Europäischer Gewerkschaftsbund: Wesen und Arbeitsweise


Studienarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Historische Entwicklung der Europäischen Gewerkschaftsbewegung

3. Struktur des Europäischen Gewerkschaftsbundes
3.1 Organe des Europäischen Gewerkshcaftsbundes

4. Handlungsebenen
4.1 Aufgaben des Europäischen Gewerkschaftsbundes
4.2 Sozialer Dialog
4.3 Weitere gewerkschaftliche Zusammenarbeit in Europa

5.Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es eine systematische Erläuterung des Wesens und der Tätigkeitsbereiche des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EBG) zu geben. Analog dazu soll die politische Integration in Europa erläutert, und daraus schlussfolgernd die Auswirkungen auf die Entwicklung des EGB aufgezeigt werden. Anschließend werden die Strukturen des EGB erläutert sowie Tätigkeitsbereich aufgezeigt. Die Analyse der geschichtlichen Entwicklung sowie der Strukturen sind unumgänglich, um zu verdeutlichen, wie die Gewerkschaften schrittweise auf die europäische Integration reagiert haben, und welche Perspektiven sich für die weitere europäische Gewerkschaftsbewegung daraus ergeben haben. Zum Schluss sollen neue Aufgaben und Herausforderungen des EGB aufgezeigt werden, die sich aus der neuen, politischen Ordnung Europas herauskristallisiert haben.

2. Historische Entwicklung der Europäischen Gewerkschaftsbewegung

Die Entstehungsgeschichte europäischer Gewerkschaften lässt sich auf die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg zurück datieren. Den Ursprung einer gemeinsamen gewerkschaftlichen Bewegung auf europäischer Ebene stellt die Gründung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG) im Jahre 1919 in Amsterdam dar. Die unstabile wirtschaftliche und politische Situation in Europa zwischen den beiden Weltkriegen schränkte jedoch die europäische Gewerkschaftsbewegung stark in ihren Tätigkeiten ein. Der Bund konnte den wachsenden Arbeitslosenzahlen sowie der sich immer mehr verschlechternden Lage der Bevölkerung eher machtlos zusehen.

Nach den Turbulenzen des zweiten Weltkrieges wurde wiederholt der Versuch unternommen europäische Gewerkschaften zu vereinigen. Unabhängig von der politisch-ideologischen Orientierung versuchten die östlichen und westlichen Gewerkschaften unter dem Dach des Weltgewerkschaftsbundes (WGB) zusammenzuarbeiten. Dieses Bündnis zerbrach jedoch wegen der sich verstärkenden politischen Spaltung in Europa. Die westeuropäischen Gewerkschaften sahen sich gezwungen, sich von dem WGB, wegen der starken antikapitalistischen Orientierung dieser Organisation, abzuwenden. Eine Ausnahme hierzu bildeten die stark kommunistisch orientierten Gewerkschaften aus Italien (CGIL) und Frankreich (CGT) (Platzer 1991, S. 38).

Die politische Anspannung auf europäischer Ebene, dessen Ergebnis eine Ost-West-Spaltung war, führte zu einer Neugestaltung der politischen Ordnung Europas. Diese Spaltung betraf auch die europäische Gewerkschaftsbewegung. Deshalb beschlossen die Gewerkschaftsbewegungen aus westeuropäischen Ländern sowie den USA das Internationale Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) zu gründen. Unter ihrem Dach vereinigte der IBFG freie, staatsunabhängige und überwiegend sozialdemokratische Gewerkschaften. Im Jahr 1950 kam es zur Gründung einer europäischen Regionalorganisation (ERO) des IBFG. Die Bildung der ERO war ein Ausdruck der Regionalisierung der internationalen Gewerkschaftsbewegung und somit ein kleines Zeichen der Integration auf europäischer Ebene.

Die vertiefende Zusammenarbeit auf europäischer Ebene und die daraus resultierende Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) war ein weiterer Auslöser zur grenzüberschreitenden Arbeit europäischer Gewerkschaften. Die Intensivierung der Zusammenarbeit der in der EGKS eingeschlossener Gewerkschaften, führte umgehend zur Bildung des „21-Ausschußes“, der auch als „Montan-Ausschuss“ bezeichnet wurde (Däubler 1991, S.248). Die fortschreitende Integration Europas, dessen Ergebnis die Unterzeichnung der römischen Verträge und die Schaffung eines gemeinsamen Marktes war, führte 1958 zur Bildung des so genannten Europäischen Gewerkschaftssekretariats des IBFG. Ihm gehörten die nationalen Dachorganisationen des IBFG in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) an. Die Aufgaben des Sekretariats umfassten die Vertretung gemeinsamer Arbeitnehmerinteressen gegenüber EWG, EURATOM und EGKS. Schon zu diesem Zeitpunkt lässt sich die schnelle Anpassungsfähigkeit der Gewerkschaften an die vertiefte Integration Europas sowie deren Bestreben nach einer europäischen Gewerkschaftsbewegungen erkennen. Dies kann einerseits als Zeichen von Flexibilität gewertet werden, andrerseits jedoch führen die vielfältigen Herausforderungen zum zunehmenden Organisationsbedarf sowie Vereinheitlichung der Gewerkschaften (Platzer 1991, S.45). Im Jahre 1969 kam es letztendlich zur Umwandlung des Europäischen Gewerkschaftssekretariats in den Europäischen Bund Freier Gewerkschaften (EBFG), was ansatzweise einen Übergang zum zukünftigen EGB darstellt. Aus dieser Umgestaltung kristallisierte sich eine neue vereinigte Position der im gemeinsamen Wirtschaftsraum tätiger Gewerkschaften heraus. Denn der EBFG war nicht mehr eine bloße Plattform der Begegnung und Meinungsaustausches, sondern stellte ein Gremium mit etablierten Entscheidungsorganen dar.

Bei der allgemeinen Betrachtung der gewerkschaftlichen Entwicklung in Europa darf der Internationale Bund Christlicher Gewerkschaften (IBCG) nicht außer Acht gelassen werden. Die in der Montanunion vertretenen christlichen Gewerkschaften haben sich zur europäischen Organisation des IBCG zusammengeschlossen. Eine nähere Auseinandersetzung mit dieser Richtungsgewerkschaft übersprengt allerdings den Rahmen dieser Arbeit. Rückblickend lässt sich festhalten, dass Ende der 60er Jahre die europäische Gewerkschaftsbewegung sehr vielfältig gestaltet war. Neben den drei ideologischen Richtungsgewerkschaften existierten darüber hinaus zwei regionale Blöcke, der in der EWG-Staaten eingeschlossener Gewerkschaften.

Ein erneutes politisches Ereignis auf der europäischen Arena führte jedoch erneut zur Umgestaltung innerhalb der europäischen Gewerkschaftsbewegung. Die durch das Gipfeltreffen 1969 in Den Haag entstandenen politisch-ökonomischen Perspektiven – Wirtschafts- und Währungsunion, sowie bevorstehende Norderweiterung der EG – führten auch bei den europäischen Gewerkschaften zur Umstrukturierung. Auf dem Gründungskongress im Februar 1973 in Brüssel wurde der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) ins Leben gerufen. Dabei stellte der EGB ein Zusammenschluss der dem IBFG angehörenden Gewerkschaften der EFTA-TUC und des EBFG dar. Dabei ist zu beachten, dass der EGB seit seiner Gründung eine autonome Organisation darstellt, und nicht wie in der Vergangenheit lediglich eine regionale Vertretung des IBFG ist (Buschak 2002, S.11). Die Streichung des Zusatzes „frei“ wurde als Ausdruck der Öffnung gegenüber anderen Gewerkschaftsrichtungen gewertet (Platzer 1991, S.53). Dies sollte durch die Aufnahme der zwölf christlichen EWG-Gewerkschaften, sowie der kommunistischen CGIL aus Italien verdeutlicht werden. Der EGB hat somit erreicht, politisch verschiedene Richtungsgewerkschaften unter einem Dach zu vereinigen. Zusätzlich zu den Gewerkschaften aus dem Raum der Europäischen Gemeinschaft vereinigte der EGB Gewerkschaften aus Griechenland, Malta sowie Exilgewerkschaften aus Spanien und dem damaligen sowjetisch regierten Land Litauen. Auch die Aufnahme von Gewerkschaften aus Ost- und Mitteleuropa, wie beispielsweise der „Solidarnosc“ aus Polen Ende der 80er Jahre, konnte dies bestätigen. Vielmehr ist es ein Zeichen dafür, dass der EGB mit der Aufnahme der Ostblockgewerkschaften die Erweiterung der EU im Jahre 2004 vorwegnahm.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Europäischer Gewerkschaftsbund: Wesen und Arbeitsweise
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Theorie der Wirtschaftspolitik)
Veranstaltung
Europäische Beschäftigungs- und Wissenschaftspolitik
Note
2.0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V34440
ISBN (eBook)
9783638346580
ISBN (Buch)
9783638842914
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Überblick über die Europäische Gewerkschaftsbewegung, Ursachen der Entstehung des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), Darstellung seiner Organisationsstrukturen. Den Schwerpunkt der Arbeit bilden die Tätigkeitsbereich und Arbeitsweise des EGB.
Schlagworte
Europäischer, Gewerkschaftsbund, Wesen, Arbeitsweise, Europäische, Beschäftigungs-, Wissenschaftspolitik
Arbeit zitieren
Agnes Trojan (Autor), 2004, Europäischer Gewerkschaftsbund: Wesen und Arbeitsweise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34440

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Europäischer Gewerkschaftsbund: Wesen und Arbeitsweise



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden