Der Wandel der Figur des Don Juan vom Trickster zum Libertin

Mozarts Oper und de Molinas Drama im Vergleich


Hausarbeit, 2016
14 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Primärtexten
2.1 El burlador de Sevilla y convidado de piedra von Tirso de Molina
2.2 Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni von Lorenzo da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart

3. Vom Trickster zum Libertin
3.1 El burlador de Sevilla als Trickster
3.2 Don Giovanni als Libertin

4. Zusammenfassung

5. Bibliographie

1. Einleitung

„En fin, don Juan es un mito intemporal que nació a la literatura con Tirso de Molina, quien lo dotó de unos caracteres propios y potenciales y de una serie de valores que siguen fascinando e interesando y que, como el ser humano, han evolucionado a través de los años, ideologías, países y épocas. “

Der Mythos des Don Juans ist einer der am meisten überarbeiteten und bekanntesten weltweit. Nicht nur Autoren, aber auch Dichter, Filmregisseure und Maler haben sich von Don Juan inspirieren lassen und haben in ihren Schöpfungen ihre eigene Note hinzugefügt.

Heutzutage wird „ El burlador de Sevilla “ von Tirso de Molina als das ‚Ur-Don Juan‘ gesehen. Seit 1619 haben es sich zahlreichen Autoren zur Aufgabe gemacht, nicht nur die Handlungen und die Geschichte des Don Juans zu verändern, sondern auch sein Charakter. Diese versuchten dabei nicht nur ihre eigenen Ideen und Vorstellungen hinzuzufügen, aber auch den Don Juan zeitgemäßer zu gestalten. Zu diesen weltweit berühmten Autoren die im Laufe der Jahrhunderte den Don Juan Stoff neu bearbeitet haben gehören Molière, Carlo Goldoni, José Zorilla, Max Frisch, Gustave Flaubert, Lorenzo Da Ponte, Jeremy Leven und viele mehr.

In der folgenden Analyse wird die bekannteste Don Juan Oper, nämlich die von Mozart in der Zusammenarbeit mit Lorenzo Da Ponte, mit dem Theaterstück von Tirso de Molina verglichen. Die Unterschiede zwischen dem mozartianischen Don Giovanni und den Burlador de Sevilla sind viele und auch bedeutend; doch es wird nicht Ziel dieser Hausarbeit sein, alle Merkmale der zwei Werke gegenüberzustellen. Vielmehr wird ein Vergleich der Charakterzüge und den davongeleiteten Handlungen angestrebt. Dabei wird anhand der beiden Primärtexten aufgezeigt, inwiefern Don Juan Tenorio Elemente eines Tricksters enthält und Don Giovanni sich ehr als ein Libertin aufzeigt. Zum Schluss wird begründet, warum da Ponte sich für diese Darstellung der Hauptfigur entschied.

Bevor jedoch mit der Analyse angefangen wird, werden die wichtigsten Angaben zu den beiden Primärtexten gegeben und es wird näher erläutert was genau ein Trickster und ein Libertin sind.

2. Die Primärtexten

2.1 El burlador de Sevilla y convidado de piedra von Tirso de Molina

[1] El Burlador de Sevilla y convidado de piedra[2] wurde von Tirso de Molina (1579-1648), das Pseudonym für Gabriel Téllez, verfasst und im Jahre 1624 uraufgeführt. Die Comedia besteht aus drei jornadas und ist in Versen geschrieben. Dieser Text gilt als die Grundlage für alle weiteren Don Juan Texte, da er der erste ist, der diesen Charakter enthält. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Tirso de Molina den Don Juan Charakter vollkommen neu erschaffen hat. Es scheint, als ob die Quellen für die Comedia sich in dem europäischen Folklore befänden. Es kursierten Geschichten über einen jungen Mann der ausschweifend lebte und mit seiner Begegnung mit den Toten.[3] [4]

2.2 Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni von Lorenzo da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart

Il Dissoluto punito ossia Don Giovanni[5] gehört zu den drei erfolgreichsten und bekanntesten Opern von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Libretto wurde vom italienischen Dichter und Librettist Lorenzo Da Ponte (1749-1838) verfasst, der öfters im Zusammenhang mit Mozart gebracht wird dank seiner Texten für die Opern Così fan tutte, Le nozze di Figaro und das soeben genannte Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni.

Don Giovanni ist ein dramma giocoso in zwei Akten, das erstmals 1787 in Prag uraufgeführt wurde. Wie er in seiner Einführung erläutert, hat sich Da Ponte hierbei auf die Primärtexten von Tirso de Molina und Giovanni Bertati, ebenfalls Librettist, gestützt.

Bemerkenswert ist, dass Don Giovanni kurz vor dem Ausbruch der Französischen Revolution verfasst und uraufgeführt wurde. Dies hatte auch einen Einfluss auf die Gestaltung der Don Juan Figur.

