Im Jahre 1785 starteten offiziell von Ludwig dem XVI. beauftragt von dem französischen Hafen Brest zwei Schiffe, die Boussole und die Astrolabe, um den Erdball zu umkreisen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse quer durch die Disziplinen zu erlangen, um Handelsmöglichkeiten auszuloten und nicht zuletzt um Frankreichs Prestige als Weltmacht aufzubessern. Im Wettlauf der Seemächte war diese Expedition insbesondere als eine Antwort auf die Reisen des berühmten englischen Seefahrers James Cook zu verstehen, der bei seiner letzten Weltreise zwar erschlagen worden war, dessen Entdeckungen allerdings den Ruhm Englands als Seefahrernation erheblich gemehrt hatten.
Das Kommando über das französische Großprojekt erhielt der 1741 geborene Jean Francois de Galaup de Lapérouse, der bereits über verschiedenste nautische Erfahrung verfügte und sich militärischer Erfolge rühmen konnte, die seit der Zerstörung englischer Forts in der Hudson Bay im August 1782 unter seiner Leitung auch bis ans Ohr des französischen Monarchen gedrungen waren. Wo immer Lapérouse während seiner Reise auf Europäer traf, schickte er seine Tagebücher, Zeichnungen der sich an Bord befindlichen Künstler, Messungen der Astronomen und Beobachtungen anderer Wissenschaftler nach Frankreich. Dies sind die einzigen Quellen, die der Nachwelt und schon den Zeitgenossen etwas über diese Reise mitteilen konnten, denn die Expedition fand ein tragisches Ende in der Südsee. Von der Botany Bay, an der Ostküste Australiens gelegen, schickte Lapérouse Anfang 1788 zum letzten mal Nachricht nach Europa. Die Sorge um Lapérouse nach dem Ausbleiben von Neuigkeiten von ihm umtrieb nicht nur den König, den offiziellen Auftraggeber. Mit Dekret vom 9.2.1791 veranlasste die Nationalversammlung eine Suchexpedition, die jedoch erfolglos verlief. 1828 fand Peter Dillon, ausgerechnet ein Engländer, erste Hinweise über den Verbleib der Expedition. 1964 fand man schließlich die Wracks der beiden Schiffe vor Vanikoro, einer Insel, die zum Santa-Cruz-Archipel gehört.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Die Reise
1.2 Das Nachleben in Deutschland
2. Hauptteil
2.1 Die verschiedenen Ausgaben
2.1.1 Die offizielle Darstellung
2.1.2 Die Sprengel-Ausgabe
2.1.3 Die Sprengel- Forster- Ausgabe(n)
2.1.4 Die Schulz-Ausgabe
2.2 Der Vergleich
2.2.1 Was wurde geändert?
2.2.2 Was fehlt?
2.2.3 Was bleibt?
3. Schluß
4. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Rezeption und Darstellung der Weltreise von Jean Francois de Galaup de Lapérouse in deutschen Übersetzungen des frühen 19. Jahrhunderts. Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen wissenschaftlich orientierten Ausgaben und populärwissenschaftlichen Jugendbearbeitungen herauszuarbeiten und zu analysieren, wie durch redaktionelle Eingriffe und Kürzungen ein heroisches Bild des Seefahrers konstruiert oder verstärkt wurde.
- Vergleichende Analyse zeitgenössischer deutscher Lapérouse-Ausgaben
- Einfluss von Übersetzern wie Forster, Sprengel und Schulz auf die Textdarstellung
- Strategien der Heroisierung durch Auslassung kritischer oder schwacher Momente
- Die Rolle der Literatur als Instrument der Identitätsstiftung und Ideologie
- Rekonstruktion der Forschungs- und Editionsgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Was wurde geändert?
Eine Änderung von Tatsachen lässt sich Schulz nicht unterstellen. Wie dargelegt beschränkt sich seine Eigenleistung auf eine sehr knappe Vorrede und einige Sätze, von denen die meisten zustande kamen, um die fehlenden Kapitelschnitte zu glätten.
