Politik und Verbrechen. Eine Untersuchung zu den strukturellen Parallelen und dem Einfluss beider Abstrakta aufeinander

Das Beispiel "Der Geisterseher" von Friedrich Schiller


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Ziel der Darstellung

2. Kolportage - Verzauberung von Geschichte
2.1. Zur Begriffsgeschichte
2.2. Kolportageliteratur
2.3. Kolportage als stilistisches Mittel

3. Zu den Begriffen Politik und Verbrechen
3.1. Politik
3.2. Verbrechen

4. Enzensbergers Essaysammlung Politik und Verbrechen (1964)
4.1. Zur Struktur der Sammlung
4.2. Reflexionen vor einem Glaskasten
4.3. Die übrigen Essays

5. Beispieltext: Friedrich Schillers Der Geisterseher (1789)
5.1. Zum Inhalt
5.2. Zum Hintergrund und zur literarischen Gestaltung

6. Didaktisches Potenzial im Deutschunterricht

7. Quellenverzeichnis
7.1. Literatur
7.2. Internet

1. Gegenstand und Ziel der Darstellung

„Ein gemeinsames Interesse verbindet sie und macht sie zu Lehrstücken von literarischem Gewicht: das Interesse an der Symmetrie legaler und illegaler Handlungen.“ So formuliert es Jürgen Habermas, wenn er in seiner Rezension von Hans Magnus Enzensbergers Essaysammlung Politik und Verbrechen aus dem Jahre 1964 über die dort besprochenen Kriminalfälle der Geschichte urteilt. Vor allem der zweite Teil des Zitats soll als Prämisse dieser Arbeit zugrunde liegen. Bei näherer Betrachtung fällt nämlich auf, dass die beiden eigentlich konträr gegenüber stehenden Begriffe Politik und Verbrechen einer auffällig parallelen Struktur folgen, die im Rahmen der vorliegenden Untersuchung aufgedeckt werden sollen. Dabei wird verdeutlicht, wie das Funktionieren des einen die Existenz des anderen voraussetzt bzw. das Auftreten des einen Phänomens erst das Reagieren des anderen herausfordert. Bereits an dieser Stelle sei auf die unerhört enge Verbindung beider Abstrakta hingewiesen.

Als Quelle der Arbeit diente vor allem Hans Magnus Enzensbergers Schrift, in deren Einleitungsbeitrag Reflexionen vor einem Glaskasten der Autor anschauliche und überaus einleuchtende Erklärungen zum Verhältnis von Politik und Verbrechen liefert, die dem Leser eine neue Perspektive ermöglichen, sich der Thematik zu nähern. Wie entsteht das Verbrechen? Was erfüllt eigentlich den Tatbestand eines Verbrechens? Und welche Rolle spielt dabei der Staat? Begeht die Politik Verbrechen und – wenn ja – wie äußern sich diese Verbrechen und welche Folgen haben sie? All diesen Fragen wird das dritte Kapitel, welches eine kritisch zusammenfassende Reflexion von Enzensbergers Überlegungen darstellt, nachgehen und damit den Kern der Untersuchung bilden. Zur Sprache kommen sollen außerdem unklare Textpassagen, in denen Enzensberger unklar und meines Erachtens unschlüssig argumentiert. Im sich daran anschließenden Teil sollen die Erkenntnisse anhand des Beispieltextes Der Geisterseher (1789) von Friedrich Schiller aufgezeigt und ansatzweise interpretiert werden. Zunächst soll jedoch mit der Kolportage ein stilistisches Kennzeichen von kriminalistischer Literatur näher vorgestellt werden. Da der vorliegende Beleg im Rahmen eines fachdidaktischen Hauptseminars entstand, entwickelt das abschließende Kapitel die verschiedenen Möglichkeiten der praktischen Umsetzung im Deutschunterricht.

Letzten Endes muss sich jedoch jeder einzelne die Frage stellen, welche Auffassung von Staat und Recht, von Herrschaft und Gewalt sowie von Unrecht und seiner Bestrafung man selbst vertritt und nach welchen Prinzipien man selbst urteilt. Ein genauerer Blick auf das Funktionieren unserer Gesellschaft und deren Kehrseiten ist dabei mehr als lohnenswert.

2. Kolportage - Verzauberung von Geschichte

Der Ausdruck Kolportage (v. frz.: porter à col = am Hals/Kragen tragen - sinngemäß: auf den Schultern tragen) bezeichnete den Vertrieb von Büchern in Einzellieferungen durch Hausierer („Kolporteure“).[1] Heute bezeichnet das Verb kolportieren in Anlehnung an seine ursprüngliche Bedeutung abwertend das Verbreiten von Gerüchten und Gesellschaftsklatsch, von dem vor allem die Boulevardzeitungen und die Regenbogenpresse traditionell leben.

