1. Auswirkungen von Dienstleistungsarbeit auf die soziale Struktur auf dem Arbeitsmarkt
1.1. theoretische Betrachtungen
1.1.1. Hypothesen und Klassifikationen zur Betrachtung eines Strukturwandels
Die Autoren versuchen in ihrem Aufsatz der Frage nachzugehen, ob in Deutschland ein neues Dienstleistungsproletariat am entstehen ist. Unstrittig scheint zu sein, dass sich ein berufsstruktureller Wandel in Deutschland vollzieht. Der sekundäre Arbeitsmarkt scheint an Bedeutung zu verlieren, während der tertiäre Arbeitsmarkt zumindest eine qualitative Aufwertung erfährt. Es bleibt die Frage zu diskutieren, ob sich dieser Trend in einem Antagonismus zwischen traditioneller industrieller Arbeit und moderner post-industrialistischer Arbeit niederschlägt.
Zwei konkurrierende Hypothesen haben die unterschiedlichen Auswirkungen des Tertiärisierungsprozesses zum Gegenstand. Bell behauptet, dass es im Verlauf der Tertiärisierung zu einer Expansion der hoch- und höherqualifizierten Positionen auf dem Arbeitsmarkt kommen wird. Berufe, die zu den Professionen, den Ingenieurtätigkeiten oder den Wissenschaften gezählt werden können, werden in ihrer Anzahl zunehmen. Dieser Prozess würde eine Verbesserung der Berufs- und Karrierechancen von am Arbeitsmarkt beteiligten Personen zur Folge haben. Der Qualifikations-expansionhypothese steht Bravermanns Degradierungshypothese gegenüber. Bravermann nimmt an, dass es zu einer Zunahme von unqualifizierten Positionen auf dem Arbeitsmarkt kommen wird. Damit wäre natürlich auch ein vermehrtes Auftreten von Abstiegsprozessen verbunden.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem Vorhandensein eines quantitativ bedeutsamen Dienstleistungsproletariates, welches sich gegenüber dem traditionellen Arbeiterproletariat unterscheidet und dessen Mitglieder in einen Teufelskreis von Benachteiligung und Unterprivilegierung gefangen sind.
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Inhaltsverzeichnis
1. Auswirkungen von Dienstleistungsarbeit auf die soziale Struktur auf dem Arbeitsmarkt
1.1. theoretische Betrachtungen
1.1.1. Hypothesen und Klassifikationen zur Betrachtung eines Strukturwandels
1.1.2. einfache Dienste als soziale Klasse
1.1.3. einfache Dienste und beruflicher Strukturwandel
1.1.4. Ausbildungssystem und einfache Berufe in Deutschland
1.1.5. geschlechterspezifische Arbeitsteilung und einfache Dienste
1.2. methodische Betrachtungen einer empirischen Untersuchung
1.2.1. Datengrundlage
1.2.2 Klassifikationen
1.3. Ergebnisse der empirischen Untersuchung
1.3.1. Berufseintritt
1.3.2. Berufsverlauf
1.3.3. berufliche Ausbildung
1.3.4. Mobilität zwischen den Berufsgruppen
2. Quantitativer Vergleich der Dienstleistungssektoren zwischen Deutschland und den USA
2.1. Unterschiedliche Wertungsmöglichkeiten empirischer Befunde
2.2. Entwicklungstendenzen
2.3. Bedeutung der steuerlichen Stellung von Dienstleistungsarbeit
2.4. Konsumdienste und Organisationsdienste
3. Quantitativer Vergleich des Dienstleistungssektors mit dem industriellen Sektor
4. Wertschöpfungsraten im Dienstleistungssektor
5. Zusammenfassende Bewertung der Lage auf dem Dienstleistungssektor der Bundesrepublik Deutschland
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, ob sich in Deutschland ein sogenanntes „Dienstleistungsproletariat“ herausbildet, das durch prekäre Arbeitsbedingungen und mangelnde Mobilitätschancen gekennzeichnet ist. Dabei werden theoretische Hypothesen zum Strukturwandel kritisch hinterfragt und die empirische Lage des Dienstleistungssektors im Vergleich zu den USA sowie zum industriellen Sektor in Deutschland analysiert.
- Theoretische Modelle zur Tertiärisierung und sozialen Schichtung
- Vergleichende Analyse der Arbeitsmarktstrukturen in Deutschland und den USA
- Rolle von Bildungszertifikaten und Ausbildungsstrukturen für den Berufseinstieg
- Bedeutung steuerlicher Rahmenbedingungen für einfache Dienstleistungstätigkeiten
- Quantitative Untersuchung von Beschäftigungsverschiebungen zwischen Industrie und Dienstleistung
Auszug aus dem Buch
1.1.1. Hypothesen und Klassifikationen zur Betrachtung eines Strukturwandels
Die Autoren versuchen in ihrem Aufsatz der Frage nachzugehen, ob in Deutschland ein neues Dienstleistungsproletariat am entstehen ist. Unstrittig scheint zu sein, dass sich ein berufsstruktureller Wandel in Deutschland vollzieht. Der sekundäre Arbeitsmarkt scheint an Bedeutung zu verlieren, während der tertiäre Arbeitsmarkt zumindest eine qualitative Aufwertung erfährt. Es bleibt die Frage zu diskutieren, ob sich dieser Trend in einem Antagonismus zwischen traditioneller industrieller Arbeit und moderner post industrialistischer Arbeit niederschlägt.
Zwei konkurrierende Hypothesen haben die unterschiedlichen Auswirkungen des Tertiärisierungsprozesses zum Gegenstand. Bell behauptet, dass es im Verlauf der Tertiärisierung zu einer Expansion der hoch- und höherqualifizierten Positionen auf dem Arbeitsmarkt kommen wird. Berufe, die zu den Professionen, den Ingenieurtätigkeiten oder den Wissenschaften gezählt werden können, werden in ihrer Anzahl zunehmen. Dieser Prozess würde eine Verbesserung der Berufs- und Karrierechancen von am Arbeitsmarkt beteiligten Personen zur Folge haben. Der Qualifikationsexpansionhypothese steht Bravermanns Degradierungshypothese gegenüber. Bravermann nimmt an, dass es zu einer Zunahme von unqualifizierten Positionen auf dem Arbeitsmarkt kommen wird. Damit wäre natürlich auch ein vermehrtes Auftreten von Abstiegsprozessen verbunden.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem Vorhandensein eines quantitativ bedeutsamen Dienstleistungsproletariates, welches sich gegenüber dem traditionellen Arbeiterproletariat unterscheidet und dessen Mitglieder in einen Teufelskreis von Benachteiligung und Unterprivilegierung gefangen sind. Um diese Frage zu klären, ist die Verwendung der Unterscheidung von nach-industriellen und industriellen Berufspositionen nach Esping-Anderson sinnvoll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Auswirkungen von Dienstleistungsarbeit auf die soziale Struktur auf dem Arbeitsmarkt: Dieses Kapitel analysiert theoretische Hypothesen zum Strukturwandel und prüft empirisch, ob sich in Deutschland eine unterprivilegierte Klasse von Dienstleistungsarbeitern herausbildet.
2. Quantitativer Vergleich der Dienstleistungssektoren zwischen Deutschland und den USA: Hier werden die Arbeitsmarktstrukturen beider Länder verglichen und die Bedeutung steuerlicher Anreize für einfache Dienstleistungstätigkeiten diskutiert.
3. Quantitativer Vergleich des Dienstleistungssektors mit dem industriellen Sektor: Dieses Kapitel untersucht die Beschäftigungsentwicklung und zeigt die Verschiebung von Arbeitsplätzen vom produzierenden Gewerbe in den Dienstleistungsbereich auf.
4. Wertschöpfungsraten im Dienstleistungssektor: Fokus auf das Wachstum der Bruttowertschöpfung und dessen Auswirkungen auf die Produktivität sowie die stagnierenden Arbeitslosenzahlen.
5. Zusammenfassende Bewertung der Lage auf dem Dienstleistungssektor der Bundesrepublik Deutschland: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass sich kein eigenständiges Dienstleistungsproletariat nachweisen lässt und eine starke Verzahnung zwischen industriellen und nachindustriellen Bereichen besteht.
Schlüsselwörter
Dienstleistungsproletariat, berufsstruktureller Wandel, Tertiärisierung, Arbeitsmarkt, soziale Ungleichheit, Qualifikationsexpansion, Degradierungshypothese, Bildungszertifikate, dualer Arbeitsmarkt, Beschäftigungsstruktur, Wertschöpfung, Mobilitätsmuster, Industriegesellschaft, Dienstleistungssektor, Berufslaufbahn
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Erwerbstätigkeit in Deutschland mit dem Fokus auf den Dienstleistungssektor und dessen Auswirkungen auf die soziale Struktur der Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Dienstleistungsproletariats, die Gegenüberstellung von Qualifikationsexpansion und Degradierung sowie der quantitative Vergleich der Sektorenentwicklung zwischen Deutschland und den USA.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Klärung der Frage, ob in Deutschland ein neues, quantitativ bedeutsames Dienstleistungsproletariat entsteht, das sich durch spezifische Mobilitätsbeschränkungen und Benachteiligungen auszeichnet.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer empirischen Längsschnittanalyse unter Verwendung von Daten der Lebensverlaufsstudie und des sozioökonomischen Panels (SOEP).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit theoretischen Erklärungsmodellen, dem Berufseintritt und -verlauf, der Bedeutung von Ausbildungssystemen sowie einem quantitativen Branchenvergleich zwischen Industrie und Dienstleistung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Dienstleistungsproletariat, Tertiärisierung, Arbeitsmarktsegmentation, Qualifikationsbarrieren und soziale Mobilität.
Wie bewertet der Autor die These vom Dienstleistungsproletariat?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ein solches Dienstleistungsproletariat in Deutschland in nennenswertem Umfang nicht existiert, da keine spezifischen, abgrenzbaren Mobilitätsmuster vorliegen.
Welchen Einfluss haben steuerliche Regelungen auf einfache Dienste?
Die Arbeit stellt fest, dass steuerliche Anreize, wie die sogenannte 620-Mark-Regelung, die Entstehung von einfachen Dienstleistungstätigkeiten fördern, aber auch zur Entstehung eines Niedriglohnsektors beitragen können.
- Quote paper
- Lars Lanske (Author), 2001, Berufsstruktureller Wandel und soziale Ungleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347