Einsatz von Optionen, Futures und Forwards zur Währungsabsicherung deutscher Exporteure. Untersuchung der Entwicklung des Schweizer Franken


Hausarbeit, 2015
19 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Einordnung meiner Untersuchungsfrage in das Oberthema „Optionen und andere Derivate“
1.2. Die Aufhebung des festen EUR-CHF Wechselkurses
1.3. Welche Währungsrisiken bestehen für ein deutsches Unternehmen, das in die Schweiz exportiert?
1.4. Welche Instrumente stehen zur Wechselkurssicherung zur Verfügung?

2. Absicherung vor Wechselkursrisiken mit unbedingten Termingeschäften
2.1. Funktionsweise von Devisenforwards und Devisenfutures
2.2. Ziel einer Absicherung mit Devisenforwards und -futures
2.3. Preisbestimmung von Devisenforwards und -futures
2.4. Gewinn- und Verlustszenarien bei der Absicherung

3. Absicherung vor Wechselkursrisiken mit Optionen
3.1. Funktionsweise von Optionen
3.2. Ziel einer Absicherung mit Optionen
3.3. Preisbestimmung von Devisenoptionen
3.4. Gewinn- und Verlustszenarien bei der Absicherung

4. Szenario-Analyse
4.1. Devisen-Forwards und Futures
4.2. Optionen

5. Risikoüberlegungen und Fazit

Anhang 1: Forwardkurse

Anhang 2: Prämien der Optionen

Anhang 3: Literaturverzeichnis

1. Einführung

1.1. Einordnung meiner Untersuchungsfrage in das Oberthema „Optionen und andere Derivate“

Optionen und andere Derivate gehören zu den spannendsten Themen auf den Finanzmärkten. Um ihre praktische Bedeutung zu verstehen, möchte ich in der folgenden Arbeit diese Thematik auf einen aktuellen Anlass am Finanzmarkt beziehen: die Aufhebung des festen Euro-Franken-Wechselkurses. Für viele deutsche Unternehmen, die mit der Schweiz als Handelspartner Geschäfte abschließen, bedeutete diese Entscheidung der Schweizer National Bank eine neue Herausforderung. Ein Umdenken bezüglich ihrer Risikoabsicherung wird insofern erforderlich, als dass ein bisher für sicher gehaltener Wechselkurs nun plötzlich Schwankungen unterliegt. Unternehmen müssen sich deshalb die Frage stellen, ob - und wenn ja, welche - Finanzderivate möglicherweise zur Währungsabsicherung eingesetzt werden können. Im Rahmen dieser Seminararbeit möchte ich nur auf die wichtigsten Formen eingehen: Forwards, Futures und Optionen. Der Fokus liegt darauf, die Rolle, die diese Derivate bei einer Währungsabsicherungsstrategie spielen können, aus einem praxisbezogenen Blickwinkel heraus zu erläutern und die Zusammenhänge zwischen dem Derivat und der Währungsentwicklung zu erkennen.

1.2. Die Aufhebung des festen EUR-CHF Wechselkurses

Am 15. Januar 2015 hat die Schweizerische Nationalbank beschlossen, den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufzuheben. An diesem Kurs hatte die SNB über drei Jahre lang festgehalten. Grund für die Einführung dieses Kurses war die hohe Bewertung des Schweizer Franken, welche eine „akute Bedrohung für de Schweizer Wirtschaft“ darstelle und „das Risiko einer deflationären Entwicklung“ berge.1 Mit dem Ziel den Franken dauerhaft zu schwächen, kündigte die SNB an, ab sofort unbeschränkt Devisen zu kaufen und damit keinen Euro-Franken-Kurs unter dem Mindestkurs von 1,20 zuzulassen.2 Die Aufhebung des festen Wechselkurses am 15.Januar 2015 führte nicht nur zu einer starken Aufwertung des Franken, sondern auch dazu, dass die ausländischen Geschäftspartner der Schweiz plötzlich vor einem veränderten Risiko stehen. Wodurch dieses Risiko entsteht und wie sich dieses speziell auf deutsche Exporteure auswirkt, soll im folgenden Abschnitt kurz dargestellt werden.

