Berufsstruktureller Wandel und soziale Ungleichheit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Auswirkungen von Dienstleistungsarbeit auf die soziale Struktur auf dem Arbeitsmarkt
1.1. theoretische Betrachtungen
1.1.1. Hypothesen und Klassifikationen zur Betrachtung eines Strukturwandels
1.1.2. einfache Dienste als soziale Klasse
1.1.3. einfache Dienste und beruflicher Strukturwandel
1.1.4. Ausbildungssystem und einfache Berufe in Deutschland
1.1.5. geschlechterspezifische Arbeitsteilung und einfache Dienste
1.2. methodische Betrachtungen einer empirischen Untersuchung
1.2.1. Datengrundlage
1.2.2 Klassifikationen
1.3. Ergebnisse der empirischen Untersuchung
1.3.1. Berufseintritt
1.3.2. Berufsverlauf
1.3.3. berufliche Ausbildung
1.3.4. Mobilität zwischen den Berufsgruppen

2. Quantitativer Vergleich der Dienstleistungssektoren zwischen Deutschland und den USA
2.1. Unterschiedliche Wertungsmöglichkeiten empirischer Befunde
2.2. Entwicklungstendenzen
2.3. Bedeutung der steuerlichen Stellung von Dienstleistungsarbeit
2.4. Konsumdienste und Organisationsdienste

3. Quantitativer Vergleich des Dienstleistungssektors mit dem industriellen Sektor

4. Wertschöpfungsraten im Dienstleistungssektor

5. Zusammenfassende Bewertung der Lage auf dem Dienstleistungssektor der Bundesrepublik Deutschland

6. Quellenangaben:

1. Auswirkungen von Dienstleistungsarbeit auf die soziale Struktur auf dem Arbeitsmarkt

1.1. theoretische Betrachtungen

1.1.1. Hypothesen und Klassifikationen zur Betrachtung eines Strukturwandels

Die Autoren versuchen in ihrem Aufsatz der Frage nachzugehen, ob in Deutschland ein neues Dienstleistungsproletariat am entstehen ist. Unstrittig scheint zu sein, dass sich ein berufsstruktureller Wandel in Deutschland vollzieht. Der sekundäre Arbeitsmarkt scheint an Bedeutung zu verlieren, während der tertiäre Arbeitsmarkt zumindest eine qualitative Aufwertung erfährt. Es bleibt die Frage zu diskutieren, ob sich dieser Trend in einem Antagonismus zwischen traditioneller industrieller Arbeit und moderner post-industrialistischer Arbeit niederschlägt.

Zwei konkurrierende Hypothesen haben die unterschiedlichen Auswirkungen des Tertiärisierungsprozesses zum Gegenstand. Bell behauptet, dass es im Verlauf der Tertiärisierung zu einer Expansion der hoch- und höherqualifizierten Positionen auf dem Arbeitsmarkt kommen wird. Berufe, die zu den Professionen, den Ingenieurtätigkeiten oder den Wissenschaften gezählt werden können, werden in ihrer Anzahl zunehmen. Dieser Prozess würde eine Verbesserung der Berufs- und Karrierechancen von am Arbeitsmarkt beteiligten Personen zur Folge haben. Der Qualifikationsexpansionhypothese steht Bravermanns Degradierungshypothese gegenüber. Bravermann nimmt an, dass es zu einer Zunahme von unqualifizierten Positionen auf dem Arbeitsmarkt kommen wird. Damit wäre natürlich auch ein vermehrtes Auftreten von Abstiegsprozessen verbunden.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem Vorhandensein eines quantitativ bedeutsamen Dienstleistungsproletariates, welches sich gegenüber dem traditionellen Arbeiterproletariat unterscheidet und dessen Mitglieder in einen Teufelskreis von Benachteiligung und Unterprivilegierung gefangen sind. Um diese Frage zu klären, ist die Verwendung der Unterscheidung von nach-industriellen und industriellen Berufspositionen nach Esping-Anderson sinnvoll. Er trennt auf einer hohen Ebene der Berufspyramide zwischen Wissenschaftlern und Professionals auf der einen und Managern und leitenden Angestellten auf der anderen Seite. Erstere sind in keiner festen Autoritätsstruktur eingebunden und haben im Gegensatz zu Managern oder leitenden Angestellten keine klar definierte Leitungsbefugnis. Auf der mittleren Ebene der Berufspyramide trennt Esping-Anderson nach Semiprofessionals und Technikern einerseits und dem mittleren Management sowie der mittleren Verwaltungsebene andererseits. Das Unterscheidungsmerkmal besteht hier in der routinemäßigen Professionalität gegenüber der routinemäßigen Leitungsfunktion. Auf der untersten Ebene der Berufspyramide wird zwischen einfachen und qualifizierten Dienstleistungsarbeitern sowie einfachen und qualifizierten manuellen Arbeitern getrennt. Zwischen diesen Berufsgruppen herrschen Unterschiede in der Autonomie der Handlungen sowie im Grad der Arbeitsbeziehungen untereinander, aber auch die Entlohnungssysteme sind zwischen beiden Gruppen unterschiedlich. Es ist anzunehmen, dass Dienstleistungsarbeiter mit einem höheren Grad an Arbeitsautonomie konfrontiert werden, während manuelle Arbeiter in ein festes System aus Anweisungen eingebunden sind.

