Die topographische Lage der Prunkgräber in der Hallstatt- und Frühlatènezeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
44 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die topographische Lage der Prunkgräber in der Hallstatt- und Frühlatènezeit

Der Osthallstattkreis

Der Westhallstattkreis

Die Hunsrück-Eifel-Kultur

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Katalog der Prunkgräber

Osthallstattkreis

Westhallstattkreis

Hünsrück-Eifel-Kultur

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Das Phänomen der Errichtung von Prunkgräbern[1] kann man zu verschiedenen Zeiten und Orten feststellen. In der Eisenzeit kommt diese Form der Bestattung in Mitteleuropa wieder auf, nachdem sich in der vorangegangenen Urnenfelderzeit eine auffällige Gleichartigkeit in der Bestattungsform feststellen lässt. Den Anfang macht die Osthallstattkultur am Beginn der frühen Eisenzeit. Man findet hier noch viele Beigaben, die in der Tradition der Urnenfelderzeit hergestellt worden sind. Als nun die Sitte der Errichtung von Prunkgräbern im Osthallstattkreis aufhört, beginnt sie im Westhallstattkreis, zuerst in Süddeutschland und gegen Ende der Hallstattzeit auch in Ostfrankreich. Nicht viel später sind die Menschen des Hunsrück-Eifel-Kreises prunkvoll mit Wagenbeigaben bestattet worden.

Das Beigabenspektrum verändert sich immer wieder, doch sind die Gemeinsamkeiten erkennbar, weswegen wir hier durchgehend von Prunkgräbern sprechen können. Für den Osthallstattkreis definiert sich ein Prunkgrab durch die Mitgabe von bronzenen Schutzwaffen und oftmals auch Pferdegeschirr. Im Westhallstattkreis sind es vor allem das Bronzegeschirr, zuerst noch aus dem Mittelmeerraum importiert, später in heimischen Werkstätten imitiert, das Pferdegeschirr und der Reichtum an Edelmetallen, die uns von einem Prunkgrab sprechen lassen. Die Prunkgräber des Hunsrück-Eifel-Kreises in der späten Hallstattzeit zeichnen sich vor allem durch die Wagenmitgabe aus, weshalb hier oftmals von Wagenbestattungen und nicht verallgemeinert von Prunkgräbern die Rede ist. Sicherlich ist dies nur ein kurzer Einblick in die Besonderheiten der Beigaben der Prunkgräber zu den verschiedenen Zeiten, doch sollten die Unterschiede an dieser Stelle schon Erwähnung finden.

Das Ziel dieser Arbeit soll sein, einen Überblick über die topographische Lage solcher Prunkgräber in Mitteleuropa zu geben. Dabei soll jeder Kulturkreis einzeln vorgestellt werden und die Beobachtungen durch einige Beispiele unterstützt werden. Dies ist notwendig, da wie oben erwähnt, die Definition von Prunkgräbern sehr unterschiedlich für die jeweiligen Regionen ausfällt. Ob auch die Topographie in den Regionen unterschiedlich ist oder sie in der Regel unverändert bleibt, soll im Folgenden untersucht werden. Zu Anfang jedes Kapitels soll jedoch geklärt werden, wo genau sich die Prunkgräber in den verschiedenen Regionen befinden, da nicht überall gleichmäßig diese Sitte vollzogen worden ist.

Die topographische Lage der Prunkgräber in der Hallstatt- und Frühlatènezeit

Der Osthallstattkreis

Der Osthallstattkreis ist ein fiktiver Zusammenschluss von verschiedenen Kulturen. Er umfasst Niederösterreich, das Burgenland, die Steiermark, Kärnten, einen Teil der Slowakei, Westungarn, den größten Teil Sloweniens und den Osten Kroatiens.[2] Man kann mehrere Gruppen unterscheiden, bei denen sich auch verschiedene Grabsitten feststellen lassen. In den meisten dieser Kulturgruppen werden prominente Tote unter einem sehr großen Grabhügel bestattet.[3] Doch gibt es auch Regionen, in denen die Menschen zwar Grabhügel errichteten, doch deren Beigabenausstattung keinen Reichtum aufzeigen. Die Kalenderbergkultur, die von Niederösterreich über das Burgenland, Nordwestungarn bis zur Slowakei reicht, errichtet zwar Riesentumuli, doch findet man darin hauptsächlich Keramik.[4] Die Inventare eines osthallstättischen Prunkgrabs umfassen Schutzwaffen, ein eisernes Tüllen- oder Lappenbeil, Pfeilspitzen und Bronzesitulen. Sicherlich muss nicht alles in einem Grab vorhanden sein, um von einer Prunkbestattung zu sprechen, doch sollte mindestens eines dieser Merkmale erfüllt sein.