3. Vom Trickster zum Libertin

3.1 El burlador de Sevilla als Trickster

Wie der Titel der Comedia bereits andeutet, ist Don Juan ein ‚Burlador‘, dass im Englischen mit ‘Trickster’ übersetzt wird, also einer, der betrügerische Streiche spielt. Dieser Aspekt ist sehr bedeutsam wenn man bedenkt, dass man heutzutage die Figur des Don Juans mit der eines Frauenheldes verbindet und nicht mit der eines Betrügers. Der Duden beschreibt Don Juan als „Mann, der ständig auf neue Liebesabenteuer aus ist, immer neue erotische Beziehungen sucht“.[6] Indem Tirso de Molina also Don Juan als ‚Burlador‘ bezeichnet, liegt er einen anderen Schwerpunkt als das was die Legende des Don Juan später eingenommen hat. Der Hauptmotiv, das Don Juan zu seine Handlungen führt, ist sein Streben nach dem Ruhm als ‚Burador de Sevilla‘ bekannt zu werden, wie man aus seinen eigenen Wörtern entnehmen kann:

„Sevilla a voces me llama / el Burlador, y el mayor / gusto que en mi puede haber / es burlar una mujer / y dejarla sin honor.” (V. 1312-1316)

Don Juan empfindet also einen Gefallen daran, Menschen auszutricksen. Er hat ein tiefes amoralisches Vergnügen sich so zu verhalten und dabei alle möglichen Methoden anzuwenden und so durch seine eigenen Tricks berühmt zu werden. In allen seinen Handlungen versucht er die Menschen zu verführen.

Don Juan verwendet auch diese Methode um die Frauen zu verführen in dem er sie nachts aufsucht und sich als ihr Verlobter oder Geliebter ausgibt. (Vgl. V.1-17). Anderen Frauen offenbart er sich als derjenige der er tatsächlich ist und verführt sie indem er ihnen verspricht, sie zu heiraten und somit an einer höheren sozialen Stellung zu gelangen.

Don Juan zu Aminta: “¡Ay, Aminta de mis ojos! / Man᷉ana sobre virillas / de tersa plata estrellada / con clavos de oro de Tíbar / pondrás los hermosos pies, / y en prisión de gargantillas / la alabastrina garganta, / y los dedos en sortijas, / en cuyo engaste parezcan / transparentes perlas finas.“ (V. 2098-2117).

Obwohl im Laufe des Theaterstücks Don Juan überwiegend Frauen verführt, beschränkt sich sein Betrügen nicht nur auf die Frauen und auch nicht nur darin diese für einen sexuellen Abenteuer zu verführen. Opfer seiner betrügerischen Streichen sind ebenfalls Freunde und Familienmitglieder. Seinem Freund den Marquis de la Mota trickst er in zweierlei Weisen aus: zum einen überreicht er ihm nicht den Brief von Doña Ana und versucht mit dieser zu schlafen indem er sich als der Marquis ausgibt, und zum anderen überlässt er ihm die Strafe für den Tod des Don Gonzalo für dem er jedoch selbst verantwortlich war.

„Tres palabras parecen definir a don Juan en cada una de sus hazan᷉as: engaño, posesión y huida. La actividad erótica de don Juan, pese a ser una de sus características más evidentes,o parece ser lo que realmente le hace disfrutar. [...] Lo que realmente le fascina es su capacidad de burlarse de los demás y hace de esa característica una meta en su vida. Don Juan es, ante todo, un burlador “profesional”, y sus víctimas son tanto masculinas como femeninas. Todo ello va unido a un deseo de alcanzar para sí fama y valor mal entendidos.[7]

Don Juan geht sogar so weit, dass er der Meinung ist er könne auch Gott austricksen und so seiner Gerechtigkeit entgehen. Als Don Gonzalo durch sein Händedruck Don Juan lebendig verbrennt, sagt dieser:

„ Deja que llame / quien me confiese y absuelva.“ (V. 2780-2781).

Er glaubt es sei ausreichend kurz vor seinem Tod zu beichten um von all seine Sünden erlöst zu werden.

[...]


[1] Im Folgenden wird beim Zitieren folgende Ausgabe verwendet: De Molina, Tirso: El burlador de Sevilla y convidado de piedra. Madrid 1997.

[2] Il Folgenden nur El Burlador de Sevilla genannt.

[3] Sánchez, Mercedes: Orientaciones para el estudio de El burlador de Sevilla y convidado de piedra. In: De Molina, Tirso: El burlador de Sevilla y convidado de piedra. Madrid 1997, S. 34.

[4] Im Folgenden wird beim Zitieren folgende Ausgabe verwendet: Da Ponte, Lorenzo: Il Dissoluto punito ossia il Don Giovanni. In: Da Ponte, Lorenzo: Memorie. I libretti mozartiani. Mailand 1995, S. 509-595.

[5] Il Folgenden nur Don Giovanni genannt.

[6] http://www.duden.de/rechtschreibung/Don_Juan. (Zugriff: 11.03.2016)

[7] Sánchez, Mercedes (1997), S. 219.

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Details

Titel
Der Wandel der Figur des Don Juan vom Trickster zum Libertin
Untertitel
Mozarts Oper und de Molinas Drama im Vergleich
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V346487
ISBN (eBook)
9783668358065
ISBN (Buch)
9783668358072
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
don juan, don giovanni, libertin, trickster
Arbeit zitieren
Alexia Soraia Pimenta Gomes Zonca (Autor), 2016, Der Wandel der Figur des Don Juan vom Trickster zum Libertin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346487

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