2.1. Zur Begriffsgeschichte

Im frühen 19. Jahrhundert minimierten die Verleger von besonders umfangreichen Werken (z. B. Brockhaus-Lexikon, Meyers Konversationslexikon) ihr Risiko, indem sie diese in Lieferungen von zwei Bögen - also 32 Seiten - teilten und auf diese Weise von Hausierern vertreiben ließen. So mussten sie immer nur kleine Mengen produzieren und auch nicht wohlhabende Kunden konnten die Lieferungen bezahlen. Hatte der Kunde auf diese Weise alle Lieferungen eines Bandes erhalten, ließ er sie beim Buchbinder binden. Die Kolportage war im 19. Jahrhundert auch ein bedeutsames Instrument christlicher Mission. Bibeln, religiöse Traktate, gedruckte Predigtsammlungen (etwa von Charles Haddon Spurgeon) und andere christliche Literatur wurden von Kolporteuren bis in die entlegensten Gegenden gebracht (siehe zum Beispiel William Gibson Sloan). Bei solchen Reisen hielten die Kolporteure auch Hausgottesdienste und Bibelstunden ab. Dabei waren sie nicht selten das Opfer staatlicher und staatskirchlicher Repression. Geld- und Gefängnisstrafen waren die Regel. Einige Kolporteure bezahlten ihre Arbeit als christliche Literaturvertreiber auch mit dem Leben. Viele freikirchliche Gemeinden verdanken ihre Entstehung der Kolportage. Zu den bekanntesten Verlagen, die im freikirchlichen Bereich mit Kolporteuren arbeiteten, gehörte der heute noch existierende Oncken Verlag.

Mancherorts reizte man die Kunden dadurch zum Kauf an, dass man mit der letzten Lieferung eines Bandes Prämien überließ, wie z. B. Uhren, Ringe, Frauenkleider und Nähmaschinen. Dies war jedoch im Deutschen Reich verboten. Sämtliche durch Kolportage vertriebenen Druckwerke mussten auf jeder einzelnen Lieferung den Gesamtpreis des Werkes tragen. Die Zahl der selbständigen Kolportagebuchhändler zu Beginn des 20. Jahrhunderts belief sich in Deutschland auf 5.000 bis 6.000. Ein erfolgreicher Autor vieler Kolportageromane war Karl May. Nach und nach wurde auf diese Art aber nur noch Trivialliteratur vertrieben und die seriösen Verlage zogen sich aus dem Kolportagegeschäft zurück.

2.2. Kolportageliteratur

Als Kolportageliteratur werden Lesestoffe bezeichnet, die durch den städtischen und ländlichen Hausierhandel (colportage) ab dem 16. Jahrhundert vertrieben wurden (Hausierer). Dazu gehören Flugblätter, politische und religiöse Traktate, Erbauungsliteratur, Kalender und Almanache, medizinische Werke, Lexika, Jugendschriften, Bilderbogen, aber auch literarische Werke wie Märchen, Abenteuerromane und verkürzte Prosabearbeitungen mittelalterlicher Romane, so genannter Volksbücher. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts bereicherte die neue Gattung des Fortsetzungsromans die Kolportageliteratur. Dieser umfasste bis zu 200 Lieferungen im Umfang von 16 bis 48 Seiten. Die Hefte enthielten Liebesgeschichten, historische Romane (z. T. mit aktuellen Themen wie dem Tod Ludwigs II. von Bayern oder der Balkankrieg 1912-13), Reiseromane und Kriminalgeschichten, wie man sie noch heute in der Trivialliteratur in Form von Heftromanen findet. Die große Verbreitung und der Erfolg der Romane brachte eine Debatte um ihren Wert in Gang. Der Kolportageroman wurde als Schund bezeichnet. Hauptsächlich kirchliche Kreise und Lehrer warfen ihm die Zerstörung des Sinns für Wahrheit und Wirklichkeit sowie die Verherrlichung von Verbrechen und Gewalt vor. Außerdem wurde kritisiert, er appelliere an die niederen Triebe des Menschen, veranlasse den Leser zu unmoralischen Handlungen und verführe zur Lesesucht. Nach dem Ersten Weltkrieg verschwand die schon ab 1905 an Einfluss verlierende Kolportageliteratur. Sie machte Romanen Platz, die auf anderen Wegen vertrieben wurden (z. B. die Kioskliteratur).

2.3. Kolportage als stilistisches Mittel

Neben einer Vertriebsart von Büchern beschriebt die Kolportage ein stilistisches Mittel literarischer Texte, welches darin besteht, komplexe Zusammenhänge und Tatsachen mit archaischen Erzählmustern zu verweben und damit Geschehnisse und die daraus resultierenden Geschichten regelrecht zu „verzaubern“. Im Umkehrschluss kann man daher bei der Kolportage von verzauberter Geschichte sprechen. Dabei tauchen während im Laufe Erzählhandlung bekannte Topoi auf, die dem Leser bekannt sind und mit denen er sich identifizieren kann. So erscheinen u.a. Kriminalgeschichten mit märchenhaften Zügen kombiniert, da werden mythische Figuren zu Handlungsträger in reell konstruierten Situationen oder markante Orte geben dem Rezipienten eindeutige Hinweise auf den Charakter der Erzählung. So kolportieren ebenfalls typische Figurenkonstellationen eine Erzählung: der stets überlegene Held, der alles erkennende Blinde, der eich werdende Arme, die unglückliche Liebesgeschichte, der reumütige Sünder oder auch der Verbrecher. Die Attraktivität dieser Erzählungen für den Rezipienten liegt vor allem in der Ungeheuerlichkeit, in der Exotik, in der Monstrosität, im Spektakulären, in der Dramatik ihrer Handlung. Das mittel der Kolportage ist dabei streng und klar vom Trivialen der Unterhaltungsliteratur abzugrenzen. Dahinter steht nicht etwa ein ästhetischer Schein, sondern eine klare Absicht des Textproduzenten, nämlich den Leser auf diesem Wege eine bestimmte Richtung der Rezeption zu lenken. So wird die Dekodierung einer kolportierten Geschichte zum interpretatorischen Schlüssel – wie später an Textbeispielen aus Enzensbergers Essayband uns vor allem an Schillers Geisterseher zu zeigen sein wird - und dient keineswegs zur Steigerung der Leseattraktivität.

3. Zu den Begriffen Politik und Verbrechen

3.1. Politik

Der Begriff Politik wird aus dem griechischen Begriff polis für Stadt oder Gemeinschaft abgeleitet (politika = öffentliche Geschäfte). Nach einer recht umfassenden Definition ist Politik „öffentlicher Konflikt von Interessen unter den Bedingungen von öffentlichem Machtgebrauch und Konsensbedarf.“[2] Die Politikwissenschaft beschäftigt sich als Teilbereich der Sozialwissenschaften mit so verstandenen politischen Formen, politischen Inhalten und politischen Prozessen. Allerdings gibt es letztlich bis heute keine Einigkeit darüber, ob Macht, Konflikt, Herrschaft, Ordnung oder Friede die Hauptkategorie von Politik ausmachen. Die Menge der kontroversen Politikbegriffe und -definitionen kann dabei in vier Dimensionen sortiert werden, ohne dass diese sich untereinander ausschlössen:

a) regierungszentriert versus emanzipatorisch: Zu den regierungszentrierten oder gouvernementalen Politikbegriffen kann man die Konzepte Staat, Führung, Macht und Herrschaft rechnen. Die Grundlage aller Politik ist für diese durch die Ausübung von Macht, Herrschaft und Führung bedingt. Im 19. Jahrhundert galt der Staat und seine Macht (Gewaltmonopol) als das Hauptwesen der Politik. Alle Machtphänomene wurden versucht dem Staat zuzuordnen. In den internationalen Beziehungen ist Macht bis heute einer der Grundpfeiler der Theoriebildung (vgl. z.B. Politischer Neorealismus). Da der Machtbegriff schwer näher zu bestimmen ist, besteht die Gefahr des Missbrauchs, dass die Politikwissenschaft leicht zum Handlanger der Macht und der Mächtigen wird (Kurt Sontheimer 1962). Emanzipatorische Politikauffassungen konzentrieren sich daher auf Machtbeschränkungen durch Partizipation, Gleichheit und Demokratisierung. Dazu gehört auch die kritische Analyse der vorherrschenden Herrschaftsstrukturen und Gesellschaftskritik.

