Rekrutierung ausländischer Kräfte in der Pflege


Studienarbeit, 2016
33 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Pflege in Deutschland
1.1. Pflegearten und Pflegeorganisationen
1.2. Organisation der Pflegekräfte
1.3. Aktuelle Situation in Deutschland

2. Gesundheit und Pflege als Wachstumsbranche
2.1. Allgemeine Rahmenbedingungen
2.2. Hoher gesellschaftlicher Wert - niedrige Einkommen
2.3. niedriges Ansehen der Pflegeberufe

3. Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Pflege
3.1. Kompetenz ist erforderlich
3.2. Fachkräftemangel und Fachkräfteengpass
3.3. Pflegefachkräftemangel

4. Maßnahmen gegen Fachkräftemangel
4.1. Pflege zuhause
4.2. Pflege zu Hause contra Pflege in Heimen
4.3. Gesetzliche Regelungen
4.3.1. Pflege - Neuausrichtungs - Gesetz
4.3.2. Pflegestärkungsgesetz

5. Auslandskräfte
5.1. Kosten für Pflegeheime gegen Kosten für Auslandskräfte
5.2. Einsatz ausländischer Pflegekräfte
5.3. Ausländische Pflegekräfte – immer noch ein Problem?
5.4. Voraussetzungen für den Einsatz ausländischer Pflegekräfte
5.4.1. Visum
5.4.2. Entsendebescheinigung nach Arbeitnehmerentsendegesetz
5.4.3. Deutschkenntnisse
5.5. Pflegefachkraftausbildung im Ausland
5.6. Anerkennung erworbener Abschlüsse aus dem Ausland
5.7. Wege um Pflegekräfte aus dem Ausland zu rekrutieren
5.7.1. Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)
5.7.2. Private Vermittlungsunternehmen
5.8. Anerkennung von Qualifikationen

6. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland 2009 bis 2030 nach Pflegestufen

Abbildung 2 Altenanteil und -quotient 60+

Abbildung 3 Fachkräfteengpässe in Gesundheits- und Pflegeberufen

Abbildung 4 Kompetenzvergleich ausländische Pflegekräfte mit Einheimischen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Pflege in Deutschland

In der nachfolgenden Arbeit soll die Situation im Pflegebereich und die Möglichkeit ausländische Arbeitskräfte in den verschiedenen Pflegebereichen zu rekrutieren und einzusetzen untersucht werden.

Pflegebedürftigkeit kann unverhofft von heute auf morgen jeden treffen. Sei es durch einen Unfall, eine Krankheit oder einfach nur auf Grund des Alters. Alleine schon auf Grund der Tatsache, dass es in Deutschland immer mehr Single Haushalte gibt, sind sehr viele nicht mehr in der Lage, sich in einer solchen Situation selber zu versorgen.

Die enorme Entwicklung der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland sieht man anhand der folgenden Grafik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Anzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland 2009 bis 2030 nach Pflegestufen[1]

Die obige Abbildung „zeigt, dass die Zahl der Pflegebedürftigen über die drei Pflegestufen hinweg in den kommenden Jahren massiv ansteigen wird. Während aktuell 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig sind, werden es 2020 bereits 2,9 Millionen sein, also 540.000 mehr als heute. Bis 2030 nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen um weitere 470.000 Personen zu.“[2]

Nach wie vor genießen die Pflegeberufe in Deutschland immer noch nicht das Ansehen und die Anerkennung die ihnen zustehen, obwohl diese Berufe einen sehr wertvollen Beitrag in der Kranken- und Altenversorgung darstellen. Die Situation, die Pflegeberufe mit deutschen Arbeitskräften abzudecken, wird somit und auch durch den demografischen Wandel immer problematischer. Seit Jahren gibt es daher einen Trend, um die Pflege sicherzustellen, auf ausländische Arbeitskräfte zurückzugreifen.

1.1. Pflegearten und Pflegeorganisationen

Bei den Pflegearten muss zunächst unterschieden werden in Krankenpflege, Altenpflege und Intensivpflege. Außerdem muss beachtet werden, dass die Pflegebedürftigen in drei Pflegestufen unterteilt werden und von daher der Pflegeaufwand auch entsprechend der jeweiligen Pflegestufe unterschiedlich intensiv ist.

