Schuldnerberatung in der Sozialarbeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
44 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorstellung des ThemasSeite

2. Überschuldung
2.1. Wie gerät man von der Verschuldung in die Überschuldung?
2.2. Ursachen der Überschuldung
2.3. Folgen der Überschuldung
2.4. Der „Teufelskreis Schulden“

3. Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit
3.1. Warum Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit?
3.2. Geschichte und Definition der Schuldnerberatung als Sozialarbeit
3.3. Klienten der Schuldnerberatung
3.4. Der Grundsatz der „Ganzheilichkeit“
3.5. Anforderungen der ganzheitlichen Schuldnerberatung
3.6. Der Grundsatz „Hilfe zur Selbsthilfe“
3.7. Der Grundsatz der Freiwilligkeit
3.8. Ablauf einer Schuldnerberatung
3.9. Der bürokratische Aufwand in der Schuldnerberatung
3.10. Die Schwierigkeit mit dem Sozialen in der Schuldnerberatung

4. Zusammenfassung

5. Ein Weg zur Schuldenbefreiung
5.1. Verbraucherinsolvenzverfahren und Restschuldbefreiung

6. Erfahrungen, Probleme und Kritik aus eigener Sicht

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Vorstellung des Themas

„Jetzt kaufen, später zahlen“ - dieser oder ähnliche Slogan begegnen uns fast täglich und beschreiben das oft alltägliche Kauf- und Konsumverhalten vieler Menschen.

Fast jede Person hat schon einmal Schulden gehabt. Solch eine Lebenssituation ist heute nichts mehr besonderes, das Aufnehmen von Krediten gehört heute zum Alltag der Lebensführung. Normalerweise sollte es kein Problem darstellen, diese Schulden in festen Teilbeträgen monatlich zurückzuzahlen. Unvorhersehbare Ereignisse aber verwerfen oftmals den Haushaltsplan. Dann reicht das verfügbare Einkommen nicht mehr aus und Haushalte geraten von der Verschuldung in die Überschuldung.

Überschuldung führt in der Regel eine Vielzahl von psychsozialen Belastungen mit sich und hat meist Auswirkungen auf das gesamte Umfeld des Verschuldeten. Hier wird deutlich, daß bei Überschuldung nicht nur eine finanzielle Beratung von Notwendigkeit ist, sondern auch eine soziale Betreuung des Verschuldeten.

Der Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit kommt hierbei ein entscheidender Stellenwert zu. Hier gilt es, den Blick nicht nur auf die wirtschaftliche Seite zu richten, sondern auch das persönliche, familiale und soziale Umfeld des Verschuldeten mit in den Blick zu nehmen, um dem Klienten bei seiner Gesamtsituation Hilfestellung zu leisten. Im folgenden sollen diese genannten Punkte näher erörtert werden, um die Notwendigkeit, aber auch die Schwierigkeiten der Schuldnerberatung als Sozialarbeit aufzuzeigen.

2. Überschuldung

2.1. Wie gerät man von der Verschuldung in die Überschuldung?

Mit Schulden zu leben, stellt zunächst keine Besonderheit dar. Viele Privathaushalte nehmen für die Finanzierung größerer Anschaffungen (PKW-Kauf, Elektrogeräte, Möbel...) Ratenkredite auf oder es handelt sich bei den Schulden um Verpflichtungen bei Sparkassen oder Banken. Weitere übliche Verschuldungsformen sind beispielsweise Mietschulden, Energieschulden, Schulden bei Versandhäusern, Versicherungsschulden, Wett- und Spielschulden, Schulden bei Freunden, Bekannten oder Verwandten, Schulden bei Ämtern, Steuerschulden oder Schulden aus Unterhaltszahlungen. Oftmals liegt eine Kombination von verschiedenen Verschuldungsformen vor, nur selten ist ein Haushalt nur durch eine Form belastet.

Mit dem Aufnehmen von Schulden rechnet ein Haushalt in der Regel die zukünftigen monatlichen Ratenzahlungen zu ihren Ausgaben dazu. So stellt es eigentlich keine große Schwierigkeit dar, die Schulden in einem vereinbarten Zeitraum zu tilgen. Berücksichtigt wird hierbei oft nicht, daß sich die Einkommenssituation durch sogenannte „kritische Lebensereignisse“ sehr schnell ändern kann. Solche Einkommensbußen sind meist auf unvorhersehbare Geschehnisse im Lebenslauf zurückzuführen. Die Geburt eines Kindes und damit eventuell verbunden entfallendes zweites Einkommen, Arbeitslosigkeit oder Krankheit können eine gesamte Hauhaltsplanung zunichte machen. Und wer denkt schon gerne an solche zum Teil unangenehmen Ereignisse und plant diese bewußt ein?

