Die Arbeit setzt sich theoretisch mit den Überschneidungen und Abgrenzungen verschiedener Konzepte und Auffassungen von Heterogenität und Intersektionalität auseinander. Bezug genommen wird insbesondere auf die bildungs- und erziehungswissenschaftliche Literatur zum Thema, aber auch auf die historischen Entwicklungen hingewiesen. Im Fokus steht dabei die Bedeutung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen für die unterschiedlichen Blickwinkel. Es wird die Frage aufgeworfen und beantwortet, inwiefern sich die Konzepte Intersektionalität und Heterogenität durch ihren Bezug zu Macht- und Herrschaftsverhältnissen unterscheiden lassen. Dabei wird auch diskutiert, ob der Heterogenitätsdiskurs ohne Bezüge zur Machttheorie überhaupt denkbar ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Annäherung an die Konzepte und Abgrenzung
2.1. Intersektionalität
2.2. Heterogenität
3. Vergleich von Intersektionalität und Heterogenität unter Einbeziehung von Macht und Herrschaftsverhältnissen
3.1. Zur Begründung der Differenzkategorien
3.2. Soziale Ungleichheit als Ausgangspunkt?
4. Zusammenführung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die konzeptionellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Intersektionalität und Heterogenität in Bezug auf ihre Analysekraft für Macht- und Herrschaftsverhältnisse im deutschen Bildungssystem.
- Vergleich der theoretischen Grundlagen von Intersektionalität und Heterogenität.
- Analyse der Bedeutung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen in beiden Diskursen.
- Untersuchung der sozialen Konstruktion von Differenzkategorien.
- Diskussion über die Relevanz einer intersektionellen Perspektive für die schulische Praxis.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Behandlung sozialer Ungleichheit in aktuellen Bildungsdebatten.
Auszug aus dem Buch
2.1. Intersektionalität
Katharina Walgenbach hat es sich zur Aufgabe gemacht im Rahmen eines Lehrbuches Arbeitsdefinitionen zum besseren Verständnis, sowohl von Intersektionalität als auch von Heterogenität und Diversity anzubieten. Diese eröffnen die Möglichkeit spezifische Begriffe direkt zu erfassen und diese im Folgenden weiter zu beleuchten:
„Unter Intersektionalität wird verstanden, dass historisch gewordene Macht- und Herrschaftsverhältnisse, Subjektivierungsprozesse sowie soziale Ungleichheiten wie Geschlecht, Sexualität/Heteronormativität, Race/Ethnizität/Nation, Behinderung oder soziales Milieu nicht isoliert voneinander konzeptualisiert werden können, sondern in ihren ,Verwobenheiten‘ oder ,Überkreuzungen‘ (intersections) analysiert werden müssen. Additive Perspektiven werden überwunden, indem der Fokus auf das gleichzeitige Zusammenwirken von sozialen Kategorien bzw. sozialen Ungleichheiten gelegt wird. Es geht demnach nicht allein um die Berücksichtigung mehrere sozialer Kategorien, sondern ebenfalls um die Analyse ihrer Wechselwirkungen. (Walgenbach 2014: 54f. Hervorhebungen i.O.)
Walgenbach unterstreicht damit ebenso wie Gabriele Winker und Nina Degele, dass Intersektionalität direkt an die Betrachtung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen gekoppelt ist (vgl. Winker, Degele 2009). Zurückzuführen ist der Begriff auf Kimberlé W. Crenshaw, die ihn in Bezug auf die spezifische Diskriminierung einführte, die Schwarze Frauen im Rechtssystem erfahren (vgl. Crenshaw 2013; Walgenbach 2014). Der Begriff verfügt aber über die Offenheit prinzipiell jede Kategorie einzubeziehen, die im Zuge sozialer Ungleichheit relevant wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Differenzdiskurse ein, erläutert die Relevanz der Konzepte für das Bildungssystem und definiert das Ziel der Arbeit, die Konzepte hinsichtlich ihrer Machtanalyse zu vergleichen.
2. Annäherung an die Konzepte und Abgrenzung: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Grundlegung beider Konzepte, wobei Intersektionalität als machtkritische Perspektive und Heterogenität als breit gefächerter, teils unspezifischer Diskurs konturiert werden.
3. Vergleich von Intersektionalität und Heterogenität unter Einbeziehung von Macht und Herrschaftsverhältnissen: Hier erfolgt eine direkte Gegenüberstellung beider Ansätze, wobei kritisch hinterfragt wird, inwiefern Heterogenitätskonstruktionen Machtverhältnisse (re-)produzieren oder maskieren.
4. Zusammenführung und Ausblick: Das Fazit resümiert die Schwierigkeit einer scharfen Trennung und betont die Notwendigkeit einer intersektionellen Perspektive, um soziale Ungleichheiten im Bildungskontext nicht zu verkürzen.
Schlüsselwörter
Intersektionalität, Heterogenität, Machtverhältnisse, Herrschaftsverhältnisse, Soziale Ungleichheit, Bildungssystem, Differenzkategorien, Diskursanalyse, Diskriminierung, Schulpädagogik, Bildungsinstitutionen, Interdependenzen, Sozialkonstruktivismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die Konzepte Intersektionalität und Heterogenität hinsichtlich ihres Umgangs mit Macht- und Herrschaftsverhältnissen im Bildungsbereich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung von Differenz, die soziale Konstruktion von Kategorien sowie die Analyse von Ungleichheitsstrukturen in Bildungsinstitutionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie sich eine intersektionelle Perspektive auf Konzepte von Heterogenität auswirkt und inwiefern beide Ansätze zur Analyse sozialer Ungleichheit im Bildungssystem beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise und vergleicht theoretische Konzepte sowie die zugrundeliegenden Literaturdiskurse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen der Begriffe, vergleicht ihre Differenzkategorien und diskutiert die Verknüpfung beider Konzepte mit Machttheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Intersektionalität, Heterogenität, Macht, Ungleichheit und soziale Konstruktion geprägt.
Wie unterscheidet sich die Intersektionalitätsforschung von der Heterogenitätsdebatte laut der Autorin?
Die Intersektionalitätsforschung fokussiert explizit auf Macht- und Herrschaftsverhältnisse, während Heterogenität oft als breiterer Containerbegriff verwendet wird, der nicht zwingend eine Machtanalyse beinhaltet.
Welche Rolle spielt der Begriff der Leistung im Kontext der Arbeit?
Leistung wird als eine Differenzkategorie identifiziert, deren Zuschreibung selbst ein subjektiver Vorgang ist und die durch Machtverhältnisse zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beitragen kann.
- Citation du texte
- B.A. Leonie Peters (Auteur), 2016, Macht- und Herrschaftsverhältnisse in Konzepten von Heterogenität und Intersektionalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346328