Da Schulz jedoch die Sprengelsche Alleinausgabe als Vorlage diente, die wie bereits angedeutet eher flüchtig übersetzt wurde, für das allgemeine Interesse an dem Gegenstand Lapérouse aber als ausreichend bewerte wurde, ist die Sprache eine andere, als in der Forster-Sprengel-Ausgabe. Folgendes Beispiel mag als stellvertretend für unzählige andere stehen.
Das schriftliche Räsonnieren Lapérouses, über das zögerliche Verhalten des Kapitäns der Astrolabe, de Langles, der mit Entschlossenheit auf einen Angriff seitens der Bevölkerung der Insel Mauna hätte reagieren müssen, um sich und elf andere zu retten, liest sich in der an die Gelehrten gerichteten Forster-Sprengel-Ausgabe vornehm so:“... allein er schmeichelte sich sie ohne Blutvergießen im Zaume zu halten, und ward das Opfer seiner Humanität.“ In der Schulz-Ausgabe bleibt nur: „...; aber so wurde er ein Opfer seiner Menschenliebe.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Expedition von Lapérouse ein und erläutert die Bedeutung seiner Reiseberichte als historische Quellen sowie deren Nachleben in Deutschland.
2. Hauptteil: Der Hauptteil vergleicht verschiedene deutsche Textausgaben der Expedition und untersucht detailliert, wie durch unterschiedliche redaktionelle Schwerpunkte und Kürzungen das Bild des Seefahrers manipuliert wurde.
3. Schluß: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass insbesondere die Jugendbearbeitungen durch das Unterschlagen menschlicher Schwächen eine bewusste Heroisierung von Lapérouse vorantrieben.
4. Quellen- und Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Werke und historischen Primärquellen auf.
Schlüsselwörter
Lapérouse, Weltreise, Forschungsgeschichte, Rezeption, deutsche Übersetzungen, Forster, Sprengel, Schulz, Heroisierung, Expeditionsbericht, Südsee, 18. Jahrhundert, Literaturgeschichte, Editionsvergleich, Wissenschaftskommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Reiseberichte des französischen Seefahrers Jean Francois de Galaup de Lapérouse in deutschen Ausgaben des frühen 19. Jahrhunderts übersetzt und bearbeitet wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Editionsgeschichte, der Vergleich von Wissenschafts- und Jugendausgaben sowie die Frage nach der literarischen Konstruktion eines Heldenbildes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch gezielte Kürzungen und sprachliche Anpassungen in populären Ausgaben ein idealisiertes und von menschlichen Fehlern bereinigtes Bild des Kapitäns geschaffen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Textanalyse, bei der verschiedene Übersetzungen systematisch gegenübergestellt werden, um Unterschiede in der Darstellung von Ereignissen zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der verschiedenen Ausgaben (Sprengel, Forster, Schulz) und einen anschließenden Vergleich, in dem Änderungen an Fakten und Erzählweise untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit Begriffen wie Rezeptionsgeschichte, Heroisierung, Editionsvergleich und frühneuzeitliche Reiseberichte beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Schulz-Ausgabe von der Forster-Sprengel-Ausgabe?
Während die Forster-Sprengel-Ausgabe wissenschaftliche Ansprüche vertritt, ist die Schulz-Ausgabe eine für die Jugend bearbeitete Fassung, die den Text stark verkürzt und durch die Tilgung kritischer Passagen den Heldencharakter stärker betont.
Welches konkrete Beispiel dient zum Nachweis der Verzerrung?
Ein Beispiel ist die Darstellung des Massakers auf der Insel Mauna, bei dem die Schulz-Ausgabe die nachvollziehbare Rachegelüste Lapérouses unterschlägt, um ein rein humanitäres Heldenbild zu wahren.
- Arbeit zitieren
- Christofer Pape (Autor:in), 2004, Jean Francois de Galaup de Lapérouse. Die deutschen Übersetzungen seiner Epoche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34615