Kontraktualismus und Kommunitarismus. Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen

Das Beispiel von Google in China


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Wirtschaftsethik
2.2 Kontraktualismus
2.2.1 Begriffserklärung
2.2.2 Aufgaben und Ziele des Kontraktualismus
2.3 Kommunitarismus
2.3.1 Begriffserklärung
2.3.2 Aufgaben und Ziele des Kommunitarismus
2.4 Abgrenzung des Kommunitarismus vom Kontraktualismus

3 Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen

4 Lösungsansätze für eine leistungsfähige Wirtschaftsethik
4.1 Lösungsansatz in der Wirtschaftsethik
4.2 Lösungsansatz: Politische Kontrakte als Handlungsregeln
4.3 Lösungsansatz: Kontraktualistische Gesellschafts- und Rechtsethik

5 Ausblick für die Wirtschaft
5.1 Diskussion
5.2 Implikationen für die Wirtschaft
5.3 Limitationen der Herangehensweise

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Global agierende Unternehmen generieren Gewinne auf Basis von „Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Ausbeutung und Umweltzerstörung“[1] heißt es in einem 2013 veröffentlichten Artikel der TAZ. Solch ein unethisches Verhalten durch Unternehmen wirft bei vielen Menschen in der Gesellschaft die Frage auf, ob diese Wirtschaftsentwicklung werthaltig ist und Sinn macht. Aus diesem Grund ist das öffentliche Interesse an moralisch-ethnischen Themen in der heutigen Zeit stark gestiegen. Doch nicht nur die Ethik alleine findet Einzug in die moderne Wirtschaft. Auch die Erfordernis einer Mindestmoral die Unternehmen haben sollten, um eine ausgewogene Ökonomie realisieren zu können, ist ein weiteres diskutiertes Thema.[2] In der vorliegenden Arbeit werden im Bezug darauf die Begrifflichkeiten Kontraktualismus und Kommunitarismus behandelt, die grundsätzliche Gesellschaftsvertragstheorien modellieren. In der Ökonomie werden solche Gesellschaftsverträge beschlossen, um ein gewogenes Mittel zwischen Gewinnerzielungsabsichten und soziale Gerechtigkeit innerhalb der Gemeinschaft gewährleisten zu können.[3]

Im Sommersemester 2016 stand in dem Modul das Präsentationsthema Kommunitarismus und Kontraktualismus zur Auswahl, auf dessen Grundlage diese Arbeit entstanden ist. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung, der Leistungsfähigkeit der Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen.

Dazu werden im zweiten Kapitel zunächst die Grundlagen der Wirtschaftsethik, des Kontraktualismus und des Kommunitarismus erläutert.

Anschließend wird im dritten Kapitel die Wirtschaftsethik in Ländern mit nicht rechtsstaatlichen Regierungen behandelt. Zunächst wird das aktuelle Problem, der Ethik-Konflikte zwischen den im Ausland agierenden Unternehmen und den im Land ansässigen Regierungen verdeutlicht. Im Anschluss werden Lösungsvorschläge für den Konflikt aus verschiedenen Betrachtungsweisen hervorgehoben, bevor schließlich ein Ausblick für die Zukunft gegeben wird.

Das vierte und letzte Kapitel befasst sich mit dem Fazit zu dem gewählten Fallbeispiel „Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen am Beispiel von Google in China“ in Bezug auf kontraktualistische Gesellschaftsverträge.

2 Grundlagen

Die Gesellschaftstheorie im Wirtschafts- und Unternehmensumfeld steht im Spannungsfeld zwischen der freien Entfaltung des Individuums und dem Zusammenhalt der Gemeinschaft. Der Kontraktualismus und der Kommunitarismus beschäftigen sich mit der Fragestellung wie das Individuum, welches in der Wirtschaft tätig ist, gewisse Freiheiten besitzt ohne dem Zusammenhalt der Gemeinschaft zu schaden. Als zusätzliche Faktoren werden die Rollen der staatlichen Politik und die Verantwortung des Individuums beziehungsweise der Unternehmen hinzugezogen. Je nachdem welche Gesellschaftstheorie Anwendung findet, bestimmen sich die Verantwortungen der Unternehmen in der Gesellschaft, die im allgemeinen als Corporate Social Responsibility bekannt sind. Die Fragen die aufgeworfen werden sind beispielsweise, ob eine Einhaltung der Gesetze ausreichend ist oder zusätzlich weitere Normen im Sinne der sozialen Verantwortung bestimmt und eingehalten werden sollen.[4]

