Theater als Methode im Sprach-(förder)unterricht ist vorteilhaft für den Sprachlernprozess und die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit des Lerners. Der ganzheitliche Ansatz, das Lernen mit Kopf, Herz und Körper begünstigt den Sprachlernprozess und bietet die Möglichkeit, den Unterricht motivierend, stressfrei und somit erfolgreich zu gestalten.
(Berthold 2010: 4)
Mit dieser Aussage beschreibt Karin Berthold präzise, welche wichtige Bedeutung das szenische Spiel oder im engeren Sinne die Dramapädagogik in der Sprachförderung Deutsch als Zweitsprache einnimmt.
Lange Zeit wurde das szenische Spiel im Rahmen des DaF/DaZ-Unterrichts vernachlässigt, während seit jeher von Seiten der Lehrkräfte große Unsicherheit bezüglich der Umsetzung dieser Form des sozialen Lernens bestand (vgl. Mairose-Parovsky (1997): 116f.).
Deshalb stellt sich natürlich die Frage, welches Potenzial im Einsatz dramapädagogischer Methoden zur Sprechförderung im DaF/DaZ-Unterricht der Grundschule steckt.
Wie kann man effektiv mit den Techniken des szenischen Spiels im Unterricht arbeiten?
Wie lassen sich diese konkret in der Praxis umsetzen und was sollte dabei didaktisch beachtet werden? Auf diese Fragen soll in der vorliegenden Arbeit eine Antwort gefunden werden. Zunächst wird darauf eingegangen, welche Gründe für den vermehrten Einsatz von dramapädagogischen Methoden in der Grundschule sprechen und welche Ziele damit erreicht werden sollen. Des Weiteren werden didaktische Grundlagen zum szenischen Lernen und damit einhergehend Grundideen zur dramapädagogischen Gestaltung von DaF/DaZ-Stunden vorgestellt.
Darüber hinaus widmet sich die Arbeit einzelnen Inszenierungstechniken und Methoden des szenischen Spiels, sowie den didaktischen Prinzipien. Abschließend werden im Praxisteil anhand von konkreten Beispielen aufgezeigt, wie Sprechförderung in der Grundschule mithilfe des szenischen Spiels umgesetzt werden kann.
Dabei soll deutlich gemacht werden, welche Chancen und Möglichkeiten das szenische Spiel im Hinblick auf das Sprechen und Kommunizieren, die Persönlichkeitsentwicklung und den interkulturellen Austausch besitzt.
Am Ende der Arbeit werden in einem abschließenden Resümee die wichtigsten Ergebnisse festgehalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Potenzial dramapädagogischer Methoden zur Förderung des Sprechens und Kommunizierens
3. Grundlagen zum szenischen Lernen und Interpretieren im Literaturunterricht der Grundschule
4. Didaktische Grundideen zur dramapädagogischen Gestaltung und Umsetzung von DaF-Stunden
5. Inszenierungstechniken und Methoden des szenischen Spiels für einen dramapädagogischen DaF-Unterricht
6. Praxisteil: Sprechförderung mithilfe des szenischen Spiels an konkreten Beispielen
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial dramapädagogischer Methoden zur effektiven Sprechförderung im Deutschunterricht der Grundschule. Dabei wird analysiert, wie durch den Einsatz szenischer Verfahren eine angstfreie Lernatmosphäre geschaffen, die kommunikative Kompetenz gestärkt und die Schüler zur aktiven Sprachverwendung in authentischen Situationen motiviert werden können.
- Bedeutung des szenischen Lernens für die Sprachförderung
- Didaktische Grundlagen und Gestaltung von DaF/DaZ-Stunden
- Vorstellung praxisrelevanter Inszenierungstechniken
- Förderung nonverbaler Kommunikation und Phonetik
- Stärkung sozialer und interkultureller Kompetenzen
Auszug aus dem Buch
3. Grundlagen zum szenischen Lernen und Interpretieren im Literaturunterricht der Grundschule
Zunächst einmal muss geklärt werden, was szenisches Lernen und Interpretieren überhaupt bedeutet. Mit Szenischem Lernen meint man „eine handlungsorientierte- und erfahrungsorientierte Unterrichtsform, die ganzheitliches Lernen ermöglichen will.“ (Steiner (2013): 191) Beim Szenischen Lernen werden Lerninhalte neben der sprachlich-kognitiven Verarbeitung, körperlich und emotional aufgenommen und somit kann Wissen im Gedächtnis mehrfach verarbeitet und langfristig gespeichert werden (ebd.). Diese Art des Lernens steht beim szenischen Spiel im Vordergrund.
Daneben stellt das Szenische Interpretieren eine spezifische Eigenart des szenischen Lernens dar und wird vor allem im Literaturunterricht der Grundschule praktiziert, um Texte besser zu erschließen und erfahrbar zu machen. Durch die praktische Umsetzung einzelner Szenen werden eigene Vorstellungen und Gefühle zu den Inhalten der Textvorlage leichter hervorgerufen (a.a.O. 192).
Darüber hinaus ermöglicht das szenische Interpretieren von Texten der Lehrkraft einen besseren Einblick in die verschiedenen Deutungsansätze und Verstehensmöglichkeiten der Kinder bezüglich der Auffassung des Textinhalts (a.a.O. 193). Dadurch erkennt die Lehrkraft, inwiefern die Schülerinnen und Schüler den Text verstanden haben oder ob weiterhin noch Verständnisprobleme bestehen.
Des Weiteren wird beim szenischen Spiel sowohl die Gruppe, als auch jeder Einzelne gleichermaßen in den Literaturunterricht miteinbezogen, da die szenische Interpretation einer Textvorlage nur in Zusammenarbeit mit den anderen Schülern möglich wird. Dadurch kommt es nicht nur zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der Literaturvorlage. Durch das Diskutieren und Abstimmen über das Gelesene wird vor allem auch die Argumentationsfähigkeit gestärkt (a.a.O. 193 u. 194).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des szenischen Spiels für den Sprachlernprozess und definiert das Ziel, den Einsatz dramapädagogischer Methoden in der Grundschule zu untersuchen.
2. Das Potenzial dramapädagogischer Methoden zur Förderung des Sprechens und Kommunizierens: Dieses Kapitel erläutert die Chancen dramapädagogischer Ansätze, insbesondere im Hinblick auf ganzheitliches Lernen und die Steigerung der Sprechmotivation.
3. Grundlagen zum szenischen Lernen und Interpretieren im Literaturunterricht der Grundschule: Es werden die theoretischen Fundamente des szenischen Lernens definiert und aufgezeigt, wie diese den Zugang zu literarischen Texten erleichtern.
4. Didaktische Grundideen zur dramapädagogischen Gestaltung und Umsetzung von DaF-Stunden: Der Fokus liegt hier auf der praktischen Unterrichtsgestaltung, der Bedeutung nonverbaler Kommunikation und der Wichtigkeit einer angstfreien Lernatmosphäre.
5. Inszenierungstechniken und Methoden des szenischen Spiels für einen dramapädagogischen DaF-Unterricht: Hier werden konkrete Techniken wie das "Beantworten von Einfühlungsfragen", das "Standbild" und das "Agierende Erzählen" vorgestellt.
6. Praxisteil: Sprechförderung mithilfe des szenischen Spiels an konkreten Beispielen: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand praktischer Übungen, wie Sprechhemmungen abgebaut und sprachliche Fähigkeiten trainiert werden können.
7. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und bestätigt die hohe Eignung dramapädagogischer Methoden für die Sprachförderung in der Grundschule.
Schlüsselwörter
Sprechförderung, Dramapädagogik, Grundschule, Szenisches Spiel, DaF, DaZ, Sprachlernprozess, Handlungsorientierung, Literaturunterricht, Nonverbale Kommunikation, Sprachproduktion, Interkulturelles Lernen, Angstfreie Kommunikation, Inszenierungstechniken, Ganzheitliches Lernen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Chancen des szenischen Spiels als Methode zur Sprechförderung im Deutschunterricht der Grundschule für Kinder mit Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des szenischen Lernens, die methodische Gestaltung von DaF/DaZ-Stunden und die praktische Anwendung von Inszenierungstechniken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu zeigen, wie durch dramapädagogische Methoden ein angstfreies und motivierendes Sprechen ermöglicht und die kommunikative Kompetenz der Schüler nachhaltig gefördert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Proseminararbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und die Theorie mit konkreten Praxisbeispielen für den Unterricht verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, didaktische Prinzipien, die Vorstellung spezifischer Inszenierungstechniken und einen praxisorientierten Abschnitt mit konkreten Umsetzungsbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sprechförderung, Dramapädagogik, Szenisches Spiel, Handlungsorientierung und interkulturelle Kommunikation sind die prägenden Begriffe dieser Arbeit.
Wie trägt das "Standbild" zur Sprachförderung bei?
Das Standbild dient als dreidimensionales Werkzeug, um Emotionen und Situationen einzufrieren, was Reflexionsprozesse anregt und Schüler dazu motiviert, über ihre Wahrnehmungen und Gefühle zu sprechen.
Warum ist das "Fehlerverständnis" in der Dramapädagogik so wichtig?
Die Arbeit betont, dass der kommunikative Erfolg und die Motivation der Schüler Vorrang vor der sprachlichen Korrektheit haben sollten, um Hemmungen abzubauen und ein angstfreies Sprechen zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Matthias Mielich (Autor:in), 2016, Wie kann man mit den Techniken des szenischen Spiels im Unterricht arbeiten? Sprechförderung in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345262