Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft. Eine metaanalytische Betrachtung

Untersuchung von E-Learning Konzepten auf den Lernerfolg von Lernenden in der medizinischen Ausbildung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konstruktivismus

3. E-Learning in der Medizin

4. Forschungsfrage und Hypothesenbildung

5. Operationalisierung

6. Auswahlkriterien

7. Die systematische Literaturrecherche

8. Kodierung der Studien

9. Darstellung und Auswertung der Studien

10. Ergebnisdarstellung

11. Diskussion

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Suchbegriffe zur Literaturrecherche

Tabelle 2 Darstellung Vote Counting

1. Einleitung

In vielen Kliniken und medizinischen Ausbildungsgängen werden seit einigen Jahren E-Learning Angebote genutzt. Mediales Lernen findet dabei im Spannungsfeld des ökonomischen Leitgedankens bis hin zum mediendidaktischen Grundgedanken des Lebenslangen Lernens statt. Für die jeweiligen Ausbildungssparten sind einzelne Studien durchgeführt worden, die den Lernerfolg thematisieren. Befürworter des E-Learning sehen einen großen Lernerfolg durch die Möglichkeit des medialen Lernens. Kritiker hingegen sehen die Gefahren und Risiken des medialen Lernens und keinen Lernerfolg im Hinblick auf die Nutzung medialer Lernressourcen.

Durch eine Vielzahl veröffentlichter Studien ist ein Überblick über die aktuelle Studienlage erschwert. Deshalb soll eine Metaanalyse dazu dienen, eine Zusammenfassung der Studienergebnisse zu ermöglichen und sich gezielt über den Forschungsstand zu informieren (Leonhardt, o.J., S.1).Quantitative Ergebnisse aus empirischen Studien sollen zusammengefasst und auf deren Variabilität untersucht werden (Stamm & Schwarb, 1995, S.5). Diese Metaanalyse soll deshalb hinsichtlich der Forschungsfrage, ob E-Learning-Konzepte in der medizinischen Ausbildung einen Einfluss auf den Lernerfolg von Lernenden haben, die Thematik analysieren und einen Gesamtüberblick verschaffen. Hierzu soll ein Vergleich mit der Präsenzausbildung herangezogen werden. Durch die Zusammenfassung einzelner Studien zu einer Gesamtstichprobe wird die Stichprobengröße gesteigert, was wiederum einen Ausgleich von Schätzfehlern und Verzerrungen ermöglicht (Eisend, 2014, S.1). Letztlich kann durch die Gesamtstichprobe in der Metaanalyse dargestellt werden, wer auf Grundlage der hier implementierten Studien nun Recht behält, die Befürworter oder Kritiker des medialen Lernens.

In Kapitel 2 wird der Konstruktivismus als Lerntheorie beschrieben, da medialen Lernarrangements immer eine Lerntheorie zugrunde liegt. Im Kontext des E-Learning ist der konstruktivistische Lerngedanke zielführend. Im nächsten Kapitel wird das Thema E-Learning in der Medizin erläutert. Dabei wird die Umstrukturierung der Lernmethoden und die Relevanz von E-Learning im Ausbildungs- sowie im Klinikalltag erläutert. Nachfolgend wird dann in Kapitel 4 anhand dieser theoretischen Rahmung die Forschungsfrage aufgestellt und eine Hypothese abgeleitet. Im Kontext der Hypothesenformulierung erfolgt in Kapitel 5 die Operationalisierung der Variablen. In Kapitel 6 werden die Auswahlkriterien beschrieben, auf Grundlage derer die Literaturauswahl stattfinden soll. Auswahlkriterien helfen die Ergebnisse der systematischen Literaturrecherche einzugrenzen und geeignete Studien für die Metaanalyse auszuwählen. Die systematische Literaturrecherche anhand klar definierter Suchbegriffe wird in Kapitel 7 beschrieben. Im Rahmen der Literaturrecherche werden Studien ermittelt, die anhand der Auswahlkriterien analysiert werden. Sind die Studien für einen Einschluss in die Metaanalyse geeignet, werden diese zunächst nach einem bestimmten Kodierschema kodiert (Kapitel 8), bevor eine Auswertung der Studien möglich ist (Kapitel 9). Die Auswertung der Studien im Rahmen der Metaanalyse erfolgt nach dem Prinzip des Vote Counting. Anschließend werden die Ergebnisse in Kapitel 10 dargestellt und weiterhin in Kapitel 11 diskutiert. Die Metaanalyse schließt in Kapitel 11 mit einer Empfehlung für künftige Studien ab.[1]

