Einleitung
Angeregt durch die technische Entwicklung der Neuen Medien, ihren sukzessiven Einzug in unseren Alltag und der damit verbundenen Annahme, dass das Lesen beziehungsweise allgemein die Bücher in unserer heutigen Welt eine immer geringere Rolle spielen und einnehmen, möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit mit den Funktionen des Lesens und den Einflussfaktoren auf das Leseverhalten im Lebenslauf beschäftigen.
Entgegen langläufigen Meinungen wurde das Lesen nämlich keineswegs durch die sogenannten neuen Medien verdrängt, sondern konnte seinen Stellenwert im Vergleich zu ihnen in etwa halten. Die Nutzung anderer Medien und das Lesen von Büchern schließen sich nämlich nicht gegenseitig aus, vielmehr wird die Nutzung des jeweiligen Mediums funktionalisiert(1) , was bedeutet, dass das jeweilige Medium nach dem Prinzip der funktionalen Überlegenheit in Anspruch genommen wird.
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1 Vgl. Christmann, Ursula / Groeben, Norbert: Ausblick: Lesen im Medienzeitalter. In: Handbuch Lesen. Hg. v. Bodo Franzmann. München 1999. S. 205.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lesemotivation
2.1 Motivationsbeschreibung und Motivationserklärung in der Leserpsychologie
2.2 Motivationen zum Lesen und Funktionen des Lesens
2.2.1 Lesen zur Unterhaltung
2.2.2 Lesen zur Information
2.2.3 Lesen zur Weiterbildung
2.2.4 Lesen zur Sprachbildung
3. Einflussfaktoren auf das Leseverhalten und Gründe für das „Nicht-Lesen“
3.1 Lesephasen im Lebenslauf
4. Schlussbemerkung
5. Literatur
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Funktionen des Lesens in einer zunehmend durch neue Medien geprägten Gesellschaft. Das primäre Ziel ist es, die individuellen Motive für das Lektüreverhalten zu ergründen und aufzuzeigen, welche inneren und äußeren Faktoren das Leseverhalten sowie die Lektürewahl über den gesamten Lebenslauf hinweg beeinflussen.
- Analyse der Motivationsmodelle in der Leserpsychologie
- Kategorisierung der Lesefunktionen (Unterhaltung, Information, Weiterbildung, Sprachbildung)
- Untersuchung von sozialen Einflussfaktoren und Sozialisationsinstanzen
- Identifikation von Hinderungsgründen für das Lesen
- Darstellung des Leseverhaltens in verschiedenen Lesephasen im Lebenslauf
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Lesen zur Unterhaltung
Die Unterhaltungsfunktion des Lesens ist die am häufigsten genannte, sofern es sich um freiwilliges, privates Lesen handelt, was man eindeutig vom sogenannten Pflichtlesen trennen muss. Diese strikte Unterscheidung und Trennung zwischen privater und beruflicher Lektüre findet man vor allem häufig in den Interviewzusammenfassungen über das Lesen bei Studierenden vor: „Im Gegensatz zu früher liest sie heute mehr Unterhaltsames, um einen Ausgleich zum Studium zu schaffen. Was die Art der Lektüre anlangt, trennt sie strikt zwischen Studium und privat: Zwar liest sie auch viel und gerne fürs Studium, doch legt sie großen Wert darauf, auch privat, und dann ‚etwas völlig anderes’ zu lesen. Eine Stunde vorm Schlafen gehen etwa legt sie die fürs Studium verlangte Lektüre aus der Hand: ‚So, jetzt lese ich noch eine Stunde für mich.’“
An den Aussagen dieser Probandinnen zeigt sich also deutlich, die oben dargestellte Trennung. Offensichtlich wird ebenfalls, dass die Lektüre bei der zuerst zitierten Studentin in engem Zusammenhang mit der Wunscherfüllung durch das Lesen und intimen Lesen steht. Deutlich wird diese Einschätzung durch ihre Aussage, vor dem Schlafengehen „noch eine Stunde für [sich]“ zu lesen. Neben der reinen Unterhaltung sind also auch noch Ablenkung und Entspannung Gründe respektive Motivationen für das Lesen. Zum einen verstehen die Probanden darunter ein Versenken in fiktive Welten, als Ausgleich zur Anspannung durch Familie, Beruf und Alltag, was ich an folgender Aussage manifestiere.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Lesens im Medienzeitalter ein und stellt die Forschungsziele der Arbeit vor.
