Hannibal. Die Darstellung von Hannibals Charakter bei Cornelius Nepos im Vergleich zu anderen antiken Autoren


Unterrichtsentwurf, 2006

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Cornelius Nepos
1.1. Seine Schrift „De viris illustribus“
1.2. Die Gattung der Biographie
1.3. Nepos als Schulautor
1.4. Die Hannibalbiographie des Nepos im Unterricht
1.5. Elemente, Ziele und Zeitpunkt der Lektüre

2. Unterrichtsplanung und -auswertung
2.1. Vorbemerkungen und Thema
2.2. Einordnung der Stunde in einen Gesamtzusammenhang
2.3. Vorbereitung und beabsichtigte Unterrichtsziele
2.4. Geplanter Stundenverlauf
2.5. Methodik und Medieneinsatz
2.6. Nachbereitung

3. Literaturverzeichnis

1. Cornelius Nepos

Der Biograph Cornelius Nepos, von dessen Name uns heute lediglich noch das nomen gentile sowie das Cognomen erhalten ist, wird als Sohn aus dem Ritterstand um das Jahr 100 v. Chr. wahrscheinlich in der nördlich des Po gelegenen Munizipialstadt Ticinum, dem heutigen Pavia, geboren. „Mit Sicherheit ist er“, wie Michael von Albrecht schreibt, „Transpadaner wie Catull.“[1] Seine Jugendzeit verbringt Nepos in der oberitalienischen Provinz Gallia Cisalpina und siedelt als junger Mann zwischen 70 und 65 v. Chr. nach Rom über. In der florierenden Metropole genießt er das Bürgerrecht und erlangt zeit seines Lebens kein senatorisches Amt, sondern widmet sich ganz seinem literarischen Dasein sowie der Familie. Wie die Brüder Marcus und Quintus Cicero, Hortensius und vielleicht auch Varro gehört er dem Freundeskreis um Titus Pomponius Atticus an, der zu einem seiner engsten Vertrauten wird und den Nepos mit einer Vita innerhalb seines Hauptwerks „ De viris illustribus “ würdigt. Hierin beschreibt er seinen Freund als ein Vorbild untadeliger Lebensführung. Atticus vertrete als herausragendes Beispiel Tugenden wie fides, pietas und diligentia, welche seine große humanitas zum Ausdruck brächten.

Ungewiss ist, ob sich Nepos auch als Herausgeber von Ciceros oder Catulls Werken betätigt hat. Mit Letzterem verband den Schriftsteller stets eine enge Freundschaft, die in der Widmung an Nepos zum Ausdruck kommt (Carmen I). Interessant und sicherlich nicht unerheblich für sein Arbeiten ist die Tatsache, dass Nepos all die Wirren und Umbrüche, die das römische Reich im ersten vorchristlichen Jahrhundert erschütterten, miterlebte. Er wollte mit seinen Arbeiten sowohl unterhalten als auch bilden. Neben seinem Hauptwerk verfasste er die Exempla (eine Sammlung von Anekdoten und Merkwürdigkeiten aus Geschichte und Natur, erschienen nach 44 v. Chr. in mindestens fünf Bänden), weitere Einzelbiographien – wir wissen von Texten über Cato und Cicero – und die Chronica (ein dreibändiges Werk in Tabellenform über politische und kulturgeschichtliche Ereignisse der römischen und griechischen Geschichte, vor 54 v. Chr. entstanden). Zu den überlieferten Fragmenten zählen zwei Briefe der Cornelia, der Tochter des Scipio Africanus minor, an ihren Sohn C. Sempronius Gracchus kurz vor dessen Bewerbung um das Volkstribunat (123 v. Chr.) und ein Stück „De laude Ciceronis“. Außerdem schrieb Nepos kleinere Gedichte, vielleicht sogar ein geographisches Werk. Seine Schriften sind im weitesten Sinne der Geschichtsschreibung zuzuordnen, wobei er sich im Gegensatz zur früheren Historiographie in Rom auch mit nichtrömischen Themen befasste und die Gattung der politischen Biographie prägte.

1.1. Seine Schrift „De viris illustribus“

Das Hauptwerk des Cornelius Nepos, welches die Lebensdarstellungen berühmter Männer thematisiert, umfasste sechzehn Bücher über ausländische und römische Könige (De regibus), Feldherrn (De ducibus), Redner, Historiker (De historicis), Dichter (De poetis), Philosphen und Grammatiker. Zwei weitere Gruppen sind unbekannt. Wir besitzen in Gänze das Buch „ Liber de excellentibus ducibus exterarum gentium “, welches sich vornehmlich mit griechischen Heerführern befasst und dem ein weiteres verloren gegangenes Buch römischer Feldherrn gegenüber gestellt wurde. Hinzu treten ferner die Darstellung römischer Historiker (Cato und Atticus) aus dem Buch „ Liber de Latinis historicis “ sowie eine Erzählung „ De regibus “ (über Könige, die auch Feldherrn waren). Insgesamt umfasst die Schrift 23 Kapitel.