1.3. Welche Währungsrisiken bestehen für ein deutsches Unternehmen, das in die Schweiz exportiert?

Deutsche Unternehmen, die in die Schweiz exportieren, stehen vor verschieden Arten von Risiken. Zusätzlich zu denjenigen Risiken, die sich bei Geschäften mit Partnern in Euroländern ergeben, wie zum Beispiel dem politischen oder dem Transportrisiko, ergibt sich ein Währungs- bzw. Wechselkursrisiko. Das Wechselkursrisiko kann als zweiseitiges Risiko verstanden werden, welches Schwankungen von Wechselkursen, sprich die Auf- oder Abwertung von Währungen betrifft.3

Das Währungsrisiko kann wiederum in drei spezifische Risiken unterteilt werden:

1) Das Währungstransaktionsrisiko oder Umwechslungsrisiko

Dieses betrifft das Wechselkursrisiko im engeren Sinne. Das Risiko besteht darin, dass sich der Zahlungsstrom aus bereits abgeschlossenen Geschäften verändert. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn eine Zahlung auf Ziel vereinbart wird und der Wechselkurs sich bis zum Zahlungseingang verändert.

2) Ökonomisches Währungsrisiko

Das ökonomische Währungsrisiko betrifft Risiken, die sich aus einer veränderten preislichen Wettbewerbsfähigkeit ergeben.

3) Währungsumrechnungsrisiko

Währungsumrechnungsrisiken, auch bilanzielle Wechselkursrisiken oder Translationsrisiko genannt, entstehen insbesondere dann, wenn ein konsolidierter Konzernabschluss erstellt werden muss.4

1.4. Welche Instrumente stehen zur Wechselkurssicherung zur Verfügung?

Von den im vorherigen Abschnitt genannten Risiken kann mit Derivaten im Wesentlichen das Währungstransaktionsrisiko abgesichert werden. Bei Exportgeschäften resultiert dieses Risiko hauptsächlich aus den Zielforderungen: Verkauft ein deutscher Unternehmer sein Produkt in die Schweiz und vereinbart einen Preis in Schweizer Franken, können Schwankungen des EUR-CHF-Kurses für den deutschen Exporteur sowohl Gewinne (Aufwertung des Franken) wie auch Verluste (Abwertung des Franken) bedeuten.5 Konkret gilt: Für deutsche Exporteure, die zu einem bekannten Zeitpunkt in der Zukunft Schweizer Franken erhalten, besteht ein Verlustrisiko darin, dass der Franken bis zum Erhalt gegenüber dem Euro an Wert einbüßt, denn dadurch würde der Exporterlös sinken.6 Entscheidet man sich für eine Absicherung, wird dieses Risiko auf andere Teilnehmer übertragen. In der Literatur wird häufig zwischen internen und externen Instrumenten unterschieden, wobei Finanzderivate hier zu den wichtigsten Instrumenten der externen Kurssicherung zählen.7 Diese werden in unbedingte Termingeschäfte, nämlich Futures, Forwards und Swaps, und bedingte Termingeschäfte, nämlich Optionen, unterteilt.8

Betrachtet man nun konkret die Währungssicherung, werden folgende Finanzderivate am häufigsten angewandt:

- Devisenforwards
- Devisenfutures9
- Devisenoptionen

2. Absicherung vor Wechselkursrisiken mit unbedingten Termingeschäften

2.1. Funktionsweise von Devisenforwards und Devisenfutures

Forwards

Ein Forward ist ein relativ einfaches Derivat.10 Forwards werden außerbörslich gehandelt und deshalb als OTC (Over-The-Counter)-Geschäft bezeichnet. Sie können individuell zwischen den Geschäftspartnern - in der Regel ein Finanzinstitut und sein Kunde oder zwei Finanzinstitute - ausgehandelt werden. Zudem zählt der Forward zu den symmetrischen Derivaten, was bedeutet, dass beide Geschäftspartner eine Verpflichtung eingehen. Bei einem Devisen-Forward besteht diese Verpflichtung darin, eine Währung zu einem heute festgelegten Preis zu seinem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu kaufen (Long-Position) bzw. zu verkaufen (Short-Position). Dementsprechend liegt einem Währungsforward als Underlying der Wechselkurs zwischen zwei Währungen zugrunde.11 Futures

Devisenfutures sind insgesamt den Forwards sehr ähnlich. Wie der Forward zählt der Future zu den unbedingten Termingeschäften und stellt für zwei Geschäftspartner die Verpflichtung dar, zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft ein Gut zu einem festgelegten Preis zu kaufen bzw. zu verkaufen. Im Gegensatz zu den Forwards werden sie allerdings an den jeweiligen Börsen gehandelt. Die Vertragsbedingungen werden von der Börse festgelegt und sind standardisiert. Beispiele hierfür sind die Kontraktgröße, die Liefervereinbarungen und die Liefermonate. Durch die Standardisierung kann beispielsweise das Problem auftauchen, dass der abzusichernde Erlös nicht durch die von der Börse festgelegten Kontraktgrößen geteilt werden kann, ein Exporteur also entweder einen Teil des Exporterlöses ungesichert lassen, anderweitig absichern oder sich zu hoch absichern muss.12 Auf der anderen Seite sind Futures aufgrund des hohen Standardisierungsgrades deutlich liquider als Forwards.13 Insbesondere die Margins (Sicherheiten) heben die Futures von den Forwards ab: Die Anleger unterhalten bei dem Broker ein Margin-Konto, das je nach Kursentwicklung entsprechend den Gewinnen und Verlusten angepasst wird, wodurch das Risiko von Zahlungsausfällen verringert wird. Zudem führen nur wenige der eingegangenen Futures-Kontrakte zu einer Lieferung des Underlyings, da die Positionen vorzeitig geschlossen werden. Weitere Merkmale von Futures, die nur der Vollständigkeit halber genannt werden, aber auf die nicht detailliert eingegangen werden soll, sind u.a. die tägliche Abrechnung, Lieferverfahren, Ankauf-Verkauf-Spreads und die Clearingstelle.14

2.2. Ziel einer Absicherung mit Devisenforwards und -futures

Devisenforwards und -futures können in der Praxis zur Absicherung von Wechselkursrisiken eingesetzt werden, da mit ihnen das Risiko eines sich ungünstig entwickelnden Kurses aktiv beeinflusst werden kann.15

Forwards

Ein deutscher Exporteur, der in der Zukunft einen Frankenbetrag erwartet, hat eine offene Devisenposition. Möchte der Exporteur seine offene Position durch einen Devisen-Forward schließen, vereinbart er also mit dem Kontraktpartner, dass er den Frankenbetrag, den er erwartet, auf Termin zu einem festgelegten Kurs gegen Euro verkauft. Der Nutzen des Forwards besteht also darin, dass der Exporteur sein Risiko, dem er ausgesetzt ist, reduzieren oder ganz ausschalten kann und Planungssicherheit erhält. Die Höhe des Exporterlöses, die er von seinem Geschäft mit dem Schweizer Handelspartner erwartet, wird er auf jeden Fall bekommen und kann dies in seine Kalkulation miteinbeziehen.

Futures

Wie Devisen-Forwards eignen sich auch die Futures zur Absicherung einer offenen Handelsposition eines Exporteurs. Das Prinzip besteht darin, dass man sich gegenläufig zu seiner offenen Position absichert, dazu muss der Future am Terminmarkt eine Gegenposition einnehmen.16 Ein deutscher Exporteur erwirbt also Futures, deren Wert steigt, wenn der Wert des Schweizer Franken sinkt. Umgekehrt bedeutet das natürlich auch, dass der Wert des Futures sinkt, wenn der Wert der Franken steigt. Das Ganze führt zum Ausgleich des Risikos.

2.3. Preisbestimmung von Devisenforwards und -futures

Als Basis für die später folgende Szenario-Analyse soll hier näher auf die Preisbestimmung von Devisenterminkursen eingegangen werden.