Wenn einem Haushalt solche Ereignisse widerfahren, können diese schnell den Übergang von der Verschuldung zur Überschuldung auslösen.

„Überschuldung bezeichnet die Situation, in der ein Privathaushalt nach Abzug seiner Lebensunterhaltskosten wie Miete, Energie- und Nahrungsmittelausgaben nicht mehr in der Lage ist, mit seinem restlich verfügbaren Einkommen seinen Ratenverpflichtungen mindestens einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten nachzukommen.“[1]

Überschuldung stellt eine außerordentliche Belastung für die gesamte Familie und das soziale Umfeld dar. Die Problemlage bezieht sich meist nicht nur auf den finanziellen Bereich, sondern zieht auch psycho-soziale Belastungen mit sich.

In dieser Situation haben die Überschuldeten die Möglichkeit, sich an Schuldnerberatungsstellen zu wenden, die den Betroffenen Rat, Unterstützung und Hilfe geben können und ihnen neue Perspektiven öffnen können.

2.2. Ursachen der Überschuldung

Die Suche nach Ursachen der Überschuldung kann aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschehen. Zum einen lassen sich Gründe festmachen, die von dem Überschuldeten völlig unbeeinflußbar sind. Unverschuldete Arbeitslosigkeit oder Kreditvergabe-Kriterien zählen beispielsweise zu solchen Ursachen. Als weiterer nicht unerheblicher Aspekt ist ebenfalls zu beachten, daß Verschuldung in unserer Gesellschaft als Normalität akzeptiert wird. In einer Kreditgesellschaft wie unserer, wird die Situation der Überschuldung als „Unfall“, als normales Ereignis angesehen. Gerade diese Auffassung läßt den Anschein entstehen, daß Kreditaufnahme und Schulden kaum Gefahren in sich birgen und problemlos damit umzugehen ist.

Neben diesen objektiven Gründen gibt es auch eine Vielzahl von subjektiven Anteilen. Oft liegt bei den Verschuldeten eine mangelnde Kompetenz zugrunde, mit Geld umzugehen. Die verfügbaren Geldmittel werden ohne langfristige Planung ausgegeben. Die finanziellen Mittel werden falsch eingeschätzt und die Kaufentscheidungen basieren auf unwirtschaftlichen Überlegungen. Hierzu kommen oftmals fehlende Kenntnisse über Kredite und ihre möglichen Konsequenzen.

Nicht selten haben Käufe die Funktion von Kompensation, beispielsweise bei beruflichen oder privaten Enttäuschungen. Kaufentscheidungen werden dann nicht getroffen, weil sachliche Gründe dafür sprechen, sondern sie dienen als Ausgleich für emotionale Enttäuschungen. Die Kaufentscheidungen sind dann rein emotional gesteuert. Durch berufliche oder private Niederlagen oder die schon bestehende Überschuldung leidet der Schuldner nicht selten unter mangelndem Selbstwertgefühl und Minderwertigkeitsgefühlen. Konsumartikel können dann bei solchen Personen ein Gefühl der Aufwertung herbeiführen.

Ähnlich zu betrachten sind Demonstrationseinkäufe, durch die ein gesellschaftlicher Status dargestellt werden soll und eine Angleichung an anderer gesellschaftliche Gruppen bewirkt soll.

Als nicht zu vernachlässigende Ursache sind weiterhin Suchtprobleme zu nennen. Wenn zum Beispiel eine Alkohol- oder Drogensucht finanziert werden muß, erhöhen sich die Ausgaben in erheblichem Maße. Finanzielle Planung und rationaler Umgang mit Geld wird aufgrund der Sucht undenkbar.

Es wird deutlich, daß für Überschuldung nicht die Ursache festzumachen ist, die als der Auslöser für die Überschuldungsituation zu verstehen ist. Die Ursachen einer Überschuldung sind vielfältig. Strukturelle, objektive Probleme fallen mit individuellen Geschehnissen im Leben des Schuldners zusammen. Soziale Krisen und Ereignisse wie Trennung Scheidung, Krankheit oder Geburt führen oft zu einer Krise der materiellen Lebenssituation. Somit ist es falsch, Überschuldung als ein rein wirtschaftliches Phänomen zu betrachten und psychosoziale Aspekte aus dem Blick zu lassen

2.3. Folgen der Überschuldung

Die Belastung durch Schulden führt eine endlose Reihe von Ängste und Sorgen mit sich. Meist bedrückt ein ganzer Berg von Sorgen und Ängsten die Betroffenen. Schlaflosigkeit, Reizbarkeit und das Gefühl von persönlichem Versagen, das Gefühl der Auswegslosigeit und Ohnmacht in der Situation von Überschuldung gehören wohl zu den regelmäßigen Empfindungen der Schuldner.

Überschuldung stellt für die gesamte Familie eine ernsthafte Krise dar. Angst, Unsicherheit und das Gefühl der Hilflosigkeit machen sich bei allen Lebensmitgliedern breit.

„Finanzielle Notstände, wenn sie nicht von den Betroffenen selbst aufgefangen oder kompensiert werden können - was aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen selten der Fall ist -, gefährden auf Dauer das familiale Sozialgefüge und werden zu Auslösern von Lebenskrisen und Familienkonflikten.“[2]

Meist dominiert das finanzielle Problem die gesamte Familie, erhebliche dauernde Konflikte sind nicht selten. Die Überschuldung ist in der Regel für jede Familie eine ernsthafte Krisensituation. Ehe- oder Lebenspartner geraten in ständige Streitereien, durch die Hilflosigkeit stehen in solch einer Situation gegenseitige Schuld- und Versagensgründe an der Tagesordnung. Ehen oder Beziehungen können so unter dieser Situation leiden, daß sie an dieser Problematik zerbrechen. Die Familienatmosphäre wird in den Haushalten unerträglich, ein normaler Umgang zwischen den Familienmitgliedern ist meist nicht mehr möglich.

Nicht nur die Partner entfernen sich voneinander, sondern auch das Verhältnis der Eltern zu den Kindern kann unter dieser Problematik leiden. Die Aufmerksamkeit für die Kindern tritt meist in den Hintergrund, die Kinder fühlen sich vernachlässigt und sind in ihrem Elternhaus mit ständiger Reizbarkeit, Traurigkeit und Streitereien konfrontiert. Für viele Kinder wird es unerträglich, sich in ihrem Elternhaus aufzuhalten. Sie ziehen sich zusehnlichst zurück und meiden nicht selten jeglichen Kontakt. Neue Probleme wie schulische Schwierigkeiten können die Folge sein und eine zusätzliche Belastung darstellen.

Damit wird jedem Betroffenen der Situation gegenseitiger Halt und Unterstützung verwehrt. Aber gerade diese Aspekte, genauso wie Toleranz und Verständnis, sind in solch einer Notsituation von maßgeblicher Bedeutung. Jedes Familienmitglied lebt zwangsläufig in einem Gefühl des Alleinsein und der Isolation.

Es zeigt sich, daß der Mangel an ökonomischen Ressourcen in der Regel nicht durch soziale Ressourcen zu kompensieren ist, da diese völlig ausgeschöpft sind.

Die Menge von Sorgen und Ängsten, die zusätzlich, beziehungsweise durch die wirtschaftliche Notsituation entstehen, ist immens. Die Schuldenproblematik einer Familie äußert sich in vielfältiger Form: dauernde Geldsorgen, damit kein ausreichendes Geld für die Miete, Kleidung oder Nahrungsmittel; Probleme mit dem Partner, die begegnende Interesselosigkeit oder die Angst vor dem Gerichtsvollzieher: Was denken die Nachbarn, die Kinder etc.?

Gerade der Aspekt des Ansehens bereitet den Betroffenen in den meisten Fällen erhebliches Kopfzerbrechen. Meist läßt sich die Schuldenproblematik nach außen nicht dauerhaft verdecken. Früher oder später erfahren Freunde, Bekannte, Verwandte oder die Mitschüler der Kinder von den Geldsorgen. Noch nicht einmal der Schein des unbesorgten Lebens kann dann noch länger gewahrt werden. Bei den Betroffenen macht sich dann oft ein Gefühl breit, in ihrem Versagen entlarvt und bloßgestellt zu sein. Wichtige Lebensbereiche wie Hobbys oder Vereine werden gemieden, um in keine direkte Konfrontation zu geraten. Schuldner ziehen sich oftmals aus dem kompletten gesellschaftlichen Leben zurück und leben in absoluter Isolation von ihrer Umwelt. Aber auch hier könnten enge Freunde Hilfeleistung, Unterstützung, Ratschläge oder ein offenes Ohr bieten, was die Verfassung der Betroffenen sicherlich verbessern würde. Die Angst, ihre Problematik in der Öffentlichkeit offenzulegen stellt in den meisten Fällen eine sehr gewichtige Belastung der Überschuldeten dar, wodurch die eigentliche Belastung durch die finanzielle Notsituation zusätzlich verstärkt wird.

Ähnliche Angst äußert sich gegenüber dem Arbeitgeber. Falls Arbeitslosigkeit nicht als eine Ursache für die Überschuldung gilt, wird meist versucht, die Schuldenproblematik vor dem Arbeitgeber und auch den Kollegen zu verbergen. Spätestens bei Lohnpfändungen aber, erfahren auch diese davon. Bei mangelnder Toleranz, Offenheit, Gesprächs- und Kompromissbereitschaft kann Kündigung die Folge sein, wodurch dem Schuldner die letzte Hoffnung auf Verbesserung der Situation genommen wird.

2.4. Der „Teufelskreis Schulden“

Bei der Betrachtung der Erörterung der möglichen Ursachen und Folgen der Überschuldung wird deutlich, daß es nur selten einen bestimmtem Grund für die finanzielle Notsituation gibt, genauso wie man kaum eine einzige Folge der Überschuldung festmachen kann. Ebenso lassen sich die Aspekte Ursachen und Folgen nur schwer voneinander trennen. Betrachtet man beispielsweise die Problembereiche Beziehungsprobleme, Suchtproblematik oder Arbeitslosigkeit fällt es in der Regel schwer, diese Probleme als Ursache oder Folge zu unterscheiden. Ein Schuldner kann durch plötzliche Arbeitslosigkeit in Überschuldung geraten, aber auch durch seine Schuldenprobleme und die damit meist verbundene fehlende Motivation seinen Arbeitsplatz verlieren. Ebenso ist es denkbar, daß eine Person durch Beziehungsprobleme in Suchtproblematik gerät, dadurch vielleicht seinen Arbeitsplatz verliert und die Überschuldung als Folge dessen zu sehen ist.

In der Regel liegt bei einem Überschuldeten eine Komplexität von Problematiken vor, die in einem engen, sich bedingenden Bezug zueinander stehen. Gerade durch die Vielzahl der Probleme und ihrer wechselseitigen Kombination geraten Menschen nicht selten in eine finanzielle Notsituation.

Gerade diese Menge von Problemen und Belastungen psychosozialer Art zeigen die Notwendigkeit einer Schuldnerberatung in der Sozialarbeit auf. Denn nur dort besteht genügend Kompetenz, um den Schuldner in seinem sozialen und wirtschaftlichen Kontext zu betrachten und seinen konkreten Lebenszusammenhang und seine Lebenslage entscheidend zu berücksichtigen.

3. Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit

3.1. Warum Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit?

Neben der Schuldnerberatung in der Sozialarbeit, die sich mehrheitlich unter dem Dach der Kommunen oder der Wohlfahrtsverbände konstituierten, gibt es gegenwärtig noch weitere Anbieter von Hilfeleistungen und konzeptionellen Richtungen der Schuldnerberatung. Auch Rechtsanwälte, Notare oder Verbraucherzentralen sind als „geeinigte Personen“ befugt, bei Überschuldung weiterzuhelfen. Die Konzentration gilt bei diesen Formen der Schuldnerberatung im allgemeinen vornehmlich der ökonomischen Situation. Ziele sind hier die Entschuldung, Informationen und Beratung bei Ansprüchen und das Erlernen des sparsamen Umgangs mit finanziellen Mitteln. Die Schuldnerberatung dieser konzeptionellen Richtungen ist in der Regel nur kurzfristig oder mittelfristig angesetzt. Schwerpunktmäßig wird hier mit den Symptomen der Überschuldung gearbeitet, die beseitigt werden sollen. Problematiken im persönlichen, familialen und sozialen Bereich werden hier völlig außer Acht gelassen. Die bisherige Erörterung der möglichen Ursachen und Folgen der Überschuldung haben jedoch deutlich gezeigt, daß es nicht wirksam ist, die Schuldenproblematik als isoliertes Phänomen zu betrachten.

Genau davon geht auch der Ansatz der Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit aus. Sie arbeitet mit der Erkenntnis, daß sich der Schuldner auch gerade wegen der Überschuldung in weiteren schwierigen Situationen befindet. Um bei der bestehenden Problemlage, die aus unterschiedlichen Aspekten besteht, helfen zu können, gilt es hier auch diese Vielfalt in den Blick zu nehmen und dort zur Hilfe anzusetzen. Schuldnerberatung in dieser Ausrichtung versteht sich hiermit als umfassende soziale Arbeit.

3.2. Geschichte und Definition der Schuldnerberatung als Sozialarbeit

Traditionell befaßte sich Sozialarbeit und Sozialpädagogik nur sehr wenig mit der finanziellen Lage der Menschen, dieser Aspekt galt als Aufgabe von beispielsweise Verwaltungsfachleuten. Wenn sich doch mit der materiellen Lage der Klienten beschäftigt wurde, geschah dies im Kontext der Beratung, meist bei der Beratung von Arbeitslosen oder Sozialhilfeempfängern. Das Befassen mit finanziellen und sozialen Problemen beschränkte sich auf Personen, die als Randgruppe galten, wie Strafgefangene, -entlassene oder Obdachlosen.

Seit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit Anfang der 80er Jahre aber, zeigten sich finanzielle Probleme nicht nur bei Randgruppen. Die materielle und finanzielle Situation verschlechterte sich bei großen Teilen der Bevölkerung. Überschuldung wurde so von einem randständigen zu einem „normalen“ Problem. Damit enstand ein ganz neues Feld von Klienten, die Soziale Arbeit nicht vordergründig nur wegen sozialen Problemen benötigten, sondern besonders auch auf der materiellen Ebene. Damit entwickelte sich Schuldnerberatung in der Sozialen Arbeit zu einer allgemeinen Aufgabe und sah sich aufgrund der Entwicklung vor neue Anforderungen gestellt.

Berücksichtigt man die Tradition und neuen Anforderungen der Schuldnerberatung, so läßt sich diese wie folgt definieren:

„Schuldnerberatung versteht sich als Hilfsangebot für hochverschuldete Familien und Einzelpersonen mit dem Ziel, die verschiedenartigen - gerade sozialen - Folgeprobleme von Überschuldung zu beseitigen oder zu minimieren. Schuldnerberatung in der sozialen Arbeit ist damit Teil umfassender Lebensberatung, sie ist ebenso Beratung in sonstigen sozialen Angelegenheiten und damit persönliche Hilfe. Die Schwerpunkte des Beratungsangebots der Schuldnerberatung in der sozialen Arbeit liegen - neben finanziellen, rechtlichen, hauswirtschaftlichen Fragen - vornehmlich in der erforderlichen psycho-sozialen Betreuung, in der persönlichen Beratung und in evtl. notwendigen pädagogisch-präventiven Hilfen. Damit ist Schuldnerberatung einem mehrdimensionalen Beratungsansatz verpflichtet - zugleich versucht sie, methodisch von einem ganzheitlichen Ansatz auszugehen.“[3]

Schuldnerberatung kommt damit die Aufgabe zu, soziale Beratung im klassischen Sinne durchzuführen, das heißt die konkrete Lebenslage des Schuldners und seine sozialen und psychischen Probleme in den Blickwinkel nehmen. Dabei muß aber auch immer die finanzielle Notsituation des Haushalts im Blick bleiben. Soziale Beratung darf so nicht isoliert von materiellen, wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen geschehen.

Grundsätzlich lassen sich zusammenfassend folgende Aufgabengebiete unterscheiden:

- Finanziell-Rechtliche Betreuung
- Hauswirtschaftliche Hilfen
- Pädagogisch-Präventive Hilfen
- Psychosoziale Beratung

Finanziell-Rechtliche Betreuung beinhaltet vordergründig die Zusammenstellung der Forderungen der Gläubiger, eine Übersicht über die Einnahmen und Ausgaben der Haushalte oder Informationen über mögliche Ansprüche der Betroffenen. Daran anschließend ist eine Verhandlung mit den Gläubigern möglich.

Auf die Planung einer sinnvollen Haushaltsführung zielt die Hauswirtschaftliche Hilfe. Hierbei können Ausgabenersparnisse oder Einkommenserhöhungen aufgezeigt werden.

[...]


[1] VEIT; WEINHOLD: Schulden... 1998, S.18

[2] MÜNDER; HÖFKER; KUNTZ; WESTERATH: Schuldnerberatung in der sozialen Arbeit... 1994, S. 24

[3] MÜNDER; HÖFKER; KUNTZ; WESTERATH: Schuldnerberatung in der sozialen Arbeit... 1994, S. 16f.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Schuldnerberatung in der Sozialarbeit
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
44
Katalognummer
V34531
ISBN (eBook)
9783638347259
Dateigröße
1223 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schuldnerberatung, Sozialarbeit
Arbeit zitieren
Andrea Adam (Autor), 2001, Schuldnerberatung in der Sozialarbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34531

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