Soziale Kontakte werden heute zunehmend in anderen, mit technischen Medien hergestellten Kommunikationssituationen und -umgebungen gesucht, erweitert oder ergänzt. Es besteht die Möglichkeit, zwischen mehreren Kanälen der Kommunikation zu wählen. So werden persönliche Begegnungen nicht mehr für jeden Kommunikationszweck als ideal befunden und beispielsweise in das Internet verlegt. Die populärste Internet-Aktivität ist das elektronische Briefschreiben, e-Mail. Diese Anwendung der computervermittelten Kommunikation (cvK) wirft seit jeher sozialwissenscha ftliche Fragen auf: Welchen Stellenwert hat e-Mail in sozialen Interaktionen? Sind online-Beziehungen besser, so gut wie, oder schlechter als solche, die auf andere Weise bestehen? Sind längerfristige Auswirkungen auf die Sozialität des Menschen zu erwarten, indem Bekanntschaften durch die Einflüsse der Technik von anderen Merkmalen geprägt sind oder sogar ganz neue Bekanntschaftstypen dominante soziale Bedeutung erhalten, die ohne Online-Kommunikation nicht möglich wären? Viele Kritiker warnen vor gesellschaftlicher Isolation durch das Internet. cvK sei unpersönlich, unsozial, sogar feindselig. Andere wenden ein, dass das Internet neue soziale Beziehungen schaffe und bestehende verbessere, indem seine Anwender von Konventionen, geographischen Zwängen und Isolation befreit würden. Diese Arbeit gibt einen Überblick über sechs Forschungen, die sich mit den Auswirkungen der computervermittelten Kommunikation via e-Mail und der Qualität entstandener sozialer Beziehungen auseinandergesetzt haben. Vorangehend werden neun cvK-Theorien vorgestellt, die den Gegenstand aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sich gegenseitig ergänzen, aber auch widersprechen. Im folgenden sollen zunächst die Begriffe computervermittelte Kommunikation und e-Mail definiert werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Definition computervermittelte Kommunikation
- Definition e-Mail
- Theorien computervermittelter Kommunikation
- Technikdeterministische Ansätze
- Kanalreduktion
- Filtermodelle
- Soziale Präsenz
- Mediale Reichhaltigkeit
- Social Influence
- Interpersonale Medienwahl
- Kulturalistische Ansätze
- Soziale Informationsverarbeitung
- Simulation und Imagination
- Soziale Identität und Deindividuation
- Technikdeterministische Ansätze
- Studien zur Qualität interpersonaler Beziehungen online und ihrer sozialen Effekte
- Parks, Floyd: Making Friends in Cyberspace
- Pew Internet & American Life Project: Getting serious Online
- Walther, Tidwell: Computer-Mediated Communication Effects on Disclosure, Impressions, and Interpersonal Evaluations - Getting to Know One Another a Bit at a Time
- Kraut et al.: Internet Paradox. A Social Technology That Reduces Social Involvement and Psychological Well-Being?
- Nie, Lutz: Internet and Society - A Preliminary Report
- Cummings, Butler, Kraut: The Quality of Online Social Relationships
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von E-Mail in sozialen Interaktionen und den Auswirkungen der computervermittelten Kommunikation auf die Qualität interpersonaler Beziehungen. Sie analysiert sechs Forschungsarbeiten, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, und stellt neun relevante Theorien der computervermittelten Kommunikation vor.
- Die Rolle von E-Mail in sozialen Interaktionen
- Die Qualität von Online-Beziehungen im Vergleich zu Offline-Beziehungen
- Die Auswirkungen der computervermittelten Kommunikation auf die Sozialität
- Theorien zur computervermittelten Kommunikation
- Studien zu den sozialen Effekten von Online-Kommunikation
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der computervermittelten Kommunikation und die steigende Bedeutung von E-Mail in sozialen Interaktionen ein. Sie stellt kritische Fragen zu den Auswirkungen von Online-Kommunikation auf die Sozialität und kündigt die sechs Forschungsarbeiten an, die im weiteren Verlauf der Arbeit analysiert werden.
- Definition computervermittelte Kommunikation: In diesem Kapitel wird der Begriff der computervermittelten Kommunikation definiert und die verschiedenen Formen der online-Kommunikation, wie E-Mail, Chats und Diskussionsforen, vorgestellt.
- Definition e-Mail: Dieses Kapitel erklärt die Funktionsweise von E-Mail und stellt die technischen Grundlagen des Dienstes vor. Es werden die verschiedenen Teile einer E-Mail, wie Header, Body und Attachment, erläutert, sowie die Besonderheiten der E-Mail-Kommunikation, wie Asynchronität und elektronische Parasprache.
- Theorien computervermittelter Kommunikation: Hier werden neun Theorien vorgestellt, die die computervermittelte Kommunikation aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Diese Theorien umfassen sowohl technikdeterministische als auch kulturalistische Ansätze.
- Studien zur Qualität interpersonaler Beziehungen online und ihrer sozialen Effekte: Dieses Kapitel präsentiert sechs Forschungsarbeiten, die sich mit den Auswirkungen der computervermittelten Kommunikation auf die Qualität von Online-Beziehungen auseinandersetzen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die computervermittelte Kommunikation, insbesondere E-Mail, die Qualität von Online-Beziehungen, die Auswirkungen von Online-Kommunikation auf die Sozialität, technikdeterministische und kulturalistische Theorien zur computervermittelten Kommunikation, sowie empirische Forschungsbefunde zu den sozialen Effekten der Online-Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Sind Online-Beziehungen schlechter als persönliche Kontakte?
Die Arbeit untersucht verschiedene Theorien, wobei einige vor Isolation warnen, während andere betonen, dass das Internet neue soziale Beziehungen schafft und geografische Zwänge überwindet.
Was versteht man unter "elektronischer Parasprache"?
Es sind Hilfsmittel in der E-Mail-Kommunikation wie Emoticons oder Akronyme, die fehlende Mimik und Gestik ersetzen sollen.
Was besagt das "Internet Paradox" von Kraut et al.?
Die Studie deutet darauf hin, dass eine hohe Internetnutzung trotz der sozialen Vernetzung zu einer Abnahme des persönlichen Wohlbefindens und der sozialen Beteiligung führen kann.
Welche Rolle spielen technikdeterministische Ansätze?
Diese Theorien (z.B. Kanalreduktion) gehen davon aus, dass die Technik selbst bestimmt, wie intensiv und "reichhaltig" die soziale Interaktion sein kann.
Wie beeinflusst E-Mail die soziale Identität?
Durch die räumliche Distanz kann es zur Deindividuation kommen, was sowohl feindseliges Verhalten als auch eine offenere Selbstoffenbarung begünstigen kann.
- Quote paper
- Petra Sander (Author), 2003, Interpersonale Beziehungen am Beispiel e-Mail, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34543