Es gibt mehrere Arten von Pflegeorganisationen. Ein Großteil der Pflege wird von privaten Pflegeunternehmen abgedeckt. Des Weiteren wird Pflege auch von den verschiedenen Caritativen Einrichtungen angeboten. Intensivpflege wird ausschließlich von hierfür besonders ausgebildeten Pflegekräften und nur in dafür vorgesehenen Einrichtungen geleistet.

1.2. Organisation der Pflegekräfte

Wie werden die Interessen der Pflegeberufe in Deutschland wahrgenommen und vertreten? Verantwortlich dafür ist der Deutsche Berufsverband für Krankenpflege (DBfK), der Deutschen Berufsverband für Pflegekräfte

„Bis zum Jahr 1991 trug der Verband den Namen ' D eutscher B erufsverband f ür K rankenpflege', so entstand das Kürzel DBfK. Als sich die Altenpflege als eigenständiger Beruf entwickelte und der DBfK sich auch mit der Namensänderung "... für Krankenpflege" in "... für Pflegeberufe" weiter öffnete, war DBfK in der Pflegelandschaft bereits so geläufig, dass es unklug gewesen wäre, das zu ändern.“[3]

1.3. Aktuelle Situation in Deutschland

Wie sieht die aktuelle Situation bei Pflegekräften in Deutschland aus? Obwohl immer mehr Pflegefirmen tätig werden und diese oftmals schon auf ausländische Arbeitskräfte zurückgreifen, kann der aktuelle Bedarf nicht abgedeckt werden.

„Die geburtenstarken Jahrgänge wachsen in den nächsten Jahren kontinuierlich aus dem Erwerbsalter heraus. Laut der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes sinkt in Deutschland bis zum Jahr 2030 die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter um rund 7,5 Mio. auf 42,2 Mio. Gleichzeitig vergrößert sich die Gruppe der über 65-Jährigen deutlich. Bis zum Jahr 2030 steigt ihre Zahl um ein Drittel auf 22,3 Mio. an.

Vor diesem Hintergrund steht die Pflegebranche vor besonderen Herausforderungen, da sich Demografie bedingt der Bedarf an Pflege- und Betreuungsangeboten verändert – quantitativ und strukturell. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird voraussichtlich von derzeit rund 2,4 Mio. auf 3 bis 3,4 Mio. im Jahr 2030 steigen.

Zudem wandelt sich das Krankheitsspektrum – ältere Menschen sind häufiger chronisch krank, viele davon multimorbid, und psychische Erkrankungen wie Demenz nehmen zu.

Die Nachfrage nach Pflegepersonal wird sich aufgrund dieser demografischen Entwicklungen voraussichtlich stark erhöhen. Aus einem kleiner werdenden Arbeitskräftepool müssen zukünftig mehr Pflegefach und -hilfskräfte gewonnen werden. Es gilt daher geeignete Strategien zu entwickeln, damit der zu erwartende Fachkräftemangel nicht das Wachstum der Pflegebranche hemmt.

Bereits in den letzten elf Jahren haben stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen deutlich Personal aufgebaut, wie aus Tabelle 1 zu entnehmen ist. Den größten Zuwachs gab es jeweils in der Berufsgruppe der Altenpfleger/innen.

Zunehmend bleiben jedoch offene Stellen für Pflegefachkräfte dauerhaft oder für einen längeren Zeitraum unbesetzt. Im März 2011 lag die Zahl der gemeldeten offenen Stellen bei Heimen mehr als doppelt so hoch wie im Vergleichsmonat des Jahres 2007.“[4]

Das Wichtigste zu den Pflegeberufen ist, die Beschäftigung ist in den letzten Jahren um 20% angestiegen. Im Gesundheits- und Pflegesektor ist der Frauenanteil deutlich größer als im Vergleich zur Gesamtbeschäftigung, dies betrifft sowohl Teilzeit- als auch Vollzeitbeschäftigung. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten betrug 2010 bei insgesamt 40.700 gemeldeten Stellen in diesem Bereich rund 30%, wohingegen man in diesem Berufssektor kaum Minijobber findet. Außerdem ist die Arbeitslosigkeit in diesen Bereichen immer weiter gesunken. Die Besetzung offener Stellen in den Pflegeberufen fällt zunehmend schwerer.[5]

2. Gesundheit und Pflege als Wachstumsbranche

Der gesamte Bereich der Pflegeberufe ist seit Jahren ein stetig wachsender Sektor.

