Bildungsperspektiven der Sozialen Arbeit

Herausforderungen für ein zeitgemäßes Bildungskonzept am Beispiel Bildung und Menschenrechte


Hausarbeit, 2014
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführung zum Begriff Bildung
2.1 Bildung- Eine Begriffserklärung
2.2 Aspekte der klassischen Bildungstheorien

3. Bildungsanforderungen im Kontext Sozialer Arbeit
3.1 Sozialpädagogische Begründung von Entwicklungsaufgaben
3.2 Bildungsprozesse als Bewältigung biografischer
Entwicklungsaufgaben

4. Bildung und Menschenrechte- eine Herausforderung für ein zeitgemäßes Bildungskonzept
4.1 Menschenrechte als universelle Bildungsperspektive
4.2 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
4.3 Behinderung vs. Inklusion- Umgang mit Differenzkategorien in Bildungsprozessen
4.4 Beitrag Sozialer Arbeit zur inklusiven Bildung

5. Fazit

Literaturnachweise

Internetquellen

1. Einleitung

Allseitig und immer zunehmender, ganz besonders nach der Veröffentlichung von PISA (vgl. Merten 2004: 41), wird seit Jahren über das Thema Bildung diskutiert, wobei altbekannte Mängel gegenüber neueren Untersuchungen Bestätigung und Verallgemeinerung finden. Dementsprechend erlangt das Verhältnis zwischen Bildung und Sozialer Arbeit immer mehr Bedeutung. Neben aktuellen Diskussionen bezüglich der Bildungs- und Lernprozesse ist eine Neubestimmung der Sozialen Arbeit, hinsichtlich der gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft, unabwendbar. Überdies werden die gegenwärtigen Debatten zu unterschiedlichen Bildungsprozessen und Bildungszugängen sowie die Relativierung der Vorrangstellung des Bildungswesens immer herausfordernder für die Soziale Arbeit. Folglich bestünde für die Soziale Arbeit die Möglichkeit, aus der Außenseiterposition des Bildungswesens herauszutreten und Akzeptanz sowie Anerkennung zu erfahren (vgl. Thiersch 2004: 237f.).

Nachfolgend werden neben einer Einführung zum Begriff Bildung und der Begriffsklärung, Aspekte klassischer Bildungstheorien aufgeführt. Anschließend werden im dritten Kapitel die Bildungsanforderungen im Kontext Sozialer Arbeit inbegriffen der sozialpädagogischen Begründung von Entwicklungsaufgaben sowie die Bildungsprozesse biografischer Entwicklungsaufgaben erörtert. Das abschließende Kapitel befasst sich mit den Herausforderungen eines zeitgemäßen Bildungskonzeptes anhand der Thematik Bildung und Menschenrechte. Im speziellen beschäftigen sich diese Ausführungen mit der Differenzkategorie Behinderung hinsichtlich einer inklusiven Bildung und die damit verbundenen Herausforderungen für die Soziale Arbeit. Anhand einer kurzen Sequenz wird die Umsetzung der inklusiven Bildung in meinem Arbeitsumfeld, eines Förderzentrums für behinderte Kinder und Jugendliche dargestellt.

2. Einführung zum Begriff Bildung

Im allgemeinen Verständnis wird der Begriff Bildung assoziiert mit der Schule, in welcher dem Lehrplan angemessen ein bestimmtes Maß an Bildung vermittelt wird. Dementsprechend bedeutet Bildung Wissensvermittlung, Lernen und Erkenntnis. Dennoch ist das nicht alles, was Bildung ausmacht (vgl. Bax 2014: o. A.). Demgemäß erfährt der Begriff Bildung eine sehr vielfältige Verwendung, wie zum Beispiel die frühkindliche, die außerschulische, die politische sowie die kulturelle Bildung. Aber unter anderem auch in Worten, wie Bildungsplan, Bildungsanspruch oder Bildungspolitik findet sich der Begriff Bildung wieder. Hiermit sind neben der begrifflichen Vielfalt auch die unterschiedlichen inhaltlichen Vorstellungen und Verpflichtungsformen von Bildung erkennbar. So ist der Verpflichtungscharakter in der Schule gegenüber der außerschulischen Bildung, wie z. B. in der offenen Kinder- und Jugendarbeit, um ein Vielfaches höher (vgl. Braun/Wetzel 2010a: 6f.).

