Das islamische Spanien im Blick von Moslems und Christen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

27 Seiten, Note: 2,3 (gut)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Das islamische Spanien

2 Der Blick auf das islamische Spanien
2.1 Reisende Christen
2.1.1 Johannes von Gorze
2.1.2 Aimeric Picaud
2.1.3 Georg von Ehingen
2.1.4 Leo von Rožmital
2.1.5 Niclas von Popplau
2.2 Reisende Muslime
2.2.1 Al Masudi
2.2.2 Al Idrisi
2.2.3 Abulfeda
2.2.4 Ibn Battuta
2.2.5 Abd al-Basit

3 Schlussfolgerung

Bibliografie

Vorwort

Das islamische Spanien ist geschichtlich wie auch sozial- oder kulturwissenschaftlich gesehen ein Thema, das vielleicht nicht nur Wissenschaftler anspricht, sondern auch den heutigen Reisenden fesselt, der in Spanien unweigerlich mit einer Vielzahl von herausragenden geschichtlichen Zeugnissen konfrontiert wird. Ich spreche hiermit vor allem die eindrucksvollen maurischen Hinterlassenschaften an, die man heute noch vorwiegend in Andalusien, aber auch in anderen Teilen Spaniens bewundern kann. Interessant ist vor allem, wie drei Weltreligionen – das Christentum, der Islam und das Judentum – auf einer Halbinsel, der Iberischen Halbinsel, lange Zeit nebeneinander existieren konnten.

In dieser Arbeit soll es jedoch darum gehen, wie Reisende, die Spanien in dieser Zeit besucht haben, über das Land berichten. Um auch eine differenzierte Sichtweise zu erhalten, ist es natürlich wichtig, die Berichte von Reisenden, die den oben erwähnten Religionen angehörten, zu betrachten. Die Schwierigkeit besteht hier jedoch im Auffinden dieser Reiseberichte, denn im Mittelalter war das Reisen ins Ausland und insbesondere zur Iberischen Halbinsel noch nicht so verbreitet wie beispielsweise heute. Außerdem sind die Schriften vermutlich entweder über die Zeit verloren gegangen oder ganz einfach noch nicht übersetzt worden. In Jüdische Reisen im Mittelalter (Benjamin ben Jona 1991, 173-174) wird im Nachwort erwähnt, dass das mittelalterliche Judentum zwar keine so großen arabischen Vertreter der geografischen Wissenschaft (die übrigens vorwiegend gereist sind, um ihre Kenntnisse zu erweitern) hervorgebracht hat und daher keine so bekannten Reisegeschichten entstanden sind. Jedoch existieren Itinerarien[1], die von jüdischen Reisenden verfasst wurden, wie zum Beispiel die Reisebeschreibungen von Rabbi Petachja von Regensburg. Er berichtete aber nicht von einer Reise nach Spanien. So konnte ich mich leider nur auf Zeugnisse christlicher Reisender, wie Georg von Ehingen oder Niclas von Popplau, und arabischer Reisender, deren bekanntester Vertreter vielleicht der Geograf Ibn Battuta war, beziehen. Hierzu fand ich vergleichsweise brauchbare Quellen.

Bevor ich zu den Reisebeschreibungen komme, gehe ich erst einmal kurz auf den geschichtlichen Hintergrund ein. Das ist nötig um einen kleinen Überblick über das islamische Spanien zu erhalten, wobei jedoch eher der Begriff Iberische Halbinsel oder die Erwähnung der damals existierenden Königreiche für diese Zeit zutrifft. Wenn also von Spanien die Rede ist, wird damit nicht der heutige Staat Spanien angesprochen, sondern die Gebiete, die sich im Mittelalter auf der Iberischen Halbinsel befanden, ausgenommen Portugal.

Am Schluss beschäftige ich mich dann mit einer Auswertung der vorgestellten Sichtweisen über Spanien im Mittelalter und hebe besonders die Vorurteile und subjektiven Beurteilungen hervor um noch einmal deutlich zu machen, dass man die verschiedenen Reiseberichte differenziert betrachten muss.

1 Das islamische Spanien

Nachdem der Berberführer Tariq im Jahre 711 auf der Iberischen Halbinsel eingefallen war, sollte es nur sieben Jahre dauern, bis Spanien fast vollständig unter muslimischer Herrschaft stand. Die Mauren[2] hatten durch die Kämpfe zwar auch Zerstörung verursacht, doch wurde in dieser Zeit das römische Bewässerungssystem und damit die Landwirtschaft vervollständigt und verbessert. Aus Afrika und Persien wurden neue Früchte und unbekannte Gartenbautechniken mitgebracht. Das Stadtleben, das schon zur römischen Zeit glanzvoll war, feierte jetzt seinen Triumph. Handel und Handwerk erreichten ihre Blüte. Paläste, Moscheen, Schulen und Bibliotheken bestimmten das Bild dieser Zeit. Bis zum 10. Jahrhundert blieb der größte Teil der Bevölkerung von al-Andalus, so wurde das islamische Spanien von den Arabern genannt, neben einer jüdischen Minderheit christlich. Die Christen teilten aber mehr oder weniger den Lebensstil ihrer muslimischen Herrscher. Im islamischen Spanien verschmolzen ganz unterschiedliche Kulturen miteinander. Zwischen den kleinen christlichen und muslimischen Gemeinschaften gab es Kriege, aber auch Austausch, Diplomatie, Verträge und Höflichkeitsbezeugungen. Jede Gesellschaft hatte ihre spezifische Hierarchie. Bei den Muslimen folgten auf die arabischen Führer die Soldaten, dann die Berber, danach abtrünnige Christen und schließlich die christlich gebliebenen Einheimischen, die sogenannten Mozaraber[3]. Bei den Christen kamen nach dem Klerus und den Granden das altchristliche Bürgertum, dann die wieder im Christenland lebenden Mozaraber, konvertierte ‚Neu-Christen’ und zuletzt die Mudéjares[4], Muslime, die ihren Glauben, ihre Sitten sowie ihre Richter beibehalten hatten. Hinzu kommen noch die Juden, die lange Zeit respektiert wurden, und die Sklaven. Auf kulturellem Gebiet fand ein ständiger Austausch statt. Es gab Christen, sogenannte algarabiados, die des Arabischen mächtig waren, und Muslime, ladinos, die Lateinisch schrieben und sprachen. (Vilar 1998, 20)

Alles in allem bedeutete die muslimische Herrschaft über Spanien eine Bereicherung für das Land, sei es in kultureller oder gesellschaftlicher Hinsicht.

Da der Islam bei seinem Vordringen die Iberische Halbinsel nie als Ganzes sichern konnte, war immer eine potentielle Ausgangsbasis für christliche Versuche gegeben, das an die Muslime verlorene Land zurückzugewinnen. Die Rückeroberung, die Reconquista, die sich langsam von Norden nach Süden vollzog, fand erst mit der Einnahme der letzten maurischen Festung, Granada, im Jahre 1492 endgültig ihren Triumph.

Das Spanien der Reconquista zerfiel eher, als dass es sich vereinigte. Noch im 13. Jahrhundert bestanden die wesentlichen Spaltungen trotz der Vereinigung von Aragón und Katalonien 1137 und von León und Kastilien 1230 weiter. Es kam zu einer Dreiteilung der Iberischen Halbinsel in Portugal, Kastilien und den Bund von Aragón-Katalonien-Valencia. Trotz dieser Dreiteilung herrschte jedoch auf der Halbinsel stets die Einheit des Glaubens, der Kreuzzugsgeist und das Selbstverständnis der christlichen Gemeinden gegenüber den Mauren. (vgl. Vincent 1997, 42-59; vgl. Vilar 1998, 17-37)

2 Der Blick auf das islamische Spanien

2.1 Reisende Christen

Christen reisten im Mittelalter aus verschiedenen Gründen nach Spanien. Die einen wurden von ihren Herren mit Briefen unterschiedlichen Inhalts an andere königliche Höfe geschickt, andere pilgerten nach Santiago de Compostela. Sie befanden sich im Gefolge von reisenden Herrschern oder begaben sich als Ritter auf Abenteuerreisen.

Im Folgenden werde ich mich mit den Reisebeschreibungen von fünf Christen beschäftigen, die mehr oder weniger einen Eindruck davon geben, wie christliche Reisende das Spanien im Mittelalter betrachtet haben. Hierbei möchte ich betonen, dass diese Schriften, da sie auch eine Art Tagebücher sind, sehr subjektiv verfasst wurden und deshalb mit Vorsicht zu genießen sind. Das heißt, dass vor allem die Beschreibungen der Gewohnheiten der Spanier vielleicht an manchen Stellen etwas übertrieben erscheinen.

