Computer Supported Collaborative Learning. Grundlagen und Werkzeuge für CSCL


Seminararbeit, 2015

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Begriffsabgrenzung

2. Grundlagen
2.1 Lernprozesse in Gruppen
2.2 Dimensionen von CSCL-Situationen
2.3 Vorteile von CSCL
2.4 Nachteile von CSCL

3. Werkzeuge und Umgebungen für CSCL
3.1 Aufgaben der Technik in CSCL
3.2 Werkzeuge zur Umsetzung von CSCL

4. Unterstützung kollaborativer Prozesse
4.1 Die Script-Theory of Guidance
4.1.1 Interne Kollaborationsskripte
4.1.2 Externe Kollaborationsskripte

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kooperatives und kollaboratives Lernen ( In Anlehnung an Hinze, 2004, 23)

1. Einleitung

Kollaboratives Lernen spielt an Schulen bereits seit längerem eine große Rolle. Durch die immer bessere technische Ausstattung von Schulen und die weite Verbreitung von vernetzter Technik im Alltag ergibt sich die Möglichkeit, Gruppenarbeiten immer mehr und mehr über das Internet zu erledigen. Eine Möglichkeit hierzu bietet der An- satz des computerunterstützten kollaborativen Lernens (CSCL). CSCL ist ein interdis- ziplinäres Forschungsgebiet, in dem Aspekte der Psychologie, der Pädagogik, der So- ziologie und Kommunikationswissenschaft sowie der Informatik eine wichtige Rolle spielen (Haake et al, 2012, 2).

In der vorliegenden Seminararbeit wird ein Überblick über die Grundlagen des com- puterunterstützten kollaborativen Lernens gegeben. Dazu wird in Kapitel 2 auf die Grundlagen von CSCL eingegangen werden. Hierzu wird in Kapitel 2.1 zunächst auf die Grundlagen von Lernprozessen in Gruppen eingegangen. Anschließend werden in Abschnitt 2.2 die Dimensionen von CSCL-Situationen erläutert, welche Einfluss auf das CSCL-Design haben. Kapitel 2.3 und 2.4 beleuchten Vor- und Nachteile des Ein- satzes von CSCL.

Kapitel 3 erläutert zunächst die Aufgaben der Technik. Anschließend wird die Umsetzung anhand von Standardwerkzeugen beschrieben.

Kapitel 4 gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Script Theory of Guidance, die davon ausgeht, dass Lernende in kollaborativen Situationen nach internen Skripten vorgehen um zu einer Lösung zu gelangen. Mangelt es an internen Kollaborationsskripten kann durch die Bereitstellung von externen Kollaborationsskripten eine Anpassung der internen Skripte begünstigt werden.

Kapitel 5 bietet eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte dieser Arbeit.

1.1 Begriffsabgrenzung

Die englische Abkürzung „CSCL“ bezeichnet einen Ansatz für computerunterstütztes, betreutes Lernen in einer Gruppe mit dem Ziel, gemeinsam Wissen zu erarbeiten. Die Idee von CSCL ist, soziales Lernen mit medialer Unterstützung der Lernprozesse zu verknüpfen. Es ist eine Form des E-Learnings, setzt dabei jedoch vor allem auf die Interaktion zwischen den Lernenden. Sie sollen lernen, indem sie ihre Fragen ausdrücken, gemeinsame Nachforschungen anstellen und sich auch gegenseitig Wissen vermitteln. Computerunterstützung und Kollaboration sind dabei zentral für den CSCLAnsatz (Stahl et al., 2006, 3).

Die Bedeutung der Abkürzung CSCL ist nicht eindeutig festgelegt. Das zweite C wird hauptsächlich als „collaborative“ oder „cooperative“ ausgelegt. Viele Autoren verwenden die Begriffe gleichbedeutend (Haake et. al, 2012, 2). Andere interpretieren die Begriffe unterschiedlich. Nach Hinze (2004, 23) findet kooperatives Lernen meist individuell in stark strukturierten Bahnen statt. Es gibt keine gemeinsam erarbeitete Wissensbasis. Das Ziel besteht im Erreichen eines Ergebnisses, welches aus Addition der Einzelergebnisse besteht. Kollaboratives Lernen hingegen meint eine überwiegend selbst gesteuerte Zusammenarbeit einer Gruppe. Es gibt einen gemeinsamen Lernprozess und Schaffung einer gemeinsamen Wissensbasis durch Interaktion untereinander. Wichtiger ist hier der Lernprozess selbst als das Ergebnis.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kooperatives und kollaboratives Lernen ( In Anlehnung an Hinze, 2004, 23)

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden kooperatives und kollaboratives Lernen synonym betrachtet. Da selbst in der Fachwelt keine eindeutige Meinung vorherrscht (Haake et al., 2012, 1), wird eine Differenzierung lediglich dort erfolgen, wo diese notwendig und sinnvoll ist.

2. Grundlagen

2.1 Lernprozesse in Gruppen

Der Zentrale Begriff des CSCL ist der der „Gruppe“. Diese weisen in kollaborativen Arbeitsformen eine erkennbare Rollenstruktur und ein gemeinsames Ziel auf. Sie arbeiten über einen längeren Zeitraum zusammen, interagieren direkt miteinander und es gibt eine strukturierte Kommunikation (Hinze, 2004, 20).

Die moderne Pädagogik geht davon aus, dass aktives Lernen aus der aktiven Aneig- nung und Konstruktion von Wissen besteht. Ein tieferes Verständnis setzt dabei sozi- ale Kommunikations- und Kooperationsprozesse voraus (Schulmeister, 2001, 201). Grundlegende Annahmen über Lernprozesse in Gruppen entstammen der Entwick- lungstheorie von Vygotsky und seiner Theorie der „Priorität des sozialen vor dem In- dividuellen“, sowie dem sozial-konstruktivistischen Ansatz nach Piaget (Niegemann, 2008, 338). Vygotsky geht davon aus, dass Lernende sich Wissen über ihre Umwelt und deren Merkmale durch Interaktion mit anderen aneignen. Piaget geht von einem Streben der Lernenden nach Äquilibration aus, um sich ihrer Umwelt besser anzupas- sen. Die Anpassung kann durch Assimilation oder Akkommodation erfolgen (Wool- folk, 2008, 40).

Gruppen lassen sich Anhand verschiedenster Merkmale Kategorisieren, wie dem Wissendziel, der Dauer der Zusammenarbeit, der Symmetrie, der Direktivität und ihrer Größe. Eine genauere Betrachtung dieser Aspekte erfolgt in Kapitel 2.2.

2.2 Dimensionen von CSCL-Situationen

CSCL kann in vielen unterschiedlichen Szenarien eingesetzt werden. Um die Umgebung optimal an die jeweiligen Anforderungen anpassen zu können, werden CSCLSituationen nach sieben verschiedenen Dimensionen unterschieden. Ihre Ausprägung beeinflusst die Wahl der Konzepte, Werkzeuge und Methoden. Im Folgenden werden die Dimensionen daher näher erläutert.

Zunächst wird nach dem „Ort“ unterschieden, an welchem sich die Gruppenmitglieder aufhalten. Wichtig ist hier, ob sich alle am gleichen Ort befinden oder nicht, denn Gruppenarbeit in einer Distanzsituation stellt andere Anforderungen an die Lernenden und den Betreuer (Niegemann et al., 2008, 341). Kommuniziert eine Gruppe lediglich über das Internet, fehlen sämtliche nonverbale Signale untereinander. Dies erschwert die Kommunikation im Vergleich zur direkten Auseinandersetzung miteinander. Es ist daher eine wichtige Herausforderung an die gestellte CSCL-Umgebung, den Lernenden die Möglichkeiten zu geben, sich darüber zu verständigen, dass sie die Botschaften der anderen verstanden haben (Niegemann et al., 2008, 342).

Die Dimension „Zeit“ unterscheidet, ob die Bearbeitung von Aufgaben und die Kommunikation synchron oder asynchron erfolgen. Bei synchroner Bearbeitung nehmen alle Mitglieder gleichzeitig teil, bei asynchroner Bearbeitung lernen und kommunizieren Mitglieder zu unterschiedlichen Zeiten, beispielsweise mit asynchronen Medien wie E-Mails oder über ein Forum (Haake et al., 2012, 3).

Die „Symmetrie“ bezeichnet die Art der Wissenskommunikation. Symmetrisches Wissen beschreibt Lernende mit ähnlichem aber heterogenen Wissensniveau. Asymmetrisches Wissen steht für ein starkes Wissensgefälle. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Wissen hauptsächlich vom Betreuer an die Lernenden geht.

Die „Direktivität“ beschreibt, ob die Gruppe den Lernprozess weitgehend selbst steuert oder ein Betreuer den Prozess übernimmt (Manschwetus et al., 2013, 11).

