„Deutschland [ist] <das einzige Land wo die Leute die Werte schaffen vor Gericht kommen>“, so der Wortlaut von Josef Ackermann. Es sind Sätze wie diese und Kontexte in denen Sätze wie diese gesagt wurden, die den Ruf der deutschen Manager stark angegriffen haben und sie als abgehobene Elite abstempeln. Gier, Maßlosigkeit, Werteverfall und Morallosigkeit, das alles sind Begriffe die in den letzten Jahren im Zusammenhang mit den deutschen Spitzenmanagern genannt wurden. Immer häufiger stand die deutsche Wirtschaftselite am Pranger der Öffentlichkeit und wurde für ihr unmoralisches Verhalten kritisiert, das durch eine Häufung von Negativschlagzeilen zum Vorschein kam. Nicht erst seit der Finanzkrise erreichen Banker und Manager bei Beliebtheitsumfragen wiederkehrend nur sehr tiefe Platzierungen.
Die Verstrickungen von Josef Ackermann und Klaus Esser in die Mannesmannaffäre, Steuerhinterziehung des Postchefs Zumwinkel, Schmiergeldzahlungen bei Daimler, Siemens und der Telekom empörten die Öffentlichkeit. Häufig werden sie auch kritisiert wegen der als maßlos empfundenen Gehälter und Abfindungssummen, die in keinem erkennbaren Verhältnis zur Managerleistung stehen. Wiedeking (Porsche) und Eick (Arcandor) waren nur zwei der vielen Negativbeispiele.
Durch die mediale Ausschlachtung der Skandale wurde in der Öffentlichkeit vergleichsweise wenig darüber gesprochen, welche Wertvorstellungen es sind, die die Spitzenmanager tatsächlich prägen. Wie wirken sich diese in ihrem Alltag aus? Sind ihre persönlichen Werte und Leitbilder zugleich die Ursache für ihren Erfolg? Jenen Fragen soll im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden. Der Fokus liegt dabei auf den Wertvorstellungen, es soll aber auch auf moralisch-ethische Konzeptionen der Wirtschaftseliten eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärungen
2.1 Wertgrundsätze
2.2 Leitbild
2.3 Wirtschaftselite
3 Werte der Wirtschaftselite
3.1 Eigene Wertgrundsätze
3.2 Erziehungsideale
3.3 Wertgrundsätze als Erfolgsfaktoren der Karriere?
4 Moral im Alltag der Wirtschaftselite
4.1 Bewusstsein der gesellschaftlichen Werteproblematik
4.2 Typen des moralischen Managers
4.3 Rollenkonflikt im Unternehmensalltag und im Zusammenprall mit der Öffentlichkeit
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wertvorstellungen und moralischen Konzepte der deutschen Wirtschaftselite. Dabei wird analysiert, wie sich diese Werte im Führungsalltag manifestieren, welche Rollenkonflikte entstehen und inwieweit ein Zusammenhang zwischen den persönlichen Wertgrundsätzen und dem beruflichen Erfolg der Spitzenmanager besteht.
- Analyse der charakteristischen Wertgrundsätze der deutschen Wirtschaftselite
- Untersuchung des Wandels von klassischen Tugenden hin zu postmateriellen Werten
- Typisierung moralischen Verhaltens bei Spitzenmanagern
- Beleuchtung des Spannungsfeldes zwischen Unternehmenssachanforderungen und ethischen Überzeugungen
- Reflektion der gesellschaftlichen Verantwortung und des öffentlichen Images von Managern
Auszug aus dem Buch
3.1 Eigene Wertgrundsätze
Im Folgenden sollen die für die deutsche Wirtschaftselite charakteristischen Wertgrundsätze vorgestellt werden. Die Studien von Buß zu den deutschen Topmanager haben ergeben, dass sich bei diesen gegenüber ihrer Elterngeneration sowohl Kontinuitäten als auch Diskontinuitäten ergeben. Bedeutsam ist, dass die Studien einen eindeutigen Wertepluralismus ergeben haben und es daher nicht korrekt wäre, von einem gemeinsam geteilten Wertekanon der Spitzenmanager zu sprechen.
Mit 77% nehmen die Humanitätswerte (vgl. Abb 1) die Spitzenposition unter den Nennungen ein. Die Unternehmenslenker sehen sich demnach nicht nur als reine Verwalter, die nach Effizienz und Gewinn ihres Unternehmens streben. Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Toleranz und Respekt stehen ebenso im Mittelpunkt der Wertekonzeptionen und haben klassische Tugenden wie Macht und Härte verdrängt. Zum Ausdruck kommt dabei, dass die Manager diese Humanitätswerte auch als ein erfolgsförderndes Element für die Erreichung der Unternehmensziele sehen.
Innerhalb der Gruppe der Akzeptanzwerte, die die traditionellen Disziplintugenden vertreten, ist es zu einer Verschiebung gekommen. Die Bejahung von Werten der Disziplin, Ordnung und Korrektheitsvorstellung verknüpft sich nicht mehr mit Fügsamkeit, Strafe, Härte oder anderen Formen der äußeren Disziplin. Vielmehr hat sich letztere zu innerer Selbstdisziplin gewendet. Interessant ist, dass die Mehrheit der Führungselite in diesen traditionellen Tugenden einen Wert an sich erkennt, losgelöst von den Unternehmenszielen. Disziplin hat ihrer Ansicht nach aber ebenfalls einen integrativen Charakter, der dem Zusammenhalt im Unternehmen dient und deshalb vorgelebt werden muss. Für die Entwicklung zur Führungspersönlichkeit ist die Selbstdisziplin ebenso wie feste Maßstäbe ein essenzieller Baustein, und ein Gegenpol zu unförderlicher Beliebigkeit, die nach Ansicht der Manager in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das durch mediale Skandale und die Finanzkrise beschädigte Ansehen der deutschen Wirtschaftselite und definiert den Fokus auf deren Wertvorstellungen und moralische Konzepte.
2 Begriffserklärungen: Dieses Kapitel liefert die theoretischen Definitionen von Wertgrundsätzen, Leitbildern und dem Begriff der Wirtschaftselite für den weiteren Kontext der Arbeit.
3 Werte der Wirtschaftselite: Das Kapitel analysiert die spezifischen Wertvorstellungen der Manager, deren Erziehungsideale für den Nachwuchs sowie die Frage, inwieweit bestimmte Werte als Erfolgsfaktoren für die Karriere fungieren.
4 Moral im Alltag der Wirtschaftselite: Hier wird untersucht, wie Manager mit gesellschaftlichen Wertproblematiken umgehen, wie sie moralisch typisiert werden können und welche Rollenkonflikte im Arbeitsalltag auftreten.
5 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und betont den Transformationsprozess der Wirtschaftselite hin zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.
Schlüsselwörter
Wirtschaftselite, Wertgrundsätze, Leitbild, Moral, Spitzenmanager, Wertepluralismus, Führungspersönlichkeit, Rollenkonflikt, Unternehmensführung, Ethik, Postmaterialismus, Verantwortung, Sozialforschung, Leistungsethik, Authentizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wertvorstellungen und Leitbilder von deutschen Spitzenmanagern sowie deren moralisches Handeln im beruflichen Alltag.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die persönliche Wertehierarchie, der Wandel von klassischen zu postmateriellen Werten, der Einfluss des sozialen Hintergrunds auf Karrieren sowie der Umgang mit moralischen Konflikten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Wertvorstellungen die Wirtschaftselite tatsächlich prägen und inwiefern diese mit der öffentlichen Wahrnehmung oder den Erwartungen an eine verantwortungsvolle Unternehmensführung korrespondieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Auswertung soziologischer Studien, insbesondere der empirischen Daten von Eugen Buß, sowie ergänzender Fachliteratur zur Eliten- und Managementsoziologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Wertprofile, die Untersuchung von Erziehungsidealen, die Analyse von Erfolgsfaktoren und die Typisierung des moralischen Managements inklusive der Darstellung von Rollenkonflikten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Wirtschaftselite, Moral, Wertgrundsätze, Führung und Verantwortung.
Wie gehen Spitzenmanager mit dem Widerspruch zwischen Sachzwängen und Moral um?
Die Manager zeigen unterschiedliche Strategien, die von einer konsequenten Trennung von Ökonomie und Moral bis hin zu dem Versuch reichen, ethische Standards aktiv in unternehmerische Entscheidungen zu integrieren.
Welche Bedeutung hat die soziale Herkunft laut Michael Hartmann für den Erfolg?
Hartmann sieht die Herkunft aus dem gehobenen Bürgertum als entscheidenden Faktor für den Aufstieg, da sie den Zugang zu spezifischen Netzwerken, Verhaltenscodes und einem optimistischen Habitus ermöglicht.
Was ist das „Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“?
Es handelt sich um eine Initiative zahlreicher Spitzenmanager, die nach der Finanzkrise gegründet wurde, um sich zu einer sozialen Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit zu bekennen und verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Warum erleben viele Manager einen Rollenkonflikt?
Der Konflikt entsteht, wenn die Sachanforderungen des Unternehmens, die auf Effizienz ausgerichtet sind, mit den persönlichen moralischen Werten der Führungskraft kollidieren.
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- Joachim Krautter (Author), 2011, Wertgrundsätze und Leitbilder der deutschen Wirtschaftselite, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345477