Tragen Medien mittels Islamkritik zu steigender Islamophobie in Deutschland bei?


Seminararbeit, 2016

10 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Konkretisierung der Fragestellung

2. Argumentation
2.1. Die Perspektive der Islamkritik
2.2. Perspektive der Islamophobie mit Blick auf Heitmeyers Ergebnisse
2.3. Zusammenführung Islamkritik und Islamophobie
2.4. Einflüsse auf Demokratie?

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Konkretisierung der Fragestellung

Die Frage, ob Medien die Demokratie gefährden können, möchte ich gerne am Beispiel der medialen generalisierten Islamkritik näher untersuchen. Dabei ist es mir wichtig, einen Zusammenhang zwischen dem immer häufiger medial thematisierten Islam und der Kritik an ihm, mit der wachsenden Islamophobie zu erschließen. Großes Interesse an der Frage besteht zum einen durch meinen persönlichen Draht als Muslim, zum anderen aber durch mein gesellschaftspolitisches Engagement und der damit verbundenen Vernetzung von Akteuren im religiösen Sektor, bei dem häufig ähnliche Beobachten und Erfahrungswerte bestehen, wie zum Beispiel, dass der gesellschaftliche Druck auf jene religiöse Minderheit extrem zugenommen haben solle.

Da die mediale Rolle zur Islamophobie und Verantwortung gegenüber demokratischer Prinzipien in den Fokus genommen werden soll, resultiert aus meinem Vorhaben die auf der Titelseite erwähnte Frage: Tragen Medien mittels generalisierter Islamkritiken zu einer steigenden Islamophobie in der deutschen Gesellschaft und somit der Gefährdung demokratischer Prinzipien bei?

2. Argumentation

2.1. Die Perspektive der Islamkritik

Aufgrund der häufigen Thematisierung und der damit entwickelten Entstehung sowie einer unzureichenden Begriffsdistinktion im Kontext der Islamkritik, welche in einer Vermischung von Begriffen mündet, möchte ich zunächst begrifflich differenzieren. Die Islamkritik unterscheide sich von Islamophobie und Islamfeindlichkeit insofern, als dass sie „sich mit Einwänden gegen bestimmte Erscheinungsformen der Religion [richtete], […] die Religion aber nicht im Sinne eines pauschalen Feindbildes [verwirft]“.1 Die Islamkritik unterscheidet sich somit zum einen von der Islamophobie in der generellen Ablehnung von Muslim*innen, zum anderen in der „rigorosen Ablehnung des Islams“2 von der Islamfeindlichkeit.

Die uns bekannte Islamkritik in der deutschen Gesellschaft löst in den meisten Fällen eine Verunsicherung durch das Schüren von Ängsten aus. Dabei bedient sie sich einer eigenen spezifischen Klientel, aus dem zwei Gruppen hervorgehoben werden können: Rechte mit Wunsch nach einer rabiaten Ausländerpolitik und Feministinnen, welche befürchten, dass Ausländer*innen die moderne Gleichstellungspolitik gefährden könnten.3 4 So bestünde der Grundkonsens der Klientel in der Überzeugung der Unvereinbarkeit des Islams mit einer „pluralistischen Gesellschaft mit ihrer überragenden Bedeutung individueller Rechte […]“5.

Eine große Problematik in Bezug auf Islamkritiken ist der schmale Grat zwischen ihr und der Islamophobie. Es könne aufgrund von Forschungsmangel lediglich behauptet werden, dass ein „ambivalentes Verhältnis zum Islam“ bestehe, denn was bedeute es, „wenn zwei Drittel der Befragten angeben, da[ss] es Ihnen gefalle, da[ss] in Deutschland auch Muslime leben könnten. Zwischen einem „leben können“ und einer vollen politischen und gesellschaftlichen Anerkennung der Muslime [gebe] es bekanntlich einen großen Unterschied.“6

