Allseitig und immer zunehmender, ganz besonders nach der Veröffentlichung von PISA, wird seit Jahren über das Thema Bildung diskutiert, wobei altbekannte Mängel gegenüber neueren Untersuchungen Bestätigung und Verallgemeinerung finden. Dementsprechend erlangt das Verhältnis zwischen Bildung und Sozialer Arbeit immer mehr Bedeutung. Neben aktuellen Diskussionen bezüglich der Bildungs- und Lernprozesse ist eine Neubestimmung der Sozialen Arbeit, hinsichtlich der gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft, unabwendbar. Überdies werden die gegenwärtigen Debatten zu unterschiedlichen Bildungsprozessen und Bildungszugängen sowie die Relativierung der Vorrangstellung des Bildungswesens immer herausfordernder für die Soziale Arbeit. Folglich bestünde für die Soziale Arbeit die Möglichkeit, aus der Außenseiterposition des Bildungswesens herauszutreten und Akzeptanz sowie Anerkennung zu erfahren.
Nachfolgend werden neben einer Einführung zum Begriff Bildung und der Begriffsklärung, Aspekte klassischer Bildungstheorien aufgeführt. Anschließend werden im dritten Kapitel die Bildungsanforderungen im Kontext Sozialer Arbeit inbegriffen der sozialpädagogischen Begründung von Entwicklungsaufgaben sowie die Bildungsprozesse biografischer Entwicklungsaufgaben erörtert. Das abschließende Kapitel befasst sich mit den Herausforderungen eines zeitgemäßen Bildungskonzeptes anhand der Thematik Bildung und Menschenrechte. Im speziellen beschäftigen sich diese Ausführungen mit der Differenzkategorie Behinderung hinsichtlich einer inklusiven Bildung und die damit verbundenen Herausforderungen für die Soziale Arbeit. Anhand einer kurzen Sequenz wird die Umsetzung der inklusiven Bildung in meinem Arbeitsumfeld, eines Förderzentrums für behinderte Kinder und Jugendliche dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung zum Begriff Bildung
2.1 Bildung- Eine Begriffserklärung
2.2 Aspekte der klassischen Bildungstheorien
3. Bildungsanforderungen im Kontext Sozialer Arbeit
3.1 Sozialpädagogische Begründung von Entwicklungsaufgaben
3.2 Bildungsprozesse als Bewältigung biografischer Entwicklungsaufgaben
4. Bildung und Menschenrechte- eine Herausforderung für ein zeitgemäßes Bildungskonzept
4.1 Menschenrechte als universelle Bildungsperspektive
4.2 Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
4.3 Behinderung vs. Inklusion- Umgang mit Differenzkategorien in Bildungsprozessen
4.4 Beitrag Sozialer Arbeit zur inklusiven Bildung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das sich stetig wandelnde Verhältnis zwischen Bildung und Sozialer Arbeit unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Herausforderungen und menschenrechtlicher Aspekte, mit einem besonderen Fokus auf Inklusion im Bereich der Behindertenhilfe.
- Historische und aktuelle Bedeutung des Bildungsbegriffs
- Sozialpädagogische Fundierung von Entwicklungsaufgaben
- Bildung als Menschenrecht und die Behindertenrechtskonvention
- Herausforderungen der Inklusion im Bildungssektor
- Rolle der Sozialen Arbeit bei der Gestaltung inklusiver Bildungsprozesse
Auszug aus dem Buch
4.3 Behinderung vs. Inklusion- Umgang mit Differenzkategorien in Bildungsprozessen
Behinderung wird als Differenzkategorie verstanden, da sie hinsichtlich der physischen und/ oder psychischen Differenzen von einem erwarteten Normalitätsbild abweichen. Bezogen auf die vorangegangene Erläuterung zum Syndrom der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ ist die Abwertung von Behinderten ein Element dieses Konstruktes (vgl. ebd. 66). Bildungspolitisch birgt die Antwort auf dieses Syndromelement viele zukünftige Herausforderungen in sich. Somit ist mit der 2009 in Deutschland vollzogenen „Behindertenrechtskonvention (BRK)“1 ein Vertrag in Kraft getreten, in welchem sich die Unterzeichnerstaaten verpflichten die Menschen- und Selbstbestimmungsrechte von Menschen mit Behinderung und die Förderung ihrer Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen durchzusetzen.
In dieser Konvention wird im Artikel 24 das Recht auf inklusive Bildung festgeschrieben, mit dem konzeptionellen Inhalt alle Schüler ungeachtet ihrer individuellen Verschiedenartigkeit gemeinsam zu unterrichten. Überdies die Vielfalt anzuerkennen und zu wahren sowie diskriminierende Einstellungen zu bekämpfen. Für die Schulpraxis bedeutet das eine systematische Veränderung hinsichtlich der Schulorganisation, der Lehrpläne, der Pädagogik, der Methodik sowie auch der Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals und der Lehrer. Der Umsetzungsprozess der Konvention hat in Deutschland begonnen. Auch wenn auch es noch viele Hindernisse zu beseitigen gilt, so ist doch der Verlauf deutlich vorgezeigt (vgl. Schuhmann 2009: o. A.). Demzufolge sind nach der Verpflichtung Deutschlands vor fünf Jahren, SchülerInnen mit und ohne Behinderung gemeinsam zu beschulen, bundesweit eine 35- prozentige Steigerung von Inklusionsanteilen als Fortschritt von Inklusion zu verzeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Verhältnis von Bildung und Sozialer Arbeit vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Anforderungen und der PISA-Debatte.
2. Einführung zum Begriff Bildung: Es erfolgt eine begriffliche Einordnung von Bildung sowie die Darstellung klassischer Bildungstheorien nach Humboldt, Kant und Klafki.
3. Bildungsanforderungen im Kontext Sozialer Arbeit: Hier werden die sozialpädagogische Begründung von Entwicklungsaufgaben und deren Bedeutung für die biografische Lebensbewältigung erörtert.
4. Bildung und Menschenrechte- eine Herausforderung für ein zeitgemäßes Bildungskonzept: Das Kapitel analysiert die Relevanz von Menschenrechten für Bildung, die Problematik der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sowie die Herausforderungen inklusiver Bildung.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die wechselseitige Abhängigkeit von Bildung und Sozialer Arbeit und betont die Notwendigkeit einer menschenrechtsorientierten Haltung in der pädagogischen Praxis.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Bildung, Bildungsbegriff, Entwicklungsaufgaben, Menschenrechte, Inklusion, Behindertenrechtskonvention, Differenzkategorien, Lebensbewältigung, Partizipation, Professionalisierung, Chancengerechtigkeit, Schulsozialarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen Bildung und Sozialer Arbeit und wie dieses durch aktuelle gesellschaftliche Anforderungen neu bestimmt werden muss.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf Bildungstheorien, die sozialpädagogische Begleitung von Entwicklungsaufgaben sowie die Umsetzung von Inklusion unter Berücksichtigung der Menschenrechte.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Soziale Arbeit einen wesentlichen Beitrag zu einer menschenrechtsorientierten, inklusiven Bildung leisten kann, um die Teilhabechancen benachteiligter Gruppen zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung relevanter Fachliteratur sowie die Verknüpfung mit Erfahrungen aus ihrer eigenen Berufspraxis in einem Förderzentrum.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Bildung, die Bedeutung von Entwicklungsaufgaben für die Soziale Arbeit und die Auseinandersetzung mit Inklusion als Menschenrecht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Arbeit, Bildung, Inklusion, Behindertenrechtskonvention, Entwicklungsaufgaben, Lebensbewältigung und Partizipation.
Warum ist das "Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" relevant?
Es wird als Hindernis für gelingende Bildungsprozesse identifiziert, da es zur Abwertung bestimmter Menschengruppen, insbesondere Menschen mit Behinderungen, führt.
Welche Rolle spielt die Behindertenrechtskonvention für das Bildungskonzept?
Sie dient als rechtliche und ethische Grundlage, um das Recht auf inklusive Bildung zu fordern und eine Abkehr von exklusiven Sonderschulsystemen hin zu gemeinsamer Bildung zu vollziehen.
Was kritisiert die Autorin an der aktuellen Umsetzung der Inklusion?
Die Autorin weist darauf hin, dass trotz politischer Verpflichtung ein starres Doppelsystem aus Regelschulen und Förderschulen bestehen bleibt, was den Inklusionsprozess faktisch verlangsamt.
Welchen Rat gibt die Autorin für die Praxis der Inklusion?
Sie betont die Notwendigkeit, alle Betroffenen – inklusive Eltern und pädagogischem Personal – aktiv in den Umwandlungsprozess einzubeziehen, um Ängste abzubauen und Transparenz zu schaffen.
- Quote paper
- Ines Schrötter (Author), 2014, Bildungsperspektiven der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345562