In dieser Arbeit geht es um den Vergleich von Theorien der europäischen Integration.
Zwei als Integrationsschritte zu wertende Maßnahmen im Rahmen der Bewältigung der Finanzkrise werden aus der Perspektive von drei unterschiedlichen Integrationstheorien untersucht. Anhand von ESM und Fiskalpakt wird die Erklärungskraft der einzelnen Theorien dargelegt. Insbesondere die aktuellste der drei Theorien, der "Neue Intergouvernementalismus", steht dabei besonders im Fokus. Als Kontrastfolie dienen die beiden "klassischen" Integrationstheorien Neofunktionalismus und Liberaler Intergouvernementalismus.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kritik am Neuen Intergouvernementalismus
3 EU-Regulierungsmassnahmen im Rahmen der Finanzkrise und ihre integrationstheoretische Erklärung
3.1 Finanzstabilisierung: Gründung des ESM
3.1.1 ESM und Neuer Intergouvernementalismus
3.1.2 ESM und Liberaler Intergouvernementalismus
3.1.3 ESM und Neofunktionalismus
3.2 Überwachung von Finanz u. Wirtschaftspolitik: Fiskalpakt
3.2.1 Fiskalpakt und Neuer Intergouvernementalismus
3.2.2 Fiskalpakt und Liberaler Intergouvernementalismus
3.2.3 Fiskalpakt und Neofunktionalismus
4 Fazit und Ausblick
5 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der "Neue Intergouvernementalismus" im Vergleich zu klassischen Integrationstheorien wie dem Liberalen Intergouvernementalismus und dem Neofunktionalismus besser geeignet ist, um die Integrationsschritte in der EU während der Finanzkrise zu erklären. Dabei wird anhand von zwei konkreten Regulierungsmaßnahmen – der Gründung des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und dem Fiskalpakt – analysiert, welche Theorie die Entstehung dieser policies plausibler darstellt.
- Vergleich der Erklärungskraft moderner und klassischer Integrationstheorien
- Analyse der Krisenbewältigung durch den ESM
- Untersuchung der fiskalpolitischen Überwachung mittels Fiskalpakt
- Kritische Würdigung des Neuen Intergouvernementalismus als analytischer Rahmen
- Bewertung von Spillover-Effekten und nationalen Präferenzbildungsprozessen
Auszug aus dem Buch
3.1 Finanzstabilisierung: Gründung des ESM
Beim Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) handelt es sich um einen von den Regierungschefs der Eurozone beschlossenen, langfristig wirksamen Rettungsschirm, der im Anschluss an eher kurzfristige Rettungsmaßnahmen wie den EFSF, von überschuldeten Euro-Mitgliedstaaten zur Verhinderung von Staatsbankrotten in Anspruch genommen werden kann. Diese Staaten können zu günstigen Konditionen Kredite aus dem ESM erhalten. Institutionalisiert wurde der ESF von den Mitgliedsstaaten der Eurozone in Form einer internationalen Finanzinstitution mit Sitz in Luxemburg. Zur primärrechtlichen Absicherung des ESM wurde Art. 136 AEUV entsprechend erweitert, so dass es sich beim ESM im Gegensatz zum rein zwischenstaatlich ausgehandelten EFSF um eine vertragsbasierte Einrichtung handelt. (s. Hix, S. 182) Die Gründung des ESM kann nicht für sich alleine betrachtet werden, sondern gehört zu einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die auf nationaler und auf EU-Ebene zur Bekämpfung der Schuldenkrise ergriffen wurden. (s. Hix, S. 185)
Staaten, die Kredite aus dem ESM in Anspruch nehmen wollen, müssen sich den Regelungen des Fiskalpaktes unterwerfen. Die Finanzminister der Eurostaaten entscheiden im Gouverneursrat als oberstem Gremium des ESM über die Gewährung von Finanzhilfen. Die Einhaltung der Bedingungen werden durch die Troika überwacht, welche an das Direktorium des ESM berichtet. Der ESM trat am 27.09.2012 in Kraft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die tiefgreifenden politischen Veränderungen der EU als Reaktion auf die Finanzkrise und führt in die wissenschaftliche Debatte um die Eignung klassischer versus neuer Integrationstheorien ein.
2 Kritik am Neuen Intergouvernementalismus: Dieses Kapitel diskutiert die theoretischen Grundlagen und Schwächen des Neuen Intergouvernementalismus, insbesondere dessen Problematik bei der Definition von Begrifflichkeiten und der unverbundenen Aggregation seiner Hypothesen.
3 EU-Regulierungsmassnahmen im Rahmen der Finanzkrise und ihre integrationstheoretische Erklärung: Der Hauptteil analysiert exemplarisch anhand von ESM und Fiskalpakt, wie gut die drei ausgewählten Theorien die krisenbedingten Integrationsschritte erklären können.