2.1 Wirtschaftsethik

Wirtschaftliche Aktivitäten beeinflussen die Menschen innerhalb einer Gesellschaft in nahezu allen Lebensbereichen. Deshalb spielt die Wirtschaft eine entscheidende Rolle in den Industrienationen der Erde.[5]

Im Zuge der wachsenden Wirtschaft entstand zunehmend der Wunsch nach materiellen Gütern und Wohlstand der Menschen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist erkennbar, dass ökonomische Denk- und Handlungsweisen in die persönliche Lebensweise Einfluss nehmen. Diese sind nicht wie vormals von politischen und moralischen Leitgedanken geprägt, sondern durch wirtschaftliche Erfolgsfaktoren.[6]

Resultierend aus dem Konflikt zwischen den Interessen gesellschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit und die des Wirtschaftswachstums entstand die Wirtschaftsethik. Entscheidend dabei ist, dass die Ethik nicht von außen in die Wirtschaft eindringt, sondern seitens der in der Wirtschaft tätigen Unternehmen in deren Managementstrategien integriert wird.[7]

Ethische und Ökonomische Ziele können dabei teilweise konkurrieren. Maßgeblich ist deshalb die Sichtweise fachübergreifend und integrativ einzunehmen, um kooperative und gerechte Entscheidungen fällen zu können.[8]

2.2 Kontraktualismus

Es ist 11:05 Uhr. Meine Kommilitonin kommt mal wieder zu spät in die Vorlesung. Sie sollte früher aufgestanden sein. Sie betritt den Raum mit einem fröhlichen `Guten Morgen`, zieht ihren Stuhl mit lauten Geräuschen unter dem Tisch hervor und schmeißt ihre Handtasche auf den Stuhl daneben. Sie hätte sich für das zu spät kommen entschuldigen und somit korrekter verhalten sollen. Versprochen hatte sie, einen Adapter für die Präsentation eines Kommilitonen mitzubringen, doch sie vergaß es. Sie sollte sich darum gekümmert haben.

Es ist zu bemerken, dass es Unterschiede in dem Sollen gibt. Im ersten Fall handelt es sich um „das Sollen der Klugheit (Prudentia)“[9], welches keine Fragen aufwirft. Meine Kommilitonin wollte rechtzeitig in der Uni sein und dafür hätte sie pünktlich losfahren müssen. Es ist also ein Nachteil für sie entstanden, da sie ihr Vorhaben pünktlich zu sein nicht erreicht hat. Das zweite Sollen ist das der Konvention, bei der gewisse Handlungen von der Gesellschaft erwartet werden und in den meisten Fällen eingehalten werden. Ob für die Person, die solche Normen nicht eingehalten hat, ein Nachteil entsteht, ist abhängig von dem Verhalten der anderen. Die ersten beiden Fälle sind somit nicht rätselhaft. Bei dem dritten Sollen hingegen, kommen Fragen auf. Dieses Sollen handelt sich um dasjenige der Moral. Es geht dabei nicht mehr nur um den Nachteil der auf der Seite der handelnden Person auftritt. An dieser Stelle sind andere Personen betroffen. Da meine Kommilitonin den versprochenen Adapter nicht mitgebracht hat, kann ihr Kommilitone seine Präsentation nicht vorstellen und erhält ein „ungenügend“ für seine erbrachte Prüfungsleistung. Hier geht es nicht um etwas was üblich ist und von der Gesellschaft erwartet wird, sondern um ein Versprechen welches nicht eingehalten wurde. Bei anderen einen Nachteil entstehen zu lassen ist moralisch unvertretbar, doch das Warum ist unbekannt. Warum tun wir überhaupt Dinge die weder auf Grundlage der eigenen Prudentia noch auf Konvention bestehen? Klärungsbedürftig ist also, wie sich Moral rechtfertigen und erklären lässt. Die Hauptaufgabe der Ethik ist das Rechtfertigen warum versprechen eingehalten werden müssen. Der Kontraktualismus als Teil der ethischen Konvention bildet an dieser Stelle den psychologischen Ansatz und beschreibt zusätzlich inwiefern sich erklären und rechtfertigen miteinander ergänzen.[10]