Gesundheit und Pflege – eine Wachstumsbranche

Die Gesundheitswirtschaft hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftsmotor und einem der wichtigsten Sektoren der Volkswirtschaft entwickelt. So ist die Gesundheits- und Pflegebranche trotz wirtschaftlicher Turbulenzen in den letzten Jahren weiter gewachsen. Der Jahresumsatz des Gesundheitssektors lag 2008 bei etwa 260 Mrd. Euro. 4,3 Mio. Beschäftigte in über 800 Gesundheits-, und Pflegeberufen erzielten somit gut 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Ein wichtiger Teilbereich des Gesundheitssektors ist der Pflegesektor. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Ende 2009 2,3 Mio. Menschen in Deutschland pflegebedürftig – das sind 91.000 Personen mehr als noch 2007 (+4 Prozent). Mehr als zwei Drittel von ihnen werden zu Hause versorgt, davon wird rund eine Millionen ausschließlich von Angehörigen gepflegt. Die übrigen 555.000 werden zumindest zeitweise durch ambulante Pflegedienste versorgt. Im Jahr 2009 waren 269.000 Personen in Voll- und Teilzeit für ambulante Pflegedienste tätig. Gegenüber 2007 bedeutet dies eine Steigerung um 33.000 Beschäftigte oder 14 Prozent. 717.000 Pflegebedürftige waren vollstationär in Heimen untergebracht. Zum selben Zeitpunkt waren 621.000 Personen in Pflegeheimen in Voll- und Teilzeit beschäftigt. Verglichen mit 2007 waren 2009 somit 48.000 Beschäftigte oder acht Prozent mehr Personal in Pflegeheimen tätig.

Gesundheits- und Pflegeberufe gewinnen sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich gesehen immer mehr an Bedeutung. Neben dem demografischen Wandel tragen auch der medizinisch-technische Fortschritt und das veränderte Gesundheitsverständnis der Bevölkerung zu dieser Entwicklung bei.

In Folge der zunehmenden Alterung der Gesellschaft wird erwartet, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2015 auf 2,7 Mio. ansteigt. Berechnungen, bei denen die Pflege-quote als konstant angenommen wird, prognostizieren zudem für das Jahr 2020 2,9 Mio. Pflegebedürftige und für 2030 sogar 3,2 bis 3,4 Mio. Der Anteil pflegebedürftiger Menschen an der Gesamtbevölkerung wird im Jahr 2020 demnach 3,6 Prozent betragen und voraus-sichtlich bis zum Jahr 2030 auf 4,4 Prozent steigen.

Vor dem Hintergrund der bundesweiten Zunahme an Pflegebedürftigen wird mit einem zusätzlichen Pflegekräftebedarf bis 2030 von rund 325.000 Vollkräften in der Altenpflege, darunter etwa 140.000 Pflegefachkräfte, gerechnet.“[6]

Wie schon oben dargestellt, hat der Beruf der Pfleger immer noch nicht die ihm zustehende Reputation.

Wertvoll, aber nicht geschätzt - der Altenpflegeberuf

"Berufe im Schatten" - unter dieser wenig glanzvollen Bezeichnung nimmt ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Dortmund den Beruf der Altenpflege in den Blick. Das Anliegen der Studie ist es, den Unterschied zwischen angesehenen und weniger angesehenen Berufen zu verstehen. Woher rührt eine Differenz der Wertschätzung etwa zwischen der Krankenpflege und der Altenpflege? Worauf kann sich Wertschätzung stützen und wie wäre sie zu erhöhen? Solche Fragen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung einer Reihe von Projekten, die im Förderschwerpunkt "Dienstleistungsqualität" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit Wertschätzungs- und Pflegethemen beschäftigt sind.“[7]

Neben der geringen Wertschätzung sind die Pflegeberufe nach wie vor im Lohnniveau sehr niedrig angesiedelt.

2.1. Allgemeine Rahmenbedingungen

Auf Grund des demografischen Wandels und der immer älter werdenden Bevölkerung mit immer spezielleren multimorbiden Krankheitsbildern nimmt der Bedarf an Pflegekräften in der Kranken- und Altenpflege im Vergleich zum gesamten Arbeitsmarkt überproportional zu. Es stellt sich die Frage, die sich aus dem steten Anstieg an pflegebedürftigen Menschen in der Kranken- und Altenpflege ergibt, ob der stetig wachsende Bedarf an Pflegekräften alleine durch deutsche Arbeitskräfte und wie er überhaupt abgedeckt werden kann.

„Der Trend spricht für die Pflegebranche: Die Menschen werden immer älter, Patienten bleiben nicht mehr so lange im Krankenhaus wie früher, brauchen aber wie die Älteren weitere Betreuung. Die steigende Zahl der Pflegebedürftigen zieht einen großen Bedarf an Fachkräften nach sich, zumal es immer mehr Ältere und mehr Menschen mit mehreren Krankheiten gleichzeitig gibt. Gesundheitsexperten der Bundesregierung rechnen damit, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit 2,1 Millionen auf bis zu 4,4 Millionen im Jahr 2050 steigen könnte. Gesundheits- und Krankenpfleger haben daher beste Chancen auf einen Arbeitsplatz.“[8]

In der nachfolgenden Grafik ist dieser Anstieg an Personen ab dem 60. Lebensjahr bis zum Jahre 2040 grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Personen ab 60 Jahren in Prozent der Gesamtbevölkerung (Altenanteil) und Personen ab 60 Jahren je 100 Personen im Alter von 20 bis 60 Jahren (Altenquotient).

Abbildung 2 Altenanteil und -quotient 60+[9]

2.2. Hoher gesellschaftlicher Wert - niedrige Einkommen

„Soziale Dienstleistungen - wie etwa Erziehung oder Pflege - sind basale Tätigkeiten, ohne die der Zusammenhalt und das Funktionieren der Gesellschaft nur schwer möglich wären. Ihre gesellschaftliche Bedeutung ist hoch. Man könnte auch sagen: Sie haben einen hohen Gebrauchswert. Ein hoher Tauschwert geht damit aber nicht einher: Die Beschäftigten in diesen Bereichen erzielen geringe Einkommen, die Institutionen als Anbieter dieser Leistungen erzielen geringe Preise. […]

Doch nicht nur am Einkommen und Preis zeigt sich geringe Wertschätzung, sondern auch am öffentlichen Ansehen der Berufe. Auf dieses Image haben verschiedene Akteure und Entscheidungen Einfluss. Die Signale, die zum Beispiel eine Ausrichtung der sozialen Dienste an betriebswirtschaftlichen Kriterien der Effizienzsteigerung und Kostensenkung sendet, lauten: Die Arbeit, die hier geleistet wird, ist dem Gemeinwesen keine höheren Kosten wert. Damit wird ihre Bedeutung abgewertet. Diesen unbeabsichtigten Effekt können auch arbeitsmarktpolitisch motivierte Maßnahmen haben, die etwa Langzeitarbeitslose oder "benachteiligte Jugendliche" […] in pflegenahe Helfertätigkeiten umschulen und einsetzen wollen. Ihre Botschaft an die Öffentlichkeit heißt: Pflegen kann jeder. Sogenannte Jedermann-Tätigkeiten gelten aber als Hilfsarbeiten, die wenig Qualifikation und Leistung bedürfen und daher auch eine geringe Wertschätzung verdienen. Weit gefehlt und doch getroffen mit verheerender Wirkung.“[10]

Gerade dieses mangelnde Ansehen verschärft die Lage in den Pflegeberufen und führt dazu, dass die erforderlichen Pflegekräfte nicht im erforderlichen Umfang zu finden sind.

Mangelnde Wertschätzung führt in einen Teufelskreis

Die fehlende Wertschätzung von Berufsgruppen und ihren Angehörigen ist gesellschaftlich, betrieblich und individuell relevant. Bereits heute wird insbesondere in den Pflegeberufen ein Fachkräftemangel sichtbar, bei absehbar steigendem Bedarf an Pflegekräften. Doch nicht nur quantitativ, auch auf die Qualität der Arbeit ist eine negative Wirkung mangelnder Anerkennung zu vermuten. Werden Leistungen nicht anerkannt, sinken Arbeitszufriedenheit und Motivation und schließlich auch die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit. Fehlende Wertschätzung führt zu Unsicherheit über die Güte und Bedeutung der eigenen Arbeit, zu innerem Rückzug, zu sinkender Qualität und damit wiederum zu sinkender Wertschätzung.“[11]

2.3. niedriges Ansehen der Pflegeberufe

Selbst wenn der Bedarf rein rechnerisch durch deutsche Arbeitskräfte gedeckt werden könnte bleibt die Frage, ob wirklich ausreichend deutsche Arbeitnehmer dazu bereit wären, diese Tätigkeiten zu übernehmen. Das Problem ist wie bereits oben beschrieben, dass nach wie vor alle Bereiche der Pflegeberufe in der Bevölkerung nicht besonders hoch und nur als Hilfsdienste angesehen sind und zudem auch nicht der Leistung angemessen vergütet werden. So finden sich in Deutschland immer weniger Menschen die bereit sind, diese Tätigkeiten auszuüben.

3. Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Pflege

Wie sieht die Entwicklung der Pflegeberufe im deutschen Arbeitsmarkt aus?

„Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2010 rund 4,8 Mio. Menschen in Deutschland im Gesundheitswesen tätig. Das waren rund 91.000 Arbeitsplätze oder zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit setzt sich das Wachstum der Erwerbstätigkeit der letzte Jahre fort. Gegenüber 2005 wurde 2010 ein Plus von rund 409.000 Arbeitsplätzen (+9 Prozent) im Gesundheitswesen verzeichnet. Am kräftigsten fiel jeweils der Anstieg in den sozialen Berufen und in den Gesundheitsdienstberufen aus. Ein deutliches Plus an Arbeitsplätzen gab es bei den Altenpflegern, den Gesundheits- und Krankenpflegern sowie den Physiotherapeuten. […]

Das Verhältnis der verschiedenen Erwerbsformen hat sich im Gesundheitsbereich in den letzten Jahren verschoben. Während Vollzeitstellen abgebaut werden, verzeichnen sozial-versicherungspflichtige Teilzeitstellen und Mini-jobs leichte Zuwächse. Im Jahr 2010 lag der Teilzeitanteil im Gesundheitswesen wie auch schon in den Vorjahren bei knapp einem Drittel (32 Prozent).“[12]

Es muss zudem bei den Beschäftigungen in den Pflegeberufen beachtet werden, dass es sich häufig nicht um tagesfüllende Aufgaben handelt die die Arbeitnehmer am Stück ausüben, sondern um Tätigkeiten mit zeitlichen Spitzen, wie morgens, mittags und abends. Dies hängt damit zusammen, dass zu diesen Tageszeiten die Hauptbedürfnisse der Pflegenden anfallen. Es ist also für Arbeitgeber nicht einfach, die in Festanstellung angestellten Arbeitskräfte kontinuierlich über den ganzen Tag einzusetzen.

3.1. Kompetenz ist erforderlich

Bei genauer Betrachtung der Pflegeberufe sieht man, dass sowohl in der Kranken- als auch in der Altenpflege eine hohe Kompetenz bei den Anforderungen nötig ist. Die Kompetenzen sind erforderlich, um jederzeit Problem- und Situationsbezogen richtig handeln zu können. Wobei sich die Altenpflege gegenüber der Krankenpflege nicht groß unterscheidet. Jedoch wird das Kompetenzprofil, das besonders in der Altenpflege sehr komplex ausgebildet ist meistens nicht erkannt und unterschätzt.[13]

3.2. Fachkräftemangel und Fachkräfteengpass

Im Bereich der Pflege muss zudem zwischen dem Fachkräftemangel und dem Fachkräfteengpass unterschieden werden.

„Fachkräftemangel ist die zahlenmäßige Knappheit an Arbeitskräften mit den benötigten Fähigkeiten, um die zur Verfügung stehenden Stellen zu besetzen.“[14]

Bei einem Fachkräfteengpass können zwar die freien Stellen noch annähernd besetzt werden, jedoch ist dafür ein über die Maßen hoher Aufwand erforderlich.

In der nachfolgenden Grafik wird der Fachkräfteengpass und Fachkräftemangel für Dezember 2011 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Fachkräfteengpässe in Gesundheits- und Pflegeberufen[15]

3.3. Pflegefachkräftemangel

„Die Menschen in Deutschland leben heute länger als vorangegangene Generationen. Zu verdanken ist dies insbesondere der guten medizinischen und pflegerischen Versorgung. Damit hat sich auch unser Bild vom Älterwerden im positiven Sinn geändert. Die Menschen sind heute häufig bis ins hohe Alter aktiv. Alter, im klassischen Verständnis, gibt es eigentlich gar nicht mehr, oder wenn, dann erst viel später.“[16]

Diese Entwicklung trägt verstärkt dazu bei, dass der aktuelle Bedarf an Pflegefachkräften nicht mehr gedeckt werden kann.