Einfache Dienste zeichnen sich speziell durch ein niedriges Maß an notwendiger Qualifikation, durch ein niedriges Anforderungsniveau, durch eine geringe institutionelle Regulierung speziell in Bezug auf Bildungszertifikate sowie durch eine geringe Bezahlung aus.

1.1.2. einfache Dienste als soziale Klasse

Wenn Beschäftigte in einfachen Dienste als Teil einer nachindustriellen Arbeitswelt eine eigene soziale Klasse herausbilden sollen, dann muss es für diese Beschäftigten ein Set von gemeinsamen soziodemographischen und soziokulturellen Gemeinsamkeiten geben. So formulieren Mayer und Blossfeld die These, dass es ein gemeinsames Mobilitätsmuster zwischen den Berufen der einfachen Dienste und einem erweiterten Kreis an Berufen geben müsste. Die Mitglieder, dieses sogenannten Dienstleistungsproletariates müssten ihre gemeinsamen Interessen auf dem Arbeitsmarkt gemeinsam Artikulieren. Die Mobilitätsmuster der einfachen Dienstleistungsarbeiter müssten sich auch aus der strukturellen Position im Berufssystem ableiten lassen. Gebe es eine solche Klasse, müsste sie auch einen stabilen Kern permanenter Mitglieder mit einer einheitlichen demografischen Identität aufweisen. Weiterhin wäre dann von einer hohen Stabilität der Berufsverläufe auszugehen, da sich nur so eine klassenspezifische Sozialisation vermuten lässt.

1.1.3. einfache Dienste und beruflicher Strukturwandel

Es gibt grundsätzlich zwei Wege auf dem der Tertiärisierungsprozess fortschreiten kann. Eine These sagt, dass sich die Mobilität der bereits Beschäftigten verstärken wird. Arbeitskräfte werden unter Umständen zu einem Wechsel der Berufsposition gezwungen. Dies würde bedeuten, dass einfache Dienste als Auffangbecken für Arbeitskräfte fungieren, die ihren Arbeitsplatz im Strukturwandel verloren haben. Da keine hohe Einstiegsqualifikation notwendig ist, brauchen Umsteiger nicht lange angelernt werden. Sollte diese These stimmen, müssten sich besonders ältere Arbeitskräfte, die im Strukturwandel arbeitslos geworden sind, im Bereich der einfachen Dienste wiederfinden.

Der Tertiärisierungsprozess kann aber auch über den Wechsel der Generationen erfolgen. Berufsanfänger besetzen neu entstandene Berufspositionen. Arbeitskräfte aus bedeutungslos gewordenen Berufen verlassen das Beschäftigungssystem. Dieses Phänomen ist in Deutschland zumindest in der sogenannten New Ecomomie zu finden. Besonders in der Computerbranche gibt es überdurchschnittlich viele junge Menschen. Ob jedoch diese Tendenz auch für die einfachen Dienste zutreffend ist, bleibt zu klären.

Die Motivation in einfachen Diensten tätig zu werden, kann verschiedenartig sein. Ein möglicher Erklärungsansatz, der besonders in den USA verbreitet ist, sieht die einfachen Dienste als Notbehelf oder Lückenbüßer. Berufseinsteiger mit unkonkreten Berufsvorstellungen nach dem Schulabschluss suchen, so die These, mit unter nach vorrübergehender Beschäftigung, um Zeit für eine berufliche Orientierung zu gewinnen. Nach der Beschäftigung in den einfachen Diensten folgt, dieser Theorie nach, eine Entscheidung für einen anderen Beruf. Einfache Dienstleistungsarbeit hat hier also nur einen sehr geringen Bezug zur späteren Karriere.

Die Theorie des dualen Arbeitsmarktes sagt dagegen, dass einfache Dienste Teil des sekundären Arbeitsmarktes sind. Die Mobilität zwischen dem primären und dem sekundärem Arbeitsmarkt soll dabei sehr gering sein. Es gibt wichtige Unterschiede zwischen den beiden Teilarbeitsmärkten. So zeichnet sich der primäre Arbeitsmarkt durch relativ stabile Löhne, gute Arbeitsbedingungen und gute Aufstiegschancen aus. Im sekundären Arbeitsmarkt dagegen sind diese Faktoren für den Arbeitnehmer schlechter ausgeprägt. Die Berufe des sekundären Arbeitsmarktes werden deshalb auch oft Sackgassenberufe genannt. Das Einbiegen in solch eine Sackgasse hat dann auch sehr entscheidende Folgen für die spätere Berufslaufbahn zur Folge. Die Theorie besagt, dass es bei Personen die in einfachen Dienstleistungsberufen ihre Karriere beginnen zu einer Beschränkung der Mobilität auf einfache Dienstleistungsberufe oder andere unqualifizierte Berufsgruppen kommt.

1.1.4. Ausbildungssystem und einfache Berufe in Deutschland

Wie bereits beschrieben, gibt es eine Spaltung des Arbeitsmarktes in Teilarbeitsmärkte. Diese Teilarbeitsmärkte sind jedoch in Deutschland weniger für die Arbeitsmarktsegmentation verantwortlich. In Deutschland herrschen eher bedeutende Qualifikationsbarrieren, die eine deutliche Spaltung des Arbeitsmarktes nach formellen und beruflichen Qualifikationen zur Folge haben. So gibt es ein hochentwickeltes System der praxisbezogenen beruflichen Ausbildung. Dieses System vereint das theoretische Lernen in der Berufsschule mit dem praxisbezognen Lernen im Betrieb. Dieser Ausbildungsart führt zu vergleichsweise hochstandarisierten Ausbildungsbedingungen für genau definierte Berufe. Es kommt zu einer klaren Unterscheidung zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern gegenüber Facharbeitern und Fachangestellten. Das deutsche Ausbildungssystem führt zu guten Aufstiegschancen für ausgebildete Kräfte innerhalb ihres Berufs.

Der Zutritt zu Berufen ist somit nur über bestimmte Zertifikate möglich. Besitzt ein Arbeitnehmer keine Zertifikate über seine Ausbildung, so hat er geringere Aufstiegschancen. In diesem Punkt unterscheidet sich das deutsche Model stark von dem in Amerika, Frankreich, Großbritannien oder Italien. Aus diesem Grund sind in Deutschland Aufstiege auch bedeutend häufiger zu verzeichnen, als Abstiege. Es kommt weitere Folge zu einem weitaus strukturierterem Übergang von der Schule in das Berufsleben. Die Lückenbüßerfunktion der einfachen Dienste als Orientierung wird deshalb weniger gebraucht als beispielsweise in den USA. Aus dieser Annahme müssten die Beschäftigten eher mit dem Model des sekundären Arbeitsmarktes zu erfassen sein.

An diesem Punkt stellt sich wieder die Frage nach dem Vorhandensein von typischen Mobilitätsmustern Beschäftigter in den einfachen Diensten. Sollte es ein spezifisches Dienstleistungsproletariat geben, müsste es sich zu Beschäftigten in unqualifizierter manueller Arbeit abgrenzen. Hiermit wäre wieder die Frage nach einer grundlegenden Spaltung zwischen industrieller und nachindustrieller Arbeit gestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Berufsstruktureller Wandel und soziale Ungleichheit
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar Wandel der Erwerbstätigkeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V347
ISBN (eBook)
9783638102490
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Betrachtet werden die Auswirkungen von einfacher und gehobener Dienstleistungsarbeit für den berufsstrukturellen Wandel in Deutschland. Am Beispiel einer empirischen Untersuchung von Prof. K. U. Mayer werden Berufseintritt, Berufsverlauf, Weiterbildung und berufliche Mobilität unter die Lupe genommen. Die Betrachtung mündet in einen quantitativen Vergleich der Dienstleistungssektoren in Dtl. und den USA. Schließlich wird auch ein kurzer Vergleich zwischen dem Dienstleistungssektor und dem industriellen Sektor angestrengt. 395 KB
Arbeit zitieren
Lars Lanske (Autor), 2001, Berufsstruktureller Wandel und soziale Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347

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