Die Verwendung der Akzente und Apostrophen in einem Brief von 1874


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
10 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Orthographische Fehler

3. Beschreibung des Materials

4. Die orthographischen Fehler
4.1 Die Apostrophe
4.2 Die Akzente

5. Zusammenfassung

6. Bibliographie

1. Einleitung

„L’impression de familiarité qui se dégage entre deux langues voisines empêche de prendre conscience de la distance qui sépare les deux systèmes linguistiques.[1]

Es wird immer nachgesagt, dass es einfach sei für eine Person eine Sprache aus derselben Sprachfamilie zu erlernen. Wie das vorherige Zitat jedoch aufzeigt, entwickeln die meisten Sprecher beim Erlernen der neuen benachbarten Fremdsprache kein richtiges Bewusstsein dafür, dass es sich um zwei linguistischen Systemen handelt.

”Ces anomalies surtout « sémantiques combinatoires », comme les appelle Galisson dans le Dictionnaire de didactique des langues, sont dues à « des interférences avec la langue maternelle ou à une méconnaissance des contraintes habituelles de sélection et d’insertion lexicale dans la langue étrangère ». Ces infractions au code de la langue pourront être évitées avec l’explication et le réemploi. Mais aussi avec une grande concentration.[2]

Die Gründe die Fehler die gemacht werden sind also zwei: zum einen die Interferenzen mit der eigenen Muttersprache und zum andren die mangelnde Kenntnissen der Lexik und der Grammatik in der Fremdsprache in der man schreibt oder spricht.

Exemplarisch für dieses Phänomen, wurden zwei Briefe eines in Italien lebenden Italiener der auf Französisch schreibt untersucht.

Ziel dieser Hausarbeit ist nicht alle Fehler des Schreibers zu analysieren, vielmehr wird sich diese Arbeit auf die Akzente und die Apostrophen konzentrieren. Es werden dabei nicht nur die inkorrekten, sondern auch die korrekten Schreibweisen untersucht und eine Begründung für die jeweilige Entscheidung des Schreiber die Akzente und die Apostrophen zu setzen oder nicht zu setzen gesucht, und wenn ja wie. Als allererstes wird jedoch erläutert, was genau ein Fehler ist.

2. Orthographische Fehler

Die Académie Française gibt folgende Definition für orthographische Fehler : „Une faute est un manquement aux règles, aux normes.[3] “ In der Tat ist die Orthographie (dt. Rechtschreibung) „die Bezeichnung für die Lehre von der normativ und einheitlich geregelten Verschriftung von Sprache und für diese Verschriftung selbst.[4] “ Gerade wenn es darum geht eine neue Sprache zu erlernen, oder Gedanken von einer Sprache auf die andere zu übertragen, entstehen Fehler, sowohl im gesprochenen als auch im geschriebenen Bereich. Nach dem italienischen Linguisten Lorenzi muss bei der Kategorisierung von Fehler ein Unterschied zwischen der Fehler bei der Erzeugung (speech errors, slips of the tongue) und Fehler beim Erwerb der Sprache (malaproprism) gemacht werden.[5] Im schriftlichen Bereich können die Fehler die durch eine linguistische Interferenz entstehen in vier Teilen unterteilt werden: 1) die grammatikalischen, 2) die logisch-semantischen, 3) die lexikalischen, 4) und die orthographischen.[6] Die falsche Akzentuierung und Apostrophierung gehören dabei zu den orthographischen Interferenzen. Fehler werden gemacht, wenn man sich den Regeln und Normen einer Sprache nicht bewusst ist, aber auch wenn diese bereits in Kenntnis genommen wurden, jedoch falsch eingesetzt werden.

3. Beschreibung des Materials

Das Material ist entnommen aus den ‚ Archives départementales de la Haute-Savoie, AD74_1F63‘ und es sind 2 Briefe die Don Vincenzo Tommasoli aus der Provinz Pesaro im Jahre 1874 verfasst hat. Durch den Titel „Don“ lässt sich erkennen, dass der Verfasser ein geistlicher ist, möglicherweise ein Priester, was ein Hinweis aus einen geübten und gebildeten Schreiber ist. Er ist möglicherweise auch in der französischen Sprache geübt da die Provinz Pesaro in Italien von 1797 bis 1860 unter der französischen Herrschaft stand.[7] Als die französische Herrschaft über ein halbes Jahrhundert andauerte, wir der Einfluss der französischen Sprache auch nach der Herrschaft bestehen geblieben sein. Es gibt keine Hinweise auf dem Aufenthaltsort des Empfängers, da weder eine Adresse, noch der Name einer Provinz oder Stadt vorliegt.

