Meiner Arbeit voran geht die These, dass das Smartphone durch die weite Verbreitung und seine medienspezifische Nutzungsvielfalt zentraler Aspekt einer erfolgreichen Integration ist, weshalb im Zuge dieser Arbeit seine Bedeutung für den gesellschaftlichen Alltag von Flüchtlingen und dessen Bewältigung innerhalb einer fremden Gesellschaft genauer untersucht werden soll.
Zu diesem Zweck wird im Laufe dieser Arbeit zuerst eine genaue Definition der zentralen Begriffe „Integration“, und „Flüchtlinge“ stattfinden, gefolgt von einer Darlegung derjenigen Faktoren, die eine erfolgreiche Integration im Allgemeinen bedingen oder als Indikatoren einer solchen dienen. Dies erfolgt mit dem Ziel, im weiteren Verlauf anhand der herausgestellten integrativen Faktoren darzustellen, inwieweit das Smartphone dazu fähig ist, diese bereitzustellen, wobei die Beantwortung der Fragestellung nach der tatsächlichen Nutzung solcher integrativen Angebote durch die Flüchtlinge unter Bezugnahme auf zwei persönlich durchgeführte Interviews geschehen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Flüchtlinge
2.2. Integration
3. Aspekte erfolgreicher Integration
3.1. Kulturelle Integration
3.2. Strukturelle Integration und gesellschaftliche Platzierung
3.3. Produktion sozialer Beziehungen
3.4. Identifikation
4. Die Integrationsleistung von Medien
5. Das digitale Medium Smartphone
6. Empirische Untersuchung
6.1. Methodik
6.2. Integrative Nutzungsweisen des Smartphone durch Flüchtlinge
6.2.1. Gesellschaftliche Teilhabe und Identifikationsmöglichkeiten
6.2.2. Soziale Integration
6.2.3. Kulturelle Integration
6.2.4. Informationsbezug
6.2.5. Strukturelle Integration
7. Fazit
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Integrationspotenzial des Smartphones für syrische Flüchtlinge in Koblenz. Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, inwieweit das Smartphone durch seine spezifischen technischen Charakteristika und seine Verbreitung dazu beitragen kann, die Herausforderungen des Alltags in einer fremden Gesellschaft zu bewältigen und Integrationsprozesse zu fördern.
- Analyse der Rolle des Smartphones als Instrument für gesellschaftliche Teilhabe.
- Untersuchung der Bedeutung mobiler Kommunikation für den Aufbau sozialer Beziehungen.
- Evaluierung der Unterstützung des Spracherwerbs und der kulturellen Anpassung durch Smartphone-Apps.
- Ermittlung des Nutzens für die Informationsbeschaffung und strukturelle Orientierung (z.B. Wohnungs- und Arbeitssuche).
- Reflexion der Abhängigkeit und der Grenzen digitaler Integrationsangebote.
Auszug aus dem Buch
6.2.1. Gesellschaftliche Teilhabe und Identifikationsmöglichkeiten
Erst die Vermittlung des Wissens um die Werte und Normen der Aufnahmegesellschaft öffnet den Flüchtlingen den Weg zur gesellschaftlichen Partizipation, weshalb die Nutzung der Massenmedien der Aufnahmegesellschaft für die Flüchtlinge zugleich Einlass in die gesellschaftliche und soziale Umwelt bedeutet und somit auch dem Smartphone eine durchaus bedeutende integrative Funktion zugeschrieben werden kann. Bedingung dafür ist jedoch eine angemessene Repräsentation der einzelnen Teile der Gesellschaft und dass deren Mitglieder in gleichberechtigter Weise der Zugang zu eben diesen Informationen ermöglicht wird.
Wo die klassischen Medienformate Migranten die Partizipation und Integration erschwerten, indem sie sowohl den Bezug von Medieninhalten als auch die Möglichkeit als Produzent an diesen mitzuwirken durch ökonomische und soziale Faktoren reglementierten, entwickeln die digitalen Medien wie das Smartphone durch die Entwicklung des Web 2.0. ihre integrative Kraft, indem sie es dem Nutzer als Prosument ermöglichen, unabhängig von ökonomischem und Rang, mediale Inhalte und Informationen zu beziehen, eigene Interessen in selbst produzierten Medieninhalten repräsentativ darzustellen und sich am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen (vgl. Geissler/ Pöttker, 2009, S. 337 ff).
In dieser Hinsicht kommt vor allem der Nutzung Sozialer Netzwerke wie Facebook seitens der Flüchtlinge eine hohe Bedeutung zu, welche den Flüchtlingen über die Möglichkeit von öffentlichen Kommentaren oder selbst produzierten und online gestellten Inhalte den Zugang zur Teilhabe am öffentlichen Diskurs ermöglichen. Auch finden sich auf Facebook über die Zugehörigkeit zu virtuellen Zusammenschlüssen von Menschen, den sogenannten „Gruppen“, zahlreiche Angebote zur Orientierung und Informationsvermittlung für die Flüchtlinge (vgl. Interview vom 09.03.2016 mit Herr B. Siehe Anhang 2, Z. 340-349), wobei der Zugang zu Informationen als Prämisse von Partizipation gilt, da erst das informierte Individuum die Möglichkeiten zur Meinungsbildung erhält und erst in Folge dessen als mündiger Bürger einer demokratischen Gesellschaft gelten kann (vgl. Ronneberger; Schulz:, zit. nach: Trebbe, 2009, S. 41).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Flüchtlingssituation, den Diskurs über die Mediennutzung von Geflüchteten und formuliert die Forschungsfrage zur Integrationsleistung von Smartphones.
2. Definitionen: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe Flüchtling und Integration, um eine theoretische Basis für die Untersuchung zu schaffen.
3. Aspekte erfolgreicher Integration: Hier werden die theoretischen Dimensionen erfolgreicher Integration – kulturell, strukturell, sozial und identifikativ – erörtert.
4. Die Integrationsleistung von Medien: Das Kapitel beleuchtet das theoretische Potenzial von Massenmedien für Sozialisationsprozesse und die Konstruktion gesellschaftlicher Realität.
5. Das digitale Medium Smartphone: Es wird die besondere Rolle des Smartphones aufgrund seiner Portabilität und Internetfähigkeit als modernes Massenkommunikationsmittel hervorgehoben.
6. Empirische Untersuchung: Dieser Teil beschreibt die methodische Vorgehensweise durch Experteninterviews und präsentiert die Ergebnisse zu den integrativen Nutzungsweisen von Smartphones durch Flüchtlinge.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert das Integrationspotenzial des Smartphones unter Berücksichtigung bestehender Problematiken.
Schlüsselwörter
Smartphone, Integration, Flüchtlinge, Migration, digitale Medien, soziale Netzwerke, Sprachlern-Apps, gesellschaftliche Teilhabe, kulturelle Akkulturation, mobile Kommunikation, Internetzugang, strukturelle Integration, Mediennutzung, Identifikation, Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle das Smartphone im Alltag von syrischen Flüchtlingen spielt und inwieweit es zur Integration in die deutsche Gesellschaft beitragen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Definitionen von Flucht und Integration, die Rolle von Medien bei Integrationsprozessen sowie die spezifischen Nutzungsstrategien des Smartphones.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob und wie das Smartphone mit seinen medienspezifischen Charakteristika Integrationshürden abbauen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche zu Integrationsmodellen und einer empirischen Untersuchung in Form von strukturierten Leitfadeninterviews mit zwei geflüchteten Personen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Flüchtlinge das Smartphone konkret einsetzen – beispielsweise für Übersetzungen, zur Orientierung via Karten-Apps, zum Spracherwerb und für den sozialen Kontakt in Netzwerken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Smartphone, Integration, Flüchtlinge, digitale Medien, soziale Netzwerke, Spracherwerb, gesellschaftliche Teilhabe und Akkulturation.
Welche Rolle spielen soziale Netzwerke wie Facebook konkret für die Befragten?
Facebook dient den Befragten vor allem als Instrument zur Informationsbeschaffung in speziellen Gruppen für Flüchtlinge sowie zur Kontaktpflege und Teilnahme am öffentlichen Diskurs.
Warum ist das Smartphone