Diese Seminararbeit handelt von Pierre Bourdieu’s Werk „Das Elend der Welt“. Einleitend wird auf die Hintergrundynamik zu diesem Werk aufmerksam gemacht. Dabei zeigt sich, dass es sich dabei nicht – wie man denken könnte – um Zustände der Dritten Welt handelt, sondern um herrschende europäische Verhältnisse.
Dazu zählt das Elend verschiedener Personengruppen, wie „Schüler, Lehrer, Kleinkriminelle, Richter und Polizisten, Gewerkschafter und Angestellte, Mieter und Hausmeister, junge und alte Menschen“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung 1998, o.S.).
Nachdem der Aufbau des Werkes geschildert wurde, wird auf den Habitusbegriff aufmerksam gemacht, der in diesem Werk eine zentrale Rolle einnimmt. Im Anschluss daran wird der Zusammenhang zwischen dem Habitus und der Sozialen Arbeit aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hintergrund zum Werk „Das Elend der Welt“
Habitus
Habitus und Soziale Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das soziologische Werk „Das Elend der Welt“ von Pierre Bourdieu im Hinblick auf den zentralen Habitusbegriff und dessen theoretische sowie praktische Relevanz für das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte des Werks „Das Elend der Welt“
- Die soziologische Definition und Bedeutung des Habituskonzepts
- Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Bedingungen und individuellem Handeln
- Die Notwendigkeit eines professionellen Habitus im Kontext der Sozialen Arbeit
- Umgang mit Nichtstandardisierbarkeit und krisenhaften Situationen in der Sozialarbeit
Auszug aus dem Buch
Habitus und Soziale Arbeit
Seit den Anfängen der Sozialen Arbeit wird das Verfügen über fachspezifisches Wissen als Bestandteil des professionellen Handelns gesehen. Jedoch ist die Kenntnis von Theorien und Modellen allein in Hinblick auf ein professionelles Handeln nicht ausreichend. Es werden dazu weitere Aspekte als Bestandteile des professionellen Handelns diskutiert. Zum einen gibt es dazu das spezifische Fallwissen, welches eine Grundlage der Diagnose darstellt, und zum anderen werden Komponenten ins Feld geführt, die nicht erlernbar sind. Dazu wird die Notwendigkeit einer spezifischen Haltung in der Sozialen Arbeit thematisiert, welche auf die berufsethischen Maxime und Zentralwerte basiert (vgl. Becker-Lenz/Busse/Ehlert/Müller 2009, S. 199).
Wenn sich Vorschläge inhaltlich unterscheiden, beziehen sie sich trotzdem alle auf die Ebene der individuellen Persönlichkeit der Fachkräfte. Professionalität ist diesbezüglich eine Frage des Habitus. Schon Aristoteles sprach davon, dass die Beschaffenheit des Habitus durch die Handlungen eines Menschen bestimmt wird: Dieser Mensch handelt aufgrund seines Habitus. Individuen verinnerlichen die objektiven Strukturen ihrer sozialen Umgebung, wodurch Habitusformationen ausgebildet werden, welche ihrerseits wiederum Praxis stiften. Ulrich Oevermann fasst ähnlich wie Pierre Bourdieu unter einer Habitusformation eine tief liegende, als Automatismus außerhalb der bewussten Kontrollierbarkeit operierenden und ablaufenden Handlungsprogrammierung zusammen, die wie eine Charakterformation das Verhalten und Handeln von Individuen kennzeichnet und bestimmt. Seiner Ansicht nach sind für die Bildung solcher Habitusformationen Krisen und deren Bewältigung von großer Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Pierre Bourdieu ein und skizziert die methodische Zielsetzung sowie die zentrale Rolle des Habitusbegriffs für die spätere Analyse in der Sozialen Arbeit.
Hintergrund zum Werk „Das Elend der Welt“: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der soziologischen Studie über die Lebensverhältnisse in Pariser Vororten und beschreibt das methodische Konzept des aktiven Zuhörens innerhalb der Interviews.
Habitus: Es erfolgt eine theoretische Herleitung des Habitusbegriffs, wobei die verschiedenen Facetten von der philosophischen Tradition bis zur soziologischen Prägung durch Bourdieu dargelegt werden.
Habitus und Soziale Arbeit: Abschließend wird diskutiert, wie ein professioneller Habitus als Ergänzung zu fachlichem Wissen notwendig ist, um in der krisenhaften und nicht standardisierbaren Praxis der Sozialen Arbeit adäquat handeln zu können.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, Das Elend der Welt, Habitus, Sozialisation, Soziale Arbeit, Habitusformation, Professionalität, professioneller Habitus, Interviewband, Struktur und Handlung, Sozialstruktur, Fallverstehen, Nichtstandardisierbarkeit, Ulrich Oevermann, soziale Laufbahn
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem soziologischen Hauptwerk von Pierre Bourdieu „Das Elend der Welt“ und überträgt dessen zentrale Konzepte, insbesondere den Habitusbegriff, auf das Berufsfeld der Sozialen Arbeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einbettung des Habitus, das methodische Vorgehen Bourdieus in seinen Interviewstudien sowie die Anforderungen an die professionelle Haltung in sozialen Berufen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, warum theoretisches Wissen allein für professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit nicht ausreicht und inwieweit der Habitus als stabilisierende Ressource für Fachkräfte fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer Literaturanalyse zu Bourdieus soziologischen Studien sowie fachwissenschaftlichen Diskursen zur Professionalität in der Sozialen Arbeit basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung des Werks „Das Elend der Welt“, die Herleitung des Habitus als Wahrnehmungs- und Handlungsschema und die spezifische Anwendung auf die Sozialarbeit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Habitus, Soziale Arbeit, Professionalität, Sozialisation, Habitusformation und das Werk „Das Elend der Welt“.
Warum spielt das Konzept der „Nichtstandardisierbarkeit“ eine so große Rolle?
Da Soziale Arbeit oft mit krisenhaften und diffusen Situationen konfrontiert ist, reicht standardisiertes Wissen nicht aus; der professionelle Habitus ermöglicht hier die notwendige Sicherheit und Souveränität für das richtige Handeln.
Inwiefern beeinflusst der Klassenhabitus laut Bourdieu die soziale Laufbahn?
Bourdieu argumentiert, dass soziale Laufbahnen durch individuelle Dispositionen und die Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse bereits in der Praxis weitgehend vorbestimmt sind, was die Bedeutung der Lebensumstände unterstreicht.
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- Astrid Pusch (Author), 2015, "Das Elend der Welt" von Pierre Bourdieu. Der Habitusbegriff im Zusammenhang mit Sozialer Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/345575