Kontraktualistische Modelle scheinen plausibel, da Respekt gegenüber der Menschenwürde gezeigt wird. Die Grundidee hinter dem kontraktualistischen Konzept ist simpel. Die Theorie verknüpft Respekt für den Menschen, wenn eine bestimmte Zustimmung gegeben und erfüllt wird.[11]

2.2.1 Begriffserklärung

Der Kontraktualismus oder auch Vertragstheorie begründet und erklärt das Entstehen bestimmter gesellschaftlichen Institutionen wie staatliche Rechtsordnungen oder soziale Gemeinschaften. Thomas Hobbes, einer der bekanntesten Verfechter der Theorie, verwendet den Kontraktualismus, um zu erklären wie und warum ein Staat entsteht, und welche Angehörige diesem Staat angehören.[12] Der Grundgedanke des Kontraktualismus ist die Bildung einer Institution mithilfe eines Vertrages, um einen schlechten beziehungsweise suboptimalen Zustand zwischen Menschen zu verbessern. Bei dieser gesellschaftlichen Institution muss es sich nicht zwingend um die Bildung eines Staates handeln. Es kann auch die Entstehung von Moral, Werten oder Normen sein.[13]

2.2.2 Aufgaben und Ziele des Kontraktualismus

Die kontraktualistische Gerechtigkeitstheorie besagt, dass Individuen ohne vorher gewonnenen Wissensstand oder Werte sich zu einer Gemeinschaft zusammen tun und sich gemeinsam über Normen, Werte und Verhaltensregeln einigen. Das Ergebnis dieser Unwissenheit soll für rational getroffene Entscheidungen sorgen. Der US-amerikanische Philosoph John Raws beschreibt in seiner Theorie über den Kontraktualismus, dass Individuen Entscheidungen hinter einem Schleier des Nichtwissens über die Grundsätze innerhalb einer Gesellschaft tätigen. Das bedeutet die Individuen haben keine Information darüber wer sie sind. Durch diese Sichtweise soll es ihnen in einer Gemeinschaft gelingen rational über Gerechtigkeit zu entscheiden.[14]

2.3 Kommunitarismus

Jeder Mensch wird in ein soziales Konstrukt hineingeboren, in der gewisse Werte, aus beispielsweise Tradition, Kultur und Sprache, vorhanden sind.[15] Studenten verschiedener Herkunftsländer, die in unterschiedlichen sozialen Gesellschaften aufgewachsen sind, treffen in einer internationalen Universität aufeinander. Durch das gemeinsame Studieren bildet sich automatisch eine weitere soziale Gruppe derer die Studierenden angehören. In dieser Gesellschaft definieren die Individuen ihre Werte passend zum Umfeld. Ihre vorher gelernten Werte werden dabei nicht abgelegt.[16] Beim Kommunitarismus geht es um die Bildung genau solcher Konstrukte.

Im folgenden wird der Begriff Kommunitarismus näher erklärt und eine Abgrenzung zu anderen Gesellschaftstheorien durchgeführt.

