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Die sozialwissenschaftliche Relevanz der Wittgensteinschen Sprachphilosophie bei Jürgen Habermas

Título: Die sozialwissenschaftliche Relevanz der Wittgensteinschen Sprachphilosophie bei Jürgen Habermas

Tesis de Maestría , 2014 , 110 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Tony Siegel (Autor)

Sociología - General y Teorías
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In der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, zu zeigen, inwiefern die Sprachphilosophie Wittgensteins einen prägenden Einfluss auf Habermas‘ Entwicklung eines kategorialen Rahmens für seine Kommunikationstheorie der Gesellschaft hat. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, soll zunächst die Entstehungsgeschichte zu Habermas‘ kritischer Gesellschaftstheorie durchleuchtet werden, die in seiner Auseinandersetzung mit den frühen Ansätzen der Frankfurter Schule, Weber und Marx und ihrer Kritik zur instrumentellen Vernunft bzw. Zweckrationalität ihren Ursprung hat.

Die Überwindung der Bewusstseinsproblematik hat zur Folge, dass die Intersubjektivität eine Vorrangstellung vor der Subjektivität einnimmt. Dieser Aspekt ist für die theoretische Grundlage von Habermas‘ Gesellschaftskritik von zentraler Bedeutung.

Damit dies überhaupt vonstattengehen kann, ist ein Paradigmenwechsel erforderlich, wofür die Sprachphilosophie Wittgensteins eine Schlüsselrolle spielt. Ausgehend von diesen Gedanken ist Habermas nun in der Lage, das sprachtheoretische Fundament seiner Gesellschaftstheorie zu legen. Er bemängelt Wittgensteins Theorieverzicht zugunsten eines therapeutischen Umgangs philosophischer Probleme und betrachtet daher sein universalpragmatisches Programm als Weiterentwicklung der Wittgensteinschen Sprachspielanalyse.

Den Überlegungen zur Universalpragmatik folgend, ist die sprachliche Kommunikation für die Konstitution der Lebenswelt und die Begründung der Diskursethik verantwortlich. Nach einer Zwischenbetrachtung sollen die Elemente in Wittgensteins Spätphilosophie kurz skizziert werden, die den sozialwissenschaftlichen Charakter seiner Sprachanalyse auszeichnen. Der englische Philosoph Peter Winch gilt als einer der ersten, die versucht haben, die Sprachphilosophie Wittgensteins für die Sozialwissenschaften fruchtbar zu machen, insbesondere für die Grundlegung einer verstehenden Soziologie. Obwohl Winch in vielen Hinsichten Zustimmung bei Habermas findet, ergeben sich in Winchs Wittgenstein-Interpretationen Schwierigkeiten, die einer Weiterentwicklung bedürfen. Zur Lösung dieser Problematik soll die philosophische Hermeneutik Gadamers Habermas als Leitfaden dienen. Im abschließenden Kapitel werden die aufgeführten Argumente der vorliegenden Arbeit zusammengefasst und einen Ausblick über Themenvorschläge für eine mögliche Weiterforschung gehalten.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Jürgen Habermas: Die Genese einer Kritischen Gesellschaftstheorie

2.1 Zur Kritik der instrumentellen Vernunft: Eine Gefährdung der Moderne

2.2 Die Abkehr vom bewusstseinsphilosophischen Paradigma als Ausweg aus den Aporien der Moderne

2.3 Der Übergang von der Subjektivität zur Intersubjektivität

2.4 Der Paradigmenwechsel: Eine neue philosophische und soziologische Betrachtung

3 Die sprachtheoretische Grundlegung von Habermas‘ Soziologie

3.1 Was heißt Universalpragmatik? Das sprachtheoretische Fundament der Habermaschen Gesellschaftstheorie

3.2 Der sprachpragmatische Zugang zur Lebenswelt

3.3 Die Begründung der Diskursethik

Zwischenbetrachtung

4 Zum sozialen Aspekt in Wittgensteins Sprachphilosophie: Wittgensteins Denkweg

4.1 Die Sprachspiele

4.2 Regelbefolgung und Gepflogenheiten

4.3 Wittgensteins Privatsprachenargument: Die Unmöglichkeit einer privaten Sprache

5 Die Grundzüge einer verstehenden Soziologie: Habermas‘ direkte Auseinandersetzung mit Wittgenstein und Winch

6 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den prägenden Einfluss der Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins auf die Entwicklung von Jürgen Habermas' kategorialem Rahmen für eine kommunikationstheoretisch fundierte Gesellschaftstheorie, mit dem Ziel, die normativen Grundlagen kritischer Gesellschaftskritik neu zu begründen.

  • Kritik der instrumentellen Vernunft und Suche nach Auswegen aus den Aporien der Moderne
  • Paradigmenwechsel von der Subjekt- zur Intersubjektivität durch die Sprachphilosophie
  • Grundlegung der Universalpragmatik und Diskursethik bei Habermas
  • Soziale Aspekte in Wittgensteins Spätphilosophie (Sprachspiele, Regelbefolgung)
  • Auseinandersetzung mit der verstehenden Soziologie (u.a. Peter Winch, Hans-Georg Gadamer)

Auszug aus dem Buch

4.1 Die Sprachspiele

Die Frühphilosophie Wittgensteins nimmt an, die Beschreibung von Tatsachen oder Gegenständen sei die einzige Form sinnvoller Sätze. In der Spätphilosophie hingegen betont er nachdrücklich, dass es neben dem Beschreiben zahlreiche andere Möglichkeiten gibt, sprachliche Zeichen so zu verwenden, dass sie sinnvolle Sätze bilden. Hierfür entwickelt er den Begriff des Sprachspiels. Sein zentraler Gedanke dabei ist den Gebrauchsaspekt von Sprache näher zu untersuchen. Bei Wittgensteins Sprachspielbegriff handelt es sich um den Bezug auf den Kontext des Gesagten und die Tätigkeiten, die mit dem Gesagten verbunden werden.

