Macht Geld glücklich? Sozio-ökonomische Analyse zur Beziehung zwischen Wohlstand und Lebenszufriedenheit


Bachelorarbeit, 2016

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung
2.1 Geld
2.2 Wohlstand
2.3 Glück
2.3.1 Glücksfaktoren
2.3.2 Extrinistische und intrinistische Werte
2.4 Lebenszufriedenheit

3 Ökonomischer Forschungsansatz
3.1 Prinzip der freien Marktwirtschaft
3.2 Bruttoinlandsprodukt
3.2.1 Prinzip des abnehmenden Grenznutzens
3.2.2 Grenzeinkommen
3.3 Einkommen und Lebenszufriedenheit
3.3.1 Beschäftigungsstatus und -niveau
3.3.2 Mitarbeitermotivation
3.3.3 Kehrseite des Wohlstandes

4 Sozialpsychologischer Forschungsansatz
4.1 Wohlstandsparadoxon
4.2 Vier Säulen der Glücksforschung
4.2.1 Soll-Wert-Theorie
4.2.2 Anpassungsprinzip
4.2.3 Relatives Einkommen
4.2.4 Hedonistische Tretmühle
4.3 Fünf-Faktoren-Inventar

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Was ist das wirkliche Ziel im Leben eines Jeden und wie versucht der Mensch diesen Zielen näherzukommen? Dies ist eine der Fragen, die mich seit jeher beschäftigt. Hierbei bin ich zu der Feststellung gekommen, dass egal welche Hautfarbe der Mensch besitzt, aus welchen Kulturen er stammt und in welchen sozialen Schichten er lebt, seine Vorstellungen immer auf das gleiche Ziel hinauslaufen: Er möchte glücklich sein. Es gibt keinen größeren Motivationsfaktor für den Menschen, der versucht sich gut zu fühlen und Schmerzen zu vermeiden (vgl. Layard 2009:38). Der Glücksforscher Karlheinz Ruckriegel erklärt auch warum: Das Streben nach Glück verleiht Energie, führt zu erhöhter Kreativität und stärkt sogar das Immunsystem. Menschen, die etwas für ihr Glück tun, so meint er, fühlten sich generell besser, festigen ihre Beziehungen und erhöhen dadurch sogar ihre Lebenserwartung (vgl. Ruckriegel 2015:5).

Wie der Mensch jedoch versucht sein Glück zu maximieren, ist individuell unterschiedlich. Um dies zu verdeutlichen, eine kleine Anekdote des Komödianten Hirschhausen:

„Kennen sie den Unterschied zwischen einem Mann mit sieben Kindern und einem, der sieben Millionen Euro hat?...Der Unterschied ist..der Mann mit den sieben Millionen will mehr“ (Blome, Hoffmann, Hujer, Müller, Repinski 2015:23 zit. nach Hirschhausen).

Es ist nicht verwunderlich, dass der Kinderwunsch eines Vaters von sieben Kindern nun gesättigt ist, doch obwohl man annehmen könnte, sieben Millionen Euro seien auch mehr als genug für eine Person, streiten sich dort die Geister, denn ein „Genug“ gibt es für viele Menschen scheinbar nie. Li-Ping Tang findet es nur logisch, dass ein höheres Einkommen auch zu einer größeren Lebenszufriedenheit beiträgt, da Geld die Lebensqualität steigert und viele persönliche Bedürfnisse erfüllen kann (vgl. Li-Ping Tang 2007:377). Gerade daher scheint es jedoch widersprüchlich, dass Menschen, die sich weitestgehend jeden Wunsch erkaufen können, trotzdem nicht glücklicher sind. Ist Glück denn wirklich käuflich? Falls ja, wie viel Geld braucht man, um sich das absolute Glück kaufen zu können? All diese Überlegungen führten mich zu der Forschungsfrage, ob Geld überhaupt glücklich mache.

Um diese syntaktisch einfache, jedoch sehr komplexe Frage zu beantworten, bedarf es zuerst einer profunden Auseinandersetzung mit den vier Leitbegriffen meiner Bachelorarbeit. Besonders interessant ist hierbei, welche Funktion das Geld einnimmt gegenüber dem, was ihm manchmal zugestanden wird.

Danach stehen zwei Themenschwerpunkte im Fokus: Zunächst soll die ökonomische Sichtweise auf Glück den Grundgedanken an den Leser vermitteln, nach dem in der heutigen kapitalistischen Wirtschaftswelt nach immer mehr gestrebt wird und inwieweit dies das Glück jedes Einzelnen, sowie die Durchschnittszufriedenheit eines Landes beeinflusst. Diese Denkweise führt jedoch zu einem Widerspruch, welcher im 4. Kapitel aufgelöst werden soll. Anders als beim wirtschaftlichen Aspekt geht es hierbei um individuelle Verhaltensmuster und Charakterzüge, die im Bereich der Glücksforschung sozialpsychologisch analysiert werden.

Zuletzt endet die Arbeit mit der Auflösung des scheinbaren Paradoxons und gibt umfassende Analyseergebnisse, ob Geld letztendlich wirklich glücklich macht. Mein Ziel ist es, dem Leser spätestens dort Anreize zur eigenen Einschätzung geben zu können welche Wertigkeit er dem Geld als Instrument seines Glückes zugesteht.

Dies ist ein Thema, das jeden betrifft. Daher möchte ich vorab alle Leser dazu animieren, möglichst unvoreingenommen in die Thematik einzusteigen. Anders als manch andere wissenschaftliche Arbeiten geht es hierbei schließlich um das Wichtigste im Leben jedes Einzelnen: den Weg zum eigenen Glück.

2 Begriffserklärung

Um eine Einheitlichkeit der folgenden Begrifflichkeiten zu erzielen, sind nachstehend vier Leitbegriffe ausführlicher definiert. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass insbesondere in Bezug auf die Begriffe Glück, Lebenszufriedenheit und Wohlstand keine kohärente Definition existiert.

2.1 Geld

Vor rund 90 Jahren fragte sich schon Menger: „Volkswirte, Staatsmänner, Philosophen, Theologen, Juristen...haben sich mit dem merkwürdigen Probleme...[sic!]beschäftigt: Was ist die Natur dieser kleinen Metallscheiben und `Papierstreifen`, welche an sich keinem Gebrauchszwecke zu dienen scheinen und doch im Widerspruch mit aller sonstigen Erfahrungen ihrem Besitzer eine nahezu unbegrenzte Herrschaft auf allen Märkten, zum Teile auch sonst im Menschenleben, verschaffen?“ (Gebauer 2004:1 zit. nach Menger 1923).

Nicht nur Münzen und Scheine, sondern insbesondere die universelle Rolle des Geldes als weltweit anerkanntes Zahlungsmittel tritt in verschiedenen Erscheinungsformen, wie Einkommen, Zahlungsmittel, Vermögen oder Kredit, auf. Diese sind dabei teilweise unkenntlich auf Karten oder Konten vermerkt. Hier wird die Wichtigkeit des Vertrauens auf die Wertbeständigkeit des Geldes klar, welches die Grundlage des ganzen Geldwesens bildet, denn „Geld ist letztendlich das, was wir allgemein als Geld akzeptieren.“ (Begriff und Aufgaben des Geldes) Demnach besitzt das Geld drei Funktionen:

- Zahlungsmittel zum erleichternden Warentausch und zur Kreditvergabe
- Recheneinheit, um als Wertmaßstab für Vergleiche und Bezugsgrößen zu gelten
- Wertaufbewahrungsmittel als Gegenstand zum Sparen

Li-Ping Tang (2007:378) vereinfacht dessen Definition mit den Worten, dass Geld das Instrument des Handels ist und ein Wertmaß.

