Die Bedeutung des Elements Wasser in Theodor Storms Novellen. Die Wassermetaphorik in seinem Werk "Immensee"


Hausarbeit, 2016

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theodor Storm - Leben und Wirken

3. Die Bedeutung des Elements Wasser in Storms Novellen
3.1 „ Immensee “
3.1.1 Die Wassermetaphorik
3.1.2 Die Bedeutung der Wasserlilie
3.2 „ Aquis submersus “
3.3 „ Der Schimmelreiter “
3.4 Vergleich der frühen und späten Schaffensperiode Storms - Wiederkehrende Bedeutungen und Unterschiede

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zur ü ck. “ (Thales von Milet, um 625 - 545 v. Chr.)

Das Wort „Wasser“ leitet sich vom althochdeutschen wazzar, was „das Feuchte“ oder „das Fließende“ bedeutet, ab. Das indogermanische Wort wadar ist schon in Hethitischen Texten des 3. Jh. v. Chr. belegt. Auch das altgriechische Wort hydor („Wasser“), von dem sich alle Fremdwörter mit dem Wortbestandteil „hydr(o)“ ableiten, gehört zu dieser Familie.

Wasser ist für die Erde und alle Individuen, die auf ihr Leben elementar. Das Leben entstammt dem Wasser und jegliches Leben besteht aus diesem. Zellen, Körper und sämtliche Organismen funktionieren in ihrer Umgebung und in ihrer Zusammenarbeit nur mithilfe von Wasser. Auch die Erde selbst ist fast zu dreiviertel mit Wasser bedeckt. Meere, Bäche, Seen formen ganze Landschaften. Dabei wird seit jeher deren Wasser nicht nur als Quelle, sondern auch deren Kraft zur Erzeugung von Energie genutzt. So gewinnbringend und lebensnotwenig Wasser für den Menschen und sämtliche Organismen ist, so bekannt ist auch dessen zerstörerische Macht. Ob nun Fluten, Hochwasser oder Tsunamis, in vielen Kulturen der Erde zeigte und zeigt das Wasser immer wieder seine unvorhersehbare und unkontrollierbare Kraft. So wurde auch schon in der Bibel das Wasser in Form einer Sintflut als Ende der Menschheit, aber auch deren Neuanfang beschrieben.

“ Nun ergoss sich die Flut vierzig Tage lang ü ber die Erde. M ä chtig wurde das Wasser und wuchs gewaltig ü ber der Erde, so dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden. “ 1

Viele Menschen besitzen gerade durch ihre Nähe zum Meer oder nahegelegenen Seen eine besondere Beziehung zum Wasser, so auch Theodor Storm. Durch sein Aufwachsen und Leben in Husum stand er Zeit seines Lebens in enger Verbundenheit mit dem Meer und dessen Kräften. Dies wird in vielen seiner Werke deutlich, in denen insbesondere die Beziehung von Menschen zum Meer bzw. die Verknüpfung eines Schicksals mit dem Wasser eine große Rolle spielen. Im Folgenden soll dies exemplarisch an seiner Novelle

Immensee “ (1849) aufgezeigt werden. Auch in seinen Novellen „ Aquis Submersus “ (1876) und „ Der Schimmelreiter “ (1888), welche hier vergleichend herangezogen werden, lässt sich das Motiv des Wassers finden. Die drei ausgewählten Novellen wurden dabei mit Bedacht zur Analyse gewählt, bilden sie schließlich drei unterschiedliche Phasen in Storms literarischen Schaffensprozess ab. „ Immensee “ zeigt dabei seine frühe Schaffensperiode und stellt gleichzeitig seine erste veröffentliche Novelle dar. Dagegen entstammt „ Aquis Submersus “ einer späteren Schaffensperiode Storms und „ Der Schimmelreiter “ stellt gar seine letzte vollendete Novelle dar. In so unterschiedlichen Zeiten entstanden, weisen diese auch einen unterschiedlichen Charakter, sowohl in der Thematik, als auch in der Beschreibung von Landschaft und Protagonisten und insbesondere deren Interaktion auf. Es soll hier im Folgenden exemplarisch die Frage beantwortet werden, welche Symbolik das Wasser in Theodor Storms Novellen besitzt. Inwiefern besteht eine Verbindung zwischen der Beschreibung des Wassers und dem Schicksal der Protagonisten? Gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Rolle und Beschreibung des Wassers zwischen der frühen und späten Schaffensperiode Theodor Storms?