2. Konstruktivismus

Konstruktivismus beschreibt Lernen als „selbstgesteuerte Aktivität, die durch Pertubation verschiedenster Art von außen angeregt, nicht aber organisiert werden kann“ (Böhm, 2005, S.370). Entsprechend dieser Definition des Konstruktivismus durchläuft jedes Subjekt seinen individuellen Lernprozess und wird dabei vom Lehrenden nur angeregt. Die Bilder der Außenwelt, z.B. des Lernumfeldes, lösen Gedankenprozesse im Lernenden aus, so dass dadurch subjektives Wissen und eine eigene Auffassung vom Lernkontext geschaffen wird. Im Rahmen des Konstruktivismus findet Lernen immer in sozialen Kontexten und durch Interaktion statt (Gudjons, 2012, S.253). Impulsgeber für eine konstruktivistische Didaktik sind Theorien von Dewey, Piaget und Vygotski. Alle drei Ansätze betonen einen aktiven Lernprozess, der sich stets auf die Vermittlung mit Handlungen bezieht und eine Spannung zwischen Subjekt und Umwelt annimmt. Dabei wird den Menschen unterstellt, dass sie der Verbindung von äußerer Welt und innerem Abbild misstrauen müssen. Lernen geschieht somit auch immer in einem kulturellen Kontext. Durch den Lernprozess wird stets ein neues subjektives Abbild der Welt geschaffen, welches niemals vollkommen ist, sondern stets durch neue subjektive Versionen überarbeitet werden kann (Reich, 2008, S.73). Damit sich Lernende allerdings im Sinne einer konstruktivistischen Didaktik weiterbilden können, sind vier Voraussetzungen für das Lernen nötig: Selbsttätigkeit, Selbstbestimmung, Selbstwertgefühl und Beobachtungsfähigkeit. Wer seine subjektive Wirklichkeit konstruiert, muss selbst tätig werden. Niemand anders kann das anstelle dessen übernehmen. Ebenso müssen subjektive Entscheidungen im Lernprozess getroffen und diese Tätigkeiten selbstbestimmt geregelt werden. Wichtig für den Lernprozess ist ebenfalls das Selbstwertgefühl. Lernen fordert den Menschen auch emotional und motivational. Zudem müssen Sachverhalte beobachtet werden, um aus ihnen lernen zu können. Somit kann aus der Beobachtung heraus eine Konstruktion der subjektiven Wirklichkeit erfolgen (Gudjons, 2012, S.253).

Des Weiteren fordert die Entwicklung zur Wissensgesellschaft von jedem Lernenden eine Lernkompetenz und die Fähigkeit zum Lebenslangen Lernen. Diesen Forderungen wird der Konstruktivismus gerecht. Jeder Lernende integriert seine individuellen Vorkenntnisse in den Lernprozess, was sich wiederum auf die neu zu erwerbenden Kenntnisse auswirkt und in Bezug auf eine Gruppe ein heterogenes Lernergebnis darstellt. Vom Lernenden wird im Rahmen einer selbstregulierten konstruktivistischen Lernstrategie erwartet, dass er sich eigenständig Aufgabenstellungen widmet und imstande ist diese zu lösen (von Ameln, 2004, S.246). Auf Konstruktivismus basierend formulieren Reinmann & Mandl zentrale Prinzipien konstruktivistischer Lernangebote. Lernen soll anhand von authentischen Problemen erfolgen, so dass durch eine konkrete Problemlage ein Praxisbezug hergestellt werden kann. Ebenso soll der Lernende in multiplen Kontexten lernen, in denen verschiedene Praxissituationen aufgezeigt werden und zu Lösungen angeregt werden sollen. Genauso können dabei verschiedene Perspektiven eingenommen und Probleme anhand verschiedener Rollen gelöst werden. Lernen soll zudem immer in sozialen Kontexten stattfinden, so dass eine Interaktion mit Arbeitskollegen möglich ist. Zuletzt ist es wichtig, dass Lernende mit instruktionaler Unterstützung lernen. Das bedeutet, dass eine Lernumgebung, Lernmaterialien und ein Lernbegleiter den Lernenden unterstützen müssen (2006, S.613). Diese Prinzipien konstruktivistischer Lernangebote ermöglichen eine Kompetenzentwicklung im Bereich der medizinischen Ausbildung von Ärzten und Pflegepersonal. Dazu wird im Rahmen der medizinischen Ausbildung von Pflegepersonal vermehrt E-Learning in die jeweiligen Curricula integriert und auch im Medizinstudium gibt es mittlerweile vermehrt E-Learning-Kurse, welche durch die Lehrgebiete der Medizindidaktik konzipiert werden. Weitere Möglichkeiten konstruktivistischer Lernangebote in der medizinischen Ausbildung werden im nächsten Kapitel erläutert.

3. E-Learning in der Medizin

E-Learning entwickelt sich in der Medizin zu einem wichtigen Bildungsfaktor und gewinnt stetig an Bedeutung. Speziell von Pflegenden wird erwartet, dass sie ihre Flexibilität steigern und in zunehmend mehr chirurgischen Fachdisziplinen eingesetzt werden können (Liehn, Middelanis-Neumann, Döhler, & Steinmüller, 2007, S.V). Da die Vielfalt der Disziplinen meist dann noch unterschiedliches Wissen erfordert, ist der Mitarbeiter gezwungen, sein Wissen immer aktuell zu halten, was natürlich gleichfalls einen kontinuierlichen Lernprozess voraussetzt (Bünnagel, 2012, S. 36). Zudem sind im Bereich der medizinischen Tätigkeitsfelder, ebenso auf Seiten der Ärzte wie der Pflege, Kenngrößen wie eine hohe Arbeitsbelastung, immer komplexere Patientenversorgungen und ein knapp kalkulierter Stellenplan ausschlaggebend für eine hohe Arbeitsauslastung der Mitarbeiter. Der Faktor Zeit spielt in einem medizinischen Betrieb eine wesentliche Rolle und das nicht nur bei examinierten Pflegenden und Ärzten, sondern gerade auch im Bereich der Studierenden und Auszubildenden. Diese werden komplett in den Arbeitsalltag integriert. Deshalb ist auch die Zeit für Aus-, Fort- und Weiterbildung nicht ausreichend vorhanden, so dass Krankenhäuser alternative Lernmöglichkeiten anbieten, um die medizinische Qualität des Betriebes aufrecht zu erhalten. Diesbezüglich stellen Krankenhäuser die internen Fortbildungsangebote zunehmend als E-Learning Angebot zur Verfügung. Alle Berufsbilder in der Gesundheitsbranche müssen sich den neuen Herausforderungen stellen, um auch in Zukunft das eigene Berufsbild aktiv und inhaltlich weiterzuentwickeln (Liehn, Grüning, & Köhnsen, 2006, S.2). Es muss eine zunehmende berufliche Flexibilität gelebt werden und die Kompetenz zur zielgerichteten Navigation durch die Informationsflut sowie ein angemessener Umgang mit Diskontinuitäten in der Berufsbiografie sind in einem selbstgesteuerten Prozess zu entwickeln. Die Fähigkeit, selbstgesteuert zu lernen, entwickelt sich somit zu einem Auslesekriterium und dies unabhängig von Bildungsniveau oder Tätigkeitsfeld (Dietrich, 2001, S. 20).

Im Kontext dieser Veränderungen steht auch der Begriff der beruflichen Handlungskompetenz, welcher sich im Bildungswesen und besonders in der Berufsbildung zunehmend durchgesetzt hat. Die Kompetenzorientierung zielt auf eine umfassende und ganzheitliche Aus- und Weiterbildung hin, die verstärkt vom Subjekt her zu begreifen und zu gestalten ist (Dehnbostel, 2010, S. 10).

Auch in die medizinische Ausbildung wird E-Learning vermehrt integriert, um eine Medienkompetenz zu vermitteln. Ziel ist dabei die kompetente Teilnahme an medialen Fortbildungsangeboten. Dazu ist es wichtig, sich selbst mit seinen eigenen Stärken und Schwächen zu kennen, um die Stärken zu nutzen und an den Schwächen arbeiten zu können. Kompetenzen müssen ausgebildet, Fehlerhaftes soll vermieden und die Motivation des Einzelnen genutzt werden. Durch die Selbstorganisation der Fort- und Weiterbildung mittels E-Learning werden eigene Interessen gestärkt und die Arbeit als sinnvoller und effektiver angesehen. Das eigene Leben kann so gestaltet werden, dass sich Handlungsspielräume ergeben. Änderungen im Arbeitsalltag können zur Kenntnis genommen und in den täglichen Arbeitsprozess integriert werden (Liehn, Grüning, & Köhnsen, 2006, S.41; S. 54). Mit der Kompetenz, Lernbedarf identifizieren, Lerninhalte definieren und Lernprozesse gestalten zu können, besitzt der Mitarbeiter der Zukunft ein Wissen, das ihn selbstständig handeln lässt. Zugleich ist ein besonderes Maß an Motivation wichtig, dessen Wirkungsbereich über die Lernbereitschaft und Lernfreude hinausgeht. Das betriebliche Unternehmen profitiert von Mitarbeitern, die in der Lage sind, ihre Potenziale gewinnbringend einzusetzen (Bünnagel, 2012, S. 38).

Vorteile des E-Learning sind unter anderem ein „zeit-und ortsunabhängiger Zugang zu Lerninhalten und ein selbstbestimmtes, interaktives Aneignen des Lernstoffs im Selbststudium“ (Krüger-Brand, 2002, S.1). Wiederholungen von Lernaufgaben, als auch eine individuelle Rückmeldung und Unterstützung sind möglich (Schleicher, 2006, S. 17). „Lernprogramme richten sich sowohl an das Pflegepersonal und an Pflegeschüler wie auch an Medizinstudenten und junge Ärzte und sollen dazu beitragen, eine hohe Versorgungsqualität durch eine kontinuierliche Fortbildung zu gewährleisten“ (Krüger-Brand, 2009, S.2). Für den medizinischen Bereich bedeutet das konkret, dass Auszubildende, Studenten, Ärzte und Pflegepersonal vor Ort im Krankenhaus an medialen Fortbildungen teilnehmen können. Es müssen keine langen Fortbildungsreisen unternommen werden und das Personal kann während einer Fortbildungsreihe für Entscheidungen im Krankenhaus kontaktiert werden.

E-Learning schließt auch immer eine auditive und visuelle Wahrnehmung mit ein. Daher kommen in der berufsbezogenen Aus-, Fort- und Weiterbildung modernste multimediale Lernmittel zum Einsatz (Tully, 2004, S. 654). Als Beispiel sind hier die Fortbildungsangebote CME (continuing medical education) und CNE (certified nursing education) zu nennen. Diese multimedialen Fort- und Weiterbildungsprogramme für Ärzte und Pflegende, die Auszubildenden bzw. Studenten eingeschlossen, bieten die Möglichkeit zur Kompetenzentwicklung im Rahmen des Lebenslangen Lernens sowie zur Qualifizierung im Hinblick auf jährlichen Pflichtfortbildungen (Thieme, 2014, S.3).

Hochschulen machen sich E-Learning Module zunutze, um diese als Vorbereitung zum bedside teaching anzubieten (Krüger-Brand, 2002). Auch in den Ausbildungsgängen der Pflegeberufe hat sich E-Learning etabliert. In das Curriculum der Ausbildung zum/r Operationstechnischen Assistenten/in von 2014 ist E-Learning als zentraler Bestandteil der theoretischen Ausbildung aufgenommen worden (DKG, 2014). Auszubildende sollen bereits während der Ausbildung eine Medienkompetenz erwerben, um anschließend im Berufsleben E-Learning Angebote nutzen zu können.

E-Learning in der Medizin wird sich in den nächsten Jahren stetig weiterentwickeln. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob sich die Nutzung von E-Learning Angeboten auch auf den Lernerfolg auswirkt. Diese zentrale Fragestellung soll im nächsten Kapitel näher thematisiert werden.

4. Forschungsfrage und Hypothesenbildung

Da sich E-Learning in der medizinischen Aus-, Fort- und Weiterbildung immer weiter implementiert und Akzeptanz findet, ist es wichtig zu evaluieren, ob mittels E-Learning ein Lernerfolg zu verzeichnen ist. Clark hat 2002 eine Studie veröffentlicht, die aussagt, dass Lernende beim E-Learning einen größeren Lernerfolg haben und der benötigte Zeitaufwand sogar geringer ist (Clark, 2002, S. 598). Im medizinischen Kontext gibt es wenige Studien die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Allerdings ist das Thema in der Medizin zurzeit sehr aktuell und die Bereitschaft zur Implementation von E-Learning in den jeweiligen Krankenhäusern sehr groß. Deshalb soll diese Metaanalyse die Thematik anhand folgender Forschungsfrage näher erläutern:

Haben E-Learning-Konzepte in der medizinischen Ausbildung einen Einfluss auf den Lernerfolg von Lernenden im Vergleich zur Präsenzausbildung?

Da die Forschungsfrage die generelle medizinische Ausbildung thematisiert, bezieht sich diese sowohl auf Studierende der Medizin, als auch auf Auszubildende in medizinischen Fachberufen. Medizinstudenten sind neben dem Studium immer wieder zur praktischen Ausbildung, z.B. Pflegepraktikum, Famulatur, oder Praktisches Jahr (PJ), im Krankenhaus eingesetzt. Während dieser Zeit wird PJ-Unterricht für die Studenten angeboten, welcher ebenfalls medial durchgeführt wird. Deshalb gilt die medizinische Ausbildung in dieser Betrachtungsweise auch für Medizinstudenten. Des Weiteren ist es auch möglich, die Ausbildungsabschlüsse, z.B. Pflege, Ergotherapie, Logopädie, Hebammenwesen, MTA für Radiologie, in Verbindung mit einem dualen Studium zu erwerben. Daher ist die Schul-bzw. Hochschulform der medizinischen Ausbildung nicht relevant. Die Personengruppe bezieht sich auf das Jugend- und Erwachsenenalter, da als Voraussetzung für eine medizinische Ausbildung bzw. ein Studium ein mittlerer Bildungsabschluss bzw. das Abitur vorliegen muss sowie ein Mindestalter von 17 Jahren. Es soll eine homogene Gruppe Lernender im medizinischen Bereich in die Untersuchung einbezogen werden.

Anhand der zuvor thematisierten theoretischen Erläuterungen wird folgende Hypothese zur Beantwortung der Forschungsfrage formuliert:

Durch die Teilnahme an E-Learning-Seminaren in der medizinischen Ausbildung werden bessere Lernergebnisse von Lernenden erzielt als in Präsenzveranstaltungen.

Anhand der formulierten Hypothese werden im nächsten Schritt Variablen generiert. Die in der Hypothese verwendeten Begriffe werden jeweils als unabhängige oder abhängige Variable definiert. So kann die Hypothese anhand der Variablen messbar gemacht werden (Atteslander, 2010, S.292). Die unabhängige Variable (UV) umfasst dabei diejenigen Merkmale, deren Auswirkungen auf andere Merkmale, also auf die abhängigen Variablen (AV) untersucht werden sollen (Bortz & Schuster, 2010, S. 7). Es werden folgende Variablen spezifiziert:

UV 1: E-Learning Seminare

UV 2: Präsenzveranstaltungen

AV: Lernerfolg

In einem Gruppendesign soll nun der Lernerfolg einerseits durch die Teilnahme an E-Learning-Seminaren und andererseits durch die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen ermittelt werden, so dass eine Beantwortung der Hypothese möglich ist.

Dafür ist es notwendig, die aus den Hypothesen generierten Variablen zu operationalisieren, d.h. messbar zu machen. Dabei handelt es sich um einen Übersetzungsvorgang, bei dem durch eine weitere Aufgliederung der Variablen in einzelne Merkmale Daten erhoben werden können. Diese anhand der Merkmale erhobenen Daten ermöglichen schließlich eine Überprüfung der Hypothese (Atteslander, 2010, S.292). Die Operationalisierung wird im nächsten Kapitel weiter beschrieben.

5. Operationalisierung

Operationalisierung als Prozess ist ein Übersetzungsvorgang, welcher es ermöglicht, dass theoretische Begriffe aus den Hypothesen messbar gemacht werden. Dazu sind die bereits beschriebenen Variablen generiert worden. Anhand dieser Variablen werden nun Merkmale definiert, die eine Datenerhebung und somit Messung der Hypothese ermöglichen. Dazu wird recherchiert, welche Daten zur Messung einzelner Variablen erhoben werden müssen (Atteslander, 2010, S.292).

Der Begriff Lernerfolg stellt in der Metaanalyse die Abhängige Variable dar. Lernerfolg spiegelt sich in reinem Wissen sowie dem Verstehen, Anwenden oder Handeln wieder (Kerres, 2013, S.200). Lernerfolg wird ebenso durch verschiedene Dimensionen charakterisiert (Kerres, 2013, S.300):

- Akzeptanz des Lernangebotes und Lernverhalten
- Empfundene Qualität des Lernangebotes
- Motivation und emotionale Bewertung
- Subjektive Zufriedenheit
- Objektive Lernerfolg
- Auswirkungen auf die Arbeits- und Lebenswelt
- Kosten-Nutzen-Verhältnis

Alle Dimensionen sind wichtig für den Lernerfolg. Allerdings ist es nicht sinnvoll alle Dimensionen in die Metaanalyse einzuschließen, da dann viele verschiedene Studien miteinander verglichen werden müssten, die ein jeweils anderes Verständnis vom Begriff Lernerfolg aufweisen könnten. Diese Unregelmäßigkeit würde dann zum Uniformitätsproblem führen. Dieses Entscheidungsproblem wird im weiteren Verlauf der Hausarbeit näher erläutert. Entscheidend für eine Metaanalyse ist jedoch, dass das Auftreten dieses Problems zu vermeiden ist. Deshalb soll im Rahmen dieser Metaanalyse nur eine Dimension gemessen werden, nämlich der objektive Lernerfolg. Dies erfolgt anhand einer Wissenskonstruktion durch summative Prüfungsleistung.

Die Unabhängigen Variablen dieser Metaanalyse sind das E-Learning-Seminar und die Präsenzveranstaltung. Präsenzveranstaltungen sind stark lehrerorientiert. Der Lehrer steht im Mittelpunkt, leitet die Auszubildenden aktiv durch die Unterrichtsstunde und die Lernenden nehmen dabei eine passive, teilnehmende Rolle ein. Bei E-Learning-Seminaren nehmen Lernende eine aktive Rolle ein und die Lehrkräfte begleiten den Lernprozess nur passiv. Das Rollenverhältinis von Lehrern und Auszubildenden innerhalb Präsenzveranstaltungen und E-Learning Arrangements ändert sich.

Bedingt durch diese Variablen werden im nächsten Kapitel Auswahlkriterien festgelegt, die die Studienauswahl während der Literaturrecherche erleichtern sollen.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft. Eine metaanalytische Betrachtung
Untertitel
Untersuchung von E-Learning Konzepten auf den Lernerfolg von Lernenden in der medizinischen Ausbildung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Master Modul M1
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V344831
ISBN (eBook)
9783668342842
ISBN (Buch)
9783668342859
Dateigröße
903 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lehren, lernen, wissensgesellschaft, eine, betrachtung, untersuchung, e-learning, konzepten, lernerfolg, lernenden, ausbildung
Arbeit zitieren
Ilka-Maria Watermann (Autor), 2016, Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft. Eine metaanalytische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344831

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