Der Mythos des Don Juans ist einer der am meisten überarbeiteten und bekanntesten weltweit. Nicht nur Autoren, aber auch Dichter, Filmregisseure und Maler haben sich von Don Juan inspirieren lassen und haben in ihren Schöpfungen ihre eigene Note hinzugefügt. Heutzutage wird „El burlador de Sevilla“ von Tirso de Molina als das ‚Ur-Don Juan‘ gesehen. Seit 1619 haben es sich zahlreichen Autoren zur Aufgabe gemacht, nicht nur die Handlungen und die Geschichte des Don Juans zu verändern, sondern auch sein Charakter. Diese versuchten dabei nicht nur ihre eigenen Ideen und Vorstellungen hinzuzufügen, aber auch den Don Juan zeitgemäßer zu gestalten. Zu diesen weltweit berühmten Autoren die im Laufe der Jahrhunderte den Don Juan Stoff neu bearbeitet haben gehören Molière, Carlo Goldoni, José Zorilla, Max Frisch, Gustave Flaubert, Lorenzo Da Ponte, Jeremy Leven und viele mehr.
In der folgenden Analyse wird die bekannteste Don Juan Oper, nämlich die von Mozart in der Zusammenarbeit mit Lorenzo Da Ponte, mit dem Theaterstück von Tirso de Molina verglichen. Die Unterschiede zwischen dem mozartianischen Don Giovanni und den Burlador de Sevilla sind viele und auch bedeutend; doch es wird nicht Ziel dieser Hausarbeit sein, alle Merkmale der zwei Werke gegenüberzustellen. Vielmehr wird ein Vergleich der Charakterzüge und den davongeleiteten Handlungen angestrebt. Dabei wird anhand der beiden Primärtexten aufgezeigt, inwiefern Don Juan Tenorio Elemente eines Tricksters enthält und Don Giovanni sich ehr als ein Libertin aufzeigt. Zum Schluss wird begründet, warum da Ponte sich für diese Darstellung der Hauptfigur entschied.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Primärtexten
2.1 El burlador de Sevilla y convidado de piedra von Tirso de Molina
2.2 Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni von Lorenzo da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart
3. Vom Trickster zum Libertin
3.1 El burlador de Sevilla als Trickster
3.2 Don Giovanni als Libertin
4. Zusammenfassung
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der Don Juan-Figur von ihrer literarischen Entstehung bei Tirso de Molina hin zur Opernfigur von Mozart und Da Ponte. Ziel ist es, die spezifischen Charakterzüge beider Versionen zu vergleichen, um aufzuzeigen, wie Don Juan im Original als Trickster angelegt ist, während er in der Oper zunehmend libertine Züge annimmt.
- Die literarische Ur-Konzeption als Trickster in "El burlador de Sevilla".
- Die Transformation der Figur zum Libertin im Kontext des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
- Vergleich der Handlungsmotive und Verhaltensweisen der Hauptfigur.
- Analyse der sozialen Kritik und historischen Einbettung der Don Giovanni-Oper.
Auszug aus dem Buch
3.1 El burlador de Sevilla als Trickster
Wie der Titel der Comedia bereits andeutet, ist Don Juan ein ‚Burlador‘, dass im Englischen mit ‘Trickster’ übersetzt wird, also einer, der betrügerische Streiche spielt. Dieser Aspekt ist sehr bedeutsam wenn man bedenkt, dass man heutzutage die Figur des Don Juans mit der eines Frauenheldes verbindet und nicht mit der eines Betrügers. Der Duden beschreibt Don Juan als „Mann, der ständig auf neue Liebesabenteuer aus ist, immer neue erotische Beziehungen sucht“.6 Indem Tirso de Molina also Don Juan als ‚Burlador‘ bezeichnet, liegt er einen anderen Schwerpunkt als das was die Legende des Don Juan später eingenommen hat. Der Hauptmotiv, das Don Juan zu seine Handlungen führt, ist sein Streben nach dem Ruhm als ‚Burador de Sevilla‘ bekannt zu werden, wie man aus seinen eigenen Wörtern entnehmen kann:
„Sevilla a voces me llama / el Burlador, y el mayor / gusto que en mi puede haber / es burlar una mujer / y dejarla sin honor.” (V. 1312-1316)
Don Juan empfindet also einen Gefallen daran, Menschen auszutricksen. Er hat ein tiefes amoralisches Vergnügen sich so zu verhalten und dabei alle möglichen Methoden anzuwenden und so durch seine eigenen Tricks berühmt zu werden. In allen seinen Handlungen versucht er die Menschen zu verführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Mythos des Don Juan ein und definiert die Forschungsfrage, die den Vergleich zwischen Tirso de Molinas Trickster und Mozarts Libertin fokussiert.
