Die Risiken der Datenüberflutung für Gesellschaft und Wirtschaft


Bachelorarbeit, 2014
44 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Motivation

2 Abgrenzung der Forschungsarbeit
2.1 Definition Information Overload
2.2 Unterschied Informationen/Daten
2.3 Definition Risiko

3 Methodische Vorgehensweise

4 Auswertung der Literatur
4.1 Ursachen des Information Overloads

5 Risiken der Datenüberflutung
5.1 Risiken der Datenüberflutung für die Gesellschaft
5.2 Risiken der Datenüberflutung für Wirtschaft

6 Schlussfolgerungen

Literatur

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassung

Mit dem Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft, ausgelöst durch die Verbreitung neuer Informations- und Kommunikationsmedien (E-Mail, Inter- net und soziale Netzwerke, etc.), resultierten verschiedene Herausforderungen für die Gesellschaft und die Unternehmen (Preising 2004, S.1). Das rasante Wachstum der digitalen Datenmenge hat zu negativen Auswirkungen im individuellen (Ge- sellschaft) sowie im organisationalen (Wirtschaft) Kontext geführt. Die Literatur- analyse wird in Auslöser und Auswirkungen unterteilt, dabei wurden insgesamt 17 Ursachen und 21 Auswirkungen identifiziert. Hauptfokus der Arbeit liegt auf den Auswirkungen in Bezug auf Datenüberflutung. Ein Kernergebnis dieser Arbeit ist das dysfunktionale Verhalten, welches seinen Ursprung in der limitierten kogniti- ven Informationsverarbeitung hat. Ein weiteres Resultat ist, dass die Auswirkun- gen von Datenüberflutung sich gegenseitig negativ beeinflussen, sich auf diese Weise zusätzlich verstärken, und letztlich in einen „Teufelskreis“ münden (Janssen und de Poot 2006, S.400).

1 Motivation

„We are living in an age of information explosion on the one hand and information dearth on the other” (De Sola Pool et al. 1984, S.11)

Information Overload wirkt sich negativ auf die psychische und physische Gesund- heit der Entscheidungsträger aus (Volnhals und Hirsch 2008, S.54). Eine direkte Konsequenz des Information Overloads ist ein erhöhter Stressfaktor, welcher un- ter 42 % der Manager zu verschiedenen Krankheitsbildern führt (Lewis 1996, S. 8). Diese Untersuchung wurde bei 1313 Junior, Middle und Senior Managern in den USA, Australien, Hongkong, Singapur und UK erhoben und spiegelt ein kulturübergreifendes Bild wider (Volnhals und Hirsch 2008, S.54).

Information Overload wirkt sich nicht nur auf die psychische und physische Ge- sundheit aus, sondern zeigt auch negative Auswirkungen auf das Verhalten der Manager. Nach Lewis empfanden 43 % der von ihnen befragten Manager ihre Ent- scheidungsfähigkeit durch ein Überangebot von Informationen beeinträchtigt (Lewis 1996, S. 8). Zu viele Informationen steigern die Komplexität eines Entschei- dungsproblems. Entscheidungsrelevante Informationen aus einer Fülle an Infor- mationen zu filtern wird schwieriger. Zeitverzögerungen sind die Folge (Volnhals und Hirsch 2008, S.54). Diese Problematik wird auch in der Studie von Farhoo- mand und Drury festgestellt: 79 % der Führungskräfte sahen sich einer Flut von Informationen ausgesetzt, wovon für 53 % ein Großteil der Informationen irrele- vant sei (2002, S.128). In Unternehmen wird die Annahme vertreten, dass ein „Mehr an Informationen“ auch grundsätzlich zu besseren Entscheidungen führt. 68 % der Befragten gaben an, dass eine (ǥ) Lösung mit Zugriff auf alle Informationen dabei helfen würde, bessere Entscheidungen zu treffen (Kaiser 2007, S.1). Die obi- ge Beschreibung fußt auf der ökonomischen Standardtheorie nach der sich ein Manager rational verhält, d.h. er ist in der Lage die bestmögliche Alternative aus der Menge an Informationen auszuwählen (Volnhals und Hirsch 2008, S.50). Das Bild des homo oeconomicus beschreibt einen Menschen, der seinen Nutzen bei Stabilität seiner Präferenzen individuell maximiert. Marr und Picot stellen das Bild des homo oeconomicus wie folgt dar: „ (…) daß der Mensch, der grundsätzlich alle Handlungsalternativen kennt, gemäß seiner Nutzenfunktion bei Kaufentscheidungen mit Hilfe einer unendlichen großen Informationsverarbeitungskapazität den Mitteleinsatz rational durchkalkuliert und das Nutzenmaximum als effiziente Handlungs- alternative verwirklicht“ (Marr und Picot 1991, S. 640 und 641). Ihrer Ansicht nach ist die oberste Zielsetzung des Menschen die Maximierung des Nutzens und das auf dieses Ziel ausgerichtete rationale Handeln. Charakterisierende Elemente des ho- mo oeconomicus sind: (1) stabile und wahre Präferenzen, (2) Wissen um Reaktio- nen auf Restriktionen sowie (3) perfekte Rationalität, d.h. unbegrenzte kognitive Fähigkeiten, in Bezug auf den Entscheidungsprozess (Volnhals 2010, S.17). Diese knappe Ausführung zum Konstrukt des homo oeconomicus zeigt, dass das darauf basierende Menschenbild sich nicht mit den realen Beobachtungen menschlichen Verhaltens im betrieblichen Kontext vereinbaren lässt. Manager handeln nicht im klassischen Sinn des homo oeconomicus. Sie sind begrenzt durch ihre individuel- len Verarbeitungsprozesse und interessieren sich für ihr eigenes Wohl (Volnhals und Hirsch 2008, S.50). Fraglich ist, welche Auslöser für die Informationsüberlas- tung verantwortlich sind? In erster Linie ist hier die Entwicklung der Informati- onstechnologie ausschlaggebend. Schon seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts sprechen wir von einem Informationszeitalter. Neben Fernsehen, Computer, PC und Internet, kommen Technologien wie RFID, Ambient Intelligence, Smartphones und die immer stärkere Präsenz und auch Nutzung von Social-Media- Anwendungen wie Blogs, Foren, Facebook und Twitter hinzu. Dies führt zu einer Datenexplosion. In den Jahren von 2000 bis 2002 sind mehr Daten generiert wor- den als in den 40 000 Jahren davor. In den Jahren von 2003 bis 2005 hat sich diese Datenmenge vervierfacht. In 2012 hat sich dieses Datenvolumen im Vergleich zu 2006 verzehnfacht und wird auf 2,5 Zettabyte geschätzt. Es wird damit gerechnet, dass das weltweite digitale Datenvolumen schneller wachsen wird als die verfüg- baren Datenverarbeitungskapazitäten, welche sich seit einigen Jahrzehnten ent- sprechend dem Mooreschen Gesetz etwa alle 18 Monate verdoppeln. Geschätzt wird das weltweite digitale Datenvolumen für das Jahr 2020 auf über 100 Zettaby- te (BITKOM 2012, S.12). Neben den zahlreichen Vorteilen der Informations- und Kommunikationstechnologie, wie z.B. dem schnellen Informationsaustausch, sind die Gefahren einer Informationsüberlastung nicht zu übersehen. Der Begriff In- formationsgesellschaft ist allgegenwärtig.

Reis interpretiert den Begriff wie folgt: „Wenn von der Informationsgesellschaft gesprochen wird, so ist das falsch, denn es ist eine mit Information überschüttete Gesell- schaft. Doch die Informationsquantität bewirkt aus sich heraus noch keine qualitati- ve Verbesserung (…) (Reis 1990 In: Bork 1994, S.13). Reis weist darauf hin, dass mit der Informationsüberlastung mehrere dysfunktionale Auswirkungen verbunden sind, welche sich in einen Organisations- und Individualkontext unterscheiden las- sen. Ersteres führt das Problem an, dass 38 % der Mitarbeiter wichtige Zeit mit der Suche nach Informationen verschwenden (Lewis 1996, S.8). Durch abnehmende Mitarbeiterproduktivität und verringerter Innovationskraft kostet Information Overload die US-Wirtschaft jährlich 900 Milliarden US-Dollar (Pesch 2009). Vom Individualkontext wird gesprochen, wenn Informationsüberlastung zu psychi- schen wie auch physischen Auswirkungen führt. Laut Lewis assoziieren zwei von drei Managern Informationsüberlastung mit Spannung unter den Kollegen und dem Verlust der Arbeitszufriedenheit (Lewis 1996, S.8). Farhommand und Drury konstatieren, dass 25 % der Befragten in direkter Folge der Informationsüberflu- tung unter Krankheitssymptomen wie Kopfschmerzen und Depression leiden. Problematisch ist, dass 94 % nicht mit einer Verbesserung rechnen und 56 % da- von überzeugt sind, dass eine Verschlechterung eintreten wird (2002, S.127).

Im Folgenden gilt es die zentralen Begriffe wie Information Overload, Datenüber- flutung und Risiko zu definieren und die Begriffe Daten und Informationen vonei- nander abzugrenzen. Zur Strukturierung der Analyseergebnisse wird das Phäno- men der Informationsüberlastung prozessual betrachtet und dabei in Ursachen und Auswirkungen unterschieden. Die dysfunktionalen Auswirkungen werden dabei in eine Zwei-Ebenen-Betrachtung unterschieden: Den Individualkontext (Ge- sellschaft) und den Organisationskontext (Wirtschaft). Nur auf der Grundlage der Erkenntnis, welche Risiken der Informationsüberlastung zu erwarten sind, können stringente Lösungen gefunden werden. In dieser Forschungsarbeit werden Muster und Auffälligkeiten existierender Beiträge aufgezeigt und ausgewertet, um auf Be- reiche für weitere Forschungen hinzuweisen. Ziel ist es Widersprüche der bisheri- gen Arbeiten aufzudecken und unerforschte Lücken zu identifizieren, um entspre- chende Ableitungen für künftige Arbeiten ziehen zu können.

2 Abgrenzung der Forschungsarbeit

Im Folgenden werden die verschiedenen Definitionen von Information Overload dargelegt. Die Ergebnisse der Literaturanalyse von Eppler und Mengis (2004) zum Thema Information Overload werden entsprechend der Strukturierung nach Ursa- chen und Auswirkungen um die neuesten wissenschaftlichen Feststellungen aus dem Bereich der Organisationstheorie erweitert. Bereiche wie Psychologie, Marke- ting und Accounting werden außer Acht gelassen. Lediglich für die Definitionen werden sie berücksichtigt. Im Anschluss daran sollen die Begriffe Informationen und Daten eine klare Trennung durch die Lehre der Semiotik erhalten.

2.1 Definition Information Overload

Information Overload (synonym: Informationsüberlastung, Informationsüberflu- tung) ist ein Phänomen, welches seinen Ursprung in der Medienbranche und Wer- bung hat, jedoch längst übergreifend auf andere Bereiche wirkt. Das Problem des Information Overloads ist heute in vielen Lebensbereichen/-situationen des Men- schen wieder zu finden. Trotz der allgegenwärtigen Präsenz dieses Konstrukts hat sich die Wissenschaft nicht auf eine allgemein akzeptierte Definition einigen kön- nen (Volnhals und Hirsch 2008, S.51). Das Phänomen Informationsüberlastung wurde in verschiedenen Bereichen (Organisationstheorie, Marketing und Psycho- logie, etc.) intensiv erforscht (Kammerer et al. 2012, S.2). Aufgrund dieser unter- schiedlichen Forschungskreise existieren mehrere Interessensschwerpunkte hin- sichtlich des Phänomens (Bork 1994, S.57). Eppler und Mengis geben über die ver- schiedenen Interpretationen eine Übersicht:

„Within the research community this every day use of the term has lead to various constructs, synonyms and related terms as for example cognitive overload, sensory overload, communication overload, knowledge overload, or information fatigue syn- drome. These constructs have been applied to a variety of situations, ranging from auditing, strategizing, business consulting management meetings to supermarket- shopping to name but a few overload contexts” (Eppler und Mengis 2004, S.326).

Häufig wird Information Overload in Relation zu einem Überangebot an Informationen gesetzt. Dass der Mensch limitierten kognitiven Verarbeitungsprozessen un- terliegt, ist seit den 50er Jahren bewiesen (Volnhals und Hirsch 2008, S.51). Schro- der et al. verstehen unter dem Begriff Information Overload, dass individuelle Ent- scheidungen bis zu einem gewissen Punkt positiv mit der Menge der zur Verfügung stehenden Informationen korrelieren (Schroder et al. 1967. In: Kammerer 2013, S.35). Aus diesem Grund ist die Forschung auch daran interessiert, die Identifizie- rung eines Schwellenwertes für das Auftreten einer Informationsüberlastung zu erforschen. Schroder et al. entwickelten ein Modell, welches das Verhältnis zwi- schen Information Load und Entscheidungsqualität als invertierte U-Kurve be- schreibt. Mit zunehmender Informationsmenge steigt zunächst die Entscheidungs- qualität, sinkt jedoch ab einem gewissen Punkt der Information-Overload-Schwelle wieder ab (Schroder et al. 1967. In: Volnhals 2010, S.63). Es kann von einem ab- nehmenden Grenznutzen bei zusätzlicher Information gesprochen werden (Stahl 2013, S.73).

Eine weitere häufig genannte Definition des Begriffs Informationsüberlastung geht auf die Anforderungen der Informationsverarbeitung in Bezug zu den individuel- len vorherrschenden Fähigkeiten der Informationsverarbeitung ein (Tushman und Nadler 1978, S.619). Folglich tritt eine Informationsüberlastung auf, wenn die ver- fügbaren Informationen die individuelle Verarbeitungsfähigkeit der Menschen übersteigen. Dieser von Galbraith (1974) und Tushman und Nadler (1987) gepräg- te Ansatz taucht auch in vielen der ab dem Jahr 2000 publizierten Artikel auf und zeigt somit dessen Relevanz. Schick und Haka (1990) ziehen noch eine andere Komponente in Betracht: die Zeit. Nach Schick und Haka (1990) zeigt sich Informa- tionsüberlastung, wenn die zur Informationsverarbeitung individuelle erforderli- che Zeit die für die Aufgabe vorhandene Zeit überschreitet. Zudem ist die Anzahl der durchzuführenden Interaktionen relevant, da diese das Auseinanderklaffen der beiden zeitlichen Faktoren u.U. zusätzlich fördert (Schick et al. 1990, S.199 und 215). Jacoby et al. (1974) kombinieren die menschlichen Grenzen der Informati- onsverarbeitung mit dem Faktor Zeit. Sie zeigen nicht nur, dass der Mensch kogni- tiven Informationsgrenzen unterliegt, sondern auch, dass Information Overload zu dysfunktionalen Auswirkungen führen kann. Obwohl die Definitionen recht unterschiedlich sind, lassen sich bestimmte Charaktermerkmale im Begriff Informationsüberlastung erkennen. Es handelt sich um einen dysfunktionalen Zustand, in welchem sich ein System hinsichtlich seiner begrenzten Informationsverarbei- tungskapazitäten befindet. Die Gleichsetzung einer Informationsüberlastung mit der Tatsache, dass nicht alle angebotenen Informationen vom Empfänger beachtet werden, ist problematisch. Dieser Zustand ist an sich nicht dysfunktional, da es manchmal sinnvoll sein kann, irrelevante Teile des Informationsangebots zu igno- rieren. Stringenter ist es von einer Informationsüberflutung anstatt von einer In- formationsüberlastung zu reden (Bork 1994, S.58). Nach Preising kann der Begriff „Überflutung“ am Arbeitsplatz zwei Dimensionen annehmen: Zum einen kann Überflutung als Ursache angesehen werden, zum anderen als Folge bestimmter Umstände. Als Ursache wäre diese Aussage zutreffend: „aufgrund von Informati- onsüberflutung am Arbeitsplatz schaffe ich es nicht, meine eigentlichen Arbeits- aufgaben rechtzeitig zu erledigen“ (Preising 2004, S.19). Eine beispielhafte Aussa- ge als Folge wäre: „Ich fühle mich von den zahlreichen E-Mails überflutet“ (Prei- sing 2004, S.19). Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Informationsüberlastung sowohl eine subjektive als auch eine objektive Dimension hat. Wenn der Überlas- tungszustand unabhängig vom betroffenen Subjekt ist, kann von der objektiven Dimension gesprochen werden. Die subjektive Informationsüberlastung zeigt sich, wenn der durch das System subjektiv wahrgenommene Zustand mit dem Begriff Stress in Verbindung gebracht werden kann (Bork 1994, S.59).

Die identifizierten Definitionen werden nach ihrer Kernaussage gruppiert und in Tabelle 2-1 aufgeführt. Die Übersicht zeigt auf, welche Charakteristika in der jewei- ligen Definition beachtet werden. In der ersten Spalte wird jeweils eine Definition, in der zweiten Spalte die zugehörige Kernaussage, angeführt. In der dritten Spalte werden Referenzen auf Artikel, die eine vergleichbare Aussage beinhalten, aufge- zeigt. In der letzten Spalte folgen Publikationen, die Einfluss auf die Definitionen in den zuvor genannten Quellen haben. Insgesamt ist festzustellen, dass viele der heute verwendeten Definitionen auf veröffentlichten Publikationen vor dem Jahr 2000 beruhen (Kammerer 2013, S.37).

Tabelle 2-1 Definitionen zu Information Overload (in Anlehnung an Kammerer 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Unterschied Informationen/Daten

Häufig finden sich in unserem Sprachgebrauch Ausdrücke wie „anhand von be- stimmten Daten“, „auf Basis von vorliegenden Informationen“ oder „nach bestem Wissen“, welche undifferenziert verwendet und auf dessen Basis Entscheidungen getroffen werden (Bassler 2010, S.25). Die Begriffe synonym zu verwenden ist nicht adäquat, so ist zwischen Daten und Informationen zu unterscheiden. Um die Begriffe Datenüberflutung und Informationsüberflutung sinnvoll abzugrenzen, erfolgt zu diesem Zweck die Einordnung in den Bezugsrahmen der Semiotik. Diese stellt die Lehre von den Zeichensystemen, ihren Strukturen und den Beziehungen zu den dargestellten Gegenständen dar (Grob und Bensenberg 1999, S.5). Inner- halb der Semiotik werden die drei Ebenen Syntaktik, Semantik und Pragmatik un- terschieden (Gabriel und Beier 2003, S.29). Die Syntaktik, auch Syntax genannt, regelt die Beziehung zwischen den Zeichen eines Sprachsystems. Bestimmt durch die festgelegten Regeln einer Sprache lassen sich einzelne Zeichen zu Ausdrücken und Sätzen kombinieren (Krcmer 2005, S.16). Die inhaltliche Bedeutung der Be- ziehungen zwischen den sprachlichen Zeichen und dem bezeichneten realen Ob- jekt bzw. zwischen Aussagen wird von der Semantik überprüft (Gabriel und Beier 2003, S.30). Die Pragmatik beschreibt unter Zugrundelegung der Beziehung der Zeichen und seinem Verwender die Absicht, die der Sender der Information ver- folgt (Krcmer 2005, S.17). Nachdem in der Betriebswirtschaftslehre allgemein In- formation als zweckorientiertes Wissen beschrieben wird und der Zweck von In- formationen in der Vorbereitung von Handlungen und Entscheidungen liegt, wird klar, dass der Informationsbegriff einen subjektbezogenen Charakter hat und so- mit auf der pragmatischen Ebene wieder zu finden ist. Allein die potentielle Eig- nung bzw. Einsetzbarkeit der Informationen zur Unterstützung einer bestimmten Aufgabe ist ausschlaggebend. Die Zweckorientierung ist dabei personen- und si- tuationsabhängig. Demnach stellen manche Daten für den Entscheidungsträger Informationen dar, für den anderen nicht (Bork 1994, S.56). Im Bereich der Infor- matik werden Begriffe wie „Signale“, „Zeichen“, „Symbole“ und „Nachrichten“ zur Definition von Daten, verstanden. Diese werden als Abbildungen der Realität des Menschen in maschinenverarbeitbarer Form gesehen. Somit ist in der Informatik die Maschinenverarbeitbarkeit maßgebend und argumentiert in Folge dessen auf der syntaktischen Ebene. Daten sind physisch immer an ein Trägermedium gebun- den und existieren unabhängig von einem eventuellen Bedeutungsinhalt. Aus Ab- bildung 2-1 wird ersichtlich, dass auf der syntaktischen Ebene unterschiedliche Erscheinungsformen von Informationen existieren. Sofern Zeichen Informationen darstellen und in maschinenverarbeitbarer Form vorliegen, handelt es sich zu- gleich um Daten. Sind Zeichen nicht maschinenverarbeitbar, so handelt es sich zwar um Informationen, aber nicht um Daten. Ein Ergebnis der Begriffsabgrenzung ist, dass das häufig verwendetet Schlagwort der Informationsflut differenzierter betrachtet werden muss. Nach dem hier zugrunde gelegten Begriffssystems kann eher von Datenflut als von Informationsflut gesprochen werden, da den erstellten Beiträgen die Eigenschaft der Zweckorientierung zum großen Teil fehlt. Es kann daher von der Informationsarmut im Datenüberfluss gesprochen werden (Gabriel und Beier 2003, S.30, 31 und 32).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2- 1 Unterschied Information und Daten (Gabriel und Beier, 2003, S.31)

2.3 Definition Risiko

Für betriebswirtschaftliche Fragestellungen ergibt sich folgende Risikodefinition: „Ein Risiko ist eine nach Häufigkeit (Eintrittserwartung) und Auswirkung bewertete Bedrohung eines zielorientierten Systems. Das Risiko betrachtet dabei stets die negative, unerwünschte und ungeplante Abweichung von System-Zielen und deren Folge“ (Königs 2009, S.9).

3 Methodische Vorgehensweise

Ziel der im Folgenden dargestellten Ausarbeitung ist es, die in der Literatur bereits vorhandenen Erkenntnisse zum Thema Information Overload heraus zu arbeiten. Als Basis der durchgeführten Literaturanalyse dienen drei Artikel: Der von Ed- munds und Morris im Jahr 2000 veröffentlichte Artikel „The problem of informati- on overload in business organisations: A review of the literature“, der im Jahr 2004 erschienene Beitrag „The Concept of Information Overload: A Review of Literature from Organisation Science, Accounting, Marketing, MIS, and Related Disciplines“ von Eppler und Mengis, sowie der Beitrag von Sprenger et al. aus dem Jahr 2012 „Sind wir (zu) gut informiert? - Auslöser, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen von Informationsüberlastung“.

Die Strukturierung in Auslöser und Auswirkungen nach Eppler und Mengis wird beibehalten. Die drei Reviews galten als Suchhilfe für weitere Artikel. Mit Hilfe der Rückwärtssuche wurden aus den 33 relevanten Quellen 16 Beiträge ermittelt. Die anderen 17 Beiträge wurden mit Hilfe der Vorwärtssuche in Google Scholar gefun- den. Neben dem Begriff Information Overload für den englischsprachigen Raum, wurden deutschsprachige Quellen zusätzlich mit den Stichwörtern Informations- überlastung und Informationsüberflutung durchsucht. Bei der Auswahl der Such- begriffe wurde bewusst auf eine Einschränkung auf die negativen Auswirkungen von Information Overload verzichtet, um zunächst eine umfassende Einsicht in existierende Definitionen sowie mögliche Ursachen zu erhalten. Die Suchergebnis- se wurden dahingehend untersucht, inwieweit Information Overload das Kern- thema des jeweiligen Artikels ist und Aussagen in Bezug auf Definitionen, Ursa- chen und Auswirkungen abgeleitet werden. Um zu verhindern, dass durch die Suchkriterien wichtige Informationen übersehen werden, wurden nach Webster und Watson (2002) zwei Bücher ergänzt. Das von Wurman (2000) erschienene Buch „INFORMATIONANXIETY2“ wurde hinzu gezogen, da Wurman die Auswir- kung Angst und den dazugehörigen Begriff „information anxiety“ definierte und so einen wichtigen Beitrag sowohl für die Definitionen als auch für die Auswirkung erbrachte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Die Risiken der Datenüberflutung für Gesellschaft und Wirtschaft
Hochschule
Universität Augsburg  (Wirtschaftsinformatik und Management Support)
Veranstaltung
Bachelorarbeit
Note
1,7
Jahr
2014
Seiten
44
Katalognummer
V347112
ISBN (eBook)
9783668364530
ISBN (Buch)
9783668364547
Dateigröße
1606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
risiken, datenüberflutung, gesellschaft, wirtschaft
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Risiken der Datenüberflutung für Gesellschaft und Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347112

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