3.1 Finanzstabilisierung: Gründung des ESM: Hier wird der ESM untersucht und geprüft, inwieweit die verschiedenen Theorien die institutionelle Etablierung dieses Rettungsschirms und dessen Dynamik erfassen.
3.1.1 ESM und Neuer Intergouvernementalismus: Kapitel untersucht die Entstehung des ESM im Kontext der Hypothesen des Neuen Intergouvernementalismus.
3.1.2 ESM und Liberaler Intergouvernementalismus: Analyse des ESM durch die Brille der rationalen Präferenzbildung und zwischenstaatlicher Verhandlungen.
3.1.3 ESM und Neofunktionalismus: Beleuchtung des ESM als Antwort auf funktionale Dissonanzen und Spillover-Prozesse innerhalb der Währungsunion.
3.2 Überwachung von Finanz u. Wirtschaftspolitik: Fiskalpakt: Einordnung des Fiskalpaktes als völkerrechtliches Instrument zur Koordination der nationalen Haushaltsdisziplin.
3.2.1 Fiskalpakt und Neuer Intergouvernementalismus: Diskussion des Fiskalpaktes hinsichtlich der Tendenz zu intergouvernementalen Vereinbarungen außerhalb des EU-Rechts.
3.2.2 Fiskalpakt und Liberaler Intergouvernementalismus: Anwendung der realistischen Verhandlungstheorie zur Erklärung der deutschen Position und der Rolle als glaubwürdige Selbstbindung.
3.2.3 Fiskalpakt und Neofunktionalismus: Untersuchung des Fiskalpaktes als logische Konsequenz funktionaler Defizite der ursprünglichen Währungsunion.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und kommt zu dem Schluss, dass der Neue Intergouvernementalismus die klassischen Theorien nicht durch eine überlegene Erklärungskraft ersetzt.
5 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, Finanzkrise, Neuer Intergouvernementalismus, Liberaler Intergouvernementalismus, Neofunktionalismus, ESM, Fiskalpakt, Wirtschafts- und Währungsunion, supranationale Institutionen, Governance, Krisenmanagement, Spillover, Präferenzbildung, intergouvernementale Entscheidungsfindung, Fiskalunion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Finanzkrise auf die europäische Integration und bewertet die Erklärungskraft verschiedener Integrationstheorien hinsichtlich der getroffenen Krisenmaßnahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die institutionelle Vertiefung der EU in der Krise, der theoretische Wettstreit zwischen Intergouvernementalismus und Supranationalismus sowie die Rolle nationaler und supranationaler Akteure.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Kann der Neue Intergouvernementalismus aktuelle Integrationsschritte im Rahmen der EU-Maßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise besser erklären als die klassischen Theorien (Neofunktionalismus und Liberaler Intergouvernementalismus)?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse vorgenommen, bei der zwei spezifische Regulierungsmaßnahmen (ESM und Fiskalpakt) exemplarisch anhand der Hypothesen der drei gewählten Integrationstheorien untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Blöcke: Die Gründung des ESM (Finanzstabilisierung) und den Fiskalpakt (Überwachung der Finanz- und Wirtschaftspolitik), jeweils differenziert nach der Anwendung der drei Integrationstheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Europäische Integration, Finanzkrise, Neuer Intergouvernementalismus, Liberaler Intergouvernementalismus, Neofunktionalismus, ESM, Fiskalpakt und Fiskalunion.
Welches Fazit zieht der Autor zur Leistungsfähigkeit des Neuen Intergouvernementalismus?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Neue Intergouvernementalismus zwar neue Aspekte hervorhebt, aber gegenüber den etablierten klassischen Theorien keine konsistentere oder erklärungsstärkere Alternative darstellt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der EU-Kommission im Krisenmanagement?
Die Arbeit stellt fest, dass die Rolle der Kommission in der wissenschaftlichen Diskussion umstritten ist; entgegen der Annahme eines reinen Kompetenzverlusts durch den Neuen Intergouvernementalismus sehen andere Ansätze durchaus eine Stärkung supranationaler Kompetenzen.
Welche Bedeutung kommt dem Zeitfaktor in der Krisenbewältigung zu?
Der Autor weist darauf hin, dass der Neue Intergouvernementalismus den Zeitdruck und das Bedürfnis nach schnellem Handeln in Krisensituationen als Ursache für die Abkehr von der Gemeinschaftsmethode vernachlässigt.
- Arbeit zitieren
- Christoph Mai (Autor:in), 2016, Integrationstheorien in der Krise. Vergleich des Neuen Intergouvernementalismus mit den klassischen Integrationstheorien in Bezug auf die Integrationsschritte im Rahmen der Eu-Maßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344381