2. Lesemotivation: Dieses Kapitel erläutert theoretische Modelle der Leserpsychologie und unterteilt die Lesemotivation in vier zentrale Kategorien.
2.1 Motivationsbeschreibung und Motivationserklärung in der Leserpsychologie: Hier werden psychologische Theorien zur Motivation sowie Ansätze zur Erhebung des Leseverhaltens dargestellt.
2.2 Motivationen zum Lesen und Funktionen des Lesens: Dieses Kapitel fungiert als übergeordnete Analyse der Lektürefunktionen anhand empirischer Daten.
2.2.1 Lesen zur Unterhaltung: Analyse der Bedeutung des freiwilligen Lesens zur Entspannung und des Eintauchens in fiktive Welten.
2.2.2 Lesen zur Information: Untersuchung der Wissensaneignung und Horizonterweiterung als wesentliche Funktionen des Lesens.
2.2.3 Lesen zur Weiterbildung: Fokus auf die Rolle des Buches bei der persönlichen Geistesbildung und dem lebenslangen Lernen.
2.2.4 Lesen zur Sprachbildung: Betrachtung des Lesens als Mittel zur Schulung des Ausdrucksvermögens und des Sprachgefühls.
3. Einflussfaktoren auf das Leseverhalten und Gründe für das „Nicht-Lesen“: Dieses Kapitel untersucht die sozialen und biografischen Variablen, die das Leseverhalten prägen.
3.1 Lesephasen im Lebenslauf: Darstellung der Entwicklung und Schwankungen des Leseverhaltens in verschiedenen Lebensabschnitten.
4. Schlussbemerkung: Zusammenfassendes Fazit über die Bedeutung des Lesens und die funktionale Nutzung von Medien.
5. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und Publikationen.
Schlüsselwörter
Lesemotivation, Leserpsychologie, Leseverhalten, Mediennutzung, Unterhaltungslesen, Informationslesen, Sozialisation, Lebenslauf, Leseinteressen, Bildungsfunktion, Sprachbildung, Mediensozialisation, Belletristik, Fachliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Funktionen des Lesens und die Einflussfaktoren auf das Leseverhalten von Menschen im Verlauf ihres Lebens unter Berücksichtigung der Konkurrenz durch neue Medien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Leserpsychologie, der Differenzierung zwischen verschiedenen Lesemotiven (wie Unterhaltung oder Weiterbildung) sowie den Auswirkungen sozialer Rahmenbedingungen auf das Buchlesen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welchen Wert die Lektüre für das Individuum in der heutigen medialen Welt hat und wie sich dieser Wert im biographischen Lebenslauf verändert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Studie der Stiftung Lesen sowie qualitativen Leitfadeninterviews, ergänzt durch theoretische Modelle der Leserpsychologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Motivationsbeschreibung, die Kategorisierung von Lektürefunktionen, eine Analyse von Einflussfaktoren auf das Nicht-Lesen und eine phasenorientierte Betrachtung des Leseverhaltens im Lebenslauf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lesemotivation, Leserpsychologie, Lesephasen, Sozialisation sowie die funktionale Unterscheidung zwischen Unterhaltungs- und Informationslesen.
Welche Bedeutung kommt der Familie bei der Lesesozialisation zu?
Die Familie fungiert laut der Arbeit als primäre Einflussgröße; ein positiver Zusammenhang zwischen dem Buchbesitz der Eltern und den Interessen der Kinder ist ein zentraler Befund der Leserpsychologie.
Warum variiert das Leseverhalten in verschiedenen Lebensphasen so stark?
Das Leseverhalten unterliegt Schwankungen durch externe Anforderungen wie Ausbildung, Berufsleben, Familiengründung oder den Ruhestand, welche die Zeitressourcen und damit das Lesequantum beeinflussen.
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- Julia Wild (Author), 2001, Lesemotivation - Funktionen des Lesens und Einflussfaktoren auf das Lese- und Lektüreverhalten im Lebenslauf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3463