2.3.1 Begriffserklärung

Der Kommunitarismus oder auch die Theorie der Gerechtigkeit sieht den Menschen als soziales Individuum an, welches seine bereits vorhandenen Werte in eine Gemeinschaft mit einbringt. Es geht darum Benachteiligungen zwischen den verschiedenen Individuen mittels gerechten Urteilen auszuräumen. Die Theorie des Kommunitarismus beschäftigt sich mit der Begründung solcher Gerechtigkeit, um das Gute in der Gesellschaft hervorzuheben. Es gibt allerdings verschiedene Ansätze innerhalb dieser Theorie. Der Ursprung des Kommunitarismus liegt in einem Gesellschaftsvertrag, in Form einer Absprache, zwischen Individuen die sich über gewisse Werte- und Gerechtigkeitsvorstellungen einigen. Es geht also darum Individuen zu einer sozialen Gesellschaft zusammenzuführen und innerhalb dieser neu geründeten Gesellschaft für soziale Gerechtigkeit für jedes Individuum zu sorgen.[17] Berücksichtigt wird dennoch die Prägung der Menschen, die sich in Traditionen, Sprache, und Kultur wiederfindet und mit der Geburt in eine Gemeinschaft entsteht. Daraus resultierend bildet sich die tiefste Manifestation der Werte, die wiederum in eine neue soziale Gesellschaft mitgenommen wird. Diese Prägung variiert bei Menschen verschiedener Herkunftsländer bereits.[18] In der neuen Gruppe entstehen gemeinsame Werte, die auf dem Schema der Gerechtigkeit und der Suche nach dem Guten aufgebaut werden. Der Kommunitarismus besagt demnach, dass alle Menschen soziale Individuen sind. Die Gemeinschaft steht dabei nicht an erster Stelle sondern wird durch die Menschen erst bestimmt.[19]

2.3.2 Aufgaben und Ziele des Kommunitarismus

Bisher konnte herausgearbeitet werden, dass beim Kommunitarismus über Gemeinschaft und Gerechtigkeit philosophiert wird. Entstanden ist dieser in den USA und seine Vertreter sind radikalliberale oder auch latent autoritäre Kommunitaristen. Der Begriff Kommunitarismus scheint zunächst sehr abstrakt. Es meint aber das Denken, welches Gemeinschaften innerhalb der steigenden gesellschaftlichen Desintegration entgegenwirken möchte. Der Zusammenschluss von Individuen zu sozialen Gesellschaften innerhalb einer Demokratie ist wichtig, damit diese liberal bleibt. Unglücklicherweise wird mit dem deutschen Wort „Gemeinschaft“ oftmals das Wort „Volksgemeinschaft“ oder „formierter Gesellschaft“ assoziiert, was zu einem antidemokratischen Beigeschmack führt. Die Interpretation des Begriffs ist in den USA, Europa oder aber auch Deutschland völlig unterschiedlich und die Übertragbarkeit aus dem Grund schwierig. Trotzdem beschäftigen sich Gesellschaftskritiker in den verschiedenen Ländern mit derselben Frage. Nämlich, wie das weitere Auseinanderbrechen von Gesellschaften durch Modernisierungsprobleme und globale Herausforderungen verhindert werden kann. Einige Kommunitaristen finden die Antwort in der Gemeinschaft und der Moral mit neuen Wertevorstellungen, während andere an allgemeingültige Menschenrechtsprinzipien und neue Demokratietheorien denken. Letztendlich ist zu bemerken, dass es einfacher ist über Solidaritätsdefizite zu sprechen, wenn der Begriff Kommunitarismus gewählt wird, als das Wort „Gemeinschaft“ außen vor bleibt.[20]

2.4 Abgrenzung des Kommunitarismus vom Kontraktualismus

Der Kommunitarismus und der Kontraktualismus vertreten im Grunde genommen die gleiche Idee: Die Begründung von Gerechtigkeitstheorien. Dennoch gibt es einen feinen Unterschied, der in diesem Abschnitt erläutert wird.

Rawl, der die kontraktualistische Gerechtigkeitstheorie vertritt, betrachtet das Individuum abgetrennt von seinen Eigenschaften. Die identitätsstiftenden Eigenschaften wie Talente, Fähigkeiten, Einstellungen und Merkmale beispielsweise bleiben beim Kontraktualismus völlig unberücksichtigt. Das bedeutet konkret, dass die Individuen hinter dem Schleier des Nichtwissens keine Kenntnis von diesen Eigenschaften haben. Dies bedeutet allerdings nicht, dass sie diese Eigenschaften nicht besitzen. Vielmehr wird von einem rein hypothetischen Konstrukt ausgegangen. Der Zweck des Kontraktualismus ist die Wahrung der Unparteilichkeit.[21]

