Welche Chancen und Herausforderungen birgt die Digitalisierung von Gesundheit für Individuum und Gesellschaft?


Hausarbeit, 2016
11 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Werte und Wertewandel in unserer Gesellschaft
1.2 Fragestellung und Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Eine sozialwissenschaftliche Betrachtung der Digitalisierung von Gesundheit
2.1 Sozialwissenschaftliche Grundlagen und Begriffsklärungen
2.1.1 Gesellschaft
2.1.2 Werte und Wertewandel
2.1.3 Gesundheit
2.1.4 Einordnung der Digitalisierung von Gesundheit
2.2 Chancen der Digitalisierung von Gesundheit für Individuum und Gesellschaft
2.3 Herausforderungen der Digitalisierung von Gesundheit für Individuum und Gesellschaft

3 Fazit
3.1 Bewertung der Ergebnisse
3.2 Weiterer Forschungsbedarf und neue Fragestellungen

4 Literaturverzeichnis

1 Einführung

1.1 Werte und Wertewandel in unserer Gesellschaft

Seit Beginn der 70er-Jahren wurde der Begriff “Wertewandel” in den USA, Deutschland und vielen weiteren westlichen Gesellschaften geprägt und seither stetig erweitert und neu interpretiert. Zuvor angestrebte Werte wie Pflichterfüllung, Sicherheit und Wohlstand wurden verdrängt von dem Bedürfnis nach mehr Freiheit, Selbstverwirklichung und Teilhabe (vgl. Glatzer et al. 2002. S.31).

Ein Schaubild von Klages/Gensicke beschreibt die Wertorientierung der Bürgerinnen und Bürger der alten Bundesländer in den Jahren 1987 und 1997, stellt sie gegenüber und gibt so Auskunft über den Wandel der Wichtigkeit einzelner Werte. Werten wie “Unabhängigkeit”, “Sich durchsetzen”, “Fleiß/Ehrgeiz” und “Voller Lebensgenuss” wurde 1997 eine höhere Gewichtigkeit zugeschrieben, als zehn Jahre zuvor. Werte wie “Gottesglauben”, “hoher Lebensstandard” und “Tun, was andere tun” wurden hingegen als weniger wichtig bewertet. Doch nicht nur der Vergleich zwischen den beiden Jahren ist interessant, sondern auch die Darstellung der Werte, die zu beiden Erhebungen gleichermaßen durchschnittlich mit der höchsten Punktezahl belegt wurden. Den ersten, zweiten und dritten Platz belegen laut Klages/Gensicke die Werte “Partnerschaft”, “Gutes Familienleben” und “Freundschaft”, gefolgt von “Gesetz/Ordnung” und “Umweltbewusstsein”. Auf Platz sechs, von insgesamt 23 gelisteten Werten, steht das Gesundheitsbewusstsein. (vgl. Klages/Gensicke 2001)

Jede Epoche hat ihre Modernisierungstheorien, doch spätestens seit der Industrialisierung existiert in vielen Gesellschaften das Bedürfnis nach Fortschritt, Rationalität, Technisierung, Loslösung sozialer Herkunft sowie der individuellen Gestaltung des Lebensstils (vgl. Beck. 1986. S. 25). Ein Phänomen der 2000er Jahre scheint das Bedürfnis nach Partizipation, Unabhängigkeit und allgemeinem Wohlbefinden zu vereinen: Die Digitalisierung von Gesundheit. Das (post-)moderne Individuum möchte sein Leben und auch seine Gesundheit aktiv mitgestalten und kontrollieren können. Zahlreiche geschlossene und offene Internetforen, Webseiten, die den Schwerpunkt auf die Themen Gesundheit und Fitness legen, Programme und Applikationen für Mobiltelefone und Tablets, Pulsuhren, die die Herzfrequenz und Tiefschlafphasen ihres Trägers messen, digital verarbeiten und an eben genannte Medien weiterleiten - all das sind Zeugen eines neuen Trends. Dieser Trend spiegelt den Wunsch nach uneingeschränkter Teilhabe und Selbstverwirklichung wieder, denn wie ließe sich dieses Bedürfnis leichter erfüllen, als im Bezug auf den eigenen Körper, die individuelle Gesundheit und Fitness?

1.2 Fragestellung und Zielsetzung

Der Großteil unserer Gesellschaft scheint davon auszugehen, dass der Einzelne maßgeblich am Grad seiner körperlichen und geistigen Verfassung verantwortlich sei. Der Lebensstil, die Ernährung, der Konsum von Genussmitteln, das Ausmaß der sportlichen Betätigung und das Einhalten von Ruhephasen beziehungsweise die Vermeidung von Stress gelten als wichtige Aspekte der Prävention und Gesundheitsförderung. Die unzähligen virtuellen und digitalen Gesundheitsangebote setzen an dieser Haltung gegenüber Gesundheit und Krankheit an, versuchen Ratschläge und Wegweiser zu geben, wie das Individuum sein Leben gesünder gestalten und seine Gesundheit selbst managen kann.

Es stellt sich die Frage, welche Bedürfnisse durch die Digitalisierung von Gesundheit gestillt werden und welche Probleme dadurch entstehen können. Ferner stellt sich die Frage, welche Chancen die Digitalisierung von Gesundheit für das Individuum und die Gesellschaft bieten kann und welche Risiken beziehungsweise Herausforderungen sich daraus ergeben.

1.3 Vorgehensweise

Um diese Fragen zu beantworten, wird zunächst ein begrifflicher Rahmen geschaffen und definiert, in welchem Kontext die Fragestellung untersucht werden soll. Es folgt eine ausgedehnte Literaturrecherche, deren Ergebnisse im weiteren Verlauf der Arbeit kritisch hinterfragt und strukturiert gegenüber gestellt werden. Den Abschluss bildet eine Bewertung der Ergebnisse und ein Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.

2 Eine sozialwissenschaftliche Betrachtung der Digitalisierung von Gesundheit

2.1 Sozialwissenschaftliche Grundlagen und Begriffsklärungen

2.1.1 Gesellschaft

Gesellschaft kann als Bezeichnung einer Sozialform und Produkt der Moderne gesehen werden. Andersherum lässt sich sagen, dass es ein Kennzeichen der Moderne ist, “[...] dass sich in ihr das menschliche Leben primär in der sozialen Form der Gesellschaft organisiert.” (Salzborn. 2013. S115). Georg Simmel hingegen betrachtete das Wesen der Gesellschaft auf einer tieferen Ebene und definierte sie als eine Wechselbeziehung mehrerer Individuen (vgl. Simmel. 1908). Es gibt unzählige Definitionen von Gesellschaft, aber ein gemeinsames Grundverständnis: Gesellschaften sind veränderbar. Ihre Definition wandelt sich besonders im räumlichen, zeitlichen und politischen Kontext, sie ist aber auch immer abhängig von der Betrachtungsweise. So könnte man im Bezug auf unsere jetzige Gesellschaft beispielsweise sowohl von einer geschlechtergerechten Gesellschaft, als auch von einer Risikogesellschaft sprechen.

2.1.2 Werte und Wertewandel

Im sozialwissenschaftlichen Sinne lassen sich Werte als normative Grundelemente von Kulturen und Sozialverbänden betrachten, die sich von Gesellschaft zu Gesellschaft unterscheiden. Werte können als eine individuell anzustrebende Erfüllung von Bedürfnissen oder als normative Konstanten mit einer kollektiven Verbindlichkeit definiert werden. Werte sind also Orientierungsgrößen des individuellen Handelns, wodurch sie wiederum Einfluss auf das Zusammenspiel von Individuum und Gesellschaft nehmen und somit auch die gesamte Gesellschaft betreffen. Ein gesellschaftlicher Wandel hat immer einen Wertewandel zur Folge. Doch auch innerhalb einer Gesellschaft kann es zur gleichen Zeit verschiedene Wert-Orientierungen geben. (vgl. Greiffenhagen et al. 2002. S. 638 ff.) Laut Georg Simmel ordnen die Mitglieder einer Gesellschaft ihre Welt mit Werten. Sie bilden somit das Fundament, welches die Wechselwirkung mit anderen Individuen und der objektiven Welt ermöglicht. (vgl. Simmel. 1900. S.25 ff.)

1970 sprach man von einem säkularem Wertewandel. Die heranwachsende Generation strebte primär nicht mehr Wohlstand, Besitz und Pflichterfüllung an, sondern Selbstverwirklichung und Partizipation. Sie war aufgewachsen im Wohlstand, es bestand kein Mangel an materiellen Gütern und Sicherheit. Daher wurde die Pflichterfüllung zum Zweck des Erwerbs von Wohlstand nicht mehr so bedeutsam. Doch auch in den Jahren nach 2000 war das Vordringen von Selbstentfaltungswerten noch eines der bedeutendsten Charakteristiken des Wertewandels. (vgl. Glatzer et al. 2002. S.31)

2.1.3 Gesundheit

Gesundheit kann vielfältig definiert werden; Als Abwesenheit von Krankheit, Funktionstüchtigkeit von Organen, als Zustand des Wohlbefindens, als Leistungsfähigkeit, Kompetenz und Anforderungsbewältigung. Sie betrifft immer gleichermaßen die physische, psychische und soziale Ebene (vgl. Becker. 2006. S. 15 ff.). Becker stellt eine große Zahl an Laien- und Expertenmodelle von Gesundheit und Krankheit gegenüber und definiert Gesundheit schließlich als einen Zustand, den man durch Bedürfnisbefriedigung erlangt. Doch gleichzeitig stellt das (Wieder-)Erlangen und der Erhalt von Gesundheit an sich ein Bedürfnis der Menschen dar (vgl. Huber et al. 2015. S. 15), wodurch sie wiederum als eine normative Richtlinie definiert werden kann, sowohl für das Individuum, als auch für das Kollektiv.

2.1.4 Einordnung der Digitalisierung von Gesundheit

Aktuell lässt sich in unserer Gesellschaft ein Wandel vom Gesundheitsverständnis aufgrund eines Wertewandels beobachten. Werbung für Gesundheits- und Sportartikel in Zeitschriften und Fernsehprogrammen, Sportangebote innerhalb von Betrieben oder Universitäten, Slogans, die das Individuum dazu auffordern, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen, die stetig steigende Zahl von Vorsorgeuntersuchungen oder der Mitglieder in Fitnesstudios von 11,2% (vgl. DSSV. 2015) im Jahr 2014 auf 11,6% im Jahr 2015 (vgl. http://www.dssv.de/home/statistik/eckdaten-2016/ (Stand: 03.04.2016)) sind nur beispielhafte Zeugen dafür, dass Gesundheit und Fitness als immer wichtiger werdende Werte der Gegenwart gelten. Dieser Wandel betrifft momentan aber nicht die gesamte Gesellschaft gleichermaßen stark, sondern überwiegend Organisationen und Institutionen auf der Mesoebene und das Individuum auf der Mikroebene. Man könnte auch sagen, dass besonders der Markt und die Zivilgesellschaft als an der Digitalisierung beteiligte beziehungsweise von ihr betroffene Teilbereiche der Gesellschaft gesehen werden können.

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Details

Titel
Welche Chancen und Herausforderungen birgt die Digitalisierung von Gesundheit für Individuum und Gesellschaft?
Hochschule
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V345150
ISBN (eBook)
9783668348356
ISBN (Buch)
9783668348363
Dateigröße
625 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziologie, pflege, pflege dual, digitalisierung, gesundheit, krankenpflege, wertewandel
Arbeit zitieren
Lisa Beer (Autor), 2016, Welche Chancen und Herausforderungen birgt die Digitalisierung von Gesundheit für Individuum und Gesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345150

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