Zum besseren Verständnisses der Notwendigkeit und der ursprünglichen Bedeutung des Geldes, hilft ein Blick auf die Geschichte aus ökonomischer Sicht: Bevor der Mensch großräumig Tauschgeschäfte betrieb, existierten kollektive, isolierte Naturalwirtschaften, die nach dem Prinzip des Gemeineigentums lebten (vgl. Gebauer 2004:2). Infolge der zunehmenden Kontaktaufnahme mit anderen Gemeinschaften, die über andere Ausstattungen verfügten, kam der Wunsch des Handelns auf. „Der selbstgenügsame Stammesmensch wandelt sich in einen homo oeconomicus, der die Maximierung seines individuellen Nutzens [...΁anstrebt“ (ebd.). Dies führte zur Einführung des Privateigentums an Gütern. Nachfolgend brachte der Naturaltausch Nachteile mit sich wie schnelle Verderblichkeit, lange Tauschketten und schneller Wertverlust der Güter, insbesondere bei Nahrungsmitteln (vgl. Hänßler 2012). Um den Warentausch zu vereinfachen, wurden aus Gold, Silber und Bronze Münzen als sogenannte Zwischentauschwaren hergestellt. So wurde ein erster allgemeiner Maßstab eingeführt, in dem der Wert jedes Gutes ausgedrückt werden konnte (vgl. Begriff und Aufgaben des Geldes).

Daher lässt sich sagen, dass Geld „in heutiger Sichtweise offensichtlich das Ergebnis einer kollektiven, d.h. generell zwischenmenschlichen Übereinkunft“ (Gebauer 2004:7) ist und in der arbeitsteiligen Wirtschaft als Mittel zum Tausch von Dienstleistungen und Waren gebraucht wird. Darüber hinaus weist es als ein Indikator für Wohlstand und Macht eine sehr hohe Bedeutung in der Gesellschaft auf, worauf ich im Folgenden eingehen werde.

2.2 Wohlstand

Unter dem Begriff Wohlstand, häufig auch ein Synonym für Reichtum oder Vermögen, wird generell die Kontrolle über eine Größe von materiellem Besitz und Ressourcen verstanden, die über die Grenze des Lebensnotwendigen hinausgeht und hauptsächlich in Form von Gehalt, Vermögen oder persönlichem Eigentum vorhanden ist. Um den Wohlstand eines Landes mit anderen Ländern zu vergleichen, wird in der Politik und der Wirtschaft das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Indikator verwendet. Es misst die Gesamtheit aller produzierten Güter und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft. Im Kapitel 3 werde ich darauf noch ausführlicher eingehen.

Allerdings kann Wohlstand auch als ein generelles Ziel im Leben eines Individuums verstanden werden, welcher mit einem gewissen Prestige verbunden ist. Wohlstand als solcher besitzt daher ein weitgefächertes Spektrum an Definitionen. So formulieren Ed Diener und Robert Biswas-Diener (2008) eine eigene Auslegung, die nicht nur wirtschaftlichen Charakters ist, sondern dem „psychological wealth“ eine weitaus bedeutendere Rolle zumisst. Nach ihnen wird Wohlstand zwar vom Durchschnittsmenschen mit Reichtum assoziiert, allerdings spielt eine bestimmte Haltung zum eigenen Leben eine höhere Wertigkeit: „[...]experiencing happiness and satisfaction due to positive attitudes, intimate relationships, spirituality, and engagement with meaningful goals - represents a much deeper form of riches“ (Diener, Biswas-Diener 2008:4f.).

Diwan (2000) teilt Wohlstand in zwei verschiedene Rubriken ein: „Material Wealth“ und „Relational Wealth“. Hierbei versteht er unter „Material Wealth“ die Menge aller Güter und Dienstleistungen auf einem geschlossenen Markt, die physischen Wohlstand bieten. Dabei betont er, dass dieser Wert allein noch kein zufriedenstellender Indikator für das Wohlergehen einer Nation oder eines Individuums sei (vgl. Diwan 2000:321). „Relational Wealth“ als Indikator für Beziehungen zu anderen Menschen wird von ihm als komplexer angesehen. Er vereint sowohl eine funktionierende soziale Struktur mit ethisch festgelegten Werten, als auch eine gewisse Beziehung zur Umwelt, in der das Leben stattfindet und somit soziale Beziehungen erst gedeihen können. Schließlich sei der Faktor Zeit das letzte entscheidende Kriterium, welches fundamental für die Entwicklung und Erhaltung sozialer Bindungen steht (vgl. Diwan 2000:319f).

In dieser wissenschaftlichen Arbeit möchte ich mich aus Zwecken der Einfachheit ausschließlich der ökonomischen Bedeutung des Wohlstandes zuwenden.

2.3 Glück

Hier bedarf es einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der Frage, ob ein so individuell unterschiedliches Gefühl objektiv überhaupt zu definieren ist. Um vorab Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich darauf hinweisen, dass es sich bei dem für die wissenschaftliche Arbeit verwendeten Glücksbegriff nicht nur um das Zufallsglück beispielsweise dem eines Lottogewinners handelt, sondern um das subjektive Wohlbefinden (well-being) im Sinne von „Glücklichsein“.

Sang Ho zufolge kann Glück nicht definiert werden, da es das subjektive Wohlbefinden darstellt. So kommt es, dass niemand über des anderen Glück urteilen kann, sodass das persönliche Glück nur von einem selbst definiert werden kann (vgl. Sang Ho 2014:40).

Der vereinfachten Definition von Layard folgend, bedeutet dieses Glück „wenn wir uns gut fühlen, und Elend [͙΁, dass wir uns schlecht fühlen“ (Layard 2009:17).

Ruckriegel (2015:4) hingegen spricht von zwei Ausprägungen des Glückes: dem emotionalen Wohlbefinden, bei dem es um die momentane Gefühlslage im Tagesverlauf geht, und dem kognitiven Wohlbefinden, das eine Bewertung der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben darstellt.

Nach dem sozio-ökonomischen Panel (SOEP) wird Glück oder das Glücklichsein als affektiver Zustand bewertet und entwickelt sich aus positiven mentalen Erfahrungen und Erlebnissen eines jeden (vgl. Heidl, Landenberger, Jahn 2012:8).

Dem stehen Diener und Biswas-Diener gegenüber. Ihrer Auffassung nach, kann das Glück nicht als ein Zustand betrachtet werden: „Happiness is a process, not a place“ (Diener, Biswas-Diener 2008:9).

Eine sehr emotionale und vielleicht sogar tugendhafte Definition gibt Li-Ping Tang ab. Für ihn richtet sich Glück oder Zufriedenheit nicht danach, über was der Mensch verfügt, sondern wie er sich gegenüber dem, was er besitzt, fühlt. Man kann sich mit Wenig glücklich fühlen, jedoch auch mit Vielem miserabel (vgl. Li-Ping Tang 2007:376).

Ähnlich wird Glück auch im Bhuddismus betrachtet. Hiernach geht es nicht um den Zugewinn materieller Besitztümer, sondern um den Zustand der inneren Ausgeglichenheit (vgl. Ehrenreich 2010:2).

Bereits hier kann festgestellt werden, dass es keine allgemein gültige Definition für Glück gibt. So möchte ich für diese wissenschaftliche Arbeit Glück verallgemeinert als individuelles und kurzweiliges Gefühl betrachten. Anders als die Lebenszufriedenheit geht es hierbei um das momentane Gefühl eines Menschen, der unabhängig von seinem sozialen Umfeld und seiner kulturellen Herkunft eigene Vorstellungen eines glücklichen Lebens vertritt.

Laut einer 2008 erhobenen Umfrage der Bertelsmann Stiftung (vgl. Was bedeutet für Sie Glück?) wird in Deutschland unter Glück Folgendes verstanden: für 87 Prozent der Deutschen bedeutet Glück Gesundheit, nachfolgend bewerten 74 Prozent von ihnen ein intaktes Elternhaus als wichtig. 69 Prozent verstehen Glück als Freude über kleine Dinge, gefolgt von einem sicheren Arbeitsplatz (56 Prozent). Freude über Erfolg oder Leistung wird von 42 Prozent als Glück angesehen, während 39 Prozent Zeit für eigene Interessen als für das Glück relevant erachten. Nur 31 Prozent verbinden Glück damit, keine Geldsorgen zu haben.

2.3.1 Glücksfaktoren

Ungeklärt bleibt, nach welchen Kriterien das persönliche Glück beeinflusst wird und mit welchen Faktoren der Mensch seine Lebenszufriedenheit bewertet.

Nach Layard (2009) und Ruckriegel (2015) zu urteilen, wird unser persönliches Glücksempfinden von sieben Faktoren geprägt: familiäre Beziehungen haben den allergrößten Einfluss auf das Glück des Einzelnen. Daher haben Veränderungen in diesem Bereich, wie Scheidungen, weitaus gravierendere Auswirkung auf das Wohl, als ein Rückgang des Einkommens (finanzielle Lage auf Platz zwei). Auf dem dritten Platz liegt die Arbeit im Allgemeinen, da sie einen Sinn gibt, Möglichkeiten zur geistigen Weiterentwicklung bietet, Einkommen erzielt, ein Gefühl gebraucht zu werden vermittelt, Selbstvertrauen stärkt, eine Identität schafft und Kontaktmöglichkeiten bietet (vgl. Ruckriegel 2015:5). Demnach lässt Arbeitslosigkeit nicht nur das Einkommen sinken, sondern zerstört regelrecht das Selbstwertgefühl (vgl. Layard 2009:81). Auf Platz vier steht das soziale Umfeld mit Freundschaften, welches als soziales Kapital auf Vertrauen beruht. Danach folgt die Gesundheit als sehr wichtiger, jedoch nicht entscheidender Faktor, da der Mensch mit körperlichen Einschränkungen weiterhin glücklich leben kann. So schätzen chronisch kranke Menschen ihre Lebenssituation oftmals merkbar besser ein als es den Anschein hat, da ihre existentielle Mindestanforderung noch nicht unterschritten ist (vgl. Heidl et al. 2012:15). Dieser Thematik widme ich mich im Kapitel 4.2.2 ausführlicher.

Der sechste Platz wird mit der Freiheit belegt, was im Westen schon als gegeben angesehen wird, jedoch auf vielen Teilen der Erde noch hart erkämpft werden muss. Hier sind drei Aspekte von großer Wichtigkeit: politische, wirtschaftliche und persönliche Freiheit. (vgl. Layard 2009:84). Zuletzt geht es um die eigene Lebensphilosophie, da die innere Haltung des Menschen sich entscheidend auf das persönliche Lebensglück auswirkt (vgl. Layard 2009: 86).

2.3.2 Extrinistische und intrinistische Werte

Da die Bedeutung des Begriffs Glück subjektiven Ursprungs ist, klassifizieren Psychologen Menschen nach intrinistischen und extrinistischen Faktoren. Hierbei typisiert Rojas (2007) den Menschen mit extrinistischen Werten als Individuum, dessen materieller Erfolg, wie Wohlstand und Eigentum, eine hohe Wichtigkeit zum eigenen Glück zugesprochen wird. Er misst seinem äußeren Image eine große Bedeutung bei. Der intrinistisch orientierte Mensch, so Rojas, schätzt soziale Werte wie Zugehörigkeitsgefühl und Selbstachtung. Diese Werte erhöhen die eigene Lebenszufriedenheit, wohingegen extrinistische Werte verschlechternd wirken (vgl. Georgellis, Tsitsianis, Yin 2008:340).

2.4 Lebenszufriedenheit

Als Gegenspieler des affektiven und kurzweiligen Glücks wird Lebenszufriedenheit als bewertender Prozess des momentanen Glücks mit dem gesamten Leben, oder einem Teilabschnitt des Lebens eines Menschen gesehen. Durch eine eher langfristige Bewertung unterliegt sie deshalb weniger starken Schwankungen der Gefühlslage und ist somit als stabilerer Wert gekennzeichnet (vgl. Keuschnigg, Wolbring 2012:191, zit. nach Diener 2009).

Demnach gilt es laut des SOEP zu beachten, dass die Lebenszufriedenheit nach den Kriterien der objektiven Lebensumstände vereint mit persönlichen Ansprüchen und Erwartungen bewertet wird. Auch bei einer weitgehend identischen objektiven Situation kann demnach die Zufriedenheitsbewertung zweier Individuen divergent ausfallen (vgl. Heidl et al. 2012:5).

uch Dette differenziert den Begriff folgendermaßen: „Lebenszufriedenheit beschreibt einen kognitiven Bewertungsprozess der eigenen Lebensqualität und setzt sich damit von affektiven Maßen (joy, positive affect bzw. Freude, positive Stimmung, gute Laune) ab“ (Dette 2005:37 zit. nach Diener, Emmons, Larsen & Griffin 1985). Der Meinung, dass Lebenszufriedenheit eine bewusste Bewertung der eigenen Lebenssituation oder Bereichssituation darstellt, sind auch Diener, Suh, Lucas und Smith (vgl. Diener et al. 1999).