Eine weitere Problematik im Bereich der Kritik ergebe sich durch den „Kulturrelativismus“, was bedeutete, dass der Dialog mit dem Islam ohne kritisches Bewusstsein geführt werde. Es sei zwar begrüßenswert, dass mittlerweile Dialogprozesse mit der muslimischen Community stattfinden, jedoch ist das relativ einzuordnen, wenn einerseits „mit Kritik [gespart] werde“ und andererseits bei kritischen Journalist*innen von Druck durch Mailanfragen und privaten Anrufen wie Exklusion von Veranstaltungen berichtet werde.7

Man kann die Perspektive der Islamkritik damit resümieren, dass „die Gesellschaft [sich] bei der Beschäftigung mit islamistischen Organisationen, religiösem Fundamentalismus und den Funktionären noch auf keine gemeinsamen Grundlagen einigen können.“8 Mit der Tatsache, dass die Öffentlichkeit über zu wenig Wissen zu Inhalten, Struktur und Organisation des politischen Islam verfüge, ergebe sich ein idealer Nährboden für Ängste und Vorurteile, womit ich nun zum Perspektivenwechsel ansetzen werde.

2.2. Die Perspektive der Islamophobie

Die Islamophobie in unserer Gesellschaft beginnt damit, dass eine massive Ungleichheit in Dialogen gegeben ist. Die Grundlage eines jeden Gesprächs bilde sich auf der einen Seite mit dem „fortschrittlichen, abendländischen, christlichen Deutschen“ und auf der anderen Seite dem „rückwärtsgewandten, orientalischen, ungebildeten Muslim“9. Zentrale Funktion der Islamophobie sei, „von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken und den Fokus auf den Sündenbock Islam zu legen.“10 11 Ein weiteres identifizierbares Problem in der medialen Berichterstattung und Öffentlichkeit ist laut Hafiz, dass einerseits Stereotypisierungen wie die Gewalttätigkeit von Muslim*innen angeheizt werden, und zum anderen, dass immer von einem universellen Islam geschrieben und berichtet werde, was jedoch die Diversität innerhalb des Islams massiv untergräbt.

Im Hinblick auf die Arbeit Heitmeyers nähern wir uns nun zu Forschungsergebnissen, die ein Stimmungsbild hinsichtlich der islamophoben deutschen Gesellschaft skizzieren sollen. Grundlage ist dabei die Annahme, dass die Islamophobie zusätzlich zu ihrer Definition auch damit verstanden werde, „anti-islamische Einstellungen und Verhaltensweisen wie pauschale Ängste, Vorurteile und auch Hass gegenüber Muslim*innen zu benennen [und zu schüren].12

Heitmeyer unterteilte seine Umfrage zur Islamophobie in drei Kategorien: „Generelle Ablehnung, kulturelle Abwertung und distanzierender Verhaltensabsicht“13.

Die wichtigsten Ergebnisse seiner Arbeit lassen sich in drei entscheidenden Ergebnissen14 unterteilen:

1. Die Antworthäufigkeiten in den Kategorien, welche die höchste ablehnende Haltung gegenüber Muslim*innen darstellen, belaufen sich zwischen 10-26%, welches als gegebene potentielle Realität der Islamophobie gedeutet wird.
2. Es gebe einen entscheidenden Zusammenhang zwischen Xenophobie und Islamophobie. So ist jemand xenophobes höchstwahrscheinlich der Ansicht, Deutschland sei kein Ort für Muslim*innen. Eine spezielle Korrelation ließe sich zudem bei türkischen Mitbürger*innen erkennen, wo die Islamophobie schlichtweg die religiöse Komponente der Xenophobie bilde.
3. Die ausgehende Islamophobie ließe sich von bestimmten Gruppen ausgehend kategorisieren, wozu zählen: weibliche, ältere, geringer gebildete, rechts orientierte, aus dem Osten der Bundesrepublik Deutschlands stammende, arbeitslose Menschen so wie jene, die aus Regionen mit geringerem Ausländeranteil kommen.15

Letztlich schließt Heitmeyer seinen Bericht über die Forschungsergebnisse mit der Annahme ab, dass bei veränderter Konstellation unter den Gesichtspunkten Anzahl von Muslim*innen, Quantität von muslimischen Symbolen im öffentlichem Raum sowie struktureller Segregation eine Entfaltung des prognostizierten hohen Potentials an Islamophobie möglich sei.

Besonders diese Annahme wird nun im entscheidenden Teil, der Zusammenführung zwischen den beiden Perspektiven interessant sein.

2.3. Verknüpfung von Islamkritik mit Islamophobie

Die große Problematik, welche Islamkritik als Antreiber von Islamophobie darstellen lässt, ist, dass oft keine differenzierte Auseinandersetzung sowie Darstellung von Hintergrundinformationen16 erfolgen. Zu häufig erscheinen uns so Situationen, in denen u.a. durch mediale Berichterstattungen ein gewisses „Framing“17 besteht, wie dass Terrorvorfälle mit islam(-istischen) Tendenzen assoziiert werden. Wir laufen Gefahr, dass Feindbilder entstehen: „Schwarzweiß- und Worst-Case-Denken, Messen mit zweierlei Maß, Projektionen, Homogenisierung vielschichtiger Gruppen von außen und eine Fehlbeurteilung sich selbst erfüllender Prophezeiungen.“18

Zu häufig werde auch Unspektakuläres durch die Medien vermittelt. Als Beispiel hierzu dient, dass entgegen der absolutistischen islamophoben Annahme, Frauen dürften sich beruflich und schulisch nicht emanzipieren, in Ägypten und der Türkei ein höherer Anteil von weiblichen Professorinnen an Universitäten als in Deutschland lehrten (30:10%). Ein anderes Beispiel wäre, dass im Iran ein solch hoher Anteil an weiblichen Studierenden vorhanden sei, dass man bereits über Männerquoten nachdenke.

[...]


1 Pfahl-Traugber (2014)

2 Ebd.

3 Heitmeyer, Wilhelm (2003): Vgl. S.263-280

4 Bis auf die Alevitischen Verbände sprach sich kein muslimischer Verband klar für die Gleichstellung von Mann und Frau aus.

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Hafiz, Farid (2014)

10 Ebd.

11 In dieser Hinsicht könnte man Parallelen zum Antisemitismus untersuchen.

12 Heitmeyer, Wilhelm (2003): Vgl. S.100-120

13 Ebd.; generelle Ablehnung soll die Xenophobie, kulturelle Abwertung die vermeintliche Diskrepanz verschiedener Wertesysteme und die distanzierende Verhaltensweise die soziale Distanz gegenüber Muslim*innen zum Ausdruck bringen.

14 Ebd.

15 Markierte Gruppen als stärkere Gruppen.

16 Siehe das gleich folgende Beispiel Erbrecht, welches in seiner Umfassung selten sichtbar gemacht wird.

17 Schiffer, Sabine (2005): Vgl. S.23-30. Framing in diesem Kontext: Der Prozess einer Einbettung von Ereignissen und Themen in subjektiven Deutungsmustern. Auch „Kästchendenken“/Denkraster genannt.

18 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Tragen Medien mittels Islamkritik zu steigender Islamophobie in Deutschland bei?
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V347014
ISBN (eBook)
9783668365568
ISBN (Buch)
9783668365575
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islamophobie, Medien, Rassismus, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rechtspopulismus, Grauen Wölfe, Prävention
Arbeit zitieren
Rohat Akcakaya (Autor), 2016, Tragen Medien mittels Islamkritik zu steigender Islamophobie in Deutschland bei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347014

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Tragen Medien mittels Islamkritik zu steigender Islamophobie in Deutschland bei?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden