Die vorliegende Exegese befasst sich mit der Bibelstelle die „Heilung am Sabbat“ in Mk 3,1-6. Als Textgrundlage dient die Übersetzung von M. Luther in der revidierten Fassung von 1984 aus der Thompson Studienbibel.
Aufgrund meiner Erfahrungen und Erlebnisse aus meiner Zeit in Israel ist mir bewusst, wie wichtig den Juden in Jerusalem auch heute noch die Heiligung des Sabbats und die Einhaltung der Sabbatruhe sind. Dieser Umstand fasziniert mich so sehr, dass ich umso mehr interessiert daran bin, diese Textstelle zu erforschen.
Der Schwerpunkt in dieser Perikope liegt nicht auf der Heilung an sich, denn diese passiert sehr schnell und ohne viel Hinzutun von zum Beispiel Erde und Spucke, wie es in Joh 9,1-41 der Fall ist. Vielmehr geht es darum, dem Publikum die Bedeutung dieser Heilung an diesem besonderen Tag klarzumachen. Jesus war bewusst, welche Reaktionen diese Tat auslösen würde und setzte sie dennoch an diesem Tag ein und wartete nicht bis zu einem anderen. Er heilte, obwohl er wusste, dass die Pharisäer nur darauf warteten, an ihm einen Anklagepunkt zu finden. Auf die Pharisäer hatte Jesus jedoch keine beeindruckende Wirkung, denn sie verbündeten sich mit dem Feind und berieten sich mit den Anhängern des Herodes, wie sie ihn umbringen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorüberlegungen und Textsicherung
1.1 Persönlicher Zugang zum Text
1.2 Wirkungsgeschichtliche Reflexion
1.3 Abgrenzung der Perikope
1.4 Textsicherung: Vergleich deutscher Übersetzungen
2. Sprachlich-sachliche Analyse
2.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen und Realienkunde
2.2 Textlinguistische Fragestellungen
3. Die Aussageabsicht des Autors
3.1 Formkritik
3.2 Textpragmatik
4. Kontextuelle Analyse
4.1 Traditionsgeschichte
4.2 Religionsgeschichtlicher Vergleich
4.3 Synoptischer Vergleich
5. Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts
5.1 Kompositionskritik
5.2 Redaktionskritik
6. Ergebnissicherung und Fazit
6.1 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Perikope der Heilung am Sabbat (Mk 3,1-6) einer tiefgehenden exegetischen Analyse zu unterziehen, um die theologische Aussageabsicht des Markusevangeliums hinsichtlich des Sabbatgebots und des Handelns Jesu zu ergründen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie der Autor durch die sprachliche Gestaltung und die bewusste Kontrastierung von Jesu Handeln mit den Erwartungen der Pharisäer die Nächstenliebe als zentrales Gebot legitimiert.
- Exegetische Untersuchung des Textabschnitts Mk 3,1-6
- Vergleichende Analyse deutscher Bibelübersetzungen
- Sozialgeschichtliche Kontextualisierung der Synagoge und des Sabbatbegriffs
- Religionsgeschichtlicher Vergleich mit antiken Wundererzählungen
- Narratologische und sprachwissenschaftliche Strukturanalyse (Kohärenz, Spannungsbögen)
Auszug aus dem Buch
1.1 Persönlicher Zugang zum Text
Die vorliegende Exegese verfasse ich im Rahmen des Proseminars Grundwissen Neues Testament aus dem Wintersemester 2014/15 an der Bergischen Universität Wuppertal. Als Grundlage meiner Untersuchungen dient der Leitfaden Exegese. Die Wahl meiner Bibelstelle fiel auf die Heilung am Sabbat in Mk 3,1-6. Als Textgrundlage nehme ich Übersetzung von M. Luther in der revidierten Fassung von 1984 aus der Thompson Studienbibel.
Die Heilung am Sabbat in Markus 3,1-6: 1Und er ging abermals in die Synagoge. Und es war dort ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. 2Und sie lauerten darauf, ob er auch am Sabbat ihn heilen würde, damit sie ihn verklagen könnten. 3Und er sprach zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: Tritt hervor! 4Und er sprach zu ihnen: Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder töten? Sie aber schwiegen still. 5Und er sah sie ringsum an mit Zorn und war betrübt über ihr verstocktes Herz und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und seine Hand wurde gesund. 6Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten alsbald Rat über ihn mit den Anhängern des Herodes, wie sie ihn umbrächten.
