Lesen stellt in der heutigen Gesellschaft eine Schlüsselkompetenz für Bildungserfolg dar. Es ist der Schlüssel zum Wissen und zum Verstehen unserer Welt.
Seit den PISA-Ergebnissen aus dem Jahre 2000 ist jedoch bekannt, dass Jugendliche in puncto lesen viel aufzuholen haben: knapp ein Viertel der getesteten Schülerinnen und Schüler hatten Schwierigkeiten einfache Texte verschiedenster Art auf elementarer Ebene zu verstehen und nahezu die Hälfte aller Getesteten gab an, nicht gerne zu lesen. Als Konsequenz wurden bundesweite Bildungsstandards beschlossen. Dieser sogenannte PISA-Schock war der ´Auslöser´ für die didaktische Forderung, die Lesekompetenz (in allen Fächern) zu entwickeln und zu fördern.
Dem Deutschunterricht wurde und wird in dieser Aufgabe eine zentrale Funktion zugesprochen: so ist in den Bildungsstandards für das Fach Deutsch die Entwicklung und Förderung der Lesekompetenz integraler Bestandteil aller Kompetenzbereiche. Darin heißt es, dass „die Schülerinnen und Schüler über grundlegende Verfahren für das Verstehen von Texten [verfügen sollen], was Leseinteresse sowie Lesefreude fördert und zur Ausbildung von Empathie und Fremdverstehen beiträgt“. Außerdem sollen sie „verschiedene Lesetechniken beherrschen, über grundlegende Lesefertigkeiten verfügen: flüssig, sinnbezogen, überfliegend, selektiv, navigierend (z.B. Bild-Ton-Text integrierend) lesen[,] Strategien zum Lesen kennen und anwenden, Leseerwartungen und -erfahrungen bewusst nutzen“.
Neben der oben genannten didaktischen Forderung, zogen die internationalen Vergleichsstudien eine wichtige und berechtigte Frage nach sich, nämlich worauf die unterdurchschnittlichen Leistungen der Schülerinnen und Schülern zurückzuführen sind.
Damit rückte ein weiteres wichtiges Ergebnis in den Mittelpunkt von Forschung und Unterrichtsarbeit: aus den Resultaten ging hervor, dass das Leseverhalten durch verschiedene Faktoren maßgeblich beeinflusst wird, nämlich durch Geschlecht und Bildungsstatus der Eltern. Weitere Studien weisen auf geschlechterspezifische Unterschiede im Umgang mit Literatur und auf die Bedeutung von Familie für das Leseverhalten hin.
Inhaltsverzeichnis
1. Forschungsthematik
2. Herleitung und Relevanz der Forschungsthematik
3. Theoretische Verortung
a) Begriffsdefinition Leseverhalten
b) Darstellung des Forschungsstandes
4. Methodik
a) Grundlegendes Design
b) Begründung der Instrumenten- und Stichprobenwahl
c) Präsentation des Fragebogens
5. Darstellung der Ergebnisse
a) Ergebnisermittlung
b) Ergebnisse
c) Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der vorliegenden Forschungsarbeit ist es, den aktuellen Einfluss von Geschlecht, Sprachbiographie und dem Bildungsgrad der Eltern auf das Leseverhalten von Schülern der 8. Jahrgangsstufe zu untersuchen. Anhand einer quantitativen Studie soll geprüft werden, inwieweit diese Faktoren als Prädiktoren für das individuelle Leseinteresse und -verhalten fungieren können.
- Literarische Sozialisation und Lesesozialisation bei Jugendlichen
- Einfluss des Geschlechts auf Lesefrequenz und Lektürepräferenzen
- Zusammenhang zwischen elterlichem Bildungsstatus und Leseinteresse
- Rolle der Sprachbiographie und Mehrsprachigkeit bei der Lesepräferenz
- Didaktische Implikationen zur Leseförderung im Deutschunterricht
Auszug aus dem Buch
Rolle des Geschlechts
Alle empirischen Untersuchungen zum Leseverhalten machen auf eine Geschlechtsspezifik des Lesens aufmerksam, das anhand der oben aufgeführten Achsen der Differenz näher differenziert wird. Im Folgenden wollen wir uns näher anschauen, welche Ergebnisse aus der KIM- und JIM-Studie bezüglich des geschlechtsspezifischen Leseverhaltens zu verzeichnen sind.
1. Ein zentraler Befund aus den Studien ist, dass Mädchen häufiger und länger, also quantitativ mehr als Jungen lesen („Bei den Jungen ist [...] der Anteil der Nicht-Leser [...] doppelt so hoch wie bei den Mädchen“)10.
2. Bezüglich der Lesestoffe und Lektürepräferenzen zeigt sich, dass Mädchen andere Bücher, andere Zeitschriften und Textsorten im Internet präferieren als Jungen.11 Während Mädchen fiktionale Texte, Biographien und Literatur mit Lebensbezug bevorzugen, ziehen Jungen vor allem Fantasy, Sachbücher, Zeitungen und Zeitschriften vor.
3. Die Lektürepräferenzen der Geschlechter gehen mit den Leseweisen und Lektüremodalitäten einher: Mädchen lesen mit großer emotionaler Beteiligung und dem Aspekt der Identifikation kommt eine große Bedeutung zu. Jungen hingegen gehen an Texte distanzierter und sachbezogener heran.12
4. Die Lesefreude und -neigung ist bei Mädchen stärker ausgeprägt als bei Jungen: Mädchen geben im Vergleich zu Jungen Lesen häufiger als eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen an.13
5. Auch im Bereich der Lesekompetenz haben die Mädchen die Nase viel weiter vorn als die Jungen: Mädchen lesen besser als Jungen und besonders bei anspruchsvolleren Aufgaben schneiden sie besser ab.14
Zusammenfassung der Kapitel
1. Forschungsthematik: Kurze Einleitung in das Thema der literarischen Sozialisation und die Zielsetzung der quantitativen Studie.
2. Herleitung und Relevanz der Forschungsthematik: Darstellung der Bedeutung von Lesekompetenz als Schlüsselqualifikation unter Berücksichtigung des sogenannten "PISA-Schocks".
3. Theoretische Verortung: Definition des Begriffs Leseverhalten durch verschiedene Achsen der Differenz und ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand.
4. Methodik: Beschreibung des quantitativen Studiendesigns, der Stichprobenauswahl und der Gestaltung des eingesetzten Fragebogens.
5. Darstellung der Ergebnisse: Präsentation der Datenanalyse bezüglich Geschlecht, Bildungsgrad der Eltern und Sprachbiographie sowie eine kritische Reflexion der Resultate.
Schlüsselwörter
Leseverhalten, Lesesozialisation, PISA-Studie, Geschlechtsspezifik, Leseförderung, Bildungsgrad, Sprachbiographie, Mehrsprachigkeit, Lesemotivation, quantitative Studie, Lektürepräferenzen, Lesekompetenz, Deutschunterricht, Mediennutzung, Literaturvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Geschlecht, Sprachbiographie und dem elterlichen Bildungsgrad auf das Leseverhalten von Schülern der 8. Jahrgangsstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Themen umfassen literarische Sozialisation, geschlechtsspezifische Unterschiede beim Lesen, sowie die Bedeutung des Elternhauses und der Mehrsprachigkeit für das Leseinteresse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aktuelle Zusammenhänge zwischen den genannten Einflussgrößen und dem Leseinteresse zu analysieren und offene Forschungsfragen zur Mehrsprachigkeit zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein quantitatives Design verwendet, bei dem Daten mittels Fragebögen erhoben und anschließend statistisch (unter anderem mit SPSS und Excel) ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Verortung der Begriffe, die methodische Vorgehensweise und die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Lesesozialisation, Lesekompetenz, Geschlechterunterschiede, Elternhaus und Lesemotivation.
Wie unterscheidet sich das Leseinteresse zwischen Jungen und Mädchen laut der Studie?
Die Studie belegt, dass Mädchen eine höhere Leseaffinität und Lesefrequenz aufweisen sowie fiktionale Texte bevorzugen, während Jungen häufiger zu Sachbüchern, Zeitschriften oder Online-Medien greifen.
Welche Rolle spielt die Mehrsprachigkeit?
Die Autorin stellt fest, dass in ihrer Stichprobe mehrsprachige Kinder teils ein geringeres Leseinteresse zeigen, weist jedoch einschränkend auf die begrenzte Stichprobengröße hin.
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- Sevim Toker (Autor), 2016, Lese- und literarische Sozialisation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345286