Soziale Arbeit als historisch gewordene Profession und Disziplin. Entwicklung der Ausbildung in der Sozialarbeit in Österreich, insbesondere Kärnten


Seminararbeit, 2016
17 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Internationale Standardklassifikation im Bildungswesen (ISCED)

3 Das österreichische Schul- und Ausbildungssystem

4 Die Entwicklung der Ausbildung in der Sozialarbeit in Österreich
4.1 Die Jahre 1912 – 1938
4.2 Die Jahre 1938 – 1945
4.3 Die Jahre 1945 – 1963
4.4 Die Jahre 1963 – 1976
4.5 Die Jahre 1976 – 1986
4.6 Die Jahre 1986 – 2001
4.7 Die Jahre 2001 – 2005
4.8 Von 2005 bis zur Gegenwart

5 Eine Kärntner Besonderheit

6 Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit über hundert Jahren existieren in Österreich für SozialarbeiterInnen eine eigene Ausbildungsformen, welche sie für Tätigkeiten im Bereich der Sozialen Arbeit qualifiziert.

Diese Ausbildungsformen unterlagen in diesem langen Zeitraum einer starken Veränderung.

Tendenziell kann dabei eine Tendenz zu „höherwertigen“ Abschlüssen beobachtet werden, welche nicht zuletzt den sich immer rascher wandelnden gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassend zu zunehmender Akademisierung geführt hat.

Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, welche Konzepte von Profession und Disziplin den Ausbildungsmöglichkeiten zugrunde liegt – beziehungsweise lag – und welche Auswirkungen dies auf das Berufsverständnis hat(te).

Der Verfasser selbst mag als Beispiel dafür gelten, hat er doch noch an der „Bundesakademie für Sozialarbeit“ in Wien seinen Abschluss als Diplomsozialarbeiter gemacht, ehe er Jahre später an der Fachhochschule in St. Pölten seinen ersten Master-Abschluss im Bereich Sozialer Arbeit erlangte.

2 Die Internationale Standardklassifikation im Bildungswesen (ISCED)

Die Vergleichbarkeit der in den verschiedenen Ländern unterschiedlich aufgebauten

Bildungssysteme soll durch die Internationale Standardklassifikation im Bildungswesen (ISCED) erleichtert werden (vgl. UNESCO 2011)

Die ISCED wurde in den 70er Jahren von der UNESCO eingeführt und zieht sich vom Kindergarten bis zur Universität durch. Es bildet seither ein wichtiges Instrument für die statistischen Datensammlungen und inhaltlichen Vergleiche der OECD im Bildungsbereich.

Das ISCED soll Vergleiche ermöglichen, zu welchem Ausbildungsniveau ein Bildungsgang führt, was u.a. für die Anrechnung oder Anerkennung von Ausbildungen entscheidend ist.

3 Das österreichische Schul- und Ausbildungssystem

In Österreich besteht seit der Zeit Kaiser Maria Theresias eine Allgemeine Schulpflicht, welche mittlerweile 9 Jahre umfasst.

Darüber hinaus wurde mit dem Ausbildungspflichtgesetz – ApflG, welches am 1. August 2016 in Kraft treten wird, die Verpflichtung eingeführt „... dass Jugendliche, die die allgemeine Schulpflicht erfüllt haben, bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres einer Bildungs- oder Ausbildungsmaßnahme oder einer auf diese vor bereitenden Maßnahme nachgehen“ (§4 APflG 2016).[1]

4 Die Entwicklung der Ausbildung in der Sozialarbeit in Österreich

4.1 Die Jahre 1912 – 1938

Der Beginn einer Ausbildung im Bereich Sozialer Arbeit reicht in Österreich bis in die damalige Monarchie zurück: Schon im Jahr 1912 wurde mit den „Vereinigten Fachkursen für Volkspflege“ die erste Ausbildungsstätte in der damaligen Reichshauptstadt Wien gegründet. Verantwortlich dafür war eine Pionierin der Sozialen Arbeit, Ilse von Arlt (1876-1960). Sie formuliert in ihrem Buch „Die Grundlagen der Fürsorge“: „Die ungeheure Verantwortung als Fürsorger in das Leben einzugreifen, kann nur jener tragen, der die Grundlage aller Fürsorge, die genaue Kenntnis der Bedingtheit menschlichen Gedeihens aus eigener Anschauung und im Geiste der Wissenschaft erworben hat“ (Arlt 1912 zit. nach Steinhauser 1993: 371).

Auffallend ist hier wohl aus heutiger Sicht, dass für eine Berufsgruppe, die zur damaligen Zeit ausschließlich von Frauen ausgeübt wurde, die männliche Form, und zwar nur diese, gewählt wurde.

1915 wurden in Graz die Fürsorgekurse der deutschen Frauen etabliert.

So wurde 1916 wurde der „Verein Soziale Frauenschule“ gegründet, der im Schuljahr 1916/17 mit der „Social Caritative Frauenschule für Wien und Niederösterreich“ mit dem Unterricht begann.

Aus diesem Verein, sowie der „Sozialen Hilfe“ entstand später die „Caritas Socialis“.

Der wohl heute berühmteste Lehrende war wohl der Psychoanalytiker August Aichhorn. Aus dieser Einrichtung ging später die Akademie der Caritas in Wien hervor .

Bereits im Jahr 1917 begann an der „Akademie für Soziale Verwaltung der Stadt Wien“ eine eigene Ausbildung.

1918 komplettierte die „Evangelische Soziale Frauenschule“ (später: Evangelische Fachschule für Frauen im kirchlichen Dienst) das Ausbildungsangebot für Soziale Arbeit in Wien (vgl. Hauch 1995:286)..

Die Fachkurse an den jeweiligen Ausbildungsstätten entsprachen in ihrer Gestaltung am ehesten den heutigen ISCED 5V.

Für die Vereinigten Fachkurse der Fürsorge galt vieles, das auch an heutigen Ausbildungsstätten Sozialer Arbeit Standard ist:

Die Lehrenden rekrutierten sich nicht (nur) aus der Sozialen Arbeit, sondern aus unterschiedlichen Professionen.

Ein Stab von Professoren und Ärzten, zumeist Studienkollegen von Ilse Arlt, und zugleich ihrem Freundeskreis angehörend, lehrte, wenn auch unentgeltlich.

Ziel war nicht nur die Ausbildung, sondern von Beginn auch die Forschung, insbesondere die Grundlagenforschung für wichtige Aufgaben der Sozialpolitik. Arlt beschrieb Soziale Arneit (nach damaligem Sprachgebrauch „Fürsorge“ als angewandte Soziologie, Wissenschaft von der Armut und ihrer Behebung.

Von ihr stammen auch die ersten österreichischen Lehrbücher Sozialer Arbeit: „Die Grundlagen der Fürsorge“ (1921) und „Die Gestaltung der Hilfe“ (1923).

Ilse Arlt verstand ihre Ausbildungsstätte von Anfang an nicht nur als Lehrstätte, sondern auch als Forschungseinrichtung, welche die Grundlagenforschung für wichtige Aufgaben der Sozialpolitik betreiben sollte und der sie später ein Fürsorge- und Haushaltsmuseum mit 40 Abteilungen anschließen wollte.

Fürsorge war für Arlt angewandte Soziologie, Wissenschaft von der Armut und ihrer Behebung.

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie und dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Donaumonarchie von zunehmender Not und Verelendung beherrscht. Damit einher ging dementsprechend auch eine große Nachfrage nach qualifizierter Sozialer Arbeit. Dieser Nachfrage entsprang auch der Bedarf an weiteren Ausbildungsstätten.

1918/19 löste die Städtische Akademie für Sozialarbeit der Gemeinde Wien die von „Vereinigten Fachkursen für Volkspflege“ in „Fachkurse für Jugendfürsorge“ unbenannte Ausbildung ab.

Die Akademie war ursprünglich ihrem Namen entsprechend als akademische Ausbildungsstätte geplant, dieses Vorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt. So begann hier eine Fürsorgerinnenausbildung, welche vor allem für unmittelbaren Bezug zur Praxis nahm.

Junge Frauen konnten diverse Schulen und Kurse besuchen:

- Fürsorgerinnenschule (2 Jahre)
- Ausbildung zur Polizeifürsorgerin für fertige Fürsorgerinnen (1 Semester)
- Hortnerinnen- und Erzieherinnenschule (zuerst 1 Jahr, später 2 Jahre)
- Sozialpädagogische Kurse für Internatserziehung (2 Varianten: 1 oder 2 Semester)
- Abendkochkurse für junge Mädchen (vier Monate)
- Kurs zur Schulung fürs Leben (Abendkurs)
- Kurs in Erster Hilfe
- Kurs für Krankenpflege im Haus
- Jungmütterschulung für hoffende Mütter
- Jungmütterschulung für Mütter mit Kleinkindern

Daneben werden Abendkurse für Mädchen und Frauen angeboten, die im Wesentlichen auf Haushaltsführung unter katholischem Aspekt abzielen. Bekannte Namen zählten zum Lehrkörper. So unterrichtete 1920 bis 1923 der Psychoanalytiker August Aichhorn, einer der bedeutendsten österreichischen Pädagogen seiner Zeit an der Schule.

Diese Ausbildungsstätte war auch Grundlage für die 1945 gegründeten „Fürsorgeschule der Stadt Wien“.

Zeitgleich zur Akademie nahm 1918 die „Evangelische Frauenschule für den kirchlichen und sozialen Dienst“ ihren Lehrbetrieb auf (vgl. Maiss/Ertl 2011:62)

Da auch diese Schulen die „Maturitätsprüfung“ als Zugangsvoraussetzungen hatten, wenngleich auch ein Abweichen davon möglich war, entsprechen auch diese dem Level ISCED 5V.

[...]


[1] Für einen Überblick über den Aufbau des Österreichischen Bildungssystems, siehe https://www.bmb.gv.at/schulen/bw/ueberblick/bildungssystemgrafik_2015.pdf.

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Details

Titel
Soziale Arbeit als historisch gewordene Profession und Disziplin. Entwicklung der Ausbildung in der Sozialarbeit in Österreich, insbesondere Kärnten
Veranstaltung
Soziale Arbeit als historisch gewordene Profession und Disziplin
Note
2
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V346780
ISBN (eBook)
9783668362956
ISBN (Buch)
9783668362963
Dateigröße
768 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausbildung, Österreich, Kärnten, Soziale Arbeit, Sozialarbeit, Akademisierung, Sozialarbeiter, Entwicklung, Universität, Lehrgang
Arbeit zitieren
MA, MSc Martin Kutej (Autor), 2016, Soziale Arbeit als historisch gewordene Profession und Disziplin. Entwicklung der Ausbildung in der Sozialarbeit in Österreich, insbesondere Kärnten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346780

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