Forwards

Da der Abschluss eines Forwards nichts kostet, entstehen auf den ersten Blick keine Kosten, wenn ein Exporteur eine Währungsforderung absichern will.17 In der Literatur zur Währungsabsicherung werden dennoch gelegentlich Kosten dargestellt, die für die Sicherheit eines kalkulierbaren Erlöses bezahlt werden müssen und als Absicherungsdifferenz bezeichnet werden.18 Diese Differenz errechnet sich aus dem Devisenterminkurs und dem Devisenkassakurs.19 Die Betrachtung dieser Differenz als Kosten berücksichtigt allerdings nicht das Zustandekommen der Differenz, nämlich den Zusammenhang zwischen Forward- Preis und Spotkurs:

Die Differenz zwischen Termin- und Kassakurs resultiert aus der Differenz zwischen den risikofreien Zinssätzen den beiden zugrunde liegenden Währungen.20 Um zu verstehen, wieso es einen fairen Terminkurs gibt, werden zwei Anlagestrategien betrachtet, die zu denselben Zahlungsströmen führen. Am Beispiel des deutschen Exporteurs, der zu einem bekannten Zeitpunkt in der Zukunft einen Frankenbetrag erwartet, stellt sich dies wie folgt dar. Anstatt das Forward-Geschäft einzugehen, könnte der deutsche Exporteur Folgendes tun:

1. Aufnahme eines Kredits in CHF in Höhe des auf den heutigen Tag abgezinsten Barwerts des erwarteten CHF-Betrags zum risikolosen Zinssatz der Schweiz für drei Monate.
2. Verkauf der CHF gegen EUR zum Spotpreis auf dem Kassamarkt.
3. Anlegen der EUR zum risikolosen Euro-Zinssatz für drei Monate.
4. Den CHF-Kredit nach Ablaufen der drei Monate mit dem Exporterlös in CHF zurückzahlen.
5. Die Auszahlung aus der EUR-Anlage und die erhaltenen Zinsen bilden dann die Höhe des Exporterlöses. Geht man von einem arbitragefreien Markt aus, muss dieser Betrag gleich hoch sein wie der Betrag, den der Exporteur aus einem fair bepreisten Forward-Kontrakt erhalten würde.

Transaktionskosten und steuerliche Aspekte werden hierbei vernachlässigt, ebenso geht man davon aus, dass alle Marktteilnehmer denselben risikolosen Zinssatz bekommen würden. Aus diesem Beispiel lässt sich Folgendes schließen: Wenn die Währung, die auf Termin verkauft wird, höhere risikolose Zinsen trägt als die zu kaufende Währung, ist der Forward- Kurs höher als der Spotkurs und umgekehrt.

[...]


1 SNB (2011, 205)

2 Goldman Sachs International (2015a), S. 25

3 Büter 2013, S. 389-382

4 Büter 2013, S. 367-371; Breuer (2000), S. 118;

5 Beicke/Barckow (2002), S.95;

6 Kruse (2014), S.130, S. 96

7 Breuer (2000), S. 152, Eilenberger (2004), S. 137

8 Kruse (2014), S. 66

9 Anmerkung: Da ein Devisenswap auch als zwei eigenständige Geschäfte betrachtet werden kann, von denen eines ein Forward bzw. Future ist, wird auf dieses Geschäft nicht genau eingegangen. Ein Devisenswap kann vielmehr als Handelsstrategie betrachtet werden.

10 Hull, 2009, S. 26-27

11 Kruse (2014), S.103

12 Stocker (2006), S. 301

13 Beike/Barckow (2005), S.101

14 Bösch (2014), S.162

15 Kruse (2014), S. 129

16 EUREX (2015 a)

17 Hull, 2009, S. 28

18 Stocker (2009), S. 214-217

19 Kruse (2014), S. 130

20 Kruse (2014), S.105

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Einsatz von Optionen, Futures und Forwards zur Währungsabsicherung deutscher Exporteure. Untersuchung der Entwicklung des Schweizer Franken
Hochschule
Hochschule Reutlingen  (ESB)
Veranstaltung
IMX
Note
1,3
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V344398
ISBN (eBook)
9783668340565
ISBN (Buch)
9783668340572
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatz, optionen, futures, forwards, währungsabsicherung, exporteure, untersuchung, entwicklung, schweizer, franken
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Einsatz von Optionen, Futures und Forwards zur Währungsabsicherung deutscher Exporteure. Untersuchung der Entwicklung des Schweizer Franken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344398

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