So wäre der Ausruf „Skalpell“ eines Chirurgen anlässlich einer Operation ein Beispiel für ein Sprachspiel. Indem der Chirurg ein medizinisches Instrument benennt, signalisiert er, dass ihm die Krankenschwester dieses reichen soll. Das Sprachspiel kann sich auf das ganze Sprachsystem beziehen oder auch als Teilsystem menschlicher Sprache verstanden werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Fragmente einer vollständigen Sprache, sondern um eine vollständige primitive Sprache, die dem weiteren Verlauf einer beabsichtigten Handlung vollkommen genügt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung verortet Habermas in der Tradition der Frankfurter Schule und begründet das wissenschaftliche Interesse an der Verknüpfung von Sprache und Gesellschaft.

2 Jürgen Habermas: Die Genese einer Kritischen Gesellschaftstheorie: Das Kapitel analysiert die Problemlage der frühen Kritischen Theorie und die Notwendigkeit, durch eine Abkehr von der Bewusstseinsphilosophie eine neue Gesellschaftstheorie zu entwickeln.

3 Die sprachtheoretische Grundlegung von Habermas‘ Soziologie: Hier wird der theoretische Übergang zur Universalpragmatik, zur Lebenswelt und zur Diskursethik als Antwort auf die erkenntnistheoretischen Defizite dargestellt.

Zwischenbetrachtung: Dieses Kapitel resümiert den Paradigmenwechsel und bereitet den Übergang zur detaillierten Analyse von Wittgensteins Sprachphilosophie vor.

4 Zum sozialen Aspekt in Wittgensteins Sprachphilosophie: Wittgensteins Denkweg: Dieser Abschnitt expliziert Wittgensteins Entwicklung von der Abbildtheorie des Tractatus zur Gebrauchstheorie der Sprache in den Philosophischen Untersuchungen.

5 Die Grundzüge einer verstehenden Soziologie: Habermas‘ direkte Auseinandersetzung mit Wittgenstein und Winch: Dieses Kapitel diskutiert die Rezeption von Wittgenstein und Winch durch Habermas sowie die ergänzende Einbeziehung von Gadamers Hermeneutik.

6 Schlussbetrachtung: Das Abschlusskapitel zieht ein Fazit über den Zusammenhang zwischen der Sprachphilosophie Wittgensteins und Habermas‘ Gesellschaftstheorie.

Schlüsselwörter

Jürgen Habermas, Ludwig Wittgenstein, Kritische Theorie, Sprachphilosophie, Universalpragmatik, Intersubjektivität, Lebenswelt, Diskursethik, Sprachspiele, Regelbefolgung, Privatsprachenargument, Kommunikation, verstehende Soziologie, Peter Winch, Hans-Georg Gadamer

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Jürgen Habermas die Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins nutzt, um das Fundament seiner eigenen kritischen Gesellschaftstheorie theoretisch neu zu begründen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Kritische Theorie, die Sprachphilosophie (insbesondere die Wende vom Subjekt zur Intersubjektivität) sowie Ansätze einer verstehenden Soziologie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Habermas durch einen Paradigmenwechsel in der Philosophiegeschichte das "erschöpfte" bewusstseinsphilosophische Denken ablöst, um gesellschaftliche Pathologien normativ kritisierbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Habermas nutzt einen rekonstruktionistischen Ansatz, bei dem er vorhandene Theorien analysiert, um die für seine Kommunikationstheorie nützlichen Elemente zu extrahieren und Schwachstellen für eine Weiterentwicklung zu identifizieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Genese der Habermaschen Gesellschaftstheorie, die sprachtheoretische Grundlegung (Universalpragmatik/Diskursethik), die Analyse von Wittgensteins Sprachphilosophie und die kritische Auseinandersetzung mit Winch und Gadamer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Intersubjektivität, Sprachspiele, Universalpragmatik, Lebenswelt und Habermas' Auseinandersetzung mit dem linguistic turn.

Welche Rolle spielt das "Privatsprachenargument" in der Arbeit?

Es dient dazu, die Unmöglichkeit einer privaten Sprache aufzuzeigen und damit die soziale, regelgebundene Natur menschlicher Kommunikation als Basis für Habermas' Soziologie zu festigen.

Warum bezieht sich Habermas auf Peter Winch?

Habermas setzt sich mit Winch auseinander, weil dieser zu den ersten gehörte, die Wittgensteins Philosophie für die Sozialwissenschaften fruchtbar machen wollten, wobei Habermas hierbei auch methodologische Grenzen aufzeigt.

Was kritisiert Habermas an der frühen Frankfurter Schule?

Er kritisiert deren Verhaftetsein in einem bewusstseinsphilosophischen Paradigma, das zwangsläufig zu aporetischen Prognosen (dem Umschlag in instrumentelle Vernunft) führt.

Final del extracto de 110 páginas  - subir

Detalles

Título
Die sozialwissenschaftliche Relevanz der Wittgensteinschen Sprachphilosophie bei Jürgen Habermas
Universidad
University of Heidelberg  (Max-Weber-Institut für Soziologie)
Calificación
1,0
Autor
Tony Siegel (Autor)
Año de publicación
2014
Páginas
110
No. de catálogo
V347111
ISBN (Ebook)
9783668365605
ISBN (Libro)
9783668365612
Idioma
Alemán
Etiqueta
relevanz wittgensteinschen sprachphilosophie jürgen habermas
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Tony Siegel (Autor), 2014, Die sozialwissenschaftliche Relevanz der Wittgensteinschen Sprachphilosophie bei Jürgen Habermas, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347111
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