Flüchtlinge, Smartphones und Integration. Empirische Untersuchung der Mediennutzung syrischer Flüchtlinge in Koblenz


Seminararbeit, 2016

38 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DEFINITIONEN
2.1. FLÜCHTLINGE
2.2. INTEGRATION

3. ASPEKTE ERFOLGREICHER INTEGRATION
3.1. KULTURELLE INTEGRATION
3.2. STRUKTURELLE INTEGRATION UND GESELLSCHAFTLICHE PLATZIERUNG
3.3. PRODUKTION SOZIALER BEZIEHUNGEN
3.4. IDENTIFIKATION

4. DIE INTEGRATIONSLEISTUNG VON MEDIEN

5. DAS DIGITALE MEDIUM SMARTPHONE

6. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG
6.1. METHODIK
6.2. INTEGRATIVE NUTZUNGSWEISEN DES SMARTPHONE DURCH FLÜCHTLINGE
6.2.1. GESELLSCHAFTLICHE TEILHABE UND IDENTIFIKATIONSMÖGLICHKEITEN
6.2.2. SOZIALE INTEGRATION
6.2.3. KULTURELLE INTEGRATION
6.2.4. INFORMATIONSBEZUG
6.2.5. STRUKTURELLE INTEGRATION

7. FAZIT

1. Einleitung

Weltweit sind Millionen Menschen auf der Flucht, bedingt vor allem durch die Ausweitung und Radikalisierung des syrischen Bürgerkrieges waren es 2014 mit insgesamt 59, 5 Millionen nach Angaben des United Nations High Commissioner for Refugees so viele wie noch nie zuvor (vgl. UNHCR, 2015, S. 2). Die Zahl der Asylanträge allein in Deutschland betrug im Kalenderjahr 2015 insgesamt 476. 649, was einen Anstieg von 273. 815 im Gegensatz zum Vorjahr darstellt, wobei allein 162.510 der Asylbewerber aus Syrien kamen.

Mit dieser hohen Zahl an Flüchtlingen sehen sich deutsche Politik und Gesellschaft einer neuartigen Herausforderung gegenüber, dementsprechend von Ambivalenz geprägt ist der diesbezügliche Diskurs: Eine stark ausgeprägte Willkommenskultur, steht Ängsten vor Überfremdung und Bedenken hinsichtlich des Bewältigungspotenzials einer solchen humanitären Krise gegenüber. Eine besondere Rolle bei der negativen Beurteilung der Flüchtlingssituation kam dabei vor allem in den letzten Monaten der intensiven Nutzung und Verbreitung des Mediums Smartphone unter den Flüchtlingen zu, konkretisiert in Aussagen wie:

„Wie kann man sich als Flüchtling ein Smartphone leisten und dazu noch eine Flatrate? Wer zahlt die Roaming-Gebühren ins außereuropäische Ausland? Das geht doch schnell in die Tausende! Sind die armen Menschen vielleicht deshalb geflohen, weil es in ihrer Heimat die Niederlassungen von Apple oder Samsung zerbombt wurden, wie in den Kriegsgebieten des Kosovo und Somalia?“ (Journalistenwatch, 2015).

Zahlreiche Artikel1 zur Aufklärung dieses weit verbreiteten Vorurteils gegenüber der Mediennutzung von Flüchtlingen durch Zeitungen belegen den hohen Stellenwert, den die Smartphonenutzung und -aneignung durch die Flüchtlinge innerhalb des Diskurses in Deutschland innehat. Dabei stellt sich jedoch die Frage, inwieweit das Smartphone mit seinen medienspezifischen Charakteristika auch zu einer erfolgreichen Integration der Flüchtlinge beitragen kann und inwieweit es von diesen bereits dafür genutzt wird.

Meiner Arbeit voran geht die These, dass das Smartphone durch die weite Verbreitung und seine medienspezifische Nutzungsvielfalt zentraler Aspekt einer erfolgreichen Integration ist, weshalb im Zuge dieser Arbeit seine Bedeutung für den gesellschaftlichen Alltag von Flüchtlingen und dessen Bewältigung innerhalb einer fremden Gesellschaft genauer untersucht werden soll.

Zu diesem Zweck wird im Laufe dieser Arbeit zuerst eine genaue Definition der zentralen Begriffe „Integration“, und „Flüchtlinge“ stattfinden, gefolgt von einer Darlegung derjenigen Faktoren, die eine erfolgreiche Integration im Allgemeinen bedingen oder als Indikatoren einer solchen dienen. Dies erfolgt mit dem Ziel, im weiteren Verlauf anhand der herausgestellten integrativen Faktoren darzustellen, inwieweit das Smartphone dazu fähig ist, diese bereitzustellen, wobei die Beantwortung der Fragestellung nach der tatsächlichen Nutzung solcher integrativen Angebote durch die Flüchtlinge unter Bezugnahme auf zwei persönlich durchgeführte Interviews geschehen wird.