Die Kommunitaristen hingegen kritisieren das Modell auf zwei Ebenen. Zum einen seien die nicht berücksichtigten Eigenschaften der Individuen stark von wichtigen Dingen die den Menschen ausmachen, wie Moral und Gerechtigkeit, abgegrenzt. Zum Anderen ist es schwierig überhaupt von einem Individuum zu sprechen, wenn doch seine individuellen Eigenschaften, die für soziale Beziehungen bestimmend sind, unberücksichtigt bleiben. Es gibt gewiss Eigenschaften in der Moral- und Gerechtigkeitstheorie kontraktualistischer Prägung die nicht von Bedeutung sind. Dennoch ist die Gruppe in die ein Individuum geboren wurde prägend, da die sprachbestimmende Kultur einen wichtigen Einflussfaktor ausmacht.[22]

Abschließend ist zu bemerken, dass alle Individuen an die sich die Gerechtigkeitstheorie wendet, identitätsbestimmende Eigenschaften besitzen, die allerdings nicht zwingend bei der Gründung von Moral- und Gerechtigkeitsidealen von Relevanz sind. Genauer gesagt handelt es sich beim Kontraktualismus lediglich um hypothetische Individuen hinter dem Schleier des Nichtwissens und nicht um konkrete Menschen wie wir es sind. Somit kann die Kritik der Kommunitaristen, dass eine Unparteilichkeit nicht eingehalten werden könne, ausgeräumt werden.[23]

Aufgrund des nur minimalen Unterschiedes in der Definition der Begrifflichkeiten werden die Fachausdrücke Kommunitarismus und Kontraktualismus in der nachfolgend aufgestellten Forschungsfrage vereinheitlicht genutzt.

3 Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Fragestellung wie Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen umsetzbar ist anhand des Praxisbeispiels Google in China.

Die Problemstellung für die Gesellschaft und die Wirtschaft ist, dass durch die steigende Internationalität von Unternehmen und der damit verbundenen Globalisierung ein verstärktes Konfliktpotential moralischer Art im täglichem Geschäft entstanden ist. Die dadurch gestiegene Komplexität, Intensität und Quantität bieten aktuell Diskussionsbedarf im Forschungsgebiet der Unternehmensethik.[24]

Die Folgen für die Menschen anderer Länder durch mangelnde Rechtsstandards und Sozial- und Umweltdumping sind nicht zu verachten und können zu einer langfristigen Schädigung der Gesellschaft führen. Deshalb sind dies besondere Themen die in Bezug auf ethnischer Rücksicht und Wirtschaftsethik relevant sind. Das US-amerikanische Unternehmen Google zum Beispiel, gab im Januar 2010 in diesem Zusammenhang bekannt, dass es in China keine Selbstzensur mehr durchführen werde. Resultierend daraus wurde der Betrieb der Internetsuchmaschine größtenteils in China abgeschaltet. Lediglich in der teilautonomen Provinz Hongkok ist der Suchmaschinenanbieter noch aufzurufen, weshalb chinesische User automatisch dorthin weitergeleitet werden. Der Zugang zu den unzensierten Interneteinträgen ist damit dort möglich. Das vornehmliche Ziel von Google ist Netzneutralität zu gewährleisten und niemanden von Informationen auszuschließen. Dieses Ziel steht im Konflikt mit der politisch erzwungenen Netzzensur in China. Wird die Zensur nicht durchgeführt hat das Unternehmen mit regelmäßigen Cyber-Attacken auf Gmail Konten der Google-Server zu kämpfen. Die Medien stellten Google an die Wand und verbreiteten es würde sich um ein Unternehmen handeln, welches eine menschenfeindliche Diktatur unterstützt. Ein Vorwurf dieser Art lässt nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich einen großen Schaden entstehen. Ob ein Unternehmen im Markt bestehen kann hängt nämlich nicht nur von den kurzfristig in Aussicht stehenden zu erwarteten Gewinnen ab. Vielmehr ist entscheidend, den Ruf zu wahren und somit langfristig moralische Korrektheit gewährleisten zu können. In der Vergangenheit kamen besonders häufig international tätige Unternehmen die in Länder mit Rechtsunsicherheiten investiert haben in eine solche moralische Zwangslage.[25]

Aus dem Grund werden im vierten Kapitel die drei folgenden Forschungsfragen beantwortet.

