Jugendverbandsarbeit in Deutschland. Ohne gezielte Öffentlichkeitsarbeit keine interkulturelle Öffnung?


Hausarbeit, 2016

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände

3 Öffentlichkeitsarbeit im Kontext interkultureller Öffnung
3.1 Problematisierung
3.2 Differenzierung: Disziplinen der Öffentlichkeitsarbeit

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

"Demokratisch Selbstbestimmt. Engagiert" heißt der Leitgedanke des Seminars "Jugendverbandsarbeit als Feld von Bildung und Erziehung", in dessen Rahmen die vorliegende Arbeit verfasst wurde. Die Gedanken an Demokratie, Selbstbestimmung und Engagement sollen auch leitend sein für die folgende Auseinandersetzung mit einer Strategie der Organisationsentwicklung, die in der Jugendverbandsarbeit zunehmend an Bedeutung gewinnt – die interkulturelle Öffnung.

Der Begriff der interkulturellen Öffnung entstand Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts im Zuge der aufkommenden Diskussionen um die "interkulturelle Öffnung der sozialen Dienste", oder anders gesagt um die gleichberechtigte Teilhabe von MigrantInnen an sozialen Diensten (vgl. Gaitanides, 2004:1). Das Bedürfnis, kulturell und gesellschaftlich bedingte Teilhabebarrieren abzubauen, bestand somit schon vor ungefähr dreißig Jahren. Die gegenwärtige Zuwanderungssituation jedoch verlangt mehr als je zuvor nach offensiven integrativen Strategien seitens unserer Institutionen und Organisationen, denn neue Zielgruppen müssen informiert und angesprochen werden (vgl. Diakoni, 2016:3).

Aktuelle Forschungen hinsichtlich integrativer Strategien werden zum Beispiel von Institutionen sowie Kommunen betrieben, um aus den Ergebnissen Konzepte für die interkulturelle Öffnung abzuleiten (vgl. Allmanritter 2015:1). Im Rahmen dieser Arbeit wird das Thema der interkulturellen Öffnung der Jugendverbände in normativer sowie instrumenteller Dimension (vgl. Schröer, 2016:5) untersucht. Die normative Dimension beinhaltet zum Beispiel Fragen danach, inwiefern sich die Jugendverbände allgemein dem Thema verpflichtet fühlen, welche Position spezifische Akteure in der öffentlichen Diskussion einnehmen, welche Annahmen dieser Position zugrunde liegen und welche gesetzliche Legitimation diesem Diskurs vorausgeht. Die instrumentelle Dimension beinhaltet zum Beispiel Fragen danach, wie die Verbandskommunikation im Hinblick auf die interkulturelle Öffnung derzeit bewertete werden kann, welche Risiken bestehen und welche Chancen sich ergeben, welche Faktoren die Öffentlichkeitsarbeit beeinflussen und schließlich, welche Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit als hypothetisches Instrument der interkulturellen Öffnung der Jugendverbände allgemein zugestanden werden kann. Der Erkenntnisgewinn im Rahmen dieser Arbeit entsteht folglich aus der Suche nach Antworten auf die Frage:

Jugendverbandsarbeit in Deutschland: Ohne gezielte Öffentlichkeitsarbeit keine interkulturelle Öffnung?

2 Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände

In Deutschland sind Jugendverbände integraler Teil unseres Systems der Kinder- und Jugendhilfe (vgl. SGB VIII 2006, §§12,74). Sie sind in diesem System ein "unverzichtbarer und wichtiger Pfeiler [...] und ein bedeutsames Feld der Sozialisation für Kinder und Jugendliche" (DJI 2009:10). Um im Folgenden den Stellenwert der interkulturellen Öffnung im Kontext der Jugendverbandsarbeit besser verstehen zu können, scheint es zunächst sinnvoll, den Begriff Interkulturelle Öffnung anhand zweier Definitionen näher zu betrachten:

"Unter dem Terminus Interkulturelle Öffnung kann der Prozess verstanden werden, der darauf abzielt, Organisationen und deren Arbeitsweisen, Aufgabengebiete, Angebote und Strukturen so zu verändern, dass alle Personen, die prinzipiell als Nutzerinnen und Nutzer, Adressatinnen und Adressaten oder Mitarbeitende infrage kommen, tatsächlich die Möglichkeit der Partizipation erhalten" (Jagusch, 2014:195). Maßnahmen, welche eine interkulturelle Öffnung der Jugendverbände ermöglichen und fördern sollen, sind demnach nicht exklusiv auf die Partizipation von Jugendlichen mit Migrationserfahrung gerichtet (Nutzerinnen und Nutzer). Angesprochen werden auch Adressatinnen und Adressaten - beispielsweise die Eltern der Jugendlichen - welche mit Hilfe von Kampagnen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit aufmerksam gemacht werden auf die vielfältigen Möglichkeiten zur Teilhabe ihrer Kinder in Jugendverbänden, sowie potentielle neue Kollegen mit Migrationserfahrung (Mitarbeitende). Aus dieser Perspektive erscheint die interkulturelle Öffnung vor allem als ein Prozess der Organisationsentwicklung innerhalb von Institutionen, mit deren Hilfe Bedingungen ermittelt und Strukturen geschaffen werden sollen, welche interkulturelle Öffnung überhaupt erst möglich machen. Konkretisieren und erweitern kann man diese Definition mit folgender Auffassung:

"[...] sowohl die Öffnung der traditionellen Jugendverbände und ihrer Strukturen für die gleichberechtigte Partizipation von MigrantInnen als auch die Zusammenarbeit mit Migrantenselbstorganisationen sind mit „interkultureller Öffnung“ gemeint“ (DJI 2009:77). In dieser Hinsicht ist auch die Zusammenarbeit zwischen konventionellen Jugendverbänden und Migrantenselbstorganisationen von Bedeutung, wenn es darum geht, kooperative Strukturen zu etablieren, oder vorhandene Strukturen den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Allgemein kann man ableiten, dass interkulturelle Öffnung als gesellschaftspolitische Aufgabe verstanden werden kann, die im Rahmen der Jugendverbandsarbeit zu den aktuellsten Themen gehört (DJI 2009:13,77).

Unsere Gesellschaft wird geprägt durch ihre Menschen und deren individuelle Lebenssituationen und Bedürfnisse, Wünsche, Ziele und Erwartungen. Die soziale und kulturelle Vielfalt sowie die gesellschaftlichen Strukturen, in denen sie besteht, führen in vielfacher Hinsicht zu Verständigungsschwierigkeiten und lassen Barrieren entstehen, welche die Teilhabe von Menschen unterschiedlicher Herkunft am gesellschaftlichen Leben erschwert. Jugendverbände sind in dieser Hinsicht mit Problemen konfrontiert, wenn sie den Ansprüchen ihrer multikulturellen Teilnehmer gerecht werden sollen – oder sie überhaupt zu ermöglichen.

Der Begriff der interkulturellen Öffnung verweist in dieser Beziehung bereits auf das Kernproblem, denn er impliziert, dass Jugendverbände nicht in vollem Umfang offen waren gegenüber der kulturellen Vielfalt ihrer Teilnehmer, und mehr noch, dass sie häufig durch "subtile und nicht intendierte exkludierende Effekte gekennzeichnet war[en], die es verhindert haben, dass alle (anspruchsberechtigten) Jugendlichen an den Angeboten teilhaben bzw. diese nutzen können" (Jagusch, 2014:196).

Besonders diese nicht-intendierten exkludierenden Effekte können als Signal dafür verstanden werden, dass Verantwortliche in den Jugendverbänden ihr Bewusstsein schärfen müssen für die gegenwärtigen Probleme, und Verantwortung übernehmen für die Aufgaben, die bewältigt werden müssen, um diese Probleme zu lösen. Schließlich sind Jugendverbände auch immer "Teil der Biografie ihrer Mitglieder, sie sind daher aufgefordert, in vielerlei Hinsicht Differenzen zuzulassen und ihre Praxis zu reflektieren, um Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten zu ergründen, die sich besonders dann ergeben, wenn sich soziale Welten und Sinnbezüge überlagern" (Jagusch, 2014:198).

Die Forderung an die Jugendverbände, ihre interkulturelle Verantwortung anzunehmen und ihre Kompetenz dahingehen zu entwickeln, wird begleitet durch Kritik an deren Verbandspolitik, die ihren Ausdruck finden kann in dogmatischen Haltungen und Handlungen, denn "Aufgrund des Primats der Freiwilligkeit und der Prämisse, Jugendverbände seien ein Ort selbstbestimmten Lernens, [ließen] sich die Mitglieder auch die Thematisierung mit Interkultureller Öffnung nicht vorschreiben (Jagusch, 2014:198).

Andere Beispiele zeigen, dass in den Jugendverbänden und ihren Zusammenschlüssen der Wille besteht, das Thema der kulturellen Vielfalt mit Priorität zu behandeln, die Auseinandersetzung damit voranzutreiben und das Bekenntnis zu Vielfalt in die Öffentlichkeit zu tragen (vgl. DBJR 2016). Trotz der Pionierarbeit einzelner Verbände (vgl. DJF 2016) besteht bisher kein Konsens in Bezug auf eine verbindliche, verbandsübergreifende Strategie zur interkulturellen Öffnung der Jugendverbände in Deutschland. Deutlich wurde das auf dem jüngsten Fachtag des Deutschen Bundesjugendrings. Bekannt hat man sich dort vor allem dazu, Programme und Projekte zur Zusammenarbeit der verschiedenen Verbände zu entwickeln. Dieser interne Diskussionsstand kann als Hinweis darauf verstanden werden, das interkulturelle Öffnung in den Jugendverbänden bisher vor allem ein innenpolitisches Thema ist (vgl. DBJR 2016).

Die kritische Auseinandersetzung mit den normativen Aspekten der interkulturellen Öffnung wird in der öffentlichen Diskussion mit dem Hinweis relativiert, "dass es nicht die Aufgabe von Selbstorganisationen Jugendlicher sein kann, bisherige Versäumnisse im interkulturellen Zusammenleben auszugleichen" (vgl. DJI 2008:12). Dennoch besteht unabhängig von verbandsinternen und öffentlichen Ansichten zum Thema Handlungsbedarf - sowohl aus der Fachperspektive, als auch aus Sicht des Gesetzgebers, wie es Schröer formulierte:

[...]

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Details

Titel
Jugendverbandsarbeit in Deutschland. Ohne gezielte Öffentlichkeitsarbeit keine interkulturelle Öffnung?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Erziehungswissenschaft und Psychologie)
Veranstaltung
Jugendverbandsarbeit als Feld von Bildung und Erziehung
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V346794
ISBN (eBook)
9783668360389
ISBN (Buch)
9783668360396
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendverbandsarbeit, Bildung, Erziehung, Interkulturelle Öffnung, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederkommunikation, Verbandskommunikation, Legitimationskommunikation, Gaitanides, Hoffjann, Jagusch, Luthe, DJI, Allmanritter, DBJR, Schröer
Arbeit zitieren
Andreas Lange (Autor), 2016, Jugendverbandsarbeit in Deutschland. Ohne gezielte Öffentlichkeitsarbeit keine interkulturelle Öffnung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346794

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