2. Definitionen

2.1.Flüchtlinge

Der Artikel 1 der Genfer Flüchtlingskonvention definiert Flüchtling als Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder die sich als staatenlose infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will.“ (Genfer Flüchtlingskonventionen, Kap. 1, Art. 1 Abschnitt A).

Dementsprechend handelt es sich bei Personen mit Flüchtlingsstatus um Menschen, die infolge von erlittenen oder zu erwartenden Gewaltanwendungen ihr Heimatland verlassen haben, um in einem anderen Staat Asyl zu beantragen. Dabei stellt das Asylrecht in Deutschland einen einklagbaren Rechtsanspruch dar, manifestiert in Artikel 16a der Verfassung, doch begrenzt die sogenannte Drittstaatenregelung auf europäischer Ebene eben diesen Verfassungsartikel, da Asylbewerber demnach nur in dem Land ihrer Ersteinreise, also entweder per Schiff oder Flugzeug, asylberechtigt sind.

Da für diese Transportwege jedoch der Besitz eines Visums benötigt wird, gewinnt stattdessen die Anerkennung eines Flüchtlingsstatus für die meisten Schutzsuchenden und ebenso die deutsche Asylpolitik entsprechend an Bedeutung. Dieser stellt ein Abschiebeverbot von denjenigen Personen dar, bei denen eine Rückkehr in ihr Heimatland eine Gefahr für sie darstellen würde (vgl. Heckmann, 2015, S. 28 f.). Folglich handelt es sich jedoch bei der Anerkennung des Flüchtlingsstatus nicht um eine von staatlicher Seite angenommene Form der dauerhaften Einwanderung, sondern vielmehr um einen zeitlich begrenzten Schutzstatus bis zur wiederhergestellten Normalität im Heimatland des Betroffenen, was wiederum oftmals in nur partikulären Formen staatlich unterstützter Integrationspolitik und dementsprechend häufig in Segregationserscheinungen resultiert.

2.2.Integration

Um eine mögliche Integrationsleistung von Massenmedien wie dem Smartphone angemessen darstellen zu können, muss vorweg das Konzept der Integration kurz erläutert werden, wie es in diesem Kontext verstanden werden soll.

Das Wort Integration entstammt von dem Lateinischen Wort „integratio“ und wird im soziologischen Kontext als „Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen od. Gruppen zu einer gesellschaftlichen u. kulturellen Einheit2 “ (Duden, 2015, S. 930) verstanden. Erfolgreiche Integration als Ergebnis dieses Prozesses und damit als erwünschter Zustand, wird für die vorliegende Arbeit dementsprechend als die erfolgte Eingliederung von Flüchtlingen in eine gegebene Aufnahmegesellschaft verstanden und als die daraus folgende Nivellierung der Relevanz von Herkunft für die Strukturierung ihrer sozialen Beziehungen, institutionellen und gesellschaftlichen Positionierung oder Ressourcenverteilung. (vgl. Heckmann, 2015, S. 82).

Die diesem Endzustand vorausliegenden integrativen Prozesse lassen sich in die Bereiche der Sozialintegration und der Systemintegration unterteilen (vgl. ebd., S. 70). Dabei wird unter dem Begriff der Systemintegration die Beziehung zwischen den unterschiedlichen Akteuren und Teilsystemen innerhalb einer modernen pluralistischen Gesellschaft verstanden, die sich zum Zweck der Produktivitätssteigerung in „funktionale Teilsysteme“ (ebd., S. 70) gliedert. Systemintegration geschieht durch unterschiedliche soziale Mechanismen, wie geteilte gesellschaftliche Werte (vgl. ebd., S. 71) und bezieht sich als migrationssoziologisches Konzept auf die Auswirkungen von Einwanderung auf die Stabilität des gesellschaftlichen Systems (Vgl. ebd., S. 72).

Maßgeblich für die vorliegende Arbeit ist jedoch vor allem die soziale Integration. Diese konzentriert sich auf die Beziehung zwischen den gesellschaftlichen Akteuren und meint „die Art und Weisen, wie diese als Hinzukommende mit dem bestehenden System sozioökonomischer, rechtlicher und kultureller Beziehungen und Institutionen verknüpft werden“ (ebd., S. 70) und wie sie mit ihren individuell und kulturell unterschiedlichen Werten und Normen im Gesellschaftssystem agieren. Dies für das Individuum, dass der Status der Mitgliedschaft zu einer Gesellschaft aktiv durch soziales Handeln erworben werden muss3.

Dabei lassen sich vier Dimensionen derartiger Integrationsprozesse, die sich auf das Handeln der gesellschaftlichen Akteure konzentrieren und welche gesellschaftliche Partizipation bedingen, herausstellen: Kulturation, Platzierung, Interaktion und Identifikation. Auf diese Faktoren und die Bedeutung des Smartphones für deren Bereitstellung wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch näher eingegangen werden.

Esser versteht Integration des Weiteren als den „Zusammenhalt von Teilen in einem „‘systemischen‘“ Ganzen“ (Esser, 2001, S. 2; Hervorhebung im Original), wobei die Teile ein unabdingbarer Bestandteil des Ganzen seien. Für Esser steht zudem fest, dass eine Sozialintegration

„eigentlich nur in der Form der Assimilation möglich [ist, A.N.]: die Akkulturation an die Aufnahmegesellschaft in Hinsicht auf Wissen und Kompetenzen, die Plazierung [sic] und Inklusion in die funktionalen Sphären der Aufnahmegesellschaft, die Aufnahme von interethnischen Kontakten, sozialen Beziehungen und Tauschakten mit den Einheimischen und die emotionale Unterstützung nicht der Herkunfts-, sondern der Aufnahmegesellschaft“ (Esser, 1999, S. 22).

Esser zufolge kann Gleichberechtigung demnach nur unter Aufgabe der kulturellen Identität seitens der Hinzukommenden wie Flüchtlingen geschehen, da multiethnischer Pluralismus stets nur „als ein System der ethnischen Schichtung“ (Esser, 2001, S. 65; Hervorhebung im Original) existiere4.

Doch stellt sich angesichts der zunehmenden Pluralität moderner Gesellschaften die Frage, inwieweit die Herstellung einer solchen geforderten systemischen Einheit den Ansprüchen solch konzipierter Gesellschaften gerecht wird. So zeigt sich, dass Integrationsprozesse keineswegs eindimensional verlaufen, sondern vielmehr durch Wechselseitigkeit gekennzeichnet sind (vgl. Heckmann, 2015, S. 80) und dass, beschleunigt durch die digitalen Massenmedien, kulturelle Unterschiede nicht länger als Phänomen zwischen Nationalstaaten konzeptualisiert werden können, sondern vielmehr auch innerhalb von Staaten und Nationen Menschen eigene Kulturgemeinschaften bilden.

Des Weiteren von großer Relevanz ist daher auch das Konzept der Medienkultur, nach welchem die „Integration einer Gesellschaft erreicht [wird, A.N.] über die Kommunikationsmedien, die [...] ein eigenes System formiert haben, das sich [...] letztlich global seine eigene Medien- und Weltöffentlichkeit geschaffen hat.“ (Faulstich:, zit. nach: Hepp, 2004, S. 77). In Folge dessen kam es zu der Herausbildung transnationalistischer Tendenzen, welche die traditionelle Erhöhung auf Nationalstaaten basierender kultureller Identität relativieren und daher das Konzept von Integration im Sinne von reiner Assimilation der Hinzukommenden als nicht zeitgemäß erscheinen lassen.

3. Aspekte erfolgreicher Integration

Wie bereits ausgeführt wurde, ist für die Untersuchung einer Integrationsleistung des Smartphone das Verständnis von Integration als Sozialintegration und ihren vier Dimensionen maßgebend. Auf die Integration von Migranten bezogen ergeben sich dementsprechend vier Ebenen erfolgreicher Integrationsprozesse: die kulturelle, strukturelle, soziale und identifikative Integration (Heckmann, 2015, S. 72), welche im Folgenden als notwendige Voraussetzungen und Faktoren der Hinführung zu einer alle Lebensbereiche umfassenden gesellschaftlichen Partizipation verstanden werden sollen.

Neben diesen lassen sich außerdem Integrationsindikatoren herausstellen, welche empirische Hinweise auf die Entwicklung des Integrationsgrades und der Partizipationsmöglichkeiten von ethnischen Minoritäten liefern. Sie stehen im Zusammenhang mit elf gesellschaftlichen Lebensbereichen, welche als diejenigen Bereiche gelten können, durch deren Teilhabe an ihnen erfolgreiche Integration gekennzeichnet ist5. Für die vorliegende Fragestellung sind es jedoch vor allem die Bereiche der Bildung, der sozialen Integration und dem Einkommen, der gesellschaftlichen Integration und Beteiligung sowie peripher der Bereich der Wohnsituation (vgl. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2011), welche durch die Effekte des Smartphones auf sie von Relevanz sind.

