Exemplarisch wird diese Arbeit zwei Bilder (Reihen) Correggios behandeln und diese sowohl in seine Werkgeschichte als auch in den Vergleich mit anderen Künstlern dieser Zeit ein beziehen, mit dem Ziel heraus zu finden in wie weit er sich von den traditionellen Werken seiner Generation unterschied.
Im 13. Jahrhundert als Bildtypus aufgekommen, erlebte das Andachtsbild im 14./15. Jahrhundert seine erste Blütezeit und fand durch die Erfindung des Buchdrucks weite Verbreitung. Es diente überwiegend der privaten Andacht und der Volksfrömmigkeit, wobei das Gemüt des Betrachters angesprochen wurde, um der persönlichen Erbauung und der Gebetsanregung zu dienen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Andachtsbild
2.1 Die Andacht
2.2 Das Andachtsbild
2.3 Einordnung in den kunstwissenschaftlichen Diskurs
3. Die heilige Katharina
3.1 Legende
3.2 Bedeutung für die christliche Kirche
3.3 Die mystische Vermählung der hl. Katharina (Öl auf Holz. 28 x 21,5 cm. Washington, National Gallery of Art. Samuel H. Kress Cellection. 1510/15)
3.4 Die mystische Vermählung der hl. Katharina (Öl auf Holz. 135 x 123 cm. Detroit, Institute of Arts)
3.5. Die mystische Vermählung der heiligen Katharina (Öl auf Holz. 28,5x24 cm. Neapel, Museo di Capodimonte)
3.6 Die mystische Vermählung der heiligen Katharina (Öl auf Holz. 105X102 cm. Paris, Musée du Louvre. Um 1525)
3.6.1. Der heilige Sebastian
3.6.2. Das Werk
4. Madonna mit dem Korb
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung privater Andachtsbilder im Werk des italienischen Malers Correggio (Antonio Allegri). Im Zentrum steht dabei die Analyse der künstlerischen Transformation vom traditionellen, rein repräsentativen Kultbild hin zu einer narrativen, psychologisch fundierten Darstellung, die den Betrachter aktiv in das Bildgeschehen einbindet.
- Wandlung des Andachtsbildes vom 16. Jahrhundert an.
- Ikonographische Analyse der Darstellungen der „Mystischen Vermählung der heiligen Katharina“.
- Die menschliche Darstellung des Jesuskindes als Innovation Correggios.
- Einfluss von Landschaftsdarstellungen auf die Intimität der Andachtsszene.
- Vergleich der Darstellung der heiligen Familie mit zeitgenössischen Vorbildern.
Auszug aus dem Buch
3.5. Die mystische Vermählung der heiligen Katharina (Öl auf Holz. 28,5x24 cm. Neapel, Museo di Capodimonte)
In dieser Ausführung der mystischen Vermählung sind die Hauptfiguren allein unter sich. Sie befinden sich nicht mehr im Kreise von Zeugen oder Verwandten, sondern sie zelebrieren die Zeremonie unter sich. In diesen intimen Moment scheint der Betrachter hinein zu platzen, keine Figur agiert als Vermittler zwischen Bild und Außenstehendem. Im Gegenteil die Gruppe wirkt vollkommen in sich versunken und der Betrachter fühlt sich sogar ein wenig als Voyeur.
Zu dieser Intimität trägt auch der Ort des Geschehens bei: Die beiden Frauen befinden sich alleine mit dem Kleinkind in offener Natur. Zwar erinnert der Aufbau des Hintergrundes an die mystische Vermählung der hl. Katharina in Detroit (die linke, obere Bildecke wird von dunklen Bäumen bedeckt und zur Rechten, hinter den Personen tut sich, eine durch Verblauung in die Ferne gezogene Berglandschaft auf), doch wirkt das Setting hier stimmiger. Die drei Personen fügen sich, scheinbar mühelos in die unberührte Landschaft ein. Und die Farben ihrer Kleider heben sich gerade so strahlend vom sich verdunkelnden Himmel ab, um das wirkliche Geschehen nicht zu stören.
Christus, welcher sich zwischen den beiden Frauen, auf dem Knie seiner Mutter sitzend befindet, wird nicht mehr als typisches Baby der Renaissance dargestellt. Seine traditionell Nacktheit wird durch ein Hemdchen verdeckt und er ist bereits alt genug um die Handlung bewusst durch zuführen. Dadurch, dass Correggio Jesus als aktiv handelnde Figur einbringt, ist Maria nicht mehr nur die abwesende Gottheit, welche als Mittlerin zwischen Himmel und Erde agiert, sondern sie wird einzig und allein in ihrer Rolle als Mutter dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, ob ein Andachtsbild wie das von Correggio primär der kontemplativen Versenkung dient oder ob es sich zu einem Prestigeobjekt gewandelt hat.
2. Das Andachtsbild: Das Kapitel definiert den Begriff der Andacht im Mittelalter und beleuchtet die kunstwissenschaftliche Einordnung des Andachtsbildes sowie dessen Funktion als Vermittler zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten.
3. Die heilige Katharina: Dieses umfangreiche Kapitel analysiert anhand von vier spezifischen Werken Correggios die künstlerische Entwicklung der „Mystischen Vermählung“ sowie die Legende der Heiligen.
4. Madonna mit dem Korb: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse dieses spezifischen Gemäldes und diskutiert die lebensnahe Darstellung der heiligen Familie in einem Alltagskontext.
5. Zusammenfassung: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung gebündelt und Correggio als Künstler gewürdigt, der das Andachtsbild durch seine erzählerische und menschliche Darstellung innovierte.
Schlüsselwörter
Correggio, Andachtsbild, Mystische Vermählung, Heilige Katharina, Renaissance, Ikonographie, Betrachterrolle, Jesuskind, Kunstgeschichte, Sakre Konversatione, Andacht, Marienbild, Narrative Kunst, Italienische Malerei, Kultbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden kunstgeschichtlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Veränderung des privaten Andachtsbildes im 16. Jahrhundert am Beispiel der Werke von Antonio Allegri, genannt Correggio.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Thematisiert werden die Ikonographie der heiligen Katharina, die veränderte Rolle des Betrachters in der Andacht und die menschliche Darstellung von Muttergottes und Jesuskind.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit sich Correggio durch eine erzählerische und psychologisch fundierte Bildsprache von den traditionellen, rein repräsentativen Werken seiner Zeitgenossen unterschied.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine vergleichende kunsthistorische Analyse, bei der ausgewählte Bildreihen des Künstlers in ihre Werkgeschichte eingeordnet und im Kontext zeitgenössischer Kunsttheorien betrachtet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Begriffs „Andachtsbild“ und die detaillierte Analyse verschiedener Ausführungen der „Mystischen Vermählung der heiligen Katharina“ sowie der „Madonna mit dem Korb“.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Andachtsbild, Correggio, Ikonographie, menschliche Darstellung des Heiligen, Kontemplation und die Entwicklung von der Repräsentation hin zur Erzählung.
Warum spielt die Darstellung des Jesuskindes für Correggio eine so große Rolle?
Die Darstellung des Kindes als handelndes, bewusst agierendes Individuum dient laut der Arbeit dazu, das Bild für den Betrachter menschlich nahbarer zu machen und die Menschwerdung Gottes anschaulicher zu gestalten.
Welche Bedeutung hat das Stillleben in der „Madonna mit dem Korb“?
Der Korb dient als visueller Ruhepunkt und interessanter Einstieg in das Bildgefüge, da er die häusliche Szene der heiligen Familie unterstreicht und das Bild lebendig wirken lässt.
- Citation du texte
- Annalena Schäfer (Auteur), 2011, Entwicklung privater Andachtsbilder bei Correggio. Die mystische Vermählung der Hl. Katharina und die Madonna mit Korb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347056