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San Basilio de Palenque. Geschichte, Kultur und Sprache der Nachfahren der Negros Cimarrones in Kolumbien

Título: San Basilio de Palenque. Geschichte, Kultur und Sprache der Nachfahren der Negros Cimarrones in Kolumbien

Tesis (Bachelor) , 2011 , 40 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Anne Lipp (Autor)

Romanística - Otras
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In der folgenden Arbeit soll dargestellt werden, aus welchen Gründen die überwiegende Anzahl der Palenqueros trotz der starken Identifizierung mit ihrer eigenen Kultur anfangs eine sehr kritische Haltung gegenüber dem Programm der Etnoeducación eingenommen hat.

San Basilio de Palenque ist ein Dorf in Nordkolumbien, welches im Vorgebirge der Montes de María ca. 50 km von der Stadt Cartagena de Indias entfernt liegt. Im siebzehnten Jahrhundert von Sklavenflüchtlingen gegründet, bekam es als eine der ersten Siedlungen den Autonomiestatus von der spanischen Kolonialmacht zugesprochen. Die aufgrund von fehlender infrastruktureller Anbindung bis in die Siebzigerjahre zwangsläufig bestehende isolierte Lage des Dorfes unterstützte den Prozess der Wahrung der in Kolumbien einzigartigen Traditionen dieser Gemeinschaft. Derzeit leben um die 3500 Einwohner vor Ort.

Durch die Isolation begünstigt, erhielt sich die Kreolsprache Palenquero, welche eine der drei weltweit existierenden spanisch basierten Kreolsprachen verkörpert. Weiterhin zählen dazu das Papiamentu, das auf den ABC-Inseln gesprochen wird und das Chabacano, das als Oberbegriff für die auf den Philippinen verwendeten Varietäten dient. Das Palenquero gilt als Sprachinsel, auch Enklave genannt, da es sich um eine so genannte geschlossene Sprachgemeinschaft handelt, die von einer anderen Sprachgemeinschaft umgeben wird, dem Kastilischen Kolumbiens.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein war die Geschichte der Palenqueros geprägt von der Diskriminierung durch die weiße Gesellschaft, denn seit Beginn des transatlantischen Sklavenhandels wurden die Comunidades Negras als eine der spanischen Kolonialmacht untergeordnete Ethnie betrachtet, deren Versklavung sich durch ihre Ungläubigkeit rechtfertigen ließ. Erst im Jahre 1991 wurden die Comunidades Negras als ethnische Minderheiten in der kolumbianischen Verfassung anerkannt und bekamen erstmalig das „Recht auf [die] Bewahrung ihrer kulturellen Identität“ zugesprochen.
Aus dieser Entwicklung heraus entstand das Programm der Etnoeducación Afrocolombiana, dessen Vertreter sich dafür aussprachen, dass neben der Vermittlung der kastilischen Sprache, der Geschichte und der Kultur Kolumbiens auch die Geschichte, Sprache und Kultur der ethnischen Minderheiten in der Schule gelehrt werden sollten. Das Ziel dieses Programms ist bis heute die Wahrung der kulturellen Identität dieser Gemeinschaften.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vom Krieg der Cimarrones zum Frieden in den Palenques

2.1 Zur Geschichte des Dorfes San Basilio de Palenque

2.2 Wie die Wissenschaft auf das Dorf aufmerksam wurde

3. La Lengua Palenquera – Die Sprache der Bewohner von San Basilio de Palenque

3.1 Exkurs

3.1.1 Definition Code-Switching

3.1.2 Code-Switching in der Sprachgemeinschaft der Palenqueros

4. Kultur der Palenqueros

4.1 Tradición Oral

4.2 Die gesellschaftlichen Strukturen innerhalb des Dorfes

4.3 El Lumbalú – Bestattungsritual der Palenqueros

4.4 Die Bedeutung der Musik

5. Die Diskriminierung der Comunidades Negras in Kolumbien

6. Das Programm der Etnoeducación

6.1 Ziele der Etnoeducación

6.2 Reaktion der Bewohner von San Basilio de Palenque

7. Schlussbetrachtung

8. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den soziokulturellen Balanceakt der Palenqueros in San Basilio de Palenque zwischen dem Wunsch zur Bewahrung ihrer einzigartigen kulturellen Identität und den Anforderungen der Integration in die dominierende kolumbianische Gesellschaft, wobei ein besonderer Fokus auf der kritischen Rezeption staatlicher Förderprogramme liegt.

  • Historische Entwicklung der Negros Cimarrones und Entstehung des Dorfes
  • Die Kreolsprache Palenquero als zentrales Identitätsmerkmal und ihre linguistische Dynamik
  • Soziale Organisationsformen wie die Kuagro und deren Konfliktlösungsmechanismen
  • Bedeutung von Oralität, Musik und dem Bestattungsritual El Lumbalú
  • Analyse der Etnoeducación als Instrument der staatlichen Minderheitenpolitik

Auszug aus dem Buch

3. La Lengua Palenquera – Die Sprache der Bewohner von San Basilio de Palenque

Der Linguist Carlos Patiño Rosselli bestätigt mit seinen Forschungen, dass das Palenquero bereits zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert als Kommunikationsbasis zwischen Ethnien mit unterschiedlichen Sprachen entstanden ist. In der Noticia Historial de Cartagena de Indias aus dem Jahr 1772 beschrieb der Bischof von Cartagena de Indias Diego de Peredo die Sprache der Palenqueros: „Matiénese sin mixto de otras gentes; hablan entre si un particular idioma en que a sus solas instruyen a los muchachos; sin embargo de que cortan con mucha expedición del castellano, de que generalmente usan”. Aus dem Zitat geht hervor, dass die Bewohner des Dorfes 1772 zwei unterschiedliche linguistische Kodes verwendeten, die Lengua Palenquera und das Kastilische. Weiterhin bestätigen Armin Schwegler und der Linguist Thomas Morton ebenfalls die Annahme, dass die Sprecher zu dieser Zeit bereits über Kenntnisse des Kastilischen verfügten. Darüber hinaus führen sie an, dass keine Beweise für eine Bilingualität der Sprecher aus der vorhergehenden Zeit vorhanden sind:

We altogether lack documentary evidence about the formative period of Palenque. For this reason the settlement’s date of establishment is unknown. Notwithstanding an 18th-century report about Palenque’s bilingualism […], no one knows for certain whether the early maroons had native, partial or rudimentary command of Spanish.

Deutlich wird jedoch, dass die Palenqueros seit dem 18. Jahrhundert bilingual sind. Nur die Anfänge dieser Bilingualität lassen sich nicht auf den Zeitpunkt genau bestimmen. Die Lengua Palenquera wird als Kreolsprache „de base léxica española […] con características morfosintácticas de lenguas autóctonas del continente africano, específicamente de la familia lingüística Bantú” bezeichnet. Hinsichtlich der Entstehung von Kreolsprachen existieren unterschiedliche Hypothesen. Einige besagen, dass die Kreolsprachen als Kommunikationsbasis zwischen den Sklaven, welche unterschiedlichen linguistischen Sprachfamilien angehörten, entstanden sind: „[...] se encontraron muchos africanos con diversos tipos de lenguas, esta necesidad de comunicarse fue creado un nuevo instrumento de comunicación“. Die Entwicklung einer neuen Sprache war ausschlaggebend für die Möglichkeit der Kommunikation zwischen den verschiedenen Ethnien. Über die Jahrhunderte hinweg vermischte sich diese dann weiter mit der kastilischen Sprache der Kolonialherren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Dorf San Basilio de Palenque als einzigartige Enklave vor und umreißt die Forschungsfrage nach dem Balanceakt zwischen Identitätsbewahrung und Assimilation.

2. Vom Krieg der Cimarrones zum Frieden in den Palenques: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Fluchtburgen der Sklaven und den Kampf der Cimarrones um Autonomie gegenüber der spanischen Krone.

3. La Lengua Palenquera – Die Sprache der Bewohner von San Basilio de Palenque: Der Abschnitt beleuchtet die Rolle der Kreolsprache als identitätsstiftendes Element sowie die linguistischen Aspekte der Bilingualität und des Code-Switchings.

4. Kultur der Palenqueros: Hier werden die zentralen kulturellen Pfeiler wie die mündliche Überlieferung, die sozialen Strukturen, die Bestattungsrituale und die Bedeutung der Musik detailliert analysiert.

5. Die Diskriminierung der Comunidades Negras in Kolumbien: Dieses Kapitel analysiert die historischen Wurzeln der Stigmatisierung der afrokolumbianischen Bevölkerung und ihre marginale gesellschaftliche Stellung.

6. Das Programm der Etnoeducación: Es wird die Genese und Implementierung des staatlichen Bildungsprogramms zur Förderung kultureller Identitäten sowie dessen Herausforderungen und Ziele beschrieben.

7. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass trotz verfassungsrechtlicher Anerkennung und der Einführung der Etnoeducación die sozioökonomische Lebensqualität der Palenqueros weiterhin prekär bleibt.

8. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die für die wissenschaftliche Analyse verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.

Schlüsselwörter

San Basilio de Palenque, Palenqueros, Palenquero, Cimarrones, Etnoeducación, Kolumbien, Identität, Diskriminierung, Kreolsprache, Oralität, Lumbalú, Kultur, Afrokolumbianer, Code-Switching, Transkulturalität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Publikation befasst sich mit der soziokulturellen Situation der Bewohner von San Basilio de Palenque, einem Dorf in Kolumbien, das für seine bewahrten afrikanischen Traditionen und seine eigene Kreolsprache bekannt ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Geschichte der Sklavenflüchtlinge (Cimarrones), die linguistische Identität, soziale Organisationsstrukturen, traditionelle Rituale wie das Lumbalú sowie die Auswirkungen staatlicher Bildungsprogramme.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Balanceakt zwischen dem Festhalten an der eigenen kulturellen Identität und dem Anpassungsdruck an die gesellschaftlich dominierende, westlich geprägte Kultur Kolumbiens darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer, historischer und linguistischer Quellen sowie der Auswertung von Dokumentationen zur Identitätsbildung der Dorfbewohner.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Hintergründe, die Bedeutung der Sprache, kulturelle Traditionen, die Diskriminierungsgeschichte der afrokolumbianischen Bevölkerung und die staatlichen Maßnahmen der Etnoeducación.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Palenquero, Cimarronaje, Etnoeducación, kulturelle Identität, Oralität, Diskriminierung und Transkulturalität.

Warum spielt das Bestattungsritual "El Lumbalú" eine so große Rolle für die Dorfbewohner?

Das Lumbalú fungiert als wichtige kulturelle Tradition, die afrikanische Wurzeln bewahrt, die Gemeinschaft durch gemeinsames Singen und Tanzen stärkt und den Übergang der Seele in das Jenseits rituell begleitet.

Wie hat sich die Einstellung zum staatlichen Programm der Etnoeducación im Dorf entwickelt?

Anfänglich herrschte aufgrund der traumatischen Erfahrungen mit Diskriminierung Skepsis, da viele Eltern ihre Kinder eher in das kastilische Bildungssystem schickten, um bessere berufliche Aufstiegschancen zu ermöglichen. Erst durch intensive Überzeugungsarbeit des lokalen Komitees wuchs die Akzeptanz.

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Detalles

Título
San Basilio de Palenque. Geschichte, Kultur und Sprache der Nachfahren der Negros Cimarrones in Kolumbien
Universidad
University of Potsdam  (Romanistik)
Calificación
1,3
Autor
Anne Lipp (Autor)
Año de publicación
2011
Páginas
40
No. de catálogo
V345095
ISBN (Ebook)
9783668348776
ISBN (Libro)
9783668348783
Idioma
Alemán
Etiqueta
basilio palenque geschichte kultur sprache nachfahren negros cimarrones kolumbien
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anne Lipp (Autor), 2011, San Basilio de Palenque. Geschichte, Kultur und Sprache der Nachfahren der Negros Cimarrones in Kolumbien, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345095
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