2.1.1 Johannes von Gorze

Johannes von Gorze wurde 953 von Otto dem Großen nach Córdoba an den Hof des Kalifen Abd ar-Rahman III. gesandt. (García Mercadal 1999, 141; Reichert 2001, 90)

In der Reisebeschreibung erfährt man, dass ihm und seinen Begleitern, in Córdoba angekommen, eine Unterkunft in der Nähe des Palastes gewährt wurde, wo sie verweilen sollten, bis sie vom Kalifen empfangen werden. Sie waren sehr aufgebracht darüber, dass sie solange warten mussten, bis man ihnen erzählte, dass sie erst nach neun Jahren den Kalifen sehen könnten mit der Begründung, dass sie erst drei Jahre, nachdem sie von ihrem König geschickt worden sind, in Córdoba angekommen sind. Dies und einige andere Unannehmlichkeiten und Missverständnisse, die sie in Córdoba erfuhren, ließ sie natürlich nicht sehr positiv über das Land und vor allem seine Gesetze denken. Diese seien so starr, dass sogar sehr alte Gesetze nicht aufgehoben werden dürfen. Wer ihnen zuwider handelt, bezahlt dies mit dem Tod.

Weiterhin scheint abschreckend zu wirken, dass nach dem Gesetz niemand, auch kein Ausländer, ein Wort gegen die Religion, in dem Fall wohl gegen den Islam, erheben darf. Die Strafe dafür ist ebenfalls der Tod.

Die Gesandten hatten natürlich Angst, bis ihnen letztendlich jemand geschickt wurde, ein Jude namens Hasden, der ihnen versicherte, dass ihnen kein Schaden zugefügt wird und dass sie sich unauffällig verhalten und die Gesetze beachten sollen, wenn sie den König nicht verärgern wollen.

Ein paar Monate später besuchte sie ein Bischof, der ihnen sagte, sie können zum König, aber nur mit Geschenken. Johannes von Gorze hatte jedoch den Auftrag, einige Briefe seines Königs, Otto des Großen, zu überreichen. Der Bischof erzählt über die Situation der Christen im islamischen Spanien, indem er davon spricht, dass sie ‚durch ihre Sünden unter dem Joch der Heiden stehen’ (García Mercadal 1999, 144). Der einzige Trost, den sie haben, ist, dass sie ihre Religion leben dürfen. Die Juden werden jedoch verabscheut. Der Bischof sagt außerdem, dass sie sich, solange ihre Religion nicht angegriffen wird, unterwerfen würden. Dieses schreckt Johannes von Gorze ab, denn er sagt, es sei viel besser zu leiden als mit den ‚Heiden’ an einem Tisch zu essen. Er erfährt auch, dass die Christen sich dafür sogar beschneiden lassen, was er sehr verabscheut. Worauf der Bischof ihm antwortet, dass sie nur so dort leben können. Johannes von Gorze regt sich darüber noch mehr auf. Er kann dies keineswegs nachvollziehen.

Nach drei Jahren wurde Johannes von Gorze endlich zum Kalifen geführt. Auf dem Weg dorthin wurden sie von der Armee begleitet; die Mauren wirkten wegen ihres fremdartigen Aussehens bedrohlich auf sie.

Letztendlich spricht er mit dem Kalifen, von dem er vorher ein wenig eingeschüchtert wurde. Dieser gibt zu, ihn auf die Probe gestellt zu haben und fand ihn dann aufgrund seiner Standhaftigkeit würdig ihn zu empfangen. (vgl. García Mercadal 1999, 141-150)

Diese etwas verwirrende Erzählung zeigt, dass Johannes von Gorze und seine Begleiter zuerst erschrocken waren über die Gepflogenheiten in Córdoba. Strenge Gesetze, Unklarheiten in Bezug auf die Behandlung der ausländischen Gäste und nicht zuletzt die Kompromissbereitschaft der Christen in einem muslimisch regierten Gebiet erschrecken die Gesandten sehr und lassen sie nicht sehr positiv darüber berichten.

[...]


[1] Itinerar [lat. von iter ›Reise‹, ›Weg‹] ein nach Straßen geordnetes Reisebuch der röm. Zeit; enthielt Angaben über das Straßennetz, Stationen, Ortsentfernungen in röm. Meilen (1 röm. Meile = 1480m), Schiffahrtslinien. (Brockhaus 1986-1994)

[2] Maure: aus dem lat. Namen der afrikanischen Provinz Mauretanien stammend (Vincent 1997, 43)

[3] Mozaraber: von arab. must’arib, arabisiert (Vilar 1998, 182)

[4] Mudéjar: von arab. mudadjdjan, sesshaft oder gezähmt (Vilar 1998, 182)

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das islamische Spanien im Blick von Moslems und Christen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Spanienbilder: Urteile, Vorurteile
Note
2,3 (gut)
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V34513
ISBN (eBook)
9783638347136
Dateigröße
800 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spanien, Blick, Moslems, Christen, Spanienbilder, Urteile, Vorurteile
Arbeit zitieren
Diana Bading (Autor), 2003, Das islamische Spanien im Blick von Moslems und Christen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34513

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