Nach „Dauer“ werden Lerngruppen unterschieden, die entweder nur für kurze Zeit gebildet werden oder über längere Zeit zusammenarbeiten, wie beispielsweise Lerngruppen über ein ganzes Schuljahr (Schulmeister, 2001,204).

Im Weiteren wird nach dem „Ziel“ des Wissenserwerbs unterschieden und somit danach, ob die Gruppe sich Wissen als Ganzes aneignen soll oder individueller Wissenserwerb im Vordergrund stehen soll.

Zuletzt spielt die „Größe“ und Zusammensetzung der Gruppe eine Rolle, da hiervon Lernmethoden und Kommunikationsformen abhängig sind (Manschwetus et al., 2013, 12).

2.3 Vorteile von CSCL

Gegenüber normalem E-Learning bietet CSCL durchaus bedeutende Vorteile. Diese entstehen insbesondere durch die kollaborative Zusammenarbeit. So wird angenom- men, dass durch die intensivere Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und den ande- ren Lernenden, eine höhere Involviertheit entsteht, welche zu höherer Motivation und Leistung führt. Weiterhin sollen neben Faktenwissen auch Sozialkompetenzen geför- dert werden. Zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels ist es nötig, sich mit unterschiedlichen Menschen mit ebenso unterschiedlichen Meinungen auseinanderzusetzen. Dies bietet dem Lernenden eine größere Perspektivenvielfalt und fördert Fähigkeiten wie Empathie, Kommunikationsfähigkeit und Konfliktfähigkeit.

Ein weiterer Vorteil ist das Fehlen standardisierter Lernwege (Hinze, 2004, 37ff). Dies gibt den Anwendern Handlungsspielraum bei der Bearbeitung und lässt sie Aufgaben weitgehend selbstständig lösen. Das Erlebnis des eigenverantwortlichen Arbeitens ist dabei ein wichtiger Faktor welcher das selbstgesteuerte Lernen fördert. Weiterhin er- möglicht CSCL durch unterschiedlich gelagertes Wissen der Gruppenmitglieder eine objektivere Betrachtung und die Bearbeitung von größeren Informationsmengen (Hinze, 2004a, 11).

2.4 Nachteile von CSCL

CSCL kann trotz aller Vorteile auch negative Auswirkungen haben. So gibt es neben den positiven Effekten auch Prozessverluste, die durch Koordinationsschwierigkeiten innerhalb der Gruppe entstehen können, beispielsweise, wenn Aufgaben nicht gelöst werden, im Vertrauen auf die anderen Gruppenmitglieder (Hinze, 2004, 39). Dies lässt sich durch den Ringelmann-Effekt erklären. Dieser bezeichnet das Phänomen, dass Personen, die gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten, weniger leisten, als die Summe der Einzelleistungen ergeben würde. Neben mangelnder Koordination werden hier auch Verluste aufgrund mangelnder Motivation und sozialem Faulenzen genannt. So- ziales Faulenzen besagt, dass bei Gruppenleistungen die Tendenz des Einzelnen be- steht, weniger Energie einzusetzen als bei Einzelleistungen (Trimmel, 2003, 134).

Ein weiterer Nachteil ist der Mangel an sozialer Präsenz. CSCL-Umgebungen werden oft über das Internet realisiert. Es handelt sich dabei um Distanzsituationen, bei denen nonverbale Signale gänzlich fehlen. Dies erschwert die Kommunikation untereinander (Niegemann, et al., 2008, 342). Die Lernenden haben oft keine Vorstellung von dem Wissen und den Kenntnissen der anderen. Dies betrifft auch soziale Aspekte wie bei- spielsweise die Rolle eines Gruppenmitglieds. Zur effektiven Kommunikation und Kooperation ist eine gemeinsame Basis von Kenntnissen, Vorstellungen und Annah- men jedoch notwendig. Die Verständigung über den gemeinsamen Wissenshinter- grund wird „Grounding“ genannt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Computer Supported Collaborative Learning. Grundlagen und Werkzeuge für CSCL
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Wirtschaftswissenschaften - Wirtschaftspädagogik)
Veranstaltung
Medienunterstützter Unterricht in der Wirtschaftspädagogik
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V346477
ISBN (eBook)
9783668359192
ISBN (Buch)
9783668359208
Dateigröße
918 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CSCL, Medien, Unterrichtsmedien, Computer Supportet Collaborative Learning
Arbeit zitieren
Christian Duvenage (Autor:in), 2015, Computer Supported Collaborative Learning. Grundlagen und Werkzeuge für CSCL, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346477

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