wichtigen ersten Kontakt mit den Eltern. Dieser initiale Kontakt erweckt einen ersten Ersteindruck von der Lehrperson und der durch diese repräsentierte Schule bei den Erziehungsberechtigten. Emmer und Evertson raten zu einem anfänglichen Briefkontakt, in dem idealerweise eine erste Vorstellung der Lehrperson erfolgt und außerdem der Ablauf und weitere Formalia der ersten Schultage geregelt werden. Später soll der Briefkontakt nahezu gänzlich durch persönlichen Kontakt ersetzt werden (vgl. Emmer/ Evertson, 2008a).

Die Kommunikation der Lehrperson mit den Eltern kann durch drei Schwierigkeiten, im Folgenden „Barrieren“ genannt, beeinträchtigt werden:

Die praktische Barriere besteht, wie der Name schon erkennen lässt, aufgrund praktischer Hindernisse, zum Beispiel durch bestehende Sprachbarrieren zwischen Lehrperson und Elternhaus oder andere praktische Hindernisse.

Die psychologische Barriere erschwert die Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus aufgrund schlechter Erfahrungen der Eltern während ihrer eigenen Schulzeit, die diese auf die Schule ihres Kindes projizieren. (vgl. Emmer/Evertson, 2008a). So merkt auch Wehnert an, dass „[v]iele Eltern […] die Neigung zu haben [scheinen], ihre persönlichen negativen Schulerfahrungen auf die Lehrer ihrer Kinder zu übertragen.“ (Wehnert, 2003, S. 44f.). Die Voreingenommenheit der Eltern kann die Kommunikation mit der Schule bzw. der Lehrperson erheblich erschweren, wenn nicht sogar gänzlich unmöglich machen.

Die kulturelle Barriere basiert auf unterschiedlichen Einstellungen und Werten, die in Schule und Elternhaus bestehen und so die Kommunikation erschweren. Emmer und Evertson sowie Wehnert schlagen daher vor, den Eltern eine Kopie der Klassenregeln zukommen zu lassen. So wissen diese, trotz eventuell abweichender Einstellungen und Werte und somit abweichenden eigenen Regeln, welches Verhalten in der Schule von ihrem Kind erwartet wird.

Die bisher aufgeführten Aspekte lassen sich sowohl auf den Schuljahresbeginn während der gesamten Primarstufe als auch auf die Sekundarstufe І übertragen. Die Lehrperson sollte auch hier über einen sorgfältig erstellten Management-Plan verfügen. Regeln und Prozeduren sollten ebenso, falls noch nicht bekannt, eingeführt werden. Hierbei ist es besonders wichtig, dass die Schüler genau wissen, welche Regeln und Prozeduren und welche Konsequenzen bei der jeweiligen Lehrkraft zu erwarten sind. Diese können nämlich zwischen den einzelnen Lehrern variieren und die Schüler sind an die Regeln und Werte der vorhergehenden Lehrkraft gewöhnt.

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Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Classroom Management. Klassenführung
Untertitel
Grundlagen für Erfolg schaffen zu Beginn des Schuljahres
Hochschule
Universität zu Köln  (Humanwissenschaftliche Fakultät, Department Psychologie)
Veranstaltung
Classroom Management - Klassenführung
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
31
Katalognummer
V344367
ISBN (eBook)
9783668341029
ISBN (Buch)
9783668341036
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde mit der Note sehr gut (1,0) bewertet und enthält ein Inhaltsverzeichnis, eine Zusammenfassung und ein Resümee sowie das vollständige Literaturverzeichnis.
Schlagworte
Classroom Management, Klassenführung, Schuljahresbeginn, Regeln, Rituale, Kommunikation, Schule, Lehrer, Disziplin, Autorität, Lehrerautorität
Arbeit zitieren
Carina Kröger (Autor), 2009, Classroom Management. Klassenführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344367

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