Verschiedene Faktoren erzielen hierbei unterschiedliche Wirkungen auf die Lebenszufriedenheit. So ist es durchaus plausibel, dass die Gesundheit einen positiven Effekt ausübt, wohingegen sich eine höhere Bildung negativ auswirkt. Dies liegt daran, so Weimann, dass eine höhere Bildung auch mit höheren Ansprüchen an das Leben verbunden sei, die eventuell nicht erfüllt werden können (vgl. Weimann et al. 2012:73).

3 Ökonomischer Forschungsansatz

3.1 Prinzip der freien Marktwirtschaft

Um später nachvollziehen zu können, wo die Quelle des Gedankens, Glück habe etwas mit Geld zu tun, liegt, ist es unabdingbar, einen Blick auf die Gründung der freien Marktwirtschaft zu werfen.

Nach dem im 18. Jahrhundert lebenden englischen Philosophen Jeremy Bentham ist „die beste Gesellschaft diejenige, in der die Bürger am glücklichsten sind. Folglich ist auch die beste Politik diejenige, die ihre Bürger am glücklichsten macht.“ (Layard 2009:15)

Sein „Prinzip des größten Glücks“, wie er es nannte, wurde als aufklärerisches Ideal Teil der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, die das Streben nach Glück als eines der wichtigsten Rechte beschreibt. Hierbei geht es nicht nur darum, glücklich zu sein mit dem was man hat, sondern das volle Potential seines Lebens ausschöpfen zu können (vgl. the Heritage Foundation 2015). Dieser amerikanische Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen, kann sich jedoch nicht ohne ein funktionierendes Wirtschaftssystem vollziehen.

Über dieses Prinzip sprach Adam Smith bereits im 18. Jahrhundert und gilt daher als Gründer der freien Marktwirtschaft. Ihm zufolge handelt der Mensch egoistisch in seinem Eifer für sich das großmöglichste Glück zu erzielen. Sein Eigeninteresse jedoch fördert implizit das Gemeinwohl der Gesellschaft, denn der Markt wird hierbei angekurbelt und steuert sich daher selbst. Diese Selbststeuerung ist bekannt unter dem Namen „unsichtbare Hand“ (vgl. Layard 2009:17). Daraus lässt sich erkennen, dass schon sehr früh der Gedanke vorherrschte, dass ein möglichst großes Einkommen auch ein größtmögliches Glück für jeden Einzelnen bedeutete.

Um nachzuvollziehen, wie glücklich eine Gesellschaft ist, wurde daher als Gradmesser das BIP eingeführt. Die Sichtweise, anhand des BIP das Glück der Einwohner ablesen zu können, ist selbst heute noch im Handeln einiger Politiker zu beobachten (vgl. Layard 2009:18).

3.2 Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt gilt allgemein als Maßeinheit für die wirtschaftliche Leistung eines Landes in einem bestimmten Zeitraum.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Macht Geld glücklich? Sozio-ökonomische Analyse zur Beziehung zwischen Wohlstand und Lebenszufriedenheit
Veranstaltung
VWL
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
36
Katalognummer
V346441
ISBN (eBook)
9783668359475
ISBN (Buch)
9783668359482
Dateigröße
1412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Glück, Glücksforschung, Wohlstand, Lebenszufriedenheit, Geld, Wirtschaft, subjective wellbeing, 4 Säulen
Arbeit zitieren
Aliza Dansch (Autor), 2016, Macht Geld glücklich? Sozio-ökonomische Analyse zur Beziehung zwischen Wohlstand und Lebenszufriedenheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346441

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Macht Geld glücklich? Sozio-ökonomische Analyse zur Beziehung zwischen Wohlstand und Lebenszufriedenheit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden