„Subdivided Housing“. Ein Phänomen der Urbanisierung in Hongkong


Studienarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einführung

2.Was ist Subdivided Housing ?

3.Wirtschaftliches- und Politisches Interesse als Ursache für SDH/CH

4.Auswirkungen

5.Fazit

6.Literaturverzeichnis

1. Einführung

In China und in Hongkong ist Subdivided Housing ein sehr präsentes Phänomen. Durch die 150 Jahre der Kolonialisierung oder vielmehr der Endkolonialisierung hatte Hongkong die Möglichkeit in nur sehr kurzer Zeit zu expandieren, zu einer der großen Wirtschaftsmächte und zu einer der dicht bevölkertsten Städte der Welt heranzuwachsen. Auch wenn Urbanisierung auf der ganzen Welt zu erkennen ist, kämpft Hongkong mit einem weiteren Problem, der geografischen Beschaffenheit. Da Hongkong nur eine Fläche von ca. 1.104km2 Land bebauen konnte wuchs die Stadt mehr in den Himmel als in die Breite (A.A., 2015)[1]. Im Laufe des rapiden Bevölkerungswachstums in Hongkong wurde Obdachlosigkeit und der fehlende Lebensraum zu einem ernsthaften und gesellschaftlichen Problem, da es galt ca. 7 Millionen Menschen auf dieser kleinen Fläche unterzubringen. Die Obdach- und Mittellosen blieben während des wirtschaftlichen Erfolgs ein eher „unsichtbarer“ Teil in den Augen der Mainstreamgesellschaft und der entscheidungsfällenden Politiker (Liu 2014: 4). Infolgedessen entstand aus der Not der Obdach- und Mittellosen ein Geschäft für Regierung und Bauunternehmen in Form des Bauens von Subdivided Housing.

In dieser Forschungsarbeit werde ich mich auf das chinesische Phänomen Subdivided Housing (i.F. SDH) beziehen, welches das Leben und Überleben auf engem Raum beschreibt. Raum wird hier als etwas Kleines und Ungemütliches beschrieben, jedoch als etwas Lebensnotwendiges definiert. So möchte ich untersuchen ob das Praktizieren von SDH ein resultierendes Phänomen der Urbanisierung ist und wie es die Stadt verändert und prägt.

Da es sich während meiner Forschungsarbeit als sehr schwer herausstellte englische oder deutsche wissenschaftlich fundierte Texte zu diesem Thema zu finden, was vielleicht aus dem Desinteresse der westlichen Wissenschaftler resultiert, beziehe ich mich in dieser Arbeit größtenteils auf Zeitungsartikel, Videoberichte und Regierungswebseiten.

2. Was ist Subdivided Housing ?

Laut dem Hong Kong Institute of Education (HKIEd) beschreibt SDH mehrere Lebensräume in denen sich ein Mensch einrichten kann um aus ökonomischen Gründen auf eine für Menschen unzumutbare Weise zu überleben (Departments, faculties, and schools, 2012). Unter den Begriff SDH fallen Lebensräume, welche den Menschen zu einer Arbeitsmaschine verwandelt, die nur arbeitet um sich seine „Wohnung“ leisten zu können. Diese entstanden als Unterbringung für die ärmeren Bewohner Hongkongs, denn wie der Economist in 2012 berichtete liegen die Preise für ein Haus in Hongkong 58 Prozent über dem eigentlichen Zeitwert, was den Immobilienmarkt zum zweit teuersten nach Singapur macht (The Economist, 2012).

Unter SDH fallen unter anderem die sogenannten rooftop villages, welche eine der „besten“ Alternativen zu den üblichen SDH darstellen.

Abb. 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei diesen Wohnalternativen handelt es sich um kleine Wellblechhütten, die auf Dächern von Mehrstöckigen Wohnhäusern nebeneinander gebaut werden. In einem Bericht der CNN über das Leben in rooftop villages beschreibt eine Bewohnerin ihre Wohnung als eine, in der sie genug Platz hat, um Tai Chi zu machen und einen kleinen Garten zu bewirtschaften, jedoch sitzt sie am liebsten in ihrem Stuhl und schaut sich die Berge an, die sie von ihrer Wohnung aus betrachten kann (Shadbolt, 2011). Für ein Haus mit dieser Aussicht und Größe könnte man auf dem Immobilienmarkt in Hongkong mindestens 2 Millionen Euro verlangen. Jedoch gibt es einen Unterschied, die unscheinbaren Wellblechhütten, welche zu dutzenden illegal auf Dächern gebaut wurden, befinden sich auf Wohnhäusern, welche in den 1950er und 60er Jahren errichtet wurden und heute bereits sehr baufällig sind (PBS, 2012[2] ). Die bestehenden Wohnhäuser Hongkongs sind so eng aneinander gebaut, dass es oberirdische Straßen gibt, mit Gärten, Spielplätzen und sogar mit Bereichen die zum Beten dienen. Durch dieses zum Teil unabhängige Netz von Straßen und Verbindungen zu anderen Familien ist ein Leben über der Stadt möglich. Diese Wellblechhütten werden teilweise auch gebaut, um sie zu vermieten oder zu verkaufen. Janice Chan, ein Immobilienmakler, der durch die CNN befragt wurde, ist der Meinung, dass selbst eine Wellblechhütte, die illegal gebaut wurde mindestens 129,000 US Dollar wert ist (Shadbolt, 2011). Bizarr ist jedoch, dass diese Dörfer illegal gebaut werden und dennoch von der Regierung den Zugang zu Strom, Wasser und Gas bekommen und demnach auch dort als rooftop residence gemeldet sind (PBS, 2012). Laut dem Statistischen Bundesamt Hongkongs lebten 2011 ca. 3,747 Menschen in 1,588 rooftop houses allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu betrachten, da diese Art von Wohnungen wie bereits erwähnt illegal sind. Die Miete für ein rooftop house variiert je nachdem wie groß die jeweilige Wellblechhütte ist von ca. 300 Euro bis ca. 600 Euro im Monat (Ng, Hoyer, 2015), wobei sich jeder Bewohner um die entstehenden Instandhaltungskosten kümmern muss (PBS, 2012).

Abb. 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter die Kategorie SDH fallen auch die sogenannten Subdivided flats, von welchen momentan ca. 280,000 in Hong Kong existieren (Shadbolt, 2011). Bei diesen Subdivided flats wird beispielsweise die Etage eines alten Industriegebäudes in 40 Räume bis zu 18m2 aufgeteilt. Räume, die 18m2 groß sind, werden jedoch nur an Familien vermietet, so dass diese überhaupt dort wohnen können. Alle Bewohner einer Etage müssen sich zwei Bäder teilen, wobei die „Duschen“ aus simplen Gartenschläuchen bestehen, welche neben der Kloschüssel angebracht werden (Yoon, 2009). Jede Wohnung in diesen Subdivided flats kostet ca. 600 Euro im Monat (Yeung 2011).

Ein weiteres Beispiel, auf welches ich genauer eingehen möchte, sind die sogenannten Cage Homes. Cage Homes (i.F. CH) entstanden in den 50ern[3] auf Grund eines massiven Wachstums von Flüchtlingen aus der Volksrepublik China, welche in das britische Hongkong strömten, um dort Arbeit zu finden. Doch nicht nur die Flüchtlinge zwangen die Regierung dazu sich um neue günstige Wohnmöglichkeiten zu kümmern, sondern auch eine steigende Geburtenrate, welche aus einer florierenden Wirtschaft in Hongkong resultierte. Die Bevölkerungszahl stieg von 2.200,000 in 1950 zu 3.000,000 in 1960 (Yeh, 2011). Durch diesen immensen Anstieg der Bevölkerung entstanden die bedspace apartments, auf welche ich später eingehen werde.

In dieser Abbildung[4] wird der rasante Anstieg von CH Bewohnern dargestellt, der ca. 1998 seinen Höhepunkt erreichte nachdem Hongkong 1997 von Großbritannien an die Volksrepublik China übergaben wurde[5]. Diese Tabelle hört jedoch bereits 2007 auf wo die Anzahl der in CH wohnenden auf ca. 53,200 Menschen geschätzt wurde (Social Indicators of Hong Kong, 2007).

Abb. 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In 2010 hat die Society for Community Organization (SoCo) veröffentlicht, dass 80.000 Menschen in sogenannten CH oder Bedspace Apartments leben (SoCo, 2011). Wobei Bedspace Apartments die alte form von CH darstellt, welche den subdivided falts ähnlich sind jedoch nur eine Matratze in den „Räumen“ beinhalten und über eine obere sowie eine untere Etage verfüge welche beide vermietet werden. Jedoch berichtete die FAZ in 2009, dass es 130.000 Menschen sind, welche in Metallkäfigen wohnen (Hein, 2009).[6]

Vor 1985 hatten alleinstehende Männer die nach Hongkong kamen, kein Recht auf eine Sozialwohnung und mussten sich daher mit bedspace apartmens zufrieden geben, in denen sie sich Bad und Küche mit ca. 20 Mitbewohnern teilen mussten (Yeung, 2011). Damit der Vermieter noch mehr Profit durch die bedspace apartments machen konnte, wurden diese mit Eisenkäfigen versehen, so entstand der Begriff cage home. Durch diese Änderung wurden Wohnungen in mehrere Abteilungen aufgeteilt, wodurch es möglich war zwei bis drei Käfige übereinander zu stapeln. Jeder dieser Käfige war gerade groß genug um eine zwei Quadratmeter Matratze hineinzulegen und so die Anzahl der jeweiligen Wohnungsbewohner zu erhöhen.

Abb. 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alle persönlichen Gegen-stände müssen von den Bewohnern mit in diese Käfige genommen werden, da es keine Schließfächer oder ähnliches gibt. Die FAZ veröffentlichte 2009 einen Artikel in dem über die Zustände der CH berichtet wurde. In diesem Artikel wird geschilderte wie das Leben einer Familie, die sich zwei Käfige teilt ist.

„Die fünf leben in einem Verschlag von knapp vier Quadratmetern“ (Hein, 2009) dieses Zusammenleben funktioniert nur, weil der Vater nachts arbeitet und die Kinder früh morgens in die Schule müssen. Die Kosten für einen Käfige betragen im Monat umgerechnet 453 Euro (Hein, 2009), allerdings verdient der Durchschnitt der in CH Lebenden gerade mal 630 Euro. Diese 453 Euro für einen Käfig der nicht zwingend Strom haben muss, einen Raum von ca. 58m2, den man mit 18 anderen teilen muss (Yoon, 2009). Räume, in welchen es im Sommer über 35 Grad heiß werden kann und die Luftfeuchtigkeit bei 90 Prozent liegt, sind in Hongkong keine Besonderheiten.

3. Wirtschaftliches- und Politisches Interesse als Ursache für SDH/CH

Im Laufe meiner Recherche wurde mir bewusst, dass es nicht „Die Ursache“ für dieses Phänomen SDH gibt, sondern es vielmehr verschiedene Faktoren gibt welche mit einander verflochten sind und SDH entstehen lassen. Oberflächlich betrachtet fällt einem das Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf dem Immobilienmarkt in Hongkong auf. Hongkong hat eine Fläche von ca. 1.104km2 auf der 7.108,100 (A.A., 2015)[7] Menschen leben. Rechnet man das auf Quadratkilometer um sind das 6,580 Menschen die auf engstem Raum leben müssen. Allerdings wird nur ein Viertel der gesamten Feldkapazität Hongkongs für die Urbanisierung genutzt und nur 7 Prozent zur Wohnnutzung (Yeh, 2011). Wenn man jedoch die Regionen Hong Kong Island und Kowloon betrachtet, erschließt sich erst, wie dicht besiedelt diese Regionen sind. In Hong Kong Island leben auf einer Fläche von 80,6km2, 16,320 Menschen pro Quadratkilometer, in Kowloon sind es 44,760 Menschen, die auf einer Fläche von 46,9km2 leben (Yeh, 2011). Die Regierung hält jedoch mit dem noch nicht bebauten Land zurück, ob nun aus Absicht oder aus Nachlässigkeit lässt sich nicht sagen. Für den Immobilienmarkt bedeutet dies, dass durch das geringe Angebot ein hoher Preis für die bestehenden Immobilien entsteht. Durch den Mangel an Wohnimmobilien können Wohnimmobilienpreise entstehen, die in mehreren Millionen steigen.

Der Immobilienmarkt ist der Motor der Hongkonger Regierung, denn 1997 machte der Immobilienmarkt allein in Hongkong 13 Prozent der Regierungseinnahmen aus (Cheng 2002: 205). Diese entstehen nicht nur durch fertig errichtete Häuser, sondern auch durch das noch nicht bebaute Land welches Hongkong besitzt und für hohe Summen an Bauunternehmen vermietet. Jedoch steht die Regierung nicht als alleiniger Gewinner da, denn wenn die Regierung profitiert so profitieren auch die Bauunternehmen (Cheng 2002: 207). In 1984 lag der Preis des durchschnittlichen Quadratmeters bei 600$ und verzehnfachte sich in nur 10 Jahren. So besitzen Immobiliengesellschaften mehr als 40 Prozent des gesamten Marktkapitals in Hongkong und verdienen bis zu 35 Prozent von allen gelisteten Unternehmen (Cheng 2002: 207). Auch wenn das Wohnen in eigenen privaten Wohnungen der Traum eines jeden Hongkongers ist und die Anzahl der Bevölkerung die sich eine eigene Wohnung gekauft haben von 18 Prozent (1971) auf ca. 54 Prozent (1998) gestiegen ist, gibt es mehr und mehr Menschen, die sich dies nicht leisten können und auf SDH ausweichen müssen (Cheng 2002: 207). Dies bleibt bei den Vermietern von SDH nicht unbemerkt. Folglich nutzen diese die Armut aus, indem sie mit ihren Mietern mündliche Verträge abschließen. Somit haben die Vermieter die Kontrolle über ihre Mieter und können die „Wohnungen“ für überteuerte Preise vermieten und sogar Strom und Wasser abschalten. Unglücklicherweise sind die Mieter gezwungen diese Ungerechtigkeit über sich ergehen zu lassen, denn es gibt nur wenig bis keine Alternativen für sie. Ohne die staatliche Regulierung der SDH hat der Vermieter die Option die Miete ins unermessliche steigen zulassen.

[...]


[1] Auswärtiges Amt Länderinformation Hongkong

[2] Public Broadcasting Service

[3] Chinesischen Bürgerkrieg (1927-49)

[4] Social Indicators of Hong Kong, 2007: „Number of persons living in cage housing“

[5] Durch die Übergabe von HK an die Volks Republik China wurde es zu einer Sonderverwaltungsregion, welche der chinesischen Verfassung untersteht jedoch weitgehend Autonom bleibt.

[6] Laut Sze Lai Shan welche für die SoCo (Society for Community Organization) arbeitet in Hongkong.

[7] Auswärtiges Amt Länderinformation Hongkong

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
„Subdivided Housing“. Ein Phänomen der Urbanisierung in Hongkong
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V344924
ISBN (eBook)
9783668346024
ISBN (Buch)
9783668346031
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subdivided Housing
Arbeit zitieren
B.A. Jonas Heidger (Autor), 2015, „Subdivided Housing“. Ein Phänomen der Urbanisierung in Hongkong, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344924

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