Erinnerungsverarbeitung und Transformationsarbeit in Tanja Dückers Roman "Himmelskörper"


Hausarbeit, 2016

15 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorstellung des Themas
1.2 Was ist das Ziel und wie ist der Aufbau der Hausarbeit

2. Hauptteil
2.1 Kurze Inhaltsangebe des Romans
2.2 Vertiefung des Themas und Ausarbeitung der genannten Ziele

3. Schluss
3.1 Zusammenfassung des Hauptteils
3.2 Interpretation und Bewertung der Ergebnisse

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Vorstellung des Themas

Die folgende Hausarbeit geht aus der vertiefenden Arbeit mit dem von Tanja Dückers am 01 Januar 2003 durch den Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH veröffentlichten Roman „Himmelskörper“ hervor. Das Thema der Hausarbeit ist der „Der wechselnde Umgang der Figur Freia mit Erinnerungen und ihre Verarbeitung der eigenen Familienvergangenheit“.

1.2 Was ist das Ziel und wie ist der Aufbau der Hausarbeit

In der Hausarbeit wird zunächst vertiefend auf den Anlass der Figur der Freia eingegangen, sich mit ihrer eigenen Familienvergangenheit auseinander zu setzten. Im Anschluss werden ihre Formen der individuellen Erinnerungsverarbeitung benannt und die Entwicklung der Erinnerungsverarbeitung im Verarbeitungsprozess erläutert. Bei dieser Gelegenheit soll vertiefend auf den Wechsel von der künstlerischen Verarbeitung zu der literarischen Verarbeitung eingegangen werden und in wie fern sich diese Arten der individuellen Transformationsarbeit auf die Familienverhältnisse, mit einem Fokus auf die Beziehung der Zwillingsgeschwister Freia und Paul, auswirkt. Zum Schluss soll auf den Effekt, welche die Transformationsarbeit auf die Figur der Freia ausübt eingegangen werde. Hierbei soll ergänzend der Effekt der Transformationsarbeit beleuchtet werden, welche sie auf die Beziehungen innerhalb der Familie der Figur der Feria hat. Dabei stellt sich die leitende Frage in wie weit diese Form des Verarbeitungsprozesses, die Figur der Freia mit dem Umgang der eigenen Familienvergangenheit voran gebracht haben.

2. Hauptteil

2.1 kurze Inhaltsangabe des Romans

In Tanja Dückers Roman „Himmelskörper“, welcher als mehrschichtiges Familienportrait auftritt, geht es um die junge, schwangere Meteorologin Freia. Als Folge ihrer voranschreitenden Schwangerschaft (Dückers, Tanja „Himmelskörper“ S.16) und dem Entdecken einer mit aus der NS - Zeit stammenden Erinnerungsstücken gefüllten Kiste, bei der Wohnungsauflösung ihrer vor kurzen verstorbenen Großeltern interessiert sie sich zunehmend für die eigenen Familienvergangenheit, woraufhin sie nun mit zunehmender Intensität damit fortsetzt, Nachforschungen über die eigene Familienvergangenheit anzustellen. Hierbei versucht die Figur der Freia die Position ihrer Vorfahren innerhalb des NS Regimes zu erkennen und deren Handeln sowie deren Denken für sich selbst nachzuvollziehen. Die Wohnungsauflösung der Großeltern intensiviert jedoch nur die Nachforschungen der Figur der Freia. Vorangegangen ist ihnen eine Kindheit, von intensiven Nachfragen und kindlicher Verarbeitung der erhaltenen Informationen, sowie vorlaufenden, immer tiefer reichenden Gesprächen mit ihren Familienangehörigen und Menschen die ihnen nahe standen. Freia nutzt bei dieser Gelegenheit sogar die Krankheit ihrer Großmutter aus, in dem sie vorgibt ihre Schwester zu sein um tiefer greifende Informationen zu erhalten. Des Weiteten sucht sie zusammen mit ihrer Mutter einen Ort in Polen auf an dem ihre Familie entscheidende Kriegerlebnisse durchlebt hat. In dem Roman wird außerdem vertiefend auf die Beziehung zwischen den Zwillingsgeschwistern Freia und Paul eingegangen, welche sich im Laufe des Romans von einer entfremdeten Positionen, ausgelöst durch Pauls „Übernahme“ von Freia’s erster Liebe Weiland, zu einer erneuten Verbundenheit der Zwillingsgeschwister durch die gemeinsame Transformationsarbeit und dem Umgang mit der Familienvergangenheit entwickelt.

2.2 Vertiefung des Themas und Ausarbeitung der genannten Ziele

Zu Beginn stellt sich die Frage, was der Anlass der Figur der Freia ist, sich mit der eigenen Familienvergangenheit auseinander zu setzten. Der ausschlaggebende Punkt für das geweckte Interesse an der eigenen Familienvergangenheit ist, das Bedürfnis der Figur der Freia ihre eigene Identität für sich zu erfinden. Naheliegender erscheint ihr hierbei die eigene Einordung in das Gefüge ihrer Familie und die Suche nach ihrer Position in ihr. Diese Einordnung und Positionssuche vollzieht sich phasenweise mit einer steigenden Intensität und ist durch die Abschnitte Kindheit und Erwachsenenalter bestimmt. Freias Kindheit ist durch übernommene Identitäten geprägt, in denen sie versucht den internalisierten Normen und Erwartungen bedeutsamer Bezugspersonen gerecht zu werden (Born: Regulation persönlicher Identität, 47). Zu Beginn des Romans teilen sich die Zwillinge eine Identität. Diese geteilte Identität entstand aus einer äußerlichen Gemeinsamkeit sowie die enge Verbundenheit der Zwillingsgeschwister. Diese enge Verbundenheit erhielt ihren ersten Bruch an dem Zeitpunkt wo es zu der Namensgebung durch ihren Bruder Paul kam und Freia nun versuchen muss den, mit ihrem jetzigen Namen einhergehenden Idealen gerecht zu werden (Dückers Tanja: Himmelskörper, 192) . Der zweite tiefer reichende Bruch vollzog sich mit dem Einsetzen der Pubertät in denen die Geschwister sich immer weiter in körperlicher Hinsicht voneinander unterscheiden und nun ebenfalls den jeweiligen Geschlechterrollen ihrer Gesellschaft gerecht werden sollen. Ein weiterer Eingriff ist der, in dem Freias Großmutter ihr ihre bis dahin etablierte Identität nimmt und sie mit sich selbst gleichsetz. Dies geschieht durch eine äußere Gleichheit, die durch das wiederholte flechten der Haare hervorgerufen wird. An dieser Stelle vollzieht Freias Großmutter ein Identitätsraub indem sie Freia ihre eigene Identität aufzwingt, um sich selbst in ihrer Enkelin wieder zu erkennen. Deutlich wird dies durch einen Situationsvergleich mit einer Kindheitserinnerung, welchen Freias Großmutter aufstellt (Dückers, Tanja: Himmelskörper S.61). Dieser „Identitätsraub“ wird jedoch unbewusst durch die Rebellion der Figur der Freia unterbunden in dem sie sich die Zöpfe abschneidet. Dies geschieht als Folge auf die äußere Veränderung ihres Bruders Paul, dem durch ihren gemeinsamen Vater die Haare zu einer, seiner Meinung nach jungenhafteren Frisur geschnitten werden. Die Figur der Freia fühlt sich hierbei um die tiefe Verbundenheit zu ihrem Bruder beraubt. Demnach stellt das Abschneiden der Zöpfe den Versuch der Figur der Freia da, die Verbindung zu ihrem Bruder aufrecht zu erhalte, die Identität der eigenen Großmutter abzustreifen und somit zu ihrer vorherigen Identität zurück zu kehren (Dückers, Tanja: Himmelskörper S. 65). Hierbei gelingt es der Figur der Freia das erste mal aus eigenem Antrieb ihre Persönlichkeit und somit ihre Identität selbst zu gestalten. Der ausschlaggebende Punkt für ihr Interesse an der eigenen Familienvergangenheit ist jedoch ein „Mangel an Identifizierung“ (Ustoff Anne - EV: Wir Kinder der Kriegskinder, 167) mit ihrer eigenen Mutter, welche eine Entfremdung zu ihr hervorruft und somit zu einer verstärken Hinwendung zu den eigenen Großeltern (Ustoff Anne - EV: Wir Kinder der Kriegskinder, 167) mit einem Fokus auf deren oftmals tabuisierte und verschwiegene Vergangenheit führt. Diese Entfremdung zur eigenen Mutter wird im Roman durch die Aussage „ Der Gedanke, das Renate meine Mutter ist, kommt mir unwirklich vor “ der Figur der Freia verdeutlicht. Durch diese Hinwendung beginnt ihre selbst geleitet Aufarbeitung, zunächst durch kindliche Verarbeitung und immer wieder aufkommende Fragen, der Familienvergangenheit. Darüber hinaus ergibt sich der Anlass für die Figur der Freia sich mit der eigenen Familienvergangenheit auseinander zusetzten aus ihrer fortschreitenden Schwangerschaft. Sie verspürt das Bedürfnis herauszufinden, in was für eine Familie sie ihr Kind setzt, um die auf sie schon durch ihre Familie negativ gewirkten Einflüsse nicht weiter zu geben (Dückers, Tanja: Himmelskörper S.26 / S. 272 ). Diese negativen Einflüsse zeichnen sich durch einen Mangel an Kommunikation innerhalb der Familie sowie die unterschwellige Anwendung von Gewalt (Dückers, Tanja: Himmelskörper S. 65) aus, welche bei keiner Behebung, Freias Befürchtung nach, sich weiter auf ihr Kind auswirken und fortsetzen könnten (Dückers, Tanja: Himmelskörper S. 272). Eine Bestätigung für Freias Befürchtung, das eigene Kindheitstrauma weiter zu geben liefert Anne - Ev Ustroff in ihrer Publikation „Wir Kinder der Kriegskinder“ in dem sie beschreibt, dass die Taten der Großeltern und die damit einhergehende Form der Erziehung in die vielen weiteren Folgegenerationen weiter wirken können (Ustroff, Anne - Ev: Wir Kinder der Kriegskinder, 160). Auch in einem Interview von Mathias Lohre wird die Aussage deutlich, dass sich die traumatisierten Muster in den folgenden Generationen wiederholen. Das Bedürfnis nach Antworten und Verarbeitung der eigenen Familienvergangenheit ist somit ein Thema, welches sich weit über den Roman „Himmelskörper“ erstreckt und in unserer aktuellen Gesellschaft anscheinend einen hohen Kommunikations-, und Mitteilungsbedarf inne hat.

In diesem Zusammenhang stellt sich nun die Frage wie die Figur der Freia in ihrer selbstgeleiteten Erinnerungsverarbeitung der eigenen Familienvergangenheit vorgeht. Hierbei wird ein Schwerpunkt auf die jeweiligen Formen der Erinnerungsverarbeitung, deren Entwicklung im Verarbeitungsprozess sowie die daraus resultierenden Wandlungen der Beziehung zwischen den Zwillingsgeschwistern Freia und Paul gelegt. Diese Erinnerungsverarbeitung vollzieht sich ebenfalls phasenweise mit einer steigenden Intensität und ist gleichermaßen durch die Abschnitte Kindheit und Erwachsenenalter getrennt. Wie bereits in dem oberen Abschnitt erwähnt, ist das Leben der Figur der Freia durch die Suche nach der eigenen Identität bestimmt, welche den fundamentalen Grund für die Erinnerungsverarbeitung bildet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Erinnerungsverarbeitung und Transformationsarbeit in Tanja Dückers Roman "Himmelskörper"
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Exemplarische Themen aus Literaturwissenschaft und Medienbildung
Note
2,0
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V345228
ISBN (eBook)
9783668350472
ISBN (Buch)
9783668350489
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Himmelskörper, Erinnerung, Verarbeitung, Transformation, Familie, Vergangenheit, Tanja Dücker
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Erinnerungsverarbeitung und Transformationsarbeit in Tanja Dückers Roman "Himmelskörper", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345228

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