2. Die Primärtexten: Dieses Kapitel stellt die beiden untersuchten Werke kurz vor und erläutert deren Entstehungskontexte sowie die Einbettung in die literarische Tradition.
3. Vom Trickster zum Libertin: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem detailliert herausgearbeitet wird, wie Don Juan als Trickster agiert und warum Don Giovanni im Gegensatz dazu als Libertin charakterisiert werden kann.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die Ergebnisse zusammen und reflektiert, warum die Autoren der Oper eine libertine Darstellung wählten, um soziale Kritik am Ancien Régime zu üben.
5. Bibliographie: Das Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Don Juan, El burlador de Sevilla, Don Giovanni, Trickster, Libertin, Tirso de Molina, Mozart, Lorenzo Da Ponte, Verführung, Literaturwissenschaft, Mythos, Theaterstück, Oper, Aufklärung, Ancien Régime
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die literarische und musikalische Entwicklung der Don Juan-Figur, basierend auf dem Vergleich zwischen dem spanischen Theaterstück von Tirso de Molina und Mozarts Oper "Don Giovanni".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Analyse literarischer Archetypen, der historische Wandel von Charakterbildern sowie der Einfluss gesellschaftlicher Umbrüche auf die Gestaltung von fiktionalen Figuren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Don Juan Tenorio vom Trickster-Modell hin zur Darstellung als Libertin transformiert wurde und warum diese Charakterisierung durch die Autoren erfolgte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche komparative Analyse, bei der Textstellen aus den Primärquellen direkt mit den theoretischen Begriffen des „Tricksters“ und „Libertins“ in Beziehung gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Textauszüge aus den Originalwerken interpretiert, um Don Juans amoralisches Verhalten, seinen Wunsch nach Ruhm durch Täuschung und sein späteres, von Gewalt und Gottlosigkeit geprägtes Auftreten in der Oper zu belegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Trickster“, „Libertin“, „Verführung“, „Täuschung“ sowie die spezifischen Autorennamen Tirso de Molina und Lorenzo Da Ponte charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Don Juan bei Tirso de Molina von dem bei Mozart?
Während Tirso de Molinas Don Juan primär durch das Austricksen seiner Mitmenschen nach Ruhm strebt, zeichnet sich Mozarts Don Giovanni durch eine libertine, gewaltbereite und gesellschaftsfeindliche Haltung aus.
Warum wird Don Giovanni als soziale Kritik interpretiert?
Die Figur des Don Giovanni verkörpert in der Oper das wollust- und gewaltbereite Ancien Régime, wodurch das Stück laut Analyse eine versteckte Kritik an der feudalen Aristokratie kurz vor der Französischen Revolution darstellt.
Welche Rolle spielt die Gottlosigkeit in der Charakterisierung?
Die Gottlosigkeit unterstreicht den Status des Libertins, da Don Giovanni bewusst religiöse und gesellschaftliche Normen missachtet und bis zum Ende keine Reue zeigt.
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- Alexia Soraia Pimenta Gomes Zonca (Author), 2016, Der Wandel der Figur des Don Juan vom Trickster zum Libertin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346487