„Gemäß der aktuellsten Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit vom Dezember 2014 gab es in Deutschland bei Fachkräften der Altenpflege Anzeichen für einen flächendeckenden Arbeitskräftemangel, bei Fachkräften der Gesundheits- und Krankenpflege zumindest für Engpässe in den westdeutschen Ländern und Brandenburg […]. Diese Diagnose deckt sich mit den Wahrnehmungen der Anfang 2015 für diese Studie befragten Personalverantwortlichen in der Pflegebranche. […]

Die Unternehmen rechnen nicht damit, dass sich diese Engpasslage in den nächsten Jahren entspannen wird – im Gegenteil. Vier von fünf Personalverantwortlichen glauben, dass es in den nächsten fünf Jahren schwerer werden wird, ihren Bedarf an Pflegefachkräften zu decken. Nur 18 Prozent gehen davon aus, dass die Situation in etwa so bleiben wird wie heute. Dass es mittelfristig leichter werden könnte, den Bedarf an Pflegefachkräften zu decken, glaubt so gut wie keiner der befragten Personalverantwortlichen.“[17]

Wenn der in Deutschland herrschende und sich weiter zuspitzende Engpass und Mangel an Fachkräften in den Pflegebereichen nicht mit deutschen Arbeitskräften gedeckt werden kann, bleibt nur noch der Weg, entsprechende Arbeitskräfte im Ausland zu rekrutieren.

4. Maßnahmen gegen Fachkräftemangel

„Um eine hinreichende Versorgung mit Arbeitskräften zur Erbringung von Pflegedienstleistungen zu sichern, können unterschiedliche Wege beschritten werden. Durch Maßnahmen, die das Berufsfeld und die Ausbildungswege dahin attraktiver machen, können die Zahl der Berufsanfänger und die durchschnittliche Verweildauer im Beruf erhöht werden. Ziel dieser Strategie ist eine Vergrößerung des internen Angebots an Arbeitskräften in Köpfen. Eine zweite Strategie zielt darauf ab, das vorhandene Angebot an Pflegekräfte wirksamer auszuschöpfen. Hierzu können etwa eine Ausweitung der durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitszeit oder eine Erhöhung der Stundenproduktivität, z.B. durch organisatorische Verbesserungen oder mehr technische Unterstützung, beitragen. Eine dritte Strategie besteht schließlich darin, den Pool an Arbeitskräften für die Pflege durch vermehrte Rekrutierung im Ausland zu vergrößern. Angesichts des Ausmaßes des Fachkräftebedarfs in der Pflege ist klar, dass diese strategischen Optionen keine sich ausschließenden Alternativen sind, sondern parallel verfolgt werden müssen. […]

Tatsächlich zeigen die derzeitigen Anstrengungen, dem Fachkräftebedarf in der Pflege entgegenzuwirken, einen solchen breiten Handlungsansatz. Beispielhaft hierfür steht die „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege 2012-2015“, an der unter Federführung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Akteure auf Länderebene, Verbände und weitere relevante Gruppen beteiligt sind. Die Offensive hat zehn Handlungsoptionen definiert, um die Attraktivität des Berufsfelds zu steigern, Produktivitätsreserven besser auszuschöpfen und Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuziehen:

1. Erhöhung der Ausbildungskapazitäten
2. Erschließung der Nachwuchskräftepotenziale
3. Weiterbildungsförderung
4. Weiterentwicklung der Pflegeberufe
5. Verbesserte Anerkennung internationaler Qualifikationen
6. Vereinbarkeit von Familie und Beruf
7. Attraktive Arbeitsbedingungen
8. Förderung der gesellschaftlichen Bedeutung der Altenpflege
9. Verbesserung der Rahmenbedingungen der Altenpflege
10. Chancen der Freizügigkeit nutzen“[18]

4.1. Pflege zuhause

Trotz allem, kann aber der Bedarf an Pflegekräften in der Kranken- und Altenpflege nicht annähernd gedeckt werden.

Wäre nicht eine Alternative, die Pflege durch Familienangehörige zu fördern? Die meisten Menschen wünschen sich in einem solchen Fall die Betreuung zu Hause und durch Angehörige.