1. Wie kann das Bewusstsein für wirtschaftsethische Themen innerhalb der Unternehmungen gesteigert werden?
2. Welche Maßnahmen können die Regierungen ergreifen, um ethisch korrektes Verhalten der Unternehmen zu fördern?
3. Wie Können Unternehmen gesellschaftliche und wirtschaftliche Situationen richtig abwägen und auf dieser Grundlage gesellschafts- und rechtsethische Entscheidungen treffen?

Der Praxisfall Google ist dabei lediglich eine beispielhafte Darstellung mittels dessen das Potential einer effizienten Wirtschaftsethik gemessen werden kann.

4 Lösungsansätze für eine leistungsfähige Wirtschaftsethik

Im vorherigen Kapitel konnte herausgearbeitet werden, dass ein Mangel an Erfahrung in der Betriebswirtschaft besteht, wie Unternehmen mit moralischen Konflikten in Zeiten der Globalisierung mit gestiegener „Komplexität, Intensität und Quantität“[26] umgehen. Um die Leistungsfähigkeit der Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen gewährleisten zu können, müssen praxisorientierte Problemlösungen gefunden werden. Auf die im dritten Kapitel gestellten Forschungsfragen werden in den folgenden Unterkapiteln mögliche Lösungsansätze erläutert.

4.1 Lösungsansatz in der Wirtschaftsethik

In der Wirtschaftsethik der heutigen Zeit wird versucht eine gesamtheitliche Lösung für alle moralische Problemstellungen gewinnorientiert agierender Unternehmen zu entwickeln. Dabei wird davon ausgegangen, dass Unternehmen die moralisch korrekt handeln im Markt als Verlierer enden, da sie mit nicht eigennützig eingestellten Wettbewerbern nicht mithalten können.[27] Bei den meisten Unternehmen steht das Erreichen von Rentabilitätszielen und das Steigern von Gewinnen an erster Stelle. Dabei bewegen sich die Unternehmen lediglich innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen ohne Täuschung und Betrug zu begehen.[28] Soziales Engagement sowie gesellschaftliche, politische und moralische Verantwortung sind oftmals, wenn überhaupt, nebensächliche Ziele, da diese in der Regel die Rentabilität

[...]


[1] Vgl. Liebert [2013], o.S.

[2] Vgl. Mittendorf [2002], S. 1.

[3] Vgl. Mack [2010], S. 105.

[4] Vgl. Scherer/Picot [2008], S. 8.

[5] Vgl. Lenk/Maring [1996], S. 1.

[6] Vgl. Meran [1991], S. 26.

[7] Vgl. Gerlach [2002], S. 19.

[8] Vgl. Lenk/Maring [1996], S. 4.

[9] Leist [o.J.], S. 1.

[10] Vgl. Leist [o.J.], S. 1 f.

[11] Vgl. Cummiskey [2008], S. 393.

[12] Vgl. Hobbes [2008], S. 20.

[13] Vgl. Hundertmark [2006], S. 1 f.

[14] Vgl. Rechenauer [o.J.], S. 1.

[15] Vgl. Weilmeier [2014].

[16] Vgl. Rechenauer [o.J.], S. 2 f.

[17] Vgl. Weilmeier [2014].

[18] Vgl. Hofstede [1993], S. 18 f.

[19] Vgl. Weilmeier [2014].

[20] Vgl. Hofmann [1992], o.S.

[21] Vgl. Rechenauer [o.J.], S. 12 f.

[22] Vgl. Rechenauer [o.J.], S. 11.

[23] Vgl. Rechenauer [o.J.], S. 13.

[24] Vgl. Scherer [2008], S. 2.

[25] Vgl. Mack [2010], S. 106 f.

[26] Mack [2010], S. 106.

[27] Vgl. Mack [2010], S. 107.

[28] Vgl. Friedman [2002], S. 133.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kontraktualismus und Kommunitarismus. Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen
Untertitel
Das Beispiel von Google in China
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V346977
ISBN (eBook)
9783668362741
ISBN (Buch)
9783668362758
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsethik, Kontraktualismus, Kommunitarismus
Arbeit zitieren
Tania Tammling (Autor), 2016, Kontraktualismus und Kommunitarismus. Wirtschaftsethik in Ländern ohne demokratische oder rechtsstaatliche Rahmenbedingungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/346977

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