Ciceros philosophische Schrift »De finibus bonorum et malorum« entstand in einem relativ kurzen Zeitraum, nämlich von Mitte Mai bis Ende Juni des Jahres 45 vor unserer Zeit; im gleichen Jahr also, in dem auch die Tusculanae disputationes verfasst wurden. Das Werk fällt in eine späte schriftstellerische Phase des Autors, welche sich von vorangegangenen durch eine starke Zäsur abgrenzen lässt.
Politisch ist diese Zäsur durch den Untergang der Republik charakterisiert. Im persönlichen Bereich ist sie gekennzeichnet durch den Tod von Ciceros Tochter Tullia, die im Februar 45 starb. Nun wurde die existenzielle Bedeutung, die die Philosophie für den Römer und Staatsmann Cicero hatte, in ganzem Maße sichtbar.
Ciceros Gedanke war es, ein Gesamtwerk über die verschiedenen philosophischen Strömungen der griechischen Kultur in lateinischer Sprache zu verfassen. Den Beginn dieses Vorhabens markierten die Academica, in denen er die Lehre der Akademie Platons darlegte. Während ihn persönliche Gründe zu dieser Schrift bewegten – zur Lehre der platonischen Akademie fühlte sich Cicero nämlich am meisten hingezogen – war die Frage nach dem höchsten Gut und dem größten Übel, eine der philosophischen Grundfragen, Ausgangspunkt für seine nächste Schrift De finibus bonorum et malorum.
Inhaltsverzeichnis
1. Zum Werk
1.1. Geschichtlicher Rahmen und philosophischer Hintergrund
1.2. Formale Aspekte und Gesprächspartner
2. Inhaltsbeschreibung
2.1.Vorgeschichte
2.2. Inhalt des Abschnitts
2.3. Ausblick auf den weiteren Verlauf
3. Argumentation Ciceros
3.1. Kapitel 63 bis 66
3.2. Kapitel 67 bis 77
4. Stilistische Analyse
4.1. Allgemeine Bemerkungen
4.2. Konkrete Beispiele
5. Persönliche Einschätzung des Befunds
6. Übersetzung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Argumentationsweise und der stilistischen Rhetorik Ciceros in seiner philosophischen Schrift De finibus bonorum et malorum auseinander, wobei der Fokus auf den Kapiteln 63 bis 77 des zweiten Buches liegt. Das primäre Ziel ist es, Ciceros Versuch zu analysieren, die epikureische Lehre vom höchsten Gut (voluptas) durch den Vorwurf moralischer Inkonsistenz und politischer Untauglichkeit zu diskreditieren und die eigene peripatetisch geprägte Philosophie der Tugend (virtus) als überlegen darzustellen.
- Historischer Kontext und Entstehungsbedingungen des Werkes im Jahr 45 v. Chr.
- Detaillierte Analyse der rhetorischen Mittel und Argumentationsstrategien Ciceros gegen den epikureischen Lustbegriff.
- Gegenüberstellung der epikureischen Lebensführung mit altrömischen Tugendidealen anhand historischer Exempel.
- Untersuchung der Vereinbarkeit von Philosophie und öffentlichem Auftreten in der römischen Politik des ersten Jahrhunderts v. Chr.
Auszug aus dem Buch
2.2. Inhalt des Abschnitts
Der Paragraph 63 lässt sich in zwei Abschnitte einteilen. Der erste schließt sich an die vorangegangenen Kapitel an und nimmt Bezug auf das theoretische Bekenntnis des Torquatus im ersten Buch, Kapitel 40 bis 42. Cicero beschreibt den Gegensatz zwischen einem Menschen, der die plurimis und maximis voluptatibus erlebt, und einem, der unter cruciatibus maximis am toto corpore leidet. Cicero wiederholt, dass Torquatus daraus geschlossen hätte, der erstere sei gänzlich glücklich, während der zweite überaus unglückselig sei. Folglich sei der Schmerz das größte Übel und die Lust das höchste Gut.
Im zweiten Abschnitt werden die Kapitel 23 bis 25 des gleichen Buches in radikalisierter Form wieder aufgenommen. Cicero stellt dem Lucius Thorius Balbus drei historische Beispiele gegenüber, um auf diese Weise die Überlegenheit der virtus gegenüber der voluptas klarzumachen. Genau wie Publius Gallonius in den § 23 bis 25 wird auch L. Thorius Balbus als ein Lebemann beschrieben, der jeglicher Hinsicht ein Genießer war und sich allen Genüssen hingab, jedoch streng auf seine Gesundheit achtete. Cicero unterstreicht, dass er diesem zum einen den Marcus Regulus vorziehen würde. Er zeige, dass die Tugend per se zu erreichen sei („dicet pro me ipsa virtus“, „tum […] clamat virtus“). Danach führt Cicero Lucretia an, ehe er als drittes Exemplum den Lucius Verginius nennt. All diese Beispiele würden doch zeigen, dass die Tugend der Lust als höchstes Gut vorzuziehen sei, so Cicero.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zum Werk: Diese Einleitung beleuchtet den historischen Rahmen, die Entstehungsbedingungen von De finibus im Jahr 45 v. Chr. sowie die formalen Dialogstrukturen und die handelnden Gesprächspartner.
2. Inhaltsbeschreibung: Dieser Abschnitt ordnet die Kapitel 63 bis 77 in den Gesamtzusammenhang des zweiten Buches ein und erläutert Ciceros argumentative Stoßrichtung gegen Epikur.
3. Argumentation Ciceros: Hier erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der rhetorischen Strategie Ciceros, der historische Gegenbeispiele nutzt, um die epikureische Ethik in der Öffentlichkeit als inkonsequent darzustellen.
4. Stilistische Analyse: Dieser Teil untersucht die rhetorischen Kunstgriffe, wie Ironie, Personifikationen und Klimaxe, mit denen Cicero seine Argumente gegen die Lehre Epikurs stilistisch unterfüttert.
5. Persönliche Einschätzung des Befunds: Der Verfasser bewertet die Wirksamkeit von Ciceros Polemik und reflektiert die politische Motivation hinter der stoischen Argumentationshaltung im Werk.
6. Übersetzung: Dieser Abschnitt bietet eine deutsche Übersetzung der Paragraphen 63 bis 77, um den Inhalt der lateinischen Quelle für den Leser zugänglich zu machen.
Schlüsselwörter
Cicero, De finibus bonorum et malorum, Epikur, Tugend, Virtus, Voluptas, Lust, Römische Philosophie, Rhetorik, Lucius Thorius Balbus, Marcus Regulus, Politische Ethik, Dialogform, Stoa, Peripatetiker.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse eines spezifischen Abschnitts (Kapitel 63 bis 77) aus dem zweiten Buch von Ciceros philosophischem Werk De finibus bonorum et malorum, in dem Cicero die epikureische Lehre kritisch hinterfragt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Tugend (virtus) und Lust (voluptas), das Verhältnis von privater philosophischer Überzeugung und öffentlichem Wirken sowie die Anwendung antiker Rhetorik in philosophischen Dialogen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor der Arbeit?
Der Autor zielt darauf ab, die rhetorischen Strategien Ciceros aufzudecken, mit denen dieser versucht, die epikureische Philosophie als für das öffentliche Leben der Römer ungeeignet und inkonsequent darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Publikation verwendet?
Es handelt sich um eine philologische und rhetorische Analyse, die den Originaltext exegiert, mit historischen Kontextinformationen anreichert und die stilistische Struktur der Argumentation untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Exegese der Argumentation Ciceros, eine stilistische Untersuchung seiner rhetorischen Kunstgriffe sowie eine kritische Bewertung seiner Vorgehensweise durch den Verfasser.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem Autor Cicero sind die zentralen Begriffe Tugend (virtus), Lust (voluptas), Epikur, Rhetorik und die kritische Analyse des öffentlichen versus privaten Handelns prägend.
Wie bewertet der Verfasser die Stichhaltigkeit der Argumentation Ciceros?
Der Verfasser konstatiert, dass Ciceros Argumentation in der Sache oft lückenhaft ist und er seine inhaltlichen Defizite durch rhetorische Finesse, Polemik und Zynismus zu kaschieren versucht.
Warum ist laut Cicero die epikureische Lehre politisch untauglich?
Cicero vertritt die Ansicht, dass ein Epikureer seine Lehre in der Öffentlichkeit nicht offen vertreten kann, ohne sich der Lächerlichkeit preiszugeben, da sie als individualethisch und unvereinbar mit den altrömischen Pflichten gegenüber dem Staat wahrgenommen wird.
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- Marc Andre Ziegler (Author), 2004, "Das Postulat der Bücher I und II". Inhaltsangabe und Analyse der Kapitel 63 bis 77 im zweiten Buch der philosophischen Schrift, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347141