Diese Möglichkeit ist sicherlich nicht die schlechteste, zumal dadurch auch die zu Pflegenden weiterhin ihre Bezugspersonen um sich haben. Aber ist dies wirklich so leicht zu bewerkstelligen? Zum einen verfügen nicht alle Angehörigen über die umfassenden Kenntnisse und Fähigkeiten für eine erfolgreiche Pflege. Zum anderen sind die meisten berufstätig und von daher auch zeitlich eingeschränkt. Trotzdem sollte aber alles daran gesetzt werden, die Pflege durch Angehörige zu unterstützen und zu fördern.

„Gerade angesichts der demographischen Alterung und damit einer steigenden Zahl der Pflegebedürftigen wird die häusliche Pflege immer unverzichtbarer für die Gesellschaft im Ganzen und die Betroffenen im Einzelnen. Sie geht aber auch mit einer großen Belastung für die Angehörigen einher. Gemäß SGB XI hält die Pflegeversicherung verschiedene Leistungen für die häusliche Pflege bereit.“[19]

4.2. Pflege zu Hause contra Pflege in Heimen

Sicher ist die Pflege Angehöriger zu Hause im Interesse der Pflegebedürftigen auf jeden Fall einer Pflege in Heimen vorzuziehen. Hierbei muss jedoch gesehen werden, dass einer Pflege zu Hause auch Grenzen gesetzt sind. Wenn die Pflege über das normale Maß der Grundversorgung hinausgeht, sind die meisten Angehörigen aufgrund der fehlenden Ausbildung überfordert. Auch der psychische Druck ist für pflegende Angehörige weitaus geringer zu verkraften als für professionelle Pflegekräfte. Auch wenn der Einsatz apparativer Medizin erforderlich wird, ist eine Pflege zu Hause in den meisten Fällen nicht mehr möglich, bzw. wenn eine Pflege rund um die Uhr erforderlich wird.

„Einen pflegebedürftigen Menschen zu Hause zu betreuen, ist eine schwere Aufgabe. Sie kostet viel körperliche und noch mehr seelische Kraft. Viele pflegende Angehörige unterschätzen zu Anfang leicht, wie anstrengend die Arbeit ist. Und je weiter die Erkrankung des Pflegebedürftigen fortschreitet, desto mehr Aufgaben sind zu bewältigen. Zeit wird immer knapper, das eigene Leben kommt zu kurz. Vielfach gestehen sich pflegende Angehörige erst sehr spät ein, dass sie überfordert sind. Manchmal erst dann, wenn sie von andauernder Erschöpfung selbst krank werden.“[20]

4.3. Gesetzliche Regelungen

Der Gesetzgeber hat eine Reihe von gesetzlichen Regelungen für die verschiedenen Arten der Pflegeberufe und auch die Pflege durch Familienangehörige erlassen, um diese auch von staatlicher Seite her abzusichern und auf eine gemeinsame Basis zu stellen.

4.3.1. Pflege - Neuausrichtungs - Gesetz

Durch das Pflege - Neuausrichtungs - Gesetz wird die häusliche Pflege insbesondere durch Familienangehörige gestärkt.

„Das sogenannte Pflegeneuausrichtungsgesetz (PNG), das 2013 in Kraft trat, beinhaltet eine Reform der Pflege und Pflegeversicherung. Darin wird neben der privaten Vorsorge mit einer zusätzlichen Pflegeversicherung und den steigenden Demenzleistungen insbesondere die häusliche Pflege durch die Angehörigen gestärkt. Hintergrund ist, dass dies die günstigste Form der Pflege darstellt und sowohl für die Betroffenen als auch für die Sozialgemeinschaft die wenigsten Kosten verursacht. Ziel ist es daher, den Angehörigen die häusliche Pflege auch berufsbegleitend (z.B. über die Pflegezeit) besser zu ermöglichen.

Die Betreuer von Pflegebedürftigen müssen nicht zwangsläufig im Pflegebereich ausgebildet sein. Sie erhalten im Rahmen der Qualitätssicherung Unterstützung durch Beratungsgespräche von den Pflegekassen sowie Anleitungen durch professionelles Pflegepersonal. Angehörige können sich dafür auch an Pflegestützpunkte in der Nähe wenden.“[21]

Oft war es aber für die Angehörigen in der Vergangenheit nicht möglich, Beruf und Pflege zeitlich zu vereinbaren. Dieses Problem ist seit 2015 mittels gesetzlicher Regelung entschärft worden.

„Die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ist mit den Neuregelungen im Familienpflegezeitgesetz und im Pflegezeitgesetz deutlich verbessert worden. Beschäftigte erhalten seit dem 1. Januar 2015 mehr zeitliche Flexibilität und Sicherheit, um Angehörige zu pflegen.

Beschäftigte, die Zeit für die Organisation einer akut aufgetretenen Pflegesituation eines nahen Angehörigen benötigen, können bis zu zehn Tage von der Arbeit fernbleiben. Seit dem 1. Januar 2015 haben sie in diesen Fällen Anspruch auf das Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatzleistung. Diese wird auf Antrag von der Pflegekasse bzw. der privaten Pflegepflichtversicherung des Pflegebedürftigen gewährt.

Beschäftigte, die einen nahen Angehörigen zu Hause pflegen, können sich außerdem unter bestimmten Voraussetzungen bis zu sechs Monate vollständig von der Arbeit freistellen lassen (Pflegezeit). Dafür gilt ein Rechtsanspruch, sofern der Betrieb 15 oder mehr Arbeitnehmer beschäftigt.

Zudem haben Beschäftigte in Betrieben mit 25 oder mehr Beschäftigten seit dem 1. Januar 2015 einen Rechtsanspruch, ihre Arbeitszeit für die Pflege eines Angehörigen über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten auf eine wöchentliche Mindestarbeitszeit von 15 Stunden (Familienpflegezeit) zu reduzieren. Zur besseren Absicherung des Lebensunterhalts können Beschäftige ein zinsloses staatliches Darlehen erhalten.“[22]

[...]


[1] Brossardt/Wöhler/Ehrentraut (Studie Pflegelandschaft 2030 2012), S.17.

[2] Brossardt/Wöhler/Ehrentraut (Studie Pflegelandschaft 2030 2012), S. 16.

[3] DBfK Bundesverband e.V. (Über uns).

[4] Merda et al. (Chancen 2012), S. 6f.

[5] Vgl. Bundesagentur für Arbeit (Der Arbeitsmarkt in Deutschland 2011), S. 3.

[6] Bundesagentur für Arbeit (Der Arbeitsmarkt in Deutschland 2011), S. 5.

[7] Fischer (Wertvoll, aber nicht geschätzt – der Altenpflegeberuf 2011).

[8] n-tv (Gutes Ansehen, mäßige Bezahlung Pflegekräfte sind gefragt 2009).

[9] In Anlehnung an (http://www.spektrum.de/lexika/images/psycho/fff12_w.jpg)

[10] Fischer (Wertvoll, aber nicht geschätzt – der Altenpflegeberuf 2011).

[11] Fischer (Wertvoll, aber nicht geschätzt – der Altenpflegeberuf 2011).

[12] Bundesagentur für Arbeit (Der Arbeitsmarkt in Deutschland 2011), S. 6.

[13] Vgl. Fischer (Wertvoll, aber nicht geschätzt – der Altenpflegeberuf 2011).

[14] Onpulson.de (Personal Fachkräftemangel Definition).

[15] Bundesagentur für Arbeit (Der Arbeitsmarkt in Deutschland 2011), S. 15.

[16] Bundesministerium für Gesundheit (Pflegefachkräftemangel 2016).

[17] Bonin/Braeseke/Ganserer (Internationale Fachkräfterekrutierung 2015), S. 39.

[18] Bonin/Braeseke/Ganserer (Internationale Fachkräfterekrutierung 2015), S. 26.

[19] 1aVerbraucherportal.de (Häusliche Pflege von Angehörigen).

[20] Catania gGmbH (Seelische Belastungen im Pflegealltag).

[21] 1aVerbraucherportal.de (Häusliche Pflege von Angehörigen).

[22] Bundesministerium für Gesundheit (Reduzierung der Arbeitszeit bzw. Freistellung 2016).

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Rekrutierung ausländischer Kräfte in der Pflege
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH  (HR & Gesundheitsmanagement)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
33
Katalognummer
V345351
ISBN (eBook)
9783668351547
ISBN (Buch)
9783668351554
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Darstellung der Möglichkeiten der Rekrutierung und des Einsatzes ausländischer Pflegekräfte in Deutschland. Betrachtung des Pflegeumfeldes und Analyse des Defizits an deutschen Pflegekräften.
Schlagworte
Rekrutierung Pflegekräfte, ausländische Pflegekräfte, Pflege in Deutschland
Arbeit zitieren
Martin Neugebauer (Autor), 2016, Rekrutierung ausländischer Kräfte in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345351

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