3.1. Kulturelle Integration

Nachdem soziale Integration bereits als Prozess des Mitgliedschaftserwerbs der Aufnahmekultur durch die Flüchtlinge definiert wurde, muss, trotz der angeführten Tendenzen eines aufkommenden Transnationalismus und zunehmender globaler Medienkulturen, das Verständnis von Integration als Eingliederung in eine durch nationalstaatliche Grenzen gezogene Gesellschaft als Untersuchungsgrundlage dieser Arbeit dienen, da sich die deutsche Aufnahmegesellschaft nach wie vor über nationalstaatliche Grenzen definiert und trotz Reformen des Staatsangehörigkeitsrechtes noch immer durch Vorstellung der Bindung rechtlicher Staatsangehörigkeit an gemeinsame Abstammung geprägt ist (vgl. Heckmann, 2015, S. 126).

Als Prämisse des Zuspruchs der Mitgliedschaft gilt, dass Flüchtlinge durch Sozialisations- und Lernprozesse ihre kulturellen Einstellungen, Verhaltensweisen und Werte verändern und kommunikative Kompetenzen entwickeln, die es z.B. durch das Erlernen der Sprache der Aufnahmegesellschaft ermöglicht, mit deren Mitgliedern zu kommunizieren (vgl. ebd., S. 72) und folglich gesellschaftlich handeln zu können. Doch es sind nicht nur die Migranten, welche ihre kulturellen Verhaltensweisen im Zuge des integrativen Prozesses verändern: Vielmehr meint der Begriff der kulturellen Integration „die Akkulturation zwischen Mehrheitsbevölkerung und Migranten, die >>auf beiden Seiten<< - wenn auch nicht gleichgewichtig- Veränderungen von Werten, Normen und kulturell motivierten Verhaltensweisen.“ (ebd., S. 163).

Andere notwendige Kompetenzen für eine Teilnahme an den gesellschaftlichen Prozessen sind Grundkenntnisse der Kultur der Aufnahmegesellschaft, Ortskenntnisse und strukturelle Kenntnisse, wie z.B. bezüglich des Verwaltungssystems. Der Spracherwerb gilt zudem als Prämisse und zentraler Faktor erfolgreicher Integration indem sie innerhalb einer auf sprachlicher Kommunikation beruhenden Wirtschaft Bildungs- und Tätigkeitsmöglichkeiten eröffnet und somit auch als Basis der im Folgenden behandelten strukturellen Platzierung dient.

3.2.Strukturelle Integration und gesellschaftliche Platzierung

In industriellen Gesellschaften wie Deutschland, stellen wirtschaftliche Tätigkeit, der Status in der wirtschaftlichen Hierarchie sowie das Einkommen Bedingungen für eine Partizipation auf gesellschaftlicher Ebene dar und dienen zudem als Grundlage von Ansehen und Status innerhalb der Gesellschaft. Erwerbstätigkeit ist Grundlage zahlreicher Dimensionen der Teilhabe, da durch ein regelmäßiges Einkommen ebenso segregierenden Momenten wie die Herausbildung ethnischer Nachbarschaften entgegengewirkt werden können und so ebenfalls die Fremdwahrnehmung durch die Aufnahmegesellschaft positiv beeinflusst werden kann, indem infolge einer höheren beruflichen und auch räumlichen Positionierung innerhalb zugleich die gesellschaftliche Anerkennung steigt. Aus diesem Grund spielt auch eine dezentralisierte Wohnraumverteilung eine große Rolle.

Verbunden mit dem integrativen Faktor der Erwerbstätigkeit ist ebenfalls jener der Bildung6, da sich die Anzahl an Arbeitsplätzen für schlecht- oder nichtqualifizierte Arbeiter als Folge des Aufkommens moderner Wissensgesellschaften verringert, der Kompetenzen- und Kenntniserwerb jedoch grundlegend ist, um Segregationserscheinungen entgegenzuwirken, indem sich die Hinzukommenden auch in führenden Positionen der Aufnahmegesellschaft wiederfinden und so das Identifizierungspotenzial mit dieser erhöht wird.

