Jean Francois de Galaup de Lapérouse. Die deutschen Übersetzungen seiner Epoche


Seminararbeit, 2004
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Die Reise
1.2 Das Nachleben in Deutschland

2. Hauptteil
2.1 Die verschiedenen Ausgaben
2.1.1 Die offizielle Darstellung
2.1.2 Die Sprengel-Ausgabe
2.1.3 Die Sprengel- Forster- Ausgabe(n)
2.1.4 Die Schulz-Ausgabe
2.2 Der Vergleich
2.2.1 Was wurde geändert?
2.2.2 Was fehlt?
2.2.3 Was bleibt?

3. Schluß

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Die Reise

Im Jahre 1785 starteten offiziell von Ludwig dem XVI. beauftragt von dem französischen Hafen Brest zwei Schiffe, die Boussole und die Astrolabe, um den Erdball zu umkreisen, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse quer durch die Disziplinen zu erlangen, um Handelsmöglichkeiten auszuloten und nicht zuletzt um Frankreichs Prestige als Weltmacht aufzubessern. Im Wettlauf der Seemächte war diese Expedition insbesondere als eine Antwort auf die Reisen des berühmten englischen Seefahrers James Cook zu verstehen, der bei seiner letzten Weltreise zwar erschlagen worden war, dessen Entdeckungen allerdings den Ruhm Englands als Seefahrernation erheblich gemehrt hatten.

Das Kommando über das französische Großprojekt erhielt der 1741 geborene Jean Francois de Galaup de Lapérouse, der bereits über verschiedenste nautische Erfahrung verfügte und sich militärischer Erfolge rühmen konnte, die seit der Zerstörung englischer Forts in der Hudson Bay im August 1782 unter seiner Leitung auch bis ans Ohr des französischen Monarchen gedrungen waren. Wo immer Lapérouse während seiner Reise auf Europäer traf, schickte er seine Tagebücher, Zeichnungen der sich an Bord befindlichen Künstler, Messungen der Astronomen und Beobachtungen anderer Wissenschaftler nach Frankreich. Dies sind die einzigen Quellen, die der Nachwelt und schon den Zeitgenossen etwas über diese Reise mitteilen konnten, denn die Expedition fand ein tragisches Ende in der Südsee. Von der Botany Bay, an der Ostküste Australiens gelegen, schickte Lapérouse Anfang 1788 zum letzten mal Nachricht nach Europa.

Die Sorge um Lapérouse nach dem Ausbleiben von Neuigkeiten von ihm umtrieb nicht nur den König, den offiziellen Auftraggeber. Mit Dekret vom 9.2.1791 veranlasste die Nationalversammlung eine Suchexpedition, die jedoch erfolglos verlief. 1828 fand Peter Dillon[1], ausgerechnet ein Engländer, erste Hinweise über den Verbleib der Expedition. 1964 fand man schließlich die Wracks der beiden Schiffe vor Vanikoro, einer Insel, die zum Santa-Cruz-Archipel gehört.

1.2 Das Nachleben in Deutschland

Lapérouse ist ein französischer Held, eine Vielzahl französischer Veröffentlichungen aus über zweihundert Jahren belegen das ungebrochene Interesse an ihm. Auch im übrigen Europa interessierte man sich für das Schicksal des Seefahrers.

Die vorliegende Arbeit beschränkt sich in der Hauptsache auf die Untersuchung zweier Werke, die zwar nicht für die gesamte Rezeption der Lapérouse-Materie in Deutschland stehen können, aber dennoch einen ganz beträchtlichen Teil des Spektrums abdecken. Es sind dies die folgenden:

1. Milet-Mureau (Hg.): La Perousens Entdeckungsreise in den Jahren 1785, 1786, 1787,1788, übersetzt von J.R. Forster und C. Sprengel, 2 Bände; Berlin / Hamburg 1800. Im Folgenden: Forster-Sprengel-Ausgabe
2. La Peyrouse: Reise um die Welt, für die Jugend bearbeitet von M. Chr. Schulz, Neue Auflage; Berlin 1805. Im Folgenden: Schulz-Ausgabe.

Man sieht an den Titeln bereits, beziehungsweise an den deutschen Bearbeitern, dass es sich hier um zwei völlig unterschiedliche Zugänge zum Thema handelt.

Forster und Sprengel, zwei Professoren aus Halle, waren beide angesehene Wissenschaftler, die den beschränkten geographischen Gesichtskreis der Deutschen seit den 1780er Jahren mit den Übersetzungen diverser Reiseberichte bereicherten.[2] Forster war bei James Cooks zweiter Reise 1772-1775 der offizielle Naturforscher, und galt ab seinem Ruf nach Halle einige Jahre später als wahre Kapazität auf seinem Gebiet. Sein Schwiegersohn und Kollege Sprengel war nicht weniger angesehen, ihm fehlten lediglich die praktischen Zugänge zu seinem Fachgebiet, die Forster ihm durch die Weltreise mit Cook voraus hatte. Um so ehrgeiziger operierte er aus seiner Schreibstube hinaus.

Den beiden Geographiekoryphäen steht ein weitgehend Unbekannter gegenüber. Von M. Chr. Schulz lässt sich nur soviel sagen, das er bereits wenigstens eine weitere Jugendbearbeitung eines Reiseberichts zu verantworten hatte.[3]

Die Fragen, die sich bei Betrachtung zwei so von Grund auf verschiedener Ausgaben ein und desselben Stoffes stellen, sind die folgenden: Ist die Vermutung gerechtfertigt, dass die Schulz-Ausgabe sehr viel unsachlicher, möglicherweise verzerrender ist, als die Forster-Sprengel-Ausgabe, die einen hohen wissenschaftlichen Anspruch vertritt? Wurden Änderungen durchgeführt? Wurden für die Jugend Passagen gekürzt und wenn ja, wie wirkt sich das Kürzen in der Schulz-Ausgabe auf die Darstellung Lapérouses aus? Wurde ein Heldenbild, so es eins in der vorangegangenen Ausgabe gab, von Schulz übernommen?

2. Hauptteil

Da der Schulz-Ausgabe wiederum eine Ausgabe von dem eben schon benannten Christian Sprengel aus dem Jahre 1799[4] zugrunde liegt und diese eine erste Übersetzung des 1797 von der Staatsdruckerei Frankreichs veröffentlichten Tagebuches Lapérouses[5] ist, die gleichzeitig die Ursprungsfassung der Forster-Sprengel-Ausgabe darstellt, ist es unerlässlich auf diese beiden Werke als erste einzugehen. Hierbei werden einige wichtige Merkmale bezüglich der Fragestellungen bereits Berücksichtigung finden. Danach werden einige Bemerkungen zu der Forster-Sprengel-Ausgabe sowie der Schulz-Ausgabe folgen, um am Ende einen Vergleich zwischen beiden letzteren unter Berücksichtigung der Fragestellungen ziehen zu können.

2.1 Die verschiedenen Ausgaben

2.1.1 Die offizielle Darstellung

Die französische Nationalversammlung erließ am 22.April 1791 ein Dekret, in dem geregelt wurde, „que les relations et cartes envoyées par M. de la Pérouse, de la partie de son voyage jusqu`à Botany-Bay, seront imprimées et gravées aux dépens de la nation“[6]. Die Wahl des Herausgebers und Bearbeiters der originären Aufzeichnungen des Verschollenen fiel auf Milet-Mureau[7]. 1797 erschienen die Tagebücher in der ersten Auflage in insgesamt 4 Bänden (über 1500 Seiten) nebst einem Atlas.

Der Umstand, dass nach den politischen Umwälzungen von 1789 eine Arbeit in Auftrag gegeben und veröffentlicht wurde, deren eigentlicher Verfasser bereits 1788 verstorben war, der also die Revolution in Frankreich nicht erlebt haben kann, ist nicht außer Acht zu lassen. So unterließ es Milet-Mureau nicht einen Brief an Latouche, den Mitdirektor der französischen Häfen, zu veröffentlichen, in dem Lapérouse durch die Begrüßung einer neuen Marineverordnung scheinbar mit dem alten System abrechnete, wobei nicht vergessen werden darf, dass er unter diesem System eine stattliche Karriere gemacht hatte.[8] Lapérouse wurde hier ganz nebenbei instrumentalisiert, seine Persönlichkeit dem neuen Zeitgeist untergeordnet. Seine Darstellung in der Milet-Mureau Ausgabe darf also schon als verzerrt betrachtet werden. Dass diese Verzerrung im vollen Bewusstsein durchgeführt wurde, lässt sich an einem Brief an den Wohlfahrtsausschuß belegen, in dem Milet-Mureau unter anderem schrieb: „Comment concilier des mémoires écrits avant la Révolution et sous le règne de tous les préjuges avec les principes austères du républicanisme.“[9]

[...]


[1] Die Umstände unter denen Kapitän Dillon schließlich Gewissheit erlangte, dass die Lapérouse-Expedition seinerzeit vor Vanikoro gestrandet war, wobei ein Teil der Mannschaft offensichtlich überlebte und ein Floß zu bauen versuchte sind nicht weniger als abenteuerlich zu nennen. Vgl. hierzu die besonders anschaulichen Kapitel über Dillon und seine Entdeckung in: Shelton, Russell C.: From Hudson Bay to Botany Bay. The lost frigates of Lapérouse; Toronto 1987. S. 131 –148.

[2] Vgl. Historische Commission bei der königl. Akademie der Wissenschaften (Hg.): Allgemeine Deutsche Biographie, Neudruck der 1. Auflage von 1893; Berlin 1971. 17. Band: der Artikel über Forster, bzw. 35. Band: der Artikel über Sprengel.

[3] Hierbei handelte es sich um die Aufzeichnungen eines gewissen John Gabriel Stedman, einen englischen Söldner, der in der Kolonie Suriname am Kampf gegen eine Sklavenerhebung teilnahm, und der Freundschaften in allen Bevölkerungsteilen schloß, also auch mit Sklaven. Vgl. hierzu etwa: Stedman, John Gabriel: Stedman`s Nachrichten von Suriname und von seiner Expedition gegen die rebellischen Neger in dieser Kolonie in d. Jahren 1772- 1777, übersetzt von C.W. Jakobs und F. Kies; Hamburg 1797. Eine andere Ausgabe, die im selben Jahr in Halle erschien, wurde bemerkenswerterweise auszugsweise von Sprengel übersetzt. Welche dieser Ausgabe, beziehungsweise ob wiederum die Sprengel-Ausgabe Schulz für seine Stedmanversion als Vorlage diente, ließ sich mangels Auffindbarkeit seines Buches nicht herausfinden.

[4] La Perousen`s Entdeckungsreise in den Jahren 1785, 1786, 1787 und 1788. Aus dem französischen mit Anmerkungen von C.L.S. zwei Bände, Leipzig 1799. Im folgenden: Sprengel-Ausgabe

[5] M. L. A. Milet-Mureau(Hg.):Voyage de la Pérouse autour du monde, 4 Bände und ein Atlas, Paris 1798. Im folgenden: Milet-Mureau-Ausgabe

[6] Milet-Mureau-Ausgabe: Band 1, S.3

[7] Milet de Mureau, Louis-Marie-Antoine Destouff, baron (1756-1825), Militär, Politiker: 1789 als stellvertretender Delegierter für den Adel von Toulon zu den Generalständen gewählt. Militärkarriere, 1816 Generalstab. 1816 Mitglied des Verwaltungsrates des Hotel des Invalides. (vgl. hierzu:Nouvelle Biographie Générale depuis le temps les plus reculés jusqu`á nos jours, tome trente-cinquième; Paris 1861.)

[8] Vgl.hierzu: Gaziello, Catherine: L`expédition de Lapérouse 1785-1788. Réplique francaise aux voyages de Cook, Paris 1984. S.19

[9] Zitiert ebd. S.19

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Jean Francois de Galaup de Lapérouse. Die deutschen Übersetzungen seiner Epoche
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Erfahrung der Ferne. Europäische Weltreisende und ihre Berichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V34615
ISBN (eBook)
9783638347877
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ludwig der XVI. veranlaßte die Weltumsegelung des Jean Francois de Galaup de Lapérouse, die als französische Antwort auf die Reisen des Engländers James Cook geplant war. 1788 verscholl die Expedition allerdings. Lapérouses Tagebücher wurden erst nach dem Umbruch von 1789, nämlich 1791, auf Geheiß der Nationalversammlung veröffentlicht. Diese Arbeit stellt 3 deutschsprachige Darstellungen der Tagebücher vor, und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Nähe zum französischen Original.
Schlagworte
Jean, Francois, Galaup, Lapérouse, Epoche, Erfahrung, Ferne, Europäische, Weltreisende, Berichte
Arbeit zitieren
Christofer Pape (Autor), 2004, Jean Francois de Galaup de Lapérouse. Die deutschen Übersetzungen seiner Epoche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34615

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