Die Sitte Prunkgräber zu errichten beginnt im Osthallstattkreis um circa 800 v. Chr.[5] und damit wesentlich früher als in der Westhallstattkultur. Dieser frühe Beginn hatte an urnenfelderzeitliche Traditionen angelehnte Beigaben und die häufig durchgeführte Sitte der Brandbestattung zur Folge. Einzig die unterkrainische Kultur und Kärnten beginnt ab dem 8. Jh. Körperbestattungen durchzuführen. Eine Sonderstellung besitzt die Osthallstattkultur in Slowenien, da dort die größte Funddichte belegt ist und sich hier die meisten Prunkgräber erfassen lassen.[6] In Slowenien sind Sippenhügel charakteristisch, in denen das Zentralgrab leer bleibt und sich die Bestattungen, häufig sehr zahlreich, am Rand des Hügels befinden.[7] Auch wurden hier die meisten Höhensiedlungen entdeckt, was jedoch sicherlich auch durch den Forschungsstand bedingt ist. Die Steiermark mit der Sulmtalnekropole ist ebenfalls eine Besonderheit des Osthallstattkreises. Diese Nekropole darf sicherlich nicht für den restlichen „Kulturkreis“ gelten, doch gibt es durchaus Parallelen in Westungarn und Nordkroatien.[8]

In Westungarn finden sich keine Prunkgräber, dort kann man jedoch ebenfalls die Unterscheidung von reichen und einfachen Gräbern erkennen. Diese einfachen Gräber wurden mit reichen Hügelgräbern vergesellschaftet oder räumlich getrennt voneinander errichtet.[9] In den meisten Fällen sind die reichen Hügelgräber in der Nähe weitreichender, oft mit Wallanlagen geschützter, Siedlungen zu finden. In Fehérvárcsurgo-Kisvárkegy, Komitat Fejér befindet sich eine Höhensiedlungen auf einer Seite des Flusses und die Bestattungsflächen auf der anderen Uferseite. Dort wurden neun Grabhügel im Eresztvény-Wald entdeckt.[10] Auch in der Flur von Sáncföld wurde ein Gräberfeld entdeckt, dass durch den zeitweise Wasser führenden Feketehid-Graben von der Siedlung auf dem Süto-Nagysánc-Plateau getrennt ist.[11] Jedoch sind auch Fälle bekannt, in denen das Gräberfeld nicht zu einer in der Nähe befindlichen Höhensiedlung zugeordnet werden kann. Dies könnte sicherlich durch den Forschungsstand erklärt werden, da es kaum Kenntnisse über kleinere Siedlungen oder Flachlandsiedlungen gibt. So wurde in der Umgebung von Százkalombatta und Èrd, Komitat Pest, ein Gräberfeld mit 122 Hügelgräbern entdeckt, in dessen Nähe sich keine bisher bekannte Siedlung befindet. Auf dem Jakobsberg bei Pécs wurden Überreste einer steinlosen Wehranlage, die in die Spätbronze-/frühe Eisenzeit datiert wird, gefunden. In der Nähe befinden sich zwei Hügelgruppen mit insgesamt circa 300 Tumuli.[12] Ob diese Wehranlage als Höhensiedlung fungierte, ist nach heutigem Wissensstand noch nicht bewiesen. Obwohl es in dieser Region bisher keine Prunkgräber gibt, zeigt sich, dass das Bild der Umgebung der reichen Grabhügel dem des restlichen Osthallstattkreises gleicht. Es gibt große Grabhügelfelder, aber auch kleinere, die aus nur etwa zehn Hügeln bestehen, die sich um Höhen reihen, auf denen eine Höhensiedlung vermutet werden kann.

Ein ähnliches Bild ist auch für Nordkroatien fassbar. Nordkroatien ist wiederum in drei Gruppen geteilt, die Dalj-Gruppe, Martijanec-Kaptol und Budinjak, wobei nur die beiden Letzten dem Osthallstattkreis angehören.[13] Nordkroatien besteht überwiegend aus Flachland, das sich von dem Gebiet zwischen dem durch den Sutla-Fluss mit leicht bergigen Arealen zum angrenzenden Slowenien im Westen bis Ostslawonien, Baranya und Westsirumien mit der Donau als Grenze im Osten erstreckt. Nordkroatien verfügt über die Offenheit der großen Drau-Save-Tiefebene, die eine leichte Passierbarkeit der Gegend zur Folge hat.[14] Diese Region war in der Eisenzeit relativ dicht von der Martijanec-Kaptol und der Budinjak Gruppe besiedelt. Die Budinjak-Gruppe kann man westlich von Zagreb in der Kontaktzone der pannonischen Tiefebene und dem südostalpinen Raum fassen. Diese Gegend zeichnet sich durch das bergige Karstgebiet aus. Im Mittelpunkt stehen eine Wallburg und eine Tumuli-Nekropole direkt unterhalb der Siedlung.[15] Die Fläche dieses Grabhügelfeldes nimmt circa 60000 m² ein und besteht aus ungefähr 141 Grabhügeln. Die Bestattungsformen sind flache Urnengräber, flache Skelettgräber, Urnenbestattungen unter Grabhügeln und Tumuli mit Inhumation. Insgesamt lassen sich zehn verschiedene Bestattungsformen erkennen. Die Zahl der Gräber in einem Grabhügel reicht von zwei bis zu zehn. Damit weist diese Nekropole viele Gemeinsamkeiten mit der Dolenjska-Gruppe in Südwestslowenien auf, bei der ebenfalls mehrere Gräber in einem Grabhügel mit Inhumation und Grabbeigaben vorkommen. Dies führt zu der Annahme, dass diese beiden Gruppen gemeinsamen Einflüssen aus dem Gebiet der Südostalpen unterlagen.[16] In Nordkroatien wurden insgesamt vier Prunkgräber ergraben. Zwei davon in Kaptol, eines in Martijanec und eines in Budinjak, die auch Namensgeber für die Kulturgruppen sind.[17]

Die Martijanec-Kaptol Gruppe lässt sich im Gebiet Nordwestkroatiens vom 8. bis zur Hälfte des 6. Jhs. fassen. Die Nord- und Südgrenze bilden die Flüsse Mur und Save. Die reichen Bestattungen erfolgten als Urnenbestattung unter Grabhügeln. Es sind einige Tumuli im Martijanec bekannt, jedoch wurde bisher nur eines erforscht.[18] Dies stellte sich sogleich als Prunkbestattung heraus. Die Bezeichnung als Prunkgrab trifft man hier anhand zweier roter Keramikgefäße mit Meandermotiven in Schwarzbemalung von herausragendender Qualität, zwei halbkugeligen Tassen mit Vogelprotomen und Bruchstücken von weiteren zehn Gefäßen. Die entscheidende Beigabe, um von einem Prunkgrab des Osthallstattkreises zu sprechen, ist jedoch eine Bronzesitula vom Typ Kurd, die im gesamten Verbreitungsgebiet vornehmlich in prunkvollen Gräbern beigegeben wurde.[19] In der Nähe dieses Grabhügels in Martijanec wurde noch ein weiterer markanter Tumulus von circa sechs Metern Höhe und 50 m Durchmesser entdeckt, bislang jedoch nicht ausgegraben. Die enormen Ausmaße dieses Grabhügels reihen ihn jedoch schon zu einen der Größten im Martijanec-Kaptol-Gebiet ein.[20] Ob sich darunter eine weitere Prunkbestattung befindet, wird sich erst nach einer Ausgrabung zeigen.

Das Gräberfeld von Kaptol umfasst 14 Grabhügel, die jedoch bisher nicht gänzlich erforscht sind. Dennoch kann man heute schon sagen, dass zwei Bestattungen als Prunkgräber betrachtet werden können.[21] Das erste Prunkgrab von Kaptol enthält eine komplette Waffen- und Kriegerausrüstung, was ebenfalls ein markantes Merkmal für prunkvolle Bestattungen im Osthallstattkreis darstellt. Im zweiten Prunkgrab von Kaptol fand man einen Helm und sogenannte thrako-kimmerischen Pferdebronzen.[22]

Das Kerngebiet der südostalpinen Hallstattkultur befindet sich in Slowenien. Man kann diese Region durch Erfassung wechselnder Kontakte nochmals in fünf Gruppen teilen. Diese sind Prekmurje (Übermurgebiet) im Osten, Gorenjska (Oberkrain), Dolenjska (Unterkrain) und Stajerska (Südsteiermark).[23] Diese Gruppen besitzen noch einen voralpinen Charakter, den man anhand der Einflüsse Etruriens und Italiens feststellen kann, während für die fünfte Gruppe, Bela Krajina (Weißkrain), ein geringerer Einfluss der Gebiete südlich der Alpen zu erkennen ist.[24] Auch hier sind die Bestattungsformen nicht gleichartig. Im östlichen Slowenien, also das westliche und östliche Unterkrain und die Weißkrainische Gruppe, kommen prunkvolle Bestattung vor. Im westlichen Slowenien, das Gebiet der Isonzo-, Innerkrain und Oberkrain Gruppe, herrschte Brandbestattung in Flachgrabfriedhöfen, die eine Weiterführung der Sitten der Urnenfelderzeit darstellen.[25]

