Die vorliegende Textstelle der Verse 45–52a der sechsten Satire im ersten Buch der sermoney des Horaz stellt einen Passus dar, in dem der satirische Erzähler scheinbar autobiographische Angaben macht. Nach seinem Aufenthalt in Brundisium befindet er sich in der Satire 1, 6 in einer Gesprächssituation mit seinem Freund Maecenas und berichtet von seinen familiären Hintergründen und seiner Vergangenheit. Dabei greift er Andeutungen aus früheren Abschnitten seiner Dichtung wieder auf und vervollständigt sie zu einem Bild von sich, das die Freundschaft zu Maecenas darstellt und rechtfertigt und Einwände unterschiedlicher Art antizipiert bzw. entkräftet.
Inwieweit diese Beschreibungen aber tatsächlich auf die Person oder vita des Horaz zurückzuführen sind, soll in der folgenden Analyse des Textstückes ebenso erarbeitet werden wie die Intention, die ihn dazu veranlasst haben könnte, derartige Informationen zu geben. Da in der Satire 1, 6 auffällig viele und direkte scheinbar autobiographische Hinweise zu finden sind, eignen sich die Verse 45–51a sehr gut, um herauszuarbeiten, ob der satirische Erzähler an dieser Stelle hinter eine persona zurücktritt oder seinen Ausführungen tatsächlich Glauben geschenkt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Übersetzung Hor. sat. 1,6,45–52a
III. Analyse und Interpretation
IV. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verse 45–52a der sechsten Satire im ersten Buch der sermones des Horaz, um den Wahrheitsgehalt der dort präsentierten autobiographischen Angaben zu ergründen und die Absicht des Autors hinter dieser Darstellung zu analysieren.
- Untersuchung von scheinbar autobiographischen Elementen bei Horaz.
- Analyse der rhetorischen Funktion der Darstellung familiärer Hintergründe.
- Interpretation des Verhältnisses zwischen dem Erzähler und Maecenas.
- Diskussion über die Rolle der persona des Satirikers im literarischen Kontext.
- Abwägung zwischen historischer Authentizität und literarischem Understatement.
Auszug aus dem Buch
III. Analyse und Interpretation
Den Beginn dieses autobiographischen Exkurses der Verse 45–52a markiert das prägnante Zeitadverb nunc, welches zusammen mit den folgenden drei Worten einen lucilischen Übergang in Erinnerung ruft. Der Satiriker, und mit großer Wahrscheinlichkeit kann hier tatsächlich von Horaz die Rede sein, möchte also erneut auf sich selbst zu sprechen kommen und etwas aus seiner Vergangenheit und über seine Herkunft schildern. Die Wendung libertino patre natum im gleichen Vers rekurriert offensichtlich auf selbige Junktur in Vers 6 dieser Satire. Außerdem wird sie nicht nur später auch in den Episteln erneut aufgegriffen, sondern, und das verstärkt die Fokussierung auf diesen Aspekt, gar im folgenden Vers 46. Dabei unterstützt auch jeweils eine Penthemimeres den etwas hölzern anmutenden Übergang zu dieser scheinbar formelhaften Wendung. Der Hinweis auf die niedere Abstammung ist zudem in Vers 58 und 64 zu finden. Inwiefern diese bewusste und auffällige Wiederholung bzw. Akzentuierung seiner bescheidenen Herkunft mit den wahrhaftigen Begebenheiten in Horaz‘ Vita zu verknüpfen ist, darüber herrscht auch in der Forschung weitestgehend Uneinigkeit. Gordon WILLIAMS zieht den Wahrheitsgehalt dieser Aussage erheblich in Zweifel, indem er darauf verweist, dass diese Information ansonsten nirgendwo anders zu finden sei als bei Sueton, der wiederum einzig die zu behandelnde Satire 1,6 als Quelle gehabt habe. In der Tat macht dieser in der Vita Horatii keinen Hehl daraus und stützt sich demzufolge lediglich auf eine wörtliche Interpretation (ut ipse [sc. Horatius] tradit) der entsprechenden Verse in den Satiren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die untersuchte Textstelle der Satire 1,6 ein und fragt nach der Authentizität der autobiographischen Hinweise sowie der Intention des Dichters.
II. Übersetzung Hor. sat. 1,6,45–52a: Dieser Abschnitt bietet eine deutsche Übersetzung der relevanten Verspassage des Horaz.
III. Analyse und Interpretation: Das Kapitel bietet eine detaillierte philologische und literaturwissenschaftliche Untersuchung der Verse, wobei die Bedeutung von Begriffen wie "nunc" und "libertino patre natum" diskutiert wird.
IV. Schlussteil: Das Fazit fasst zusammen, dass die Frage nach der historischen Wahrheit der autobiographischen Elemente zweitrangig gegenüber der literarischen Funktion des Textes ist.
Schlüsselwörter
Horaz, Satire 1.6, Autobiographie, Maecenas, libertino patre natum, persona, Analyse, antike Literatur, sermones, Understatement, invidia, Konvikt, Interpretation, Römisches Recht, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse eines spezifischen Abschnitts der sechsten Satire aus dem ersten Buch der "sermones" von Horaz, insbesondere den Versen 45 bis 52a.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die autobiographischen Angaben des Dichters, die Darstellung seiner Herkunft sowie die komplexe Beziehung zu seinem Gönner Maecenas.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu klären, ob die im Text genannten persönlichen Informationen historisch akkurat sind oder ob es sich um eine gezielte literarische Konstruktion handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philologische Textanalyse, die philologische Detailbeobachtungen (Metrik, Wortwahl) mit literaturwissenschaftlichen Interpretationsansätzen der Forschung verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Wortwahl, wie das Zeitadverb "nunc", und diskutiert die Forschungskontroversen zur Authentizität von Horaz' Selbstbild in Auseinandersetzung mit Literaturwissenschaftlern wie Gordon Williams und Maria Plaza.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Horaz, Satire, Autobiographie, persona, Maecenas und philologische Interpretation charakterisiert.
Warum spielt das Wort "nunc" eine so zentrale Rolle in der Analyse?
Das Wort markiert den Beginn eines "lucilischen Übergangs" und dient als rhetorisches Signal, um die Aufmerksamkeit auf das aktuelle Selbstbild des Dichters in Bezug auf seine Vergangenheit zu lenken.
Wie wird die Rolle des "convictor" im Text bewertet?
Der Begriff wird als Ausdruck der engen, freundschaftlichen Verbindung zu Maecenas analysiert, wobei auch das Potenzial für eine abwertende Interpretation im Sinne eines "Parasiten" diskutiert wird.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich der autobiographischen Echtheit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Frage nach der faktischen Wahrheit der Angaben nicht entscheidend ist; vielmehr steht die Intention des Dichters im Vordergrund, durch gezielte Selbstdarstellung seine Rolle als Satiriker zu stärken.
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- André Markmann (Autor), 2015, "Libertino patre natus". Autobiographie oder persona des Horaz?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345495