Zuerst wurde das gesamte biographische Werk vor 32 v. Chr. publiziert. Nach dem Tod des Atticus (32. v. Chr.) kam es zu einer zweiten Auflage, welche um die heutigen vier Schlusskapitel erweitert wurde. Die Viten des Atticus, des Datames, des Hamilkars und des Hannibals sind ein Nachtrag des Buches „ Liber de excellentibus ducibus exterarum gentium “, das ursprünglich nur griechischen Feldherrn vorbehalten war.

Es war nicht die Absicht des Nepos, mit seiner Sammlung von Biographien berühmter Männer als Historiker zu erscheinen. Historische Genauigkeit lehnte er ab. Vielmehr verarbeitete er seine Quellen nach eigenen Vorstellungen, um den Gegenstand einem breiten, anspruchslosen Publikum zu präsentieren. Im Vordergrund standen die viri excellentes als exempla und die Geschichte als magistra vitae. Wichtig ist, dass Nepos von einer grundsätzlichen Gleichwertigkeit von Römern und Griechen ausgeht.

1.2. Die Gattung der Biographie

Eine umfassende Definition zu Gattung der antiken Biographie erscheint angesichts ihrer mannigfaltigen Ausbildung schwierig. Feste Regeln zu Darstellung gibt es kaum. Zunächst bedeutet Biographie nichts Anderes als „Lebensbeschreibung“. Eine solche kann literarische ausgestaltet sein, sie kann sich jedoch auch auf eine einfache, chronologische Darstellung der vorhandenen Fakten berufen. „Sie muss die äußere, an die Zeit gebundene Abfolge eines Lebens schildern und diese mit anderen Ereignissen der Zeit verbinden; entweder prägen die Zeitereignisse die Person, oder die Person bestimmt die Zeit, sie „macht Geschichte“. Die Biographie ist insofern ein Zweig der Geschichtsschreibung.“[2] In Griechenland dienen Dichterbiographien wissenschaftlichen Zwecken im Zusammenhang mit Ausgaben ihrer Werke, Philosophenbiographien bei der Darstellung ihrer Lehre; die sachlich-nüchterne Lebensdarstellung in Rom hat neben den griechischen Vorbildern ihre Ursprünge in Inschriften, Amtsbüchern oder auch Grabreden.

Die Art der Darstellung hängt davon ab, welches Publikum man erreichen will und ob man unterhalten oder belehren will. So treten mehrere Darstellungsformen auf. Üblich sind Angaben zu Lebensdaten, Beschreibung der Taten, Charakterisierung, Würdigung der Leistungen und Bedeutung der vorgestellten Person. Hinzukommen können außerdem Anekdoten.

1.3. Nepos als Schulautor

Die Geschichte des Unterrichts in klassischer Sprache hat gezeigt, dass Nepos über viele Jahrzehnte hinweg fester Bestandteil im lateinischen Schulunterricht war und ist. „Viele Schülergenerationen wurden mit einem großen Teil der erhaltenen Lebensbeschreibungen aus seinem Werk vertraut gemacht.“[3] Zumeist war Nepos die erste Originallektüre, da sowohl Inhalt als auch Sprache als einfach eingestuft wurden. Auch heute ist der Autor immer noch im Gebrauch, entweder als Einstieg in der Sekundarstufe I oder als Grundkursstoff der gymnasialen Oberstufe. Der Vorteil der Biographien besteht darin, dass man einzelne Beschreibungen lesen kann, ohne dass der Eindruck einer fragmentarischen Lektüre entsteht.

Dennoch litt der Autor immer wieder unter zahlreichen Vorwürfen. Zum einen unterstellte man ihm historische Ungenauigkeiten in der Darstellung von Persönlichkeiten. Dies ist gewiss nicht zu bestreiten. Aber man muss auch anerkennen, dass dies nicht das eigentliche Ziel des Nepos war. Er wollte seine Charaktere lebendig schildern. Unbestritten ist, dass sich die Leser dadurch angesprochen fühlten und sich emotional mit der Person auseinandersetzten. Nepos hätte seiner Leserschaft nicht erreichen können, wenn er schlicht chronologische Daten aneinander gereiht hätte. Eng mit dieser Kritik verbunden ist auch der Vorwurf der Parteilichkeit. In der Tat nimmt der Autor bewusst und klar Stellung. Er lobt und tadelt seine Personen und deren Taten. Damit lässt er den Leser nicht im Unklaren über seine eigene Meinung. Diese Tatsache ist für den Schüler ein Segen, dar er auf eine Frage wie „Was will der Autor erreichen und welche Mittel wendet er an, um auf seine Leser zu wirken?“ umfangreich antworten kann. Außerdem fordert er den erfahrenen Schüler zur Kritik auf. Im Gegensatz zu Tacitus (sine ira et studio) möchte Nepos polarisieren – ein Trend, der gerade heutzutage weit verbreitet ist. Am nachhaltigsten wirkte aber der Vorwurf, dass die Sprache des Nepos schlicht, ja teilweise unbeholfen sei. Obwohl auch dies nicht von der Hand zu weisen ist, kommt Nepos noch lange nicht an die Abweichungen vom Klassischen heran, die die altlateinischen bzw. mittelalterlichen Texte offenbaren – und diese werden heute genauso in den Lehrplänen empfohlen (Augustin). Ein positiver Aspekt im Sinne der Schüler sind auch die übertrieben ausgebauten Stilmittel innerhalb der Texte, an denen man sehr schön die Kennzeichen sprachlich-stilistischer Gestaltung herausarbeiten kann.

1.4. Die Hannibalbiographie des Nepos im Unterricht

Im Grunde gibt es eine Fülle von Argumenten, die für eine Thematisierung der Hannibal-Vita im Unterricht sprechen. Zunächst konzentriert sich der Lateinunterricht auf die römische Kultur, d. h. auf deren Autoren, Politiker, Geschichte usw. In der Vergangenheit wurde die Lektüre der griechischen Viten zumeist bevorzugt. Dies erscheint jedoch angesichts der eben genannten Grundsätze nicht unbedingt sinnvoll. Um also einer mangelnden Kenntnis der römischen Welt vorzubeugen, kann man für die Lektüre der zwei Viten römischer Persönlichkeiten plädieren. Die Vita des Cato „veranschaulicht sehr schön den cursus honorum eines Römers“[4], ist jedoch sehr kurz. Die Vita des Atticus ist andererseits umfangreich und kompliziert. Die Lebensdarstellung des Hannibal beschreibt hingegen das Schaffen eines Mannes, der – obwohl kein Römer – die Geschichte des Imperiums nachhaltig beeinflusst hat. Er war vielleicht der größte und gefährlichste Gegner Roms, was Nepos in einer spannenden und ereignisreichen Vita niedergeschrieben hat. Die sprachlichen Anforderungen reichen von einfach bis anspruchsvoll. Ein weiterer Vorteil ist, dass alle Schüler mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas mit dem Namen Hannibals anfangen können (Alpenüberquerung, Kriegselefanten, „ Hannibal ante portas “). Hieraus resultiert eine erhöhte Motivation und gesteigertes Interesse. Mit der Person des Hannibal ist der II. Punische Krieg unmittelbar verknüpft. Der Ausgang im Konflikt zwischen Rom und Karthago hängt maßgeblich vom Schicksal Hannibals ab. Dadurch eröffnet sich dem Schüler ein zusätzlicher Blick auf die Historie und die Geographie des Mittelmeerraums. Die anfängliche Überlegenheit und die Ausmaße der phönizischen Siege dürften jeden Schüler faszinieren, ohne jedoch den Überblick über den chronologischen Ablauf zu verlieren.

[...]


[1] Vgl. von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur. Band 1, S. 381.

[2] Vgl. Glücklich, Hans-Joachim (Hrsg.): Cornelius Nepos. Hannibal, S. 9.

[3] Vgl. Glücklich, Hans-Joachim (Hrsg.) / Stefan Reitzer: Die Hannibalbiographie des Nepos im Unterricht, S. 3.

[4] Vgl. Glücklich, Hans-Joachim (Hrsg.) / Stefan Reitzer: Die Hannibalbiographie des Nepos im Unterricht, S. 4.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Hannibal. Die Darstellung von Hannibals Charakter bei Cornelius Nepos im Vergleich zu anderen antiken Autoren
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Fachdidaktik: Wertediskussion bei Nepos (Hauptseminar)
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V347155
ISBN (eBook)
9783668366466
ISBN (Buch)
9783668366473
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cornelius Nepos, Hannibal, antike Autoren, Liber de excellentibus ducibus exterarum gentium
Arbeit zitieren
Marc Andre Ziegler (Autor), 2006, Hannibal. Die Darstellung von Hannibals Charakter bei Cornelius Nepos im Vergleich zu anderen antiken Autoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347155

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