b) normativ versus deskriptiv: Zu den normativen Politikbegriffen lassen sich die Konzepte rechte Ordnung, Frieden, Freiheit und Demokratie zählen, und insbesondere auch alle emanzipatorischen Politikdefinitionen. Dabei geht es nicht nur um die reine Beschreibung politischer Phänomene, sondern es wird ein wertender Soll- oder Zielwert als Hauptkategorie eingesetzt. Das Konzept Freiheit kann dabei als ein positiver Gegenbegriff zur Grundkategorie Macht oder Herrschaft verstanden werden. Meist werden harmonische Gemeinwohlvorstellungen angeboten, die sich nur schwer mit den heutigen pluralistischen Gesellschaftsbedingungen vereinbaren lassen. Ein spezielles Problem mit der Kategorie ‚Frieden’ ist, dass es nicht bloß als Abwesenheit von Gewalt verstanden werden kann und daher oft um den Abbau von Ungleichheiten u.a. erweitert wird.

Die rein deskriptiven, beschreibenden Politikvorstellungen lehnen Sollwerte als Wesen der Politik ab. Dazu sind neben der in der Einleitung gegebene Politikdefinition, auch die von Lehmbruch zu rechnen (stellvertretend für die Politikvorstellung der Systemtheorie David Eastons als „authoritative allocation of values“). Ebenso wie die regierungszentrierten, Macht betonenden Politikbegriffe stehen diese in Gefahr den status quo zu stabilisieren und den gerade Herrschenden zu nutzen.

c) konfliktorientiert versus konsensbezogen: Konfliktorientierte Politikbegriffe gehen von der Existenz von Konflikten als unabänderliche und notwendige Erscheinungen des politisch-sozialen Lebens aus und davon, dass diese durch den politischen Prozess geregelt werden müssen. Die Voraussetzung für die Verwendung der Kategorie Konflikt ist dabei das Vorhandensein einer hinreichend flexiblen wie stabilen Gesellschaftsstruktur für die friedliche Konfliktaustragung zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen und ihren divergierenden Interessen. Dazu gehören neben dem deskriptiven systemtheoretischen Politikverständnis auch die Konflikttheorien von Ralf Dahrendorf und Lewis Coser, die Konflikte als die Triebkräfte jedes sozialen Wandels begreifen. Auch der marxistische Politikbegriff fußt auf Konflikt als Grundkategorie, nämlich dem Kampf der Klassen und ihrer Parteien um die Durchsetzung ihrer primär sozialökonomisch bedingten Interessen.

Im Gegensatz dazu sehen Harmonielehren nur durch Konsens das gesellschaftliche Gemeinwohl als herstellbar an. Dazu zu zählen ist neben dem klassischen emanzipatorischen Politikverständnis Jean-Jaques Rousseaus auch der Politikbegriff von Thomas Meier.

d) mehrdimensionaler Politikbegriff der jüngeren politikwissenschaftlichen Diskussion: Auch ohne Entscheidung über die Hauptkategorie von Politik, kann man drei Dimensionen unterscheiden, die uns eine begriffliche Klärung und Unterscheidung der komplexen Wirklichkeit, der in verschiedener Gestalt auftretenden Politik ermöglichen. Dafür haben sich im deutschsprachigen Raum die englischen Bezeichnungen Polity, Policy und Politics eingebürgert.

Entscheidend für eine mögliche Definition des Begriffes Politik ist der zeitgenössische Hintergrund, vor dem die Frage gestellt wird. Bereits in der Antike befassten sich Gelehrte damit, wie Politik auszusehen hat, dabei waren die Fragen: Was ist eine gute und gerechte Staatsordnung? Wie erlangt man wirklich Macht im Staat? im Mittelpunkt der Diskussion. Schon im Altertum verglich beispielsweise Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) alle ihm bekannten Verfassungen (Politische Systeme) und entwickelte eine auch heute viel zitierte Typologie in seiner Politik. Neben der Anzahl der an der Macht Beteiligten (einer, wenige, alle) unterschied er zwischen einer guten gemeinnützigen Ordnung (Monarchie, Aristokratie, Politie) und einer schlechten eigennützigen Staatsordnung (Tyrannis, Oligarchie, Demokratie). Erste geschriebene Gesetze belegen, dass Politik sich nicht nur mit den Herrschenden, sondern auch früh schon mit sozialen Regeln befasste, die bis heute überliefert wurden. Der Codex Hammurapi (Babylon, etwa 1700 v. Chr.) oder das Zwölftafelgesetz (Rom, etwa 450 v. Chr.) sind Beispiele verbindlicher Regeln, die sicher als Ergebnis von Politik gewertet werden können. Befasst man sich mit den Politikern der Römischen Republik und dem Römischen Kaiserreich, erkennt man viele Elemente damaliger Politik auch heute noch. Es wurde mit Kreide Wahlwerbung an die Hauswände geschrieben (etwa in Pompeji). Es gab einen komplexen Regierungsapparat und hitzige Rivalität zwischen den Amtsträgern. Korruption war ein Thema der Gesetzgebung und römischer Gerichtsverhandlungen. Briefe Ciceros an einen Verwandten belegen, wie gezielt die Wahl in ein Staatsamt auch taktisch vorbereitet wurde.

Mit dem Verfall des Römischen Reiches verlor Politik in Europa wieder an Komplexität und die Gemeinwesen wurden wieder überschaubarer, Konflikte kleinräumiger. In der Zeit der Völkerwanderung und des frühen Mittelalters war Politik mehr kriegerische Machtpolitik und weniger durch Institutionen und allgemein akzeptierte Regeln geprägt. Je stärker der Fernhandel, Geld und Städte wieder an Bedeutung gewannen, desto wichtiger wurden wieder feste Machtzentren gebraucht und desto wichtiger wurden Institutionen. Beispielsweise bildete sich die Hanse als Interessen- und Machtverbund einflussreicher sich selbst regierender Städte. Wichtiges relativ konstantes Machtzentrum war die katholische Kirche. Aus sozialen Gemeinschaften, die bestimmten Führern die Treue schworen (Personenverband) wurden langsam Erbmonarchien mit festen Grenzen.

In Frankreich entwickelte sich der Urtypus des absolutistischen Herrschers, in England entstand die an Recht und Gesetz gebundene konstitutionelle Monarchie. Dort waren bald auch die wohlhabenden Bürger offiziell an der Politik beteiligt. Mit der Zeit wurde dann das Zensuswahlrecht auf größere Teile der Bevölkerung ausgeweitet. In der Zeit der Aufklärung erdachten Gelehrte neue Modelle der Staatskunst. Statt Niccolò Machiavellis Modell der absoluten Macht, das sein Buch 'Der Fürst' (Il Principe) zeichnete, definierte John Locke das Modell der Gewaltenteilung. Die Bürgerlichen Freiheiten wurden durch verschiedene Philosophen gefordert und mit Thomas Jeffersons Menschenrechtserklärungen und der amerikanischen Verfassung begann die Zeit der modernen Verfassungsstaaten. Die französische Revolution und die Feldzüge Napoleons wälzten Europa um. Mit dem Code Civil in Frankreich wurden die Bürgerrechte festgelegt, überall fielen allmählich die Standesschranken. Politik wurde zu einer Angelegenheit des ganzen Volkes. Es entstanden Parteien, die zuerst von außen eine Opposition organisierten, um später selbst die Regierung zu stellen. Einige Parteien wie die SPD oder später die Grünen entstanden aus sozialen Bewegungen wie der Arbeiterbewegung oder der Anti-Atom- und Friedensbewegung, andere formierten sich vor einem religiösen Hintergrund (Zentrum). Im 20. Jahrhundert kam es schließlich zur Herausbildung internationaler Organisationen mit zunehmendem Einfluss auf die Politik. Der erste Versuch im so genannten Völkerbund eine Völkergemeinschaft zu bilden, scheiterte mit dem Zweiten Weltkrieg. Heute existieren neben den Vereinten Nationen als Vereinigung aller souveränen Staaten im Bereich der Wirtschaft zusätzlich die Welthandelsorganisation WTO. Im Übergang zwischen Internationaler Organisation und föderalen Staat befindet sich die Europäische Union.

[...]


[1] Vgl. im Folgenden http://de.wikipedia.org/wiki/Kolportage (13.02.2007).

[2] Vgl. im Folgenden http://de.wikipedia.org/wiki/Politik (13.02.2007).

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Politik und Verbrechen. Eine Untersuchung zu den strukturellen Parallelen und dem Einfluss beider Abstrakta aufeinander
Untertitel
Das Beispiel "Der Geisterseher" von Friedrich Schiller
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Kriminalromane im Deutschunterricht (Hauptseminar)
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V347149
ISBN (eBook)
9783668365841
ISBN (Buch)
9783668365858
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politik, verbrechen, eine, untersuchung, parallelen, einfluss, abstrakta, beispiel, geisterseher, friedrich, schiller
Arbeit zitieren
Marc Andre Ziegler (Autor), 2007, Politik und Verbrechen. Eine Untersuchung zu den strukturellen Parallelen und dem Einfluss beider Abstrakta aufeinander, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347149

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