Im ersten Brief schreibt Don Vincenzo Tommasoli aus der Provinz Pesaro dem Sekretär des Waisenhauses und möchte Informationen über den zwei Kinder von Gibaldi erhalten. Er erklärt, dass die Tante der zwei Kinder diese besuchen möchte und bittet um eine Rückmeldung. In den zweiten Brief greift er auf sein letztes Brief zurück und bedauert keine Antwort von seinem Empfänger erhalten zu haben. Er erklärt, dass es Wunsch der Tante ist, dass die Kinder die italienische Sprache erlernen und diese demnächst zu besuchen. Des Weiteren bittet er um Kontaktaufnahme mit der Tante falls der Vater der zwei Kinder nach ihnen fragen sollte.

In den Brief sind keine gravierenden Fehler vorzufinden. Einzelne Rechtschreibfehler wurden gemacht, doch keine Fehler in der Grammatik. Die meisten Fehler liegen in der Verwendung der Akzente und der Apostrophen. Im Folgenden werden diese genauer untersucht und es werden mögliche Gründe für eine falsche Zeichensetzung angegeben.

4. Die orthographischen Fehler

4.1 Die Apostrophe

Die Apostrophe ist ein kleines Zeichen mit der Form eines Kommas (‘) das man oben von einen Buchstaben setzt um die Elision zu kennzeichnen oder der Wegfall eines Vokals wenn das darauffolgende Wort mit einem Vokal beginnt. Nur die drei Buchstaben a, e muet (stummes e) und i fallen weg wenn das darauffolgende Wort mit einer Vokal oder h non aspiré (stummes h) beginnt.

Der Schreiber der Briefe hat bezüglich der Apostrophierung drei Fehler gemacht. Im Falle des Wortes aujourd’hui (Brief 1, Z.7) wird eine Apostrophe zwischen den zwei Buchstaben d und h nicht aufgrund einer grammatikalischen Regel gesetzt. Die Gründe liegen in der Etymologie des Wortes, und somit kann aujourd’hui nicht als Beispiel für einen grammatikalischen Fehler verwendet werden sondern vielmehr handelt es sich um einen lexikalischen Fehler.

Der Schreiber ist sich unterschiedlicher Regeln für die Apostrophierung bewusst. Er weiß zum Beispiel, dass die Reflexivpronomen bei darauffolgender Vokal apostrophiert werden; s’entretenir (Brief 1, Z. 17 und Brief 2, Z. 12). Er apostrophiert auch die bestimmten Artikeln und die Präposition de wenn notwendig; l’enfant (Brief 1, Z. 14), l’etude [!] (Brief 2, Z. 9); d’avoir (Brief 1, Z.2), d’un (Brief 2, Z. 18).

Nichtdestotrotz berücksichtigt er den Wegfall des Vokals in zwei Fällen nicht. Er apostrophiert que nicht bei que elles (Brief 2, Z.13) und je bei je ai (Brief 2, Z. 5). Ein gültiger Grund für diesen Fehler konnte nicht gefunden werden, da in der italienischen Orthographie der Apostroph ebenfalls bei zwei darauffolgende Vokale verwendet wird: “Nell’ortografia italiana, l’ apostrofo (’) si usa per segnalare la caduta di una o più lettere di una parola. Generalmente indica l’elisione di una vocale finale.[8]

[...]


[1] M. Hédiard, Langues voisines, langues faciles ? In «Studi italiani di linguistica teorica ed applicata», Roma, Ed. Liviana, 1989.

[2] http://italies.revues.org/1630#bodyftn1. (Zugriff: 09.04.2016)

[3] http://www.academie-francaise.fr/guy-l-lanvallay. (Zugriff: 09.04.2016)

[4] Dietrich, Wolf/ Geckeler, Horst: Einführung in die französische Sprachwissenschaft. Berlin 2012, S. 83.

[5] Bianco, Luciana Alocco: Approccio agli errori di traduzione dall’italiano al francese. S. 79 (entnommen aus: http://etabeta.univ.trieste.it/dspace/bitstream/10077/8962/1/ Ritt -01_Approccio%20agli %20errori-LucianaAlloccoBianco.pdf)

[6] Bianco, Luciana Alocco, S. 80.

[7] http://www.maas.ccr.it/PDF/Pesaro.pdf, S. 560. (Zugriff: 10.04.2016)

[8] http://www.treccani.it/enciclopedia/apostrofo_(La_grammatica_italiana)/. (Zugriff: 10.04.2016) Deutsche Übersetzung: „In der italienischen Orthographie wird der Apostroph verwendet um den Wegfall einer oder mehrerer Buchstaben im Wort zu signalisieren. Im Normalfall wird somit auf die Elision des Endvokals hingewiesen.“

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Details

Titel
Die Verwendung der Akzente und Apostrophen in einem Brief von 1874
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Einführung in die Korpuslinguistik schriftliches französisches Material
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V346490
ISBN (eBook)
9783668359598
ISBN (Buch)
9783668359604
Dateigröße
719 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
korpuslinguistik, brief
Arbeit zitieren
Alexia Soraia Pimenta Gomes Zonca (Autor), 2015, Die Verwendung der Akzente und Apostrophen in einem Brief von 1874, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346490

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