Diese Bibelstelle ist mir bereits seit meiner Kindheit aus dem Kindergottesdienst und meinem eigenen Bibelstudium bekannt. Ausschlaggebend für meine Entscheidung, diesen Text exegetisch zu betrachten, ist jedoch mein gesteigertes Interesse für die genannten Gegebenheiten und Umstände. Aufgrund meiner Erfahrungen und Erlebnisse aus meiner Zeit in Israel ist mir bewusst, wie wichtig den Juden in Jerusalem auch heute noch die Heiligung des Sabbats und die Einhaltung der Sabbatruhe sind. Dieser Umstand fasziniert mich so sehr, dass ich umso mehr interessiert daran bin, diese Textstelle zu erforschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorüberlegungen und Textsicherung: Dieses Kapitel legt den persönlichen Hintergrund der Exegese dar, definiert die Textgrundlage und grenzt die Perikope sprachlich durch einen Vergleich verschiedener Übersetzungen ein.
2. Sprachlich-sachliche Analyse: Es werden soziokulturelle Hintergründe (Synagoge, Sabbat, Pharisäer) beleuchtet und eine detaillierte textlinguistische Untersuchung der Strukturmerkmale vorgenommen.
3. Die Aussageabsicht des Autors: Dieses Kapitel analysiert die Intention durch formkritische und textpragmatische Methoden, um die Wirkung auf den Leser und die Lenkungsstrategie des Autors aufzuzeigen.
4. Kontextuelle Analyse: Hier wird das innovative Potential des Textes durch einen traditionsgeschichtlichen und religionsgeschichtlichen Vergleich mit antiken Texten sowie durch einen synoptischen Vergleich mit Matthäus und Lukas herausgearbeitet.
5. Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts: Die Perikope wird in das markinische Gesamtbild eingeordnet, wobei ihre Bedeutung für das Messiasgeheimnis und das Handeln Jesu im Rahmen einer Redaktionskritik untersucht wird.
6. Ergebnissicherung und Fazit: Die Analyseergebnisse werden zusammengeführt, um die zentrale Bedeutung der Heilung am Sabbat für das Verständnis von Jesu Vollmacht und Nächstenliebe zu bestätigen.
Schlüsselwörter
Heilung am Sabbat, Mk 3,1-6, Markus-Evangelium, Pharisäer, Synagoge, Exegese, Sabbatgebot, Nächstenliebe, Vollmacht Jesu, Wundererzählung, Streitgespräch, Textanalyse, Markinische Gemeinde, Messiasgeheimnis, Religionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Untersuchung der biblischen Perikope der "Heilung am Sabbat" nach dem Markusevangelium (Mk 3,1-6).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis Jesu zu den religiösen Gesetzen seiner Zeit, insbesondere zum Sabbatgebot, die Auseinandersetzung mit den Pharisäern sowie die Bedeutung der Barmherzigkeit und Nächstenliebe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Autor des Markusevangeliums durch seine spezifische Erzählweise die Heilung am Sabbat als einen entscheidenden Akt der Vollmacht und Provokation darstellt, um die religiöse Praxis seiner Gemeinde zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden methodisch klassische exegetische Instrumente angewandt, darunter die formkritische Analyse, textlinguistische Untersuchung, traditionsgeschichtliche Herleitung, der synoptische Vergleich sowie die Redaktionskritik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine sprachlich-sachliche Analyse, eine Untersuchung der Aussageabsicht des Autors, eine kontextuelle Analyse der Quellen und Traditionen sowie eine Einordnung des Textes in das theologische Gesamtkonzept des Evangelisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heilung am Sabbat, Vollmacht Jesu, Pharisäer, Synagoge, Nächstenliebe, Streitgespräch und Exegese.
Inwieweit spielt die Synagoge als Ort eine Rolle für die Erzählung?
Die Synagoge dient nicht nur als Schauplatz, sondern als hochgradig brisanter Ort der Auseinandersetzung, an dem die Einhaltung religiöser Ordnungen und die Autorität der Pharisäer direkt auf Jesu Vollmacht treffen.
Warum wird Jesus in diesem Text nicht explizit beim Namen genannt?
Die Untersuchung deutet darauf hin, dass die Leserschaft mit den vorherigen Erzählungen vertraut war, weshalb die Informationen als bekannt vorausgesetzt werden konnten oder der Autor den Fokus rein auf die Handlung und die Vollmacht des Messias legen wollte.
Welche Rolle spielen die Pharisäer als "kritische Gesprächspartner"?
Die Pharisäer fungieren als notwendige Kontrahenten, die durch ihr Schweigen und Lauern Jesus dazu provozieren, seine Position zur Priorität der Nächstenliebe gegenüber bloßem Gesetzesgehorsam klar zu artikulieren.
- Citation du texte
- Luise Kuhlmann (Auteur), 2016, Die Heilung am Sabbat. Exegese von Mk 3,1-6, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345139