Der blockierte Wandel in den arabischen Systemen lässt sich nicht einfach an ein oder zwei Punkten festmachen, sondern ist ein Zusammenspiel aus historischen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktoren, welche das Maß dieser Arbeit sprengen würde. Jedoch bin ich der Meinung, dass bestimmte historische Ereignisse den Grundstein für die heutige Misere der arabischen Staaten gelegt haben, auf die ich mich beschränken möchte. Hierbei werde ich auf den Fall des osmanischen Reiches und die Übernahme dieser Gebiete, hauptsächlich durch die Briten und die Franzosen, eingehen und dabei auf die Strukturen, die diese in den Länder manifestierten. Des Weiteren werde ich mich mit der Geschichte der Ölförderung und der wirtschaftlichen Entwicklung der betroffenen Länder befassen, und hierbei die Auswirkungen auf den Wandel dieser Systeme zu belegen. Zum Schluss probiere ich aufzuzeigen, dass in den meisten arabischen Ländern aufgrund der noch zu nennenden historischen Ereignissen, der Einflussnahme von Außen und deren Wirkung im Inneren zur heutigen Lage geführt haben.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Fall des osmanischen Reiches
III. Kolonialzeit und ihr Erbe
IV. Auflösung der Kolonialherrschaft
V. Die Wirtschaft und das Öl
VI. Auswirkungen auf die Gesellschaft
VII. Fazit
VIII. Literaturverzeichnis und Tabellenanhang
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die historischen, politischen und wirtschaftlichen Ursachen für den blockierten Wandel in arabischen Systemen, wobei sie insbesondere den Einfluss der Kolonialzeit und die Auswirkungen der Ölförderung beleuchtet.
- Historische Analyse des Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches
- Untersuchung der langfristigen Auswirkungen kolonialer Grenzziehungen und Herrschaftsstrukturen
- Analyse der Bedeutung der Ölindustrie für die wirtschaftliche Abhängigkeit und politische Stabilität
- Untersuchung der gesellschaftlichen Transformation und Arbeitsmigration in der Region
- Hinterfragung der Demokratiedefizite in verschiedenen arabischen Staatsformen
Auszug aus dem Buch
Die Wirtschaft und das Öl
Als im 19. Jahrhundert mit der Erfindung der Petroleumleuchte und des Verbrennungsmotor, die ersten Gerätschaften auf den Markt kamen, welche Öl benötigten, stieg die Nachfrage nach dem neuen Treibstoff enorm. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts begann die erste industrielle Förderung des Öls in den U.S.A. und Kanada. Zur Jahrhundertwende gab es im islamischen Orient nur zwei kleine Versuche Öl zu fördern, und zwar in Ägypten und im Iran, aufgrund des technologischen Rückstandes jedoch blieb es erstmal dabei.
Noch zu Zeiten der Kolonialherrschaft, wo die Hauptnachfrage nach Öl, dies ist fast bis heute noch so (der asiatische Raum kommt), aus den westlichen Industrienationen kommt, war auch die Ölgewinnung in deren Hand. So wurde bis in die 60er und 70er Jahre hinein ein wahrer Vertragsimperialismus mit Öl betrieben. Damit wurde das bis dahin in diesen Ländern fast unbekannte Prinzip der Konzessionen eingeführt. Diese vereinbarten die Pacht zu Einmalzahlungen, evtl. auch noch jährliche Zusatzzahlungen, von großen Gebieten, die damit im kompletten Eigentum des Pächters standen, teilweise über einen Zeitraum von 75-95 Jahren. Diese Verträge beinhalteten auch noch des Öfteren Zoll- und Steuerbefreiungen für den Pächter (Falaturi, S.259).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung zur Ursache des blockierten Wandels in den arabischen Staaten und definiert den historischen Fokus auf die Zeit nach dem Osmanischen Reich.
II. Der Fall des osmanischen Reiches: Das Kapitel analysiert den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und den damit verbundenen Übergang der Region in den Einflussbereich europäischer Kolonialmächte.
III. Kolonialzeit und ihr Erbe: Hier wird der Prozess der künstlichen Grenzziehung und der Etablierung kolonialer Verwaltungsstrukturen untersucht, die bis heute Konfliktpotenzial bergen.
IV. Auflösung der Kolonialherrschaft: Dieses Kapitel betrachtet, wie die Staatsstrukturen nach der Unabhängigkeit weitgehend beibehalten wurden und die Entstehung autoritärer Staatsformen begünstigten.
V. Die Wirtschaft und das Öl: Die Analyse konzentriert sich auf die Rolle des Erdöls als Faktor für die ökonomische Abhängigkeit und den Aufbau von Konzessionssystemen durch westliche Mächte.
VI. Auswirkungen auf die Gesellschaft: Das Kapitel befasst sich mit den sozialen Folgen, insbesondere der Arbeitsmigration und deren Auswirkungen auf die traditionellen gesellschaftlichen Strukturen.
VII. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Kombination aus kolonialem Erbe, ökonomischer Abhängigkeit vom Öl und dem Desinteresse der Führungseliten den Wandel in der Region dauerhaft hemmt.
VIII. Literaturverzeichnis und Tabellenanhang: Dieses Kapitel enthält die verwendeten Quellen sowie eine tabellarische Übersicht zu den arabischen Staaten.
Schlüsselwörter
Arabische Systeme, Blockierter Wandel, Kolonialherrschaft, Osmanisches Reich, Ölindustrie, Konzessionen, Vertragsimperialismus, Arbeitsmigration, Rentierstaaten, Demokratiedefizite, Modernisierung, Tradition, Politische Stabilität, Rohstoffabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für den in vielen arabischen Ländern feststellbaren blockierten politischen und sozialen Wandel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf die historischen Auswirkungen der Kolonialzeit, den Einfluss der Erdölwirtschaft und die daraus resultierenden gesellschaftlichen sowie politischen Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Zusammenspiel aus historischer Fremdbestimmung und ökonomischer Abhängigkeit eine eigenständige, nachhaltige Entwicklung der arabischen Systeme behindert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und politikwissenschaftliche Analyse, die den Prozess der Staats- und Gesellschaftsbildung in der Region auf Basis von Literatur und Daten auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen vom Zerfall des Osmanischen Reiches über die koloniale Fremdherrschaft bis hin zur Nationalisierung der Ölindustrie und den daraus resultierenden sozialen Spannungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind hierbei Kolonialismus, Erdölpolitik, Rentierstaat, autokratische Herrschaft und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
Warum wird die Rolle der Ölkonzerne besonders hervorgehoben?
Die Ölkonzerne und die damit verbundenen Konzessionsverträge werden als Instrumente beschrieben, die die wirtschaftliche und politische Entwicklung der Länder über Jahrzehnte hinweg einseitig auf die Interessen westlicher Industrienationen ausgerichtet haben.
Welche Bedeutung hat das Beispiel der Arbeitsmigration für die Argumentation?
Die Arbeitsmigration dient als Indikator für den sozialen Wandel und die ökonomische Instabilität, da sie neue soziale Hierarchien schafft und die traditionelle Gesellschaftsstruktur destabilisiert.
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- Tobias Noack (Author), 2004, Blockierter Wandel in den arabischen Systemen - Erbe der Kolonialherrschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34453