Insofern werden sich folgende Ausführungen mit der sich stetig verändernden Definition von Bildung sowie ausgewählten Aspekten der Bildungstheorien befassen.

2.1 Bildung- Eine Begriffserklärung

Der Begriff Bildung verfügt über eine sehr komplexe Bedeutung, die sprachlich, kulturell und historisch bedingt ist und zudem in seiner Entwicklung mehrmals einem Bedeutungswandel unterlag (vgl. Bildungsserver 2012: o. A.). Da die Betrachtungsweisen zum Thema Bildung sehr verschiedenartig, mehrdeutig und zum Teil sogar konträr sind, gibt es diesbezüglich keine einheitliche Definition. Der Grund eines uneinheitlichen Bildungsbegriffes liegt in den sich ständig verändernden gesellschaftlichen Verhältnissen und der unklaren metaphysischen Bedeutung in seiner 500jährigen Geschichte (vgl. Sünker 2001: 162). In dieser umfassenden deutschen Bildungsreform gilt Wilhelm von Humboldt unumstritten als Begründer der modernen Anschauung von Bildung. Er definierte Bildung als „ die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen “ (Wilhelm von Humboldt 1767 zit. in Bax 2014: o. A.). Das Humboldt’sche Bildungsideal sieht demnach Bildung nicht nur als Aneignung von Wissen, sondern als einen Prozess der Individualisierung, in welchem es zur Persönlichkeitsausbildung des Menschen kommt (vgl. Bax 2014: o. A.). Fast drei Jahrhunderte später definiert Thiersch (2004) Bildung eines Menschen in Auseinandersetzung mit der Welt „ meint kritische Selbsttätigkeit, ist also orientiert am Bild eines guten gelingenden Lebens, an Maximen, in denen das Individuelle seine Orientierung findet “ (Thiersch 2004: 240). Wie komplex die Bedeutung des Begriffes Bildung ist, wird auch in einem Wiki des deutschen Bildungsserver deutlich. An dieser Stelle wird ein dynamischer und ganzheitlicher Bildungsbegriff definiert als lebenslanger Prozess der Entwicklung eines Menschen, in welchem er „seine geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten und seine personalen und sozialen Kompetenzen erweitert“ (Bildungsserver 2012: o. A.).

Neben der Komplexität des Begriffes Bildung steht die Bedeutung und Pflicht der Sozialen Arbeit außer Frage. Sie leistet betroffenen Menschen in sozial desintegrativen Situationen Hilfe zur Vermittlung von Handlungsfähigkeit und sozialer Integration, durch die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und der Unterstützung im Sinnbildungsprozess (vgl. Braun/Wetzel 2010: 10f.).

2.2 Aspekte der klassischen Bildungstheorien

Im geschichtlichen Prozess sind die Handlungsweisen der Bildung einem ständigen Wandel unterworfen. Insofern bietet sich es sich zum Verständnis der Bildungsanforderungen im Kontext Sozialer Arbeit an, bezugzunehmen auf die historischen Bildungstheorien.

In seinen Ausführungen „Bildung des Menschen“ ist für den Klassiker Humboldt das Grundziel der Bildung die höchstmögliche Entfaltung und Ausschöpfung des geistigen Fundaments des Menschen, inbegriffen einer steten Verbesserung und Perfektionierung seiner menschlichen Anlage. Bildung im Sinne von Entwicklung muss und kann der Mensch nach Humboldts Auffassung nur durch die Wechselwirkung zwischen dem Individuum und der Welt erreichen, indem sich der zu bildende Mensch aktiv, frei und rege mit seiner Umwelt auseinandersetzt und sich somit umfassendes Wissen aneignen kann. Hierbei meint Humboldt nicht allein spezielles Wissen sondern auch die Bildung der Menschwerdung in Freiheit und Unabhängigkeit sowie die Ausbildung von Gesinnung und Moral(vgl. Humboldt in Baumgart 2007: 94f.).

Dagegen bezieht sich Kant in der Beantwortung seiner Frage „Was ist Aufklärung“ nicht direkt auf die Bildungsmöglichkeiten zu seiner Zeit. Indirekt ist es aber eine Aufforderung an die Menschen von ihrer Vernunft und ihrem Verstand öffentlich Gebrauch zu machen, mündig zu sein, im Sinne vom Treffen selbstständiger Entscheidungen und von selbstverantwortlichem Denken und Handeln. Insofern ist freies handeln und denken, um Freiheit zu erlangen ein nicht zu unterschätzender Bildungsprozess (vgl. Kant in Baumgart 2007: 39f.).

Nach Ansicht Klafkis, viele Jahre später, muss der Aufklärungsbegriff nach Kant weitergedacht und weiterverfolgt sowie Denkansätze dessen Epoche wieder aufgenommen und weitergedacht werden. Überdies zielt Bildung nach Klafkis Meinung auf die Vermittlung und den Erwerb der folgenden Grundfähigkeiten. Dazu gehören die Selbstbestimmungsfähigkeit, die Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit, welche im Zusammenhang verstanden werden und selbstständig angeeignet sein müssen (vgl. Klafki in Baumgart 2007: 267f.).

3. Bildungsanforderungen im Kontext Sozialer Arbeit

Wie in den vorrangegangenen Ausführungen erkennbar, entstehen Bildungsziele aus historischen Zusammenhängen und nationalen Traditionen, die zudem ein Ergebnis aus gesellschaftlich kontroversen Diskursen und entsprechend der sozialen Machtlage politisch entschieden sind. Insofern werden Bildungsziele in einer reichen Vielfältigkeit formuliert, die folglich aber auch Probleme in Bildungsdebatten bewirken (vgl. BMBF 2007: 57f.).

3.1 Sozialpädagogische Begründung von Entwicklungsaufgaben

Entsprechend allseits diskutierter Problemlagen und Defizite werden Reformkonzepte und Gegenstrategien als Antwort auf die gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Gegenwart gefordert. Anhand dieser Tatsache erfährt die Verbindung Soziale Arbeit und Bildung neue Brisanz (vgl. Thiersch 2004:237) und ermöglicht ein sozialwissenschaftlich begründetes Bildungsverständnis mit dem Grundgedanken der Lebensbewältigung. Im Rahmen dieser biografischen Bewältigungsmöglichkeiten, um Handlungsfähigkeit und soziale Integration zu erzielen, können Methoden zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben und Sinn- Bildung vermittelt werden (vgl. Braun/Wetzel 2010: 10f.). Die Entwicklungsaufgaben erstrecken sich über die gesamte Bildungsbiografie, werden stetig überarbeitet und sind somit unabgeschlossen, im Sinne des lebenslangen Lernens (vgl. ebd. 14). Zu ihnen gehören Selbstvertrauen, Selbstbestimmung, Selbstverständigung, Selbstbewusstheit und Selbstverwirklichung. Bei der detaillierten Darstellung dieser Aufgaben müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. So reagieren Menschen auf gleiche Bedingungen nicht automatisch gleich, woraus ein Spannungsverhältnis entstehen kann. Insofern soll durch bewältigte Entwicklungsaufgaben eine normative Gleichwertigkeit von gesellschaftlichen Systemstrukturen und Lebensweltstrukturen angestrebt werden (vgl. ebd. 12). Da der Mensch aber ein soziales Wesen ist, welcher zwischenmenschlich gebunden und gesellschaftlich integriert ist, bedeutet dieses Spannungsverhältnis nicht zwangsläufig einen Konflikt. Vielmehr könnten die Erwartungen ihre Handlungsfähigkeiten einschränken (vgl. ebd. 13). Je nach subjektiver Bewertung dieser gesellschaftlichen Anforderungen können menschliche Grundbefindlichkeiten wie Glück oder Angst entstehen.

Die Sinnbildung als weiteres Konzept der Lebensbewältigung, im Sinne der Selbstvergesellschaftung des Menschen, setzt sich auseinander mit der historisch- politischen-, existentiellen-, ästhetischen-, moralisch- ethischen- und der Bewegung- Bildung (vgl. ebd. 11).

3.2 Bildungsprozesse als Bewältigung biografischer Entwicklungsaufgaben

These- : „Entwicklungsaufgaben können im Rahmen einer neuzeitlichen Bildung und den Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit nicht losgelöst voneinander betrachtet werden“(Schrötter 2014).

Die folgenden Ausführungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sollen die vorangegangene selbstaufgestellte These an verschiedenen Entwicklungsaufgaben belegen, welche bedeutend sind im gemeinschaftlichen Konzept einer zeitgemäßen Bildung und den Handlungsfeldern der biografisch ausgerichteten Sozialen Arbeit.

Die Basis unserer Bildungskultur ist die Lebensbildung, in welcher sich selbstverständlich für einen Mensch in gegebenen Lebensprozessen Bildung ereignet. Dies vollzieht sich als informelles Lernen zumeist in der Familie und der öffentlichen Gesellschaft (vgl. Thiersch 2004: 239). Verbunden mit der Moderne ist aber neben dem technologischen und wirtschaftlichen Wachstum oftmals auch die Veränderung oder Auflösung familiärer Strukturen. So fehlt zwischen erweiterten Autonomieansprüchen und familiärem Rückhalt die Grundlage für die Bildung eines realistischen und substantiellen Selbstvertrauens. Die Aufgabe der Sozialen Arbeit ist in diesem Fall, sozial und pädagogisch zu intervenieren und einen Ausgleich zu schaffen, hinsichtlich familienunterstützender Maßnahmen (vgl. Braun/Wetzel 2010: 17).

Ein weiteres Aufgabenfeld für die Soziale Arbeit ergibt sich aus der soziokulturell pluralisierten Gesellschaft, in welcher der Mensch immer mehr neue Möglichkeiten zur Selbstbestimmung hat. Parallel dazu vertiefen sich die sozialen Gefährdungslagen und es entsteht ein Missverhältnis zwischen Gewinnern und Verlierern der Moderne bis hin zum strukturellen Ausschluss. Bezüglich dieser Problematik ist es die Aufgabe der Sozialen Arbeit die Subjektive Vielfalt der Individuen anzuerkennen und zu fördern. Im Gegensatz dazu, sich zu solidarisieren mit Menschen, welche physisch und psychisch verletzt sowie existentiell verzweifelt sind (vgl. ebd. 18).

Aufgrund unzureichender Stressbewältigung in den alltäglichen Lebensanforderungen und der arbeitsorganisatorischen geschuldeten Zeitbegrenztheit können immer mehr Menschen keine feste und zufriedenstellende Beziehung aufbauen, die ihnen den notwendigen Rückhalt vor Überlastungen gibt. Neben fehlenden erforderlichen Kompetenzen ihre Lebensführung hinreichend zu gestalten, bewegen sie sich ständig an ihrer Belastungsgrenze. Der Aufgabenbereich der sozialen Arbeit liegt folglich in der Hilfestellung zur Bewältigung der aktuellen Lebensanforderungen. Überdies übernimmt die Soziale Arbeit die unterstützende Funktion bei der Suche und Umsetzung biografischer Konzepte für einen neuen Lebenssinn (vgl. ebd. 19).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bildungsperspektiven der Sozialen Arbeit
Untertitel
Herausforderungen für ein zeitgemäßes Bildungskonzept am Beispiel Bildung und Menschenrechte
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V345562
ISBN (eBook)
9783668354364
ISBN (Buch)
9783668354371
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung- und Lernprozesse, Pisa, zeitgemäßes Bildungskonzept, Bildungsperspektiven der Sozialen Arbeit, Bildung und Menschenrechte, klassische Bildungstheorien, Wissensvermittlung, Lernen und Erkenntnis, Bildungspolitik, Bildungsziele, Entwicklungsaufgaben, Bildungsbiografie
Arbeit zitieren
Ines Schrötter (Autor), 2014, Bildungsperspektiven der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345562

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