2. Theodor Storm - Leben und Wirken

Wie sehr Theodor Storms Leben mit dem Meer in Verbindung stand, lässt sich schon an den Stationen seines Lebens erahnen. 1817 in Husum, direkt an der Nordsee gelegen, zu dieser Zeit von knapp 3000 Einwohnern bewohnt, geboren, wuchs er die ersten Jahre seines Lebens im Schoße seiner Familie, einem ehemaligen Patriziergeschlecht mütterlicherseits, auf. In Lübeck, wenige Kilometer entfernt von seiner Heimat, direkt an der Ostsee gelegen, schloss er seine Schule am Katharineum, einem der renommiertesten Gymnasien Deutschlands, ab und studierte anschließend Jura in Berlin und Kiel. 1843 kehrte er schließlich nach Husum zurück, wo er eine Anwaltskanzlei eröffnete. In dieser Zeit und dieser Umgebung schrieb er auch seine erste Novelle „ Immensee “ (1849), welche zu seinen Lebzeiten seine erfolgreichste Novelle wurde. Durch seine unversöhnliche Haltung gegenüber Dänemark, hervorgegangen aus der Erhebung Schleswigs und Holsteins gegen jene Abhängigkeit und trotz des Friedensschlusses nach dem Dänisch- Schleswig-Holsteinischen Krieg wurde ihm 1852 die Advokatur entzogen. Er ging nach Berlin, wo er aufgrund seiner Abscheu gegenüber den preußischen Staatsmechanismen mehr und mehr in gesellschaftliche Isolation und damit auch in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Nach einem längeren Aufenthalt in Heiligenstadt kehrte er nach Ende des Deutsch- Dänischen Krieges 1864 nach Husum zurück. Hier wurde er zum Landvogt und nach der Annexion Schleswig-Holsteins (1867) zum Amtsgerichtsrat ernannt. 1876 verfasste er hier die Novelle „ Aquis Submersus “, welche u.a. stark von den Husumer Nachrichten und den Kieler Nachrichten beeinflusst war. In den letzten Jahren seines Lebens zog er nach Hademarschen, einem Dorf zwischen Husum und Hamburg. Hier vollendete er im Jahre 1888 seine Novelle „ Der Schimmelreiter “, in welcher viele Parallelen sowohl zur Umgebung rund um Husum, als auch zu den dort lebenden Menschen bestehen, bevor er im selben Jahr starb. Im Laufe der Arbeit wird immer wieder der Bezug zu Storms Biografie genommen, da sein Schreiben maßgeblich von seiner Herkunft und den Stationen seines Lebens beeinflusst wurde.

3. Die Bedeutung des Elements Wasser in Storms Novellen

Als einer der bedeutendsten bürgerlichen und poetischen Realisten seiner Zeit spiegeln sich sowohl in Storms Novellen, als auch in seiner Lyrik viele Landschaftsmotive, insbesondere seiner Husumer Heimat wieder. Die „ am grauen Strand, am grauen Meer2 gelegene Stadt faszinierte und inspirierte ihn und fand regelmäßig Einzug in seine Werke.

„ Haupts ä chlich mit den Bildern seiner heimatlichen Landschaft: der braunen Heide, der gr ü nen Marschen, der Westerm ü hlener G ä rten und W ä lder, des flutenden Meer, - haupts ä chlich mit diesen Bildern tr ä nkte sich seine Seele in der Jugend [ ... ] . “ 3

Landschaftsbilder, wie seine Eindrücke des Waldes und der Äcker rund um seine Heimatstadt flossen schon früh in seine Arbeiten ein. Storms Biografie folgend, erkennt man, dass er den Großteil seines Lebens in und um Husum und damit in der Nähe des Meeres verbrachte. Sein Zeitgenosse Theodor Fontane, ebenso wie Storm einer der bedeutendsten deutschen Realisten, spricht in einer seiner Schriften von Storms

Husumerei “ 4, womit er dessen Nähe und Verbindung zu seiner Husumer Heimat kritisierte. Tatsächlich findet man in Storms Werken viele Parallelen zu seiner Heimat am Meer, welche sich laut Fontane „ durch seine ganze Produktion5 zogen. Doch auch wenn sich dies in vielen Punkten in Storms Werken finden lässt, so kann dies nicht vollends als negativ und Schwärmerei betrachtet werden. Storm zeichnet in seinen Novellen häufig sogar ein negatives Bild der Umgebung und seiner sich dort befindlichen Protagonisten. Schöne Bilder dagegen bleiben, ähnlich wie positive Schicksale seiner Figuren, relativ selten. Wie genau seine Heimat und insbesondere die Nähe zum Meer sein Schreiben beeinflusst hat, soll nun im Folgenden exemplarisch an drei Novellen geklärt werden.