3.3.Produktion sozialer Beziehungen

Die Dimension der sozialen Integration bezieht sich auf die Entstehung interpersonaler Beziehungen wie Freundschaft, Nachbarschaften oder Eheschließungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Das Zustandekommen oder Ausbleiben solcher Beziehungen ist ein Hinweis auf die Einstellung und Relation der Gruppen zueinander, indem sie z.B. auf das Ausmaß an Akzeptanz und mögliche geteilte Werte verweisen, da persönliche Beziehungen der Nähe durch die Existenz solcher Gemeinsamkeiten gekennzeichnet ist.

3.4.Identifikation

Die Dimension von Identifikation als Teil des integrativen Prozesses bezieht sich auf das Individuum und dessen Einstellung gegenüber dem System der Aufnahmegesellschaft. Dabei wird die identifikative Integration als Teil der sozialen Identität verstanden, welche das Selbstverständnis von Personen und dessen Kontextuierung im gesellschaftlichen Umfeld meint, also auch die Grade der „Zugehörigkeit zu sozialen Kategorien“ (ebd., S. 194) mit einbezieht. Folglich wird unter dieser Ebene der Integration das Maß an emotionaler Verknüpfung des Selbst mit der Aufnahmegesellschaft oder anderen sozialen Gebilden seitens der Migranten verstanden. Da eben ein solches Zugehörigkeitsgefühl in einer „Entwicklung von Gefühlen der Verantwortlichkeit - von Loyalität- bewirkt“ (Lutz/ Heckmann; Weichhart:, zit. nach: ebd., S. 194), kann daher als Endpunkt erfolgreicher Integrationsprozesse betrachtet werden.

4. Die Integrationsleistung von Medien

Die aus den dargelegten Aspekten sozialer Integration resultierende Vorstellung einer medial vermittelten Integration ergibt sich aus der Annahme, dass Medienrezeption „zu einem Erwerb bzw. der Veränderung kognitiver Bestände bei den Akteuren führt.“ (Vlasic, 2004, S. 151) und dementsprechend als Mittel der Kulturation dient.

[...]


1 Weiterführende Zeitungsartikel: http://www.sueddeutsche.de/panorama/vorurteile-warum-handys-fuer-fluechtlinge-kein- luxusartikel-sind-1.2603717 oder: http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-08/fluechtlinge-deutschland-mythen

2 Dabei stellt jedoch bereits der Begriff der „kulturellen Einheit“ hinsichtlich einer klaren Definition eine Problematik dar, da über eine genaue Abgrenzung dessen, was Kultur ist, innerhalb der Forschung große Uneinigkeit herrscht.

3 Dies versteht Luhmann zugleich als die zentrale Problematik moderner Gesellschaften: Dass nämlich eine Systemintegration, also die miteinander verknüpfte Beziehung der unterschiedlichen gesellschaftlichen Teilsysteme untereinander, wie sie in modernen pluralistischen Gesellschaften zu finden sind, problemlos stattfindet. Die Sozialintegration jedoch weist Probleme bei der Bewältigung der funktionalen Differenzierung moderner Gesellschaften auf (vgl. Vlasic, 2004 S. 89).

4 Damit positioniert sich Esser klar zugunsten einer Integrationstheorie der Assimilation, welche sich innerhalb des europäischen Kontextes aus den im 19. und 20. Jahrhundert entstehenden Forderungen nach kulturell homogenen Kulturen bezieht und in diesem Sinne normativ die Unterdrückung von Minoritäten verlangte.

5 Die vollständige Liste aller Lebensbereiche und Integrationsfaktoren ist einzusehen unter: URL: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Publikation/IB/2012-01-12-zweiter- indikatorenbericht.pdf;jsessionid=E370416C9C1120BEC3B530DB343935FA.s6t2?__blob=publicati onFile&v=4

6 Der Begriff der Bildung bezieht sich in dem von der Integrationsforschung untersuchten Kontext jedoch lediglich auf die institutionellen Bildungsformen, welche durch Bildungsabschlüsse Wege zur gesellschaftlichen und politischen Partizipation eröffnen. Im Zuge der Untersuchung medialer Integrationspotenziale kann daher nicht genauer darauf eingegangen werden.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Flüchtlinge, Smartphones und Integration. Empirische Untersuchung der Mediennutzung syrischer Flüchtlinge in Koblenz
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Veranstaltung
Medienhandeln in Kindheit und Jugend
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
38
Katalognummer
V347190
ISBN (eBook)
9783668372658
ISBN (Buch)
9783668372665
Dateigröße
1151 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
flüchtlinge, smartphones, integration, empirische, untersuchung, mediennutzung, koblenz
Arbeit zitieren
Aline Neis (Autor), 2016, Flüchtlinge, Smartphones und Integration. Empirische Untersuchung der Mediennutzung syrischer Flüchtlinge in Koblenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347190

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