Für diesen Kulturkreis wird oft behauptet, dass sich in der Nähe von herrschaftlichen Bestattungen, Höhensiedlungen befunden haben, diese jedoch oft schlecht oder wenig ausgegraben wurden.[26] Auch ist die Funktion oder Struktur solcher Siedlungen noch nicht weitreichend erforscht. Ein Beispiel dafür ist die Siedlung auf dem Marof bei Novo Mesto in Slowenien. Sie befindet sich auf einer Erhöhung nördlich über dem mittelalterlichen Stadtkern, auf dem sich schon die Illyrer angesiedelt haben. Sie ist durch einen stark befestigten Wall am Siedlungsrand eingegrenzt. Auf der östlichen und nördlichen Seite des ellyptisch-rechteckig geformten Plateaus befindet sich ein befestigter, steiler Rand. Auch hier gibt es noch keine genauen Untersuchungen, jedoch kann durch viele Zufallsfunde eine Datierung für die Besiedlung ab dem 1. Jts. v. Chr. erfolgen.[27] In dieser Gegend betreibt man schon in der Urgeschichte viel Bergbau und das Metallwesen ist zudem stark ausgeprägt. Der Berg befindet sich am oberen Flusslauf der Krka und Bela krajina. Die Grabhügel des dazugehörigen Gräberfeldes sind sehr einfach und ärmlich, nur wenige Prunkgräber sind gefunden worden. Das Gräberfeld umfasst heute insgesamt vier hallstattzeitliche Tumuli.[28] Vor der Grabung konnten noch fünf bis sechs festgestellt werden. Diese sind klassische Sippentumuli. Die Tumuli in Novo Mesto haben einen Durchmesser von 30 m und es befinden sich zwischen 20 und 33 Gräber in einem Hügel. In jedem großen Grabhügel wurden ein bis zwei Prunkgräber entdeckt, die alle ungefähr zur gleichen Zeit errichtet worden sind. Nach Gabrovec werden sie in HaD3 für Slowenien datiert, was nach Reinecke für Mitteleuropa Lt A bis Lt B bedeutet. Unmittelbar an der Grabhügelnekropole schließt sich ein mittellatènezeitliches Flachgräberfeld mit Brandbestattungen an.[29]

Sehr ähnlich sieht es bei Magdalenska gora (Abb. 1) aus, da auch dieses Gräberfeld in der Nähe einer befestigten Siedlung liegt. Diese Siedlung ist ebenfalls noch nicht systematisch erforscht, doch kann man erkennen, dass sie von zwei Wällen umgeben ist. Die Grabhügel liegen nördlich, nordwestlich und südöstlich der Siedlung und wurden wegen ihrer geographischen Lage in drei Gruppen geteilt.[30] Die Lasčik Gruppe erstreckt sich über einen Bergkamm in einer Länge von 350 m am Westrand der hallstattzeitlichen Siedlung Šmarje-Zgornja Slivnica. Die Grabhügel wurden in einer Reihe angelegt, an der ein wahrscheinlich schon in urgeschichtlicher Zeit genutzter Weg auf den Bergkamm zur Siedlung führt. Dieses Grabhügelfeld besteht aus dreizehn relativ dicht aneinander gereihten Grabhügeln und liegt etwa vier Kilometer von Magdalenska gora entfernt. Grabhügel vier und fünf müssen ursprünglich sehr große Hügel gewesen sein, die den zentralen Platz in der Gruppe einnehmen.[31] Die zweite Gruppe ist Preloge (Abb. 2), dessen Grabhügel am zahlreichsten sind und die der Siedlung von Magdalenska gora am nächsten liegen. Sie umfasst 17 Grabhügel, die in einem Dreieck, das von Straßen gebildet wird, angeordnet sind. Sie bilden annähernd zwei parallele Reihen in Nord-Süd-Richtung. Jedoch weichen ein paar von dieser Anordnung ab.[32]

Die dritte Gruppe wird Voselca-Gruppe genannt und umfasst sechs Grabhügel, die auf dem südwestlichen Bergkamm bis zum Fuße des Hügels in Nordwest-Südost-Richtung angelegt wurden. Hier wird eine urgeschichtliche Straße von der Siedlung auf Magdalenksa gora zum hallstattzeitlichen Zentrum Dolenjskos angenommen[33] (Abb. 3). Auch hier findet man, wie in Novo Mesto, „typische“ slowenische Sippengräber. Grabhügel II ist eines der größten in der gesamten Nekropole von Preloge. Er ist 35 m lang, zwölf m breit und sieben Meter hoch und enthielt über 400 Gräber. Grab 13 und Grab 38 stellten sich als Prunkbestattungen heraus.[34] Grabhügel IV derselben Nekropole enthielt nur drei Gräber, wovon jedoch Grab 1 als Prunkgrab bezeichnet werden kann. Dieser Grabhügel befindet sich im nördlichen Teil der Nekropole. Grabhügel XIII liegt am südöstlichen Ende der Nekropole und ist einer der größten, der zur Siedlung Magdalenska gora gehört. Er enthielt 173 Gräber, wovon nur eines als Prunkgrab identifiziert werden kann.[35]

Die Sulmtalgruppe in der Südsteiermark stellt, wie oben erwähnt, eine Besonderheit in der Prunkgrabsitte des Osthallstattkreises dar. Dies könnte sich jedoch durch den Forschungsstand ergeben, da in der Steiermark in den letzten Jahrzehnten sehr viel ergraben worden ist, während im restlichen Osthallstattgebiet sehr viel unerforscht geblieben ist. Die Sulmtalnekropole ist die bisher größte Grabhügelnekropole in Mitteleuropa. In der Umgebung der Nekropole bei Kleinklein befindet sich eine späturnenfelder- bis hallstattzeitliche Höhensiedlung auf dem Burgstallkogel. Westlich davon erstreckt sich die große Nekropole und im Osten befindet sich der Seperatbestattungsplatz bei Kleinklein mit einem der vier reichsten Prunkgräber des Osthallstattkreises[36] (Abb. 4). Man findet einzelne kleine Gruppen von Grabhügeln, jedoch oft ohne präzise Datierung, auch an anderen Hängen. Der Ort befindet sich im weststeierischen Hügelland, etwa 30 km südlich von Graz. Das Dorf Kleinklein liegt im Tal des Saggaubaches.[37] Die Seperatnekropole besteht aus vier Prunkgräbern, den zwei Hartnermichelkogeln, dem Pommer- und Kröllkogel. Heute ist nur noch der Pommerkogel in der Landschaft sichtbar (Abb. 5). Der Hauptteil der Nekropole liegt auf dem Rücken westlich des Burgstallkogels. Er umfasst circa 700 heute noch erkennbare Tumuli, ursprünglich könnte sie jedoch aus 2000 Grabhügeln bestanden haben. Es ist eine eigenartige Gruppenbildung zu erkennen, die wohl nicht bewusst, sondern aufgrund der natürlichen Geländeformationen und mittelalterlichen und neuzeitlichen Eingriffen zustande kommt.[38] Die Nekropole folgt dem Zugangsweg auf dem natürlichen Höhenrücken, an dessen Spitze die vier Wiesenkaisertumuli stehen. Dieser Weg scheint sich nach Süden vom Tschoneggerfranzltumulus bis zur Kürbischbauergruppe zu erstrecken.[39] Die Nekropole wurde vom 10. bis in das 6. Jh. v. Chr. belegt. Man fand auch Flachgräber zwischen den Grabhügeln, was entgegen der üblichen Meinung keine Seltenheit ist, jedoch muss man sicher stellen, dass diese nicht bloß vollkommen erodierte Grabhügel sind.[40] Der Braunerdeboden im Sulm- und Saggautal ist nicht besonders ertragreich und bietet damit nur die Grundlage extensiven Ackerbaus, doch findet sich am Nordhang des Burgstallkogels ein Eisenerzvorkommen, was eine Gemeinsamkeit mit den bisher besprochenen Höhensiedlungen mit Grabhügeln darstellt. Allerdings finden sich hier keine Hinweise auf einen urgeschichtlichen Abbau des Eisenerzes[41]. Das Drautal, einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen, verengt sich zwischen dem Poßruck und Bachern-Gebirge schluchtartig und bildet so einen möglichen Verkehrsweg für urgeschichtlichen Warentausch. Die Saggau mündet unterhalb des Burgstallkogels in die Sulm.[42] Die Nähe der Prunkgräber zu der Höhensiedlung auf dem Burgstallkogel lässt gerne die Vermutung aufkommen, dass es sich hierbei um einen sogenannten „Fürstensitz“ handelt, jedoch gibt es keine Hinweise auf herrschaftliches Leben auf dem Berg, obwohl dieser dicht besiedelt war.[43]

Es lässt sich also feststellen, dass die Behauptung Prunkgräber befänden sich immer in der Nähe zu befestigten Siedlungen durchaus begründet ist, jedoch sind viele bisher unerforscht und daher nicht sicher als „Fürstensitz“ zu benennen. Was auffällig ist, ist die sehr häufig anzutreffende Nähe zu Flussläufen und dem reichen Eisenvorkommen. Auch wenn urgeschichtlicher Abbau des Metalls noch nicht nachgewiesen ist. Kleinklein stellt mit seiner Seperatnekropole für Prunkgräber eine Eigenheit im Osthallstattgebiet dar, da sonst die prunkvollen Bestattungen im „normalen“ Grabhügelfeld integriert wurden und nicht isoliert waren, in Slowenien sogar in dieselben Grabhügel mit einfachen Gräbern integriert wurden. Eine besondere Lage solcher Tumuli innerhalb einer solchen Nekropole ist bisweilen ebenfalls nicht nachweisbar.

Der Westhallstattkreis

Der Westhallstattkreis umfasst ebenfalls mehrere Regionen. Er erstreckt sich von Nordwürttemberg, dem Hagenauer Wald, dem Mittelrheingebiet und Saarpfalz bis Burgund und dem Schweizer Mittelland.[44] Wie oben schon erwähnt, beginnt die Errichtung von Prunkgräbern hier zu dem Zeitpunkt, wenn man südöstlich der Alpen wieder Brandbestattung in Flachgräbern durchführt. Der Begriff des Prunkgrabs des Westhallstattkreises ist häufig durch die Beigabe von importierten oder imitierten Bronzegeschirr aus den mediterranen Hochkulturen, Pferdegeschirr, einem Wagen, Waffen, wenn auch nicht so ausgeprägt wie im Osthallstattkreis und kostbarem Schmuck aus Gold, Bernstein oder Koralle definiert. Auch hier kann man unter reicheren, oftmals als „herrschaftlich“ bezeichneten Bestattungen und solchen, die tatsächlich durch ihren enormen Beigabenreichtum auffallen, unterscheiden. In vielen Fällen befinden sich diese „herrschaftlichen“ Bestattungen in der Nähe von Prunkgräbern. In dieser Zeit und in diesen Regionen herrschte, nach heutigem Wissenstand, vornehmlich die Körperbestattung unter Grabhügeln. Sippengräber wie im Osthallstattkreis treten hier nicht auf, ebenso sind Mehrfachbestattungen im Westen sehr selten.[45] Jedoch zeigen sich bei der topographischen Lage sehr viele Ähnlichkeiten. So kann man bei vielen die Nähe zu befestigten Höhensiedlungen erkennen. Allerdings gibt es auch Beispiele bei denen dies nicht zutrifft. Eine regelrechte Diskrepanz ist vor allem am Schwarzwaldrand zu erkennen. Hier gibt es ausschließlich Grabfunde, während weiter östlich fast nur Siedlungsfunde gemacht werden. Dies könnte dadurch erklärt werden, dass bei den Siedlungen bessere Bodenbedingungen für den Ackerbau vorhanden sind und man diese Bauern vornehmlich in nicht überlieferten Flachgräbern beisetzt. Während in den Gebieten mit schlechteren Böden und mehr Grabfunden vor allem Eisen- und Salzvorkommen beobachtet werden. Dies führt zu der Annahme, dass sich hier die „Elite“ durch Handel mit den kostbaren Rohstoffen Reichtum erworben hat und daher unter markanten Grabhügeln bestattet werden konnte.[46] Die Nähe zu Flussläufen ist auch hier augenscheinlich. Man kann Prunkgräber ebenfalls häufig auf Erhöhungen ausmachen, von denen man einen weiten Blick ins Landesinnere erhält.

Ein Beispiel für eine solche Lage ist der Grabhügel auf dem Magdalenenberg bei Villingen. Der Magdalenenberg befindet sich auf der Höhe des Warenbergs südlich von Villingen, besitzt also einen repräsentativen Platz mit Blick auf den Dreifaltigkeitsberg mit seinen mächtigen Wallanlagen. Von der Kuppe des einzigen Tumulus hat man einen weiten Blick ins Land. Im Westen befinden sich die dunklen Hänge des Schwarzwaldes, während man im Süden an klaren Tagen bis zu den Alpengipfeln sehen kann. Im Osten befindet sich fruchtbares Altsiedelland. Die Zentralkammer des Grabhügels wurde aus Holz gefertigt und sechs Meter tief in die Erde gebracht. Anschließend mit einem gewaltigen Steinhügel ummantelt[47], was vor allem im Osthallstattkreis vollzogen wurde. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die 127 Nachbestattungen, die in dem Hügel gefunden worden sind.[48] In Grab 93 ist ein Mann mit einem heranwachsenden Kind bestattet, weshalb man von einer eventuellen Totenfolge sprechen kann.[49] Auch finden sich im Grabhügel noch einige Brandbestattungen und drei birituelle Bestattungen. Dieser Grabhügel stellt somit eine Besonderheit für den Westhallstattkreis dar. Er wird in das späte 7., frühe 6. Jh. v. Chr. datiert.[50] Etwa vier Kilometer entfernt liegt der Kapf, auf dem eine hallstattzeitliche Siedlung entdeckt wurde. Die Funde umfassen viel Keramik, eine Eisenfibel mit Bronze-Fußknopf, wovon eine auch im Grab gefunden worden ist.[51] Also ist ein Bezug zu dieser Siedlung wahrscheinlich. Dennoch gibt W. Reinhard zu bedenken, dass sich das Fundgut vom Kapf in keinem Verhältnis zu dem in dem Grab auf dem Magdalenenberg befände.[52] Aufgrund der geringen Mächtigkeit der Siedlungsschicht auf dem Kapf ist eine kurze Besiedlungsdauer von nur etwa 50 Jahren anzunehmen. Jedoch stimmt diese Zeit mit der Belegung des Grabhügels auf dem Magdalenenberg überein.[53]

Dass Prunkgräber im Westhallstattkreis vollkommen isoliert stehen, ist jedoch selten. Hier gibt es zwar in den meisten Fällen eine räumliche Trennung der prunkvollen Bestattungen mit den ärmlicheren Grabhügeln, doch treten sie meist im Verbund mit ein oder zwei weiteren Hügeln in Erscheinung. S. Kurz weist jedoch darauf hin, dass eine isolierte Lage der Prunkgräber durch später errichtete Grabhügel verschleiert werden könnte.[54] Dies ist durchaus möglich, da eine präzise Datierung nur in den seltensten Fällen möglich ist. Das „Bürgle“ bei March-Buchheim liegt in einem Grabhügelfeld mit vier weiteren heute noch sichtbaren Grabhügeln.[55] Eine Vergesellschaftung von einer Prunkbestattung mit weiteren Grabhügeln ist ebenfalls bei dem Prunkgrab „Kleinaspergle“ zu beobachten. Dieser Grabhügel befindet sich südlich des Hohenaspergs mit seiner befestigten Höhensiedlung (Abb. 6). Ganz in der Nähe davon wurde ein zweiter, jedoch inzwischen vollkommen verschleifter Grabhügel entdeckt. Da dieser leider beraubt vorgefunden wurde, lassen sich keine Angaben mehr machen, ob sich darunter auch ein Prunkgrab befunden hat. Nur einen Kilometer westlich des Kleinaspergle (Abb. 7) fand man zwei weitere Grabhügel auf demselben Höhenzug, die jedoch ebenfalls stark verschleift sind.[56] Das Prunkgrab „Grafenbühl“, das sich in der Mitte eines Höhenzuges, der sich 1,5 km nach Osten von der Südostecke des Hohenasperg (Abb. 8) erstreckt, befindet, ist durch landwirtschaftliches Arbeiten stark gestört worden. Es konnten noch 33 Nebenbestattungen festgestellt werden, doch war die ursprüngliche Anzahl wohl bedeutend höher. Das Zentralgrab ist ebenfalls beraubt, doch glaubt H. Zürn, dass sich darin wahrscheinlich eines der bedeutendsten Prunkgräber des Westhallstattkreises befände.[57] Der Hohenasperg ist 356 m hoch und besitzt ein dreieckiges Gipfelplateau, das in etwa sechs Hektar groß ist. Bisher gibt es keinerlei Ergebnisse über die Siedlungsstruktur, doch ist gesichert, dass das Plateau bebaut war. Die topographische Situation (Abb. 9) entspricht zwar weitgehend anderen späthallstattzeitlichen Fürstensitzen, doch sind bislang nur wenige urgeschichtliche Lesefunde bekannt.[58]

Dass sich Prunkgräber auch in der Nähe von Flachlandsiedlungen befinden können, zeigt das Beispiel des Prunkgrabes von Eberdingen-Hochdorf. Beim Museumsbau für diese sehr reiche Prunkbestattung fand man eine großflächige Siedlung der späten Hallstatt-, frühen Latènezeit. Sie befindet sich an einem leicht nach Süden abfallenden Hang zwischen dem abseits gelegenen Prunkgrab und dem Grabhügelfeld mit mindestens 24 Grabhügeln. Die Siedlungsstrukturen zeigen rechtwinklige, zueinander angelegte Wohnbauten. Einzelne Hofstellen wurden wohl mit Zäunen eingefasst. Wegen dieser Besonderheiten in der Anlage der Häuser und den sechs attisch-rotfigurigen Scherben, die man gefunden hat, spricht man häufig vom „Landsitz des Fürsten“, der auf dem nahegelegenen Hohenasperg residiert haben soll.[59] Jedoch wurde oben schon erwähnt, dass auf dem Hohenasperg bislang keine außergewöhnlichen Funde gemacht worden sind, die diese These unterstützen. Des Weiteren ist die Entfernung des Prunkgrabes von Eberdingen-Hochdorf mit zehn Kilometern sehr groß, von daher ist ein sicherer Bezug zu dieser Siedlung nicht belegbar.

[...]


[1] Prunkgrab steht hier als ein Synonym des sonst geläufigen Begriffs des Fürstengrabes. Er meint lediglich die Unterscheidung von ärmeren Bestattungen zur selben Zeit durch die Menge an Beigaben, die oft herausragende Qualität der gefundenen Stücke und der Mehraufwand einer solchen Bestattung. Die Unterschiede der verschiedenen Kultur- und Zeitstufen werden gesondert behandelt.

[2] Egg, Fürstengräber, 41.

[3] ebd. 41.

[4] ebd. 43.

[5] Egg, Strettweg, 246.

[6] Ders. Fürstengräber, 43.

[7] Parzinger, Chronologie, 8f.

[8] Egg, Kröllkogel, 27.

[9] Parzinger, Chronologie, 49.

[10] Gabor, Hügelgräber, 102.

[11] ebd. 102.

[12] ebd. 104.

[13] Šimek, Fürstengräber, 123.

[14] ebd. 123.

[15] Šimek, Fürstengräber, 144.

[16] ebd. 147.

[17] ebd. 125.

[18] Vinski-Gasparini, Martijanec, 58.

[19] Šimek, Fürstengräber, 133f.

[20] ebd. 134f.

[21] Šimek, Fürstengräber, 136.

[22] ebd. 137.

[23] Parzinger, Chronologie, 7.

[24] ebd. 7.

[25] ebd. 8.

[26] Egg, Fürstengräber, 41.

[27] Knez, Novo Mesto, 103.

[28] ebd. 109.

[29] Knez, Novo Mesto, 109.

[30] Tecco Hvala, Magdalenska gora, 177.

[31] ebd. 178.

[32] ebd.178.

[33] ebd.178.

[34] Tecco Hvala, Magdalenska gora 124.

[35] ebd. 142.

[36] Egg, Kröllkogel, 23.

[37] ebd. 24.

[38] ebd. 25.

[39] ebd. 25.

[40] Burmeister, Geschlecht, 29.

[41] Egg, Kröllkogel, 26.

[42] ebd. 27.

[43] ebd. 27.

[44] Parzinger, Chronologie, 53.

[45] Bräuning, Frauengräber, 139.

[46] Behnke, Bestattungssitten, 16.

[47] Spindler, Magdalenenberg, 41-44.

[48] Burmeister, Geschlecht, 20.

[49] Spindler, Magdalenenberg, 49.

[50] Spindler, Magdalenenberg, 35.

[51] ebd. 38.

[52] Reinhard, Studien, 105.

[53] Spindler, Magdalenenberg, 38.

[54] Kurz, Bestattungsbrauch, 38.

[55] Pare, „Bürgle“, 503.

[56] Zürn, Hallstattforschungen, 118.

[57] Zürn, Hallstattforschungen, 119.

[58] Rademacher, Hohenasperg, 24.

[59] Biel, Siedlung, 30f.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Die topographische Lage der Prunkgräber in der Hallstatt- und Frühlatènezeit
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Ur- und Frühgeschichte)
Veranstaltung
Die Hallstattkultur
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
44
Katalognummer
V347043
ISBN (eBook)
9783668363991
ISBN (Buch)
9783668364004
Dateigröße
17874 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lage, prunkgräber, hallstatt-, frühlatènezeit
Arbeit zitieren
Isabel Thomas (Autor), 2010, Die topographische Lage der Prunkgräber in der Hallstatt- und Frühlatènezeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347043

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die topographische Lage der Prunkgräber in der Hallstatt- und Frühlatènezeit


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden