Eduard Mörikes Elegie "Die schöne Buche". Analyse und Deutungsansätze


Referat (Handout), 2014

4 Seiten

Alexander Meyer (Autor)


Leseprobe

1. Mörikes Leben

- 1804 geboren am 8. September in Ludwigsburg als Sohn des Medizinalrates Karl Friedrich Mörike und seiner Frau Charlotte Dorothea
- 1811-17 Lateinschule in Ludwigsburg
- 1822-26 evangelisches Theologiestudium am Tübinger Stift
- 1827 Freistellung vom Vikariat, Redakteur der Franckschen Damenzeitung
- 1834-43 Pfarrer in Cleversulzbach. Im Juli 1843 lässt sich Mörike wegen hypochondrischer Überempfindlichkeit pensionieren; das Pfarramt war ihm lästig geworden.
- 1838 die erste Sammlung der Gedichte erscheint, 1848 und 1864 erweitert
- 1844 Übersiedlung nach Mergentheim
- 1851 Heirat mit der katholischen Margarethe von Speeth, woraufhin sich Wilhelm Hartlaub von ihm distanzierte.
- 04. Juni 1875 stirbt Mörike in Stuttgart

2. Mörikes Werk

- Zu Lebzeiten wurde Mörike als bedeutendster deutscher Lyriker nach Goethe bezeichnet.
- In seiner Naturlyrik bevorzugte Mörike die tageszeitlichen Übergänge (September-Morgen, Um Mitternacht, Ein Stündlein wohl vor Tag) und setzte das Naturbild in Bewegung, d.h. die Natur erschien ihm als Gegenüber bewegt und belebt (Er ist's: „Frühling läßt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte“), gleichzeitig nimmt die Natur aber auch an erfüllter oder verlorener Liebe teil.
- Mörikes Naturerfahrung hat ihre Wurzeln in der magischen Natursage, d.h. im Mythos.
- Mörike schrieb auch Balladen (Die Geister am Mummelsee) und Dinggedichte (Auf eine Lampe). Teilweise wird Die schöne Buche in der Forschung auch als Dinggedicht behandelt, was äußerst zweifelhaft erscheint. (Vgl. Poetologische Dimension der Elegie).
- Mörikes Formenspektrum reicht vom Volkslied bis hin zur antiken Ode.
- Mörikes Gedichte zeichnen sich durch eine einprägsame Bildlichkeit und eine musikalische Sprache aus.
- Seit Ende der 1830er Jahre hatte Mörike verstärkt eine Vorliebe für antike Versformen, insbesondere für Distiche.
- In Mörikes Lyrik herrscht eine „elegische Dämmerung“ (Rothmann), gelegentlich bricht in den Naturgedichten auch der Weltschmerz durch.
- Weitere Werke (Prosa): Künstlerroman Maler Nolten (1832), Kunstmärchen Das Stuttgarter Hutzelmännlein (1853), Novelle Mozart auf der Reise nach Prag (1855)

3. Kontext der Elegie Die schöne Buche (1842)

- Erstdruck 1847 im Norddeutschen Jahrbuch (ohne Vers. 13. und 14)
- 29. August 1842 schickt Mörike das Gedicht an seinen engsten Freund Wilhelm Hartlaub.
- Bereits in einem Brief 10. Juni 1838 erwähnt Mörike das „Plätzchen“ an Hartlaub:

„Statt eines förmlichen Glückwunschs zum Geburtstag will ich Dir ein kleines Abenteuer vertrauen das mir am späten Abend jenes Tags begegnete. Ich machte nemlich, um recht still an Dich zu denken, des Nachmittags einen Spaziergang in den Wald. Die Sonne schien und ein Gewitter das uns drohte, war ohne einen Tropfen Regen vorübergezogen. Ich weiß nicht hab ich Dir jene offene Stelle im Walde gezeigt wo einst ein See gelegen war? Jezt wächst ein schönes Gras darauf, das man nur eben frisch abgemäht hatte. Der Platz ist ein längliches Viereck, ein ziemlich vertieftes doch ganz ebenes Bette. An der vordern schmalen Seite, wo man herkommt, ist ein dammartig aufgeworfner, mit dichtem Moos überzogener Hügel, worauf die schönste Buche steht. Da sezt ich mich nieder, hing meinen Träumereien nach, indeß die Amsel musicirte, und zog zuletzt ein Buch, welches wir ehmals beide gleichsehr liebten.“[1]

- Mörike stellt sein Gedicht in die Tradition der Idylle. 1837/38 beschäftigte sich er verstärkt mit Theokritos. Unter Idyllen-Dichtung versteht Mörike „nicht allein ländliche Poesieen, sondern überhaupt dichterische Gemälde“ (1840).

4. Zum Gedicht

- Inhalt: Im ersten Teil des Gedichts (V. 1-14) wird die Buche beschrieben. Im zweiten Teil (V. 15-30) schildert das Ich, wie es die Buche und das „Plätzchen“ kennengelernt hat.
- Gliederung: Das nicht-strophige Gedicht besteht aus 15 Distichen, also 30 Versen. Es ist reimlos. Die Zweiteilung des Gedichts ist durch einen Gedankenstrich kenntlich gemacht (V. 1-14 und V. 15-30). Zyklus-Struktur: Die Randverse der beiden Teile nehmen jeweils aufeinander Bezug: V. 1 und V. 14: Pronomen („ich“ und „mich“); V. 15 und V. 30: Thema Einsamkeit („einsam“ und „o Einsamkeit“)
- Figuren/Tropen: Enjambements (V. 1/2, 11/12, 15/16, 23/24, 29/30), Inversionen (V. 3, 5), Ausruf (V. 19), Apostrophierung der Einsamkeit (V. 29/30), Klammerkommentar (V. 23/24), Assonanzen (V. 8 „Kunstlos schuf die Natur selber dies liebliche Rund“), Alliterationen (V. 13, 22), Personifikation der Bäume (V. 12)
- Besonderheit: Die Kreisform ist die zentrale Figur: „Rings“ (V. 5), „umzirkt“ (V. 7), „Rund“ (V.8), „umkränzet“ (V. 9), „rundum“ (V.24) „Kreis“ (V. 25), „Zauber-/Gürtel“ (V. 29 f.)
Tempuswechsel (1. Teil: Präsens → 2. Teil: Präteritum)
- Themen: Natur, Kunst, Liebe (?)

Interpretationsansätze:

- Im Gedicht wird das Modell einer Welt entworfen, die ein Zentrum besitzt. Alle Teile der Welt sind auf dieses Zentrum hin angeordnet. Allerdings sind Individualität und Verschiedenheit deshalb nicht ausgeschlossen: Der Eichbaum und die Birke werden genannt und besitzen ihre eigene Schönheit.
- Im Gedicht findet eine Entwicklung hinsichtlich der Position des Ich und seiner Rolle statt.
- Im ersten Teil des Gedichts ist „die Natur selber“ (V. 8) Subjekt der Handlung, d.h. das Naturbild des ersten Teils kennzeichnet die Aktivität der Naturphänomene selbst. Im zweiten Teil ist es der Blick des Ich.
- Der Naturausschnitt des ersten Teils ist formal als ich-los vorgestellt und gleichzeitig inhaltlich als kunstlos definiert; die Natur selbst ist aktiv.
- Es findet vom ersten zum zweiten Teil eine Veränderung statt. Wesentlicher Faktor dieser Veränderung ist die Zeit.
- Im zweiten Teil herrscht eine mythisch vorgeprägte Stimmung vor; das Ich geht in der Natur auf.
- Das Gedicht enthält ein poetologisches Programm. Im zweiten Teil zeigt sich das Ich als souveräner Schöpfer, der allerdings gefangen ist.

7. Literaturverzeichnis

Böschenstein-Schäfer, Renate: Idylle, Stuttgart 1977.

Guardini, Romano: Gegenwart und Geheimnis. Eine Auslegung von fünf Gedichten Eduard Mörikes. Mit einigen Bemerkungen über das Interpretieren. Würzburg 1957.

Mayer, Birgit: Eduard Mörike, Stuttgart 1987.

Rothmann, Kurt: Kleine Geschichte der deutschen Literatur, Stuttgart 2011.

Rötzer, Hans Gerd: Geschichte der deutschen Literatur, Bamberg 1992.

Wiedemann, Barbara: »Ganz verborgen« – Kunstvolle Kunstlosigkeit, in: Mathias Mayer (Hrsg.): Gedichte von Eduard Mörike, Stuttgart 1999, S. 130-143.

[...]


[1] Zitiert nach Barbara Wiedemann: »Ganz verborgen« – Kunstvolle Kunstlosigkeit, in: Mathias Mayer (Hrsg.): Gedichte von Eduard Mörike, Stuttgart 1999, S. 130-143, hier: S. 132.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Eduard Mörikes Elegie "Die schöne Buche". Analyse und Deutungsansätze
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Deutsches Seminar - Neuere deutsche Literatur)
Autor
Jahr
2014
Seiten
4
Katalognummer
V344561
ISBN (eBook)
9783668343290
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eduard, mörikes, elegie, buche, analyse, deutungsansätze
Arbeit zitieren
Alexander Meyer (Autor), 2014, Eduard Mörikes Elegie "Die schöne Buche". Analyse und Deutungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344561

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