3.1. „ Immensee “

Die Geschichte der unerfüllten Liebe zwischen Reinhardt und Elisabeth bildet den Kern der Geschichte rund um den Hof des ehemaligen Schulfreundes Erich, am Immensee gelegen. Storm verfasste diese Novelle im Jahre 1849, geprägt von den Eindrücken und Stimmungen des Aufstandes Schleswig-Holsteins gegen Dänemark. „ Immensee “ bildete zu Lebzeiten Storms seine erfolgreichste Novelle, weshalb schon kurz nach Erscheinen und bis heute versucht wird die Tragkraft dieses Werkes und die darin zum Ausdruck gebrachten Stimmungen zu deuten. Am wahrscheinlichsten trifft es eine Kombination aus der Verarbeitung der Situation, die sich aus dem Scheitern der Bestrebungen des deutschen Bürgertums, in diesem Falle das Aufbegehrens Schleswigs und Holsteins gegen Dänemark, ergab und auch persönlichen Erfahrungen, wie einer unerfüllten Liebe Storms in dieser Zeit. Das Grundthema der Novelle, die Resignation, lässt sich an vielen Stellen der Novelle herauslesen. Geprägt von seiner nordischen Herkunft und dem Aufwachsen am Meer und auch Wäldern und Seen rund um Husum, lassen sich in „ Immensee “ viele Bezüge zu Storms Heimat herstellen, auch wenn er versuchte „ Hinweise auf die norddeutsche Landschaft, die ihm beim Schreiben der ersten Fassung vor Augen gestanden haben muss, zu beseitigen [ ... ] . “ 6 Der titelgebende Schauplatz des Immensees sollte demnach in der zweiten Fassung in Süddeutschland verortet sein. Dennoch lässt sich der Einfluss der auf ihn einwirkenden Natur Husums und Umgebung während seiner Jugend und auch in späteren Jahren deutlich herauslesen.

3.1.1. Die Wassermetaphorik

Die Beschreibungen des Wassers in Storms „ Immensee “ beschränken sich auf wenige Situationen innerhalb seines Werkes. Auch wenn dies hier keine tragende Rolle im Rahmen der Erzählung darstellt, so lässt sich aus seinen Landschaftsbeschreibungen und der Beschreibung rund um den Immensee doch einiges, insbesondere auch die Stellung der Protagonisten zueinander, ablesen. Die größte Bedeutung wird hier wohl der Symbolik der Wasserlilie zugeschrieben, welche im folgenden Abschnitt genauer untersucht wird. Storms Beschreibungen rund um den Immensee finden sich insbesondere in den Spaziergängen Reinhardts und Elisabeths in den Wäldern rund um den Hof Erichs.

„ Tief unten lag der See, ruhig, dunkelblau, fast ringsum von gr ü nen, sonnbeschienenen W ä ldern umgeben; nur an einer Stelle traten sie auseinander und gew ä hrten eine tiefe Fernsicht, bis auch diese durch blaue Berge geschlossen wurde. “ 7

Die von Storm hier beschriebene Szenerie bildet eine stille, fast romantische Stimmung ab, ein Idyll in welchem sich die Figuren bewegen. Dies ändert sich im weiteren Verlauf seiner Novelle. Besonders deutlich wird dies im Abschnitt „ Meine Mutter hat ’ s gewollt “, welcher einer der Schlüsselabschnitte des Werkes darstellt. Als Reinhardt nach dem Verlesen seines Gedichtes, in welchem er Elisabeth indirekt seine Liebe gesteht, das Haus Erichs verlässt und den nahegelegenen See erreicht, erblickt er in der Mitte des Sees eine Wasserlilie, woraufhin er beschließt diese erreichen zu wollen. Die Szene wandelt sich aufgrund der Beschreibungen des Sees und des Wassers nahezu zu einer bedrohlichen Situation für Reinhardt, insbesondere im Vergleich zu den vorher im Werk beschriebenen Naturerfahrungen.

[...]


1 1. Buch Mose, Kapitel 7, Vers 19

2 aus „Die Stadt“ von Theodor Storm, entnommen aus Barz, Paul: Der wahre Schimmelreiter: Die Geschichte einer Landschaft und ihres Dichters Theodor Storm, S.24

3 Reitz, Walter: Die Landschaft in Theodor Storms Novellen, S.13

4 Guth, Karl-Maria: „Von Zwanzig bis Dreißig“, Band 15, Nymphenburger Fontane Ausgabe , S.208

5 vgl. Ebd. S.200

6 Eversberg, Gerd: Theodor Storm - Immensee, S.79

7 Frommholz, Rüdiger: Theodor Storm Erzählungen, S.24 7

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Elements Wasser in Theodor Storms Novellen. Die Wassermetaphorik in seinem Werk "Immensee"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche Philologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V346830
ISBN (eBook)
9783668361355
ISBN (Buch)
9783668361362
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Storm, Theodor, TheodorStorm, Immensee, Schimmelreiter, Wasser, Aquis, Submersus, Novelle, Novellen, Hausarbeit
Arbeit zitieren
Sebastian Mädge (Autor), 2016, Die Bedeutung des Elements Wasser in Theodor Storms Novellen. Die Wassermetaphorik in seinem Werk "Immensee", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346830

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