Exegese von Genesis 17, 1-27. Gottes Verheißung und Bund mit Abraham


Essay, 2014
13 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1) Vorbesinnung

2) Kontexteinordnung

3.) Gliederung des Textes

4.) Syntaktische Analyse
4.1) Komposition des Textes
4.2) Wort- und Textsyntax

5.) Der historische Kontext

6.) Textsemantische Analyse

7.) Wortsemantische Analyse

8.) Schluss

9.) Literaturverzeichnis

1) Vorbesinnung

Bei der ersten Betrachtung von Genesis 17 fällt die ziemlich speziell aufgebaute Textform auf. Man könnte denken, dass ein Gespräch zwischen Gott und Abraham stattfindet, woraufhin Abraham etwas ausführt. Dies ist aber nur beim ersten Lesen der Fall. Bei genauerem Hinsehen fällt direkt auf, dass der Redeanteil Gottes deutlich den von Abraham übersteigt. Gott spricht in sehr einfachen Sätzen und wiederholt sich sehr oft. So kommt das Wort „Bund“ sehr häufig vor. Auch wird oft von Fruchtbarkeit und Nachkommen gesprochen. Faszinierend ist, dass Gott ziemlich deutlich zur Sprache bringt, was sein Vorhaben ist. Abraham hat eine sehr passive Rolle. Er scheint verblüfft, von der Erscheinung Gottes, sodass es ihm die Sprache verschlägt. Abraham hört sehr aufmerksam zu und rührt sich kaum. Der Leser und Abraham teilen sich die Faszination der Gottesrede, sodass sich Abraham nach dem „Gespräch“ mit Gott direkt und ohne zu zögern auf macht, um die Bedingungen des Bundes auszuführen. Ohne zu Überlegen und mit keinerlei Zweifel nimmt er seinen Sohn und alle männlichen Personen um sich herum, um die Beschneidung durchzuführen. Dies zeugt von sehr viel Vertrauen gegenüber Gott, da er sich und seine Liebsten großen Gefahren aussetzt, um zielstrebig die Bedingungen des Bundes auszuführen. Interessant wird es sein, woher diese Überzeugung kommen könnte. Ob es eine verzweifelte Ausgangslage, die Sehnsucht nach Nachkommen und Landbesitz oder einfach die vollkommene Überzeugung der Macht Gottes ist. Dieser Frage versuche ich mich in meiner Exegese zu widmen, um viele Begleitumstände und Motivationen Abrahams ausfindig zu machen, damit ich seine überzeugende Tatenkraft besser verstehen und nachvollziehen kann.

2) Kontexteinordnung

Das Buch Mose folgt auf die Urgeschichte und geht der Exodusüberlieferung voraus. Insgesamt lässt sich das 1. Buch Mose in zwei Teile gliedern. Zu Beginn (Gen 1-11) handelt es von der Urgeschichte, woran sich die Vätergeschichte (Gen 12 -50) anschließt. Gen 17 gehört zu dem Beginn der Vätergeschichte, die sich um die Erzählungen im Land Israel und um Abraham dreht (Gen 12-25). Den Text Gen 17 kann man deutlich von Gen 16 abgrenzen, da es dort um die Hagarepisode mit der Geburt Ismael´s geht. Gen 16 ist deutlich aus dem Zusammenhang gerissen und folgt inhaltlich nicht auf Gen 15. Vielmehr schließt Gen 17 an Gen 15 an und setzt die Erzählung fort. In Gen 15 haben Gott und Abraham einen Bund geschlossen, der Abraham sehr viele Nachkommen und riesiges Land verspricht. Dieser Bund kann jedoch nicht einseitig sein, indem nur Abraham davon profitiert. Zu dem Bund gehören zwei Parteien und beide müssen etwas hinzugeben. So erwartet Gott, dass Abraham im Gegenzug zu dem Land und den reichlichen Nachkommen nach seinen Vorstellungen lebt. Um dieses „bundgerechte Leben der Abrahamskinder“[1] geht es in Kapitel 17.

Chronologisch setzt Gen 17 Gen 16 fort, da Abraham sechsundachtzig Jahre alt war, als Ismael geboren worden ist.

In Gen 17 wird zu Beginn gesagt, dass Abraham neunundneunzig Jahre alt ist und im weiteren Verlauf wird erzählt, dass Ismael 13 Jahre alt ist, als er beschnitten wird. So knüpft Gen 17 chronologisch an Gen 16 an, da Abraham bei Ismaels Geburt sechsundachtzig Jahre alt ist. Daher ist Gen 17 an der einzig möglichen chronologischen Stelle eingeordnet.

3.) Gliederung des Textes

Um den Text schrittweise zu analysieren, habe ich eine Gliederung des Textes vorgenommen. Diese Gliederung sieht wie folgt aus:

1. Erscheinung Gottes, Weisung, Verheißung und erste Gottesrede V. 1-3a
2. Gottesrede mit Inhalten des Bundes, Umbenennung Abrahams V. 3b-8
3. Dritte Gottesrede, mit Bedingungen des Bundes V. 9-14
4. Vierte Gottesrede, Umbenennung Saras und Verheißung eines Sohnes V. 15,16
5. Innerer Monolog Abrahams V. 17,18
6. Bitte Abrahams an Gott V. 19,20
7. Fünfte Gottesrede Bund mit Isaak, Segnung Ismaels V. 21
8. Ende der Gottesrede und Aufstieg in die Höhe V. 22
9. Beschneidung Abrahams und anderen männlichen Personen V. 23-27

Bei Verwendung von Versangaben habe ich die Einheitsübersetzung zu Grunde gelegt.

Das abschnittsweise Strukturieren des Textes hilft die Themen und Schwerpunkte der Bibelstelle herauszuarbeiten und auf die jeweiligen Stellen genauer einzugehen. Mithilfe der Textgliederung werde ich mich nun der syntaktischen Struktur des Textes widmen.

4.) Syntaktische Analyse

An dieser Stelle soll der Aufbau und die äußere Gestalt des Textes betrachtet werden. „Bis ins kleinste durchdacht, ein Kunstwerk der Komposition“, so lautet die Rühmung von C. Westermann.

4.1) Komposition des Textes

Die Handlungsstruktur des Textes lässt sich in zwei Teile gliedern. Auf der einen Seite steht der Redeteil und auf der anderen Seite gibt es einen Handlungsteil. Der Redeteil ist durch Notizen eingerahmt. Am Anfang steht die Notiz der Altersangabe Abrahams bei der Gotteserscheinung und mit dem Ende der Gottesrede bei anschließendem Aufsteigen in die Höhe, wird der Teil abgeschlossen. Dadurch kann man den Redeteil als geschlossen betrachten und eine eindeutige Abgrenzung gegenüber dem sich anschließenden Handlungsteil vornehmen.

Der Redeteil nimmt den größten Teil des Textes ein und besteht aus insgesamt fünf Gottesreden. Anhand zwei von ihnen wird in einem Satz die Reaktion Abrahams beschrieben. In V. 18 kommt auch Abraham zu Wort, aber er spricht nur einen Satz, ehe Gott wieder das Wort ergreift. In diesem Fall kann man sogar von einem Gespräch sprechen, da Abraham zwischen zwei Gottesreden zu Wort kommt und Gott auf Abrahams Aussage Bezug nimmt. Insgesamt hat die göttliche Rede ein deutliches Übergewicht gegenüber den Textstellen, die Handlungen beinhalten. Demnach ist die Struktur nicht einheitlich bestimmt. Der Handlungsteil setzt an den Redeteil an und Abraham führt die Beschneidung als Folge des Bundeszeichens aus. Es ist aber nur „ein Bericht über eine Handlung bzw. ein Geschehen“[2], da von der Beschneidung nur im Passiv berichtet wird.

4.2) Wort- und Textsyntax

Wie im vorherigen Abschnitt dargestellt, nehmen die Gottesreden den größten Teil des Textes ein. Dabei handelt es sich überwiegend um Monologe Gottes. Die Absicht eines Gesprächs ist dabei nicht zu erkennen, da Gott in kurzen, bestimmenden Aufforderungssätzen spricht und keine Frage stellt, um Abraham mit einzubeziehen. Konjunktionen verwendet er bei seinem Redeanteil sehr selten. Gott benutzt für die Aussagen zukunftsorientierte Wörter. Auffällig ist, dass er bestimmte Wörter sehr häufig benutzt. Eines dieser Leitworte ist der „Bund“, welches im Text 13-mal vorkommt. Ebenfalls stehen Worte wie die Fruchtbarkeit und Nachkommenschaft als Wortfamilie deutlich im Vordergrund.

Der Handlungsteil des Textes wird einer Nacherzählung gleichend kurz wiedergegeben.

Allgemein wird eine sehr einfache Sprache verwendet. Es werden verschiedene Wörter häufig wiederholt und sehr oft benutzt.

Bezüglich seiner Form ist Gen 17 als Bericht zu sehen, der von einer Gotteserscheinung handelt. Im Vordergrund stehen Gottesreden und am Ende lediglich eine kurze Handlungsnotiz, mit der Gottes Anweisung an Abraham abgeschlossen wird.[3]

5.) Der historische Kontext

Um den Text und den Grund des Bundes richtig verstehen zu können ist es unbedingt notwendig auf die Zustände in Israel zur damaligen Zeit zu blicken. Die Priesterschrift stammt aus der nachexilischen Zeit. Ausgangspunkt dessen war die Zeit um ca. 587 v. Chr..[4] Der babylonische König Nebukadnezars der 2. eroberte Jerusalem, die Hauptstadt des Reiches Juda. In Folge dessen wurde die obere Schicht entführt und in ein babylonisches Exil verschleppt. Auch wurde der Tempel in Jerusalem zerstört.[5] Dabei wurde der wichtigste Kultgegenstand, die Bundeslade, aus dem Tempel entwendet. So geriet die Kultreligion in Bedrängnis, da die Kultopferstätte nicht mehr existierte. Die Traditionen mussten auf andere Weise fortgesetzt werden. Im Exil setzte sich die schriftliche Form der Verehrung durch. So kam es zu dem Wandel von der Kultreligion zur Schriftreligion. Durch diesen Wandel sind die wesentlichen Träger der Traditionen entstanden, unter anderem auch die Priesterschrift.

Das babylonische Exil dauerte von 587 v. Chr. bis ins Jahr 539 n. Chr.[6] Ab diesem Zeitpunkt wurde das Reich nicht mehr von den Babyloniern regiert, sondern fortan regierten die Perser dieses Reich.[7] Daher durften die Exilierten zurückkehren und bauten ihren Tempel wieder auf. Dies war nur möglich, da die Perser erkannten, dass ein so großes und vielfältiges Gebiet, was sie beherrschten, nur über eine tolerante Integrationspolitik möglich sei. Dies war auch daran zu erkennen, dass sie die persische Sprache nicht als Amtssprache einführten.[8] Ihnen war wichtig, dass es keine Aufstände gibt und dass die Abgabezahlungen erfolgten. So haben die toleranten Perser zum Umschwung geführt. In der Exilszeit hatte der Übergang von der Kultreligion zur Buchreligion schon stattgefunden. Jedes Volk hatte Riten und Rituale, mit denen sie sich von den anderen Völkern unterschieden und abgrenzten. Da man keine Opfer mehr im Tempel erbringen konnte, gab es neue Merkmale. Eines dieser Merkmale war die Beschneidung. Ein weiteres Ritual war die Einhaltung des Sabbats, der auf die Entstehung der Welt zurückzuführen ist. Gott hat die Welt an 6 Tagen erschaffen und am 7. Tag ruhte er. Daher haben sie den Sabbat geheiligt.

[...]


[1] Willi-Plein, Ina: Das Buch Genesis,75.

[2] Ruppert, Lothar: Genesis, 337.

[3] Vgl. Ruppert, Lothar: Genesis, 339.

[4] Köhlmoos, Melanie: Altes Testament, 113.

[5] Köhlmoos, Melanie: Altes Testament, 114.

[6] A.a.O., 113.

[7] A.a.O., 117.

[8] A.a.O., 119.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Exegese von Genesis 17, 1-27. Gottes Verheißung und Bund mit Abraham
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Universität)
Veranstaltung
Biblische Theologie
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V345452
ISBN (eBook)
9783668353343
ISBN (Buch)
9783668353350
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, genesis, gottes, verheißung, bund, abraham
Arbeit zitieren
Robin Böcher (Autor), 2014, Exegese von Genesis 17, 1-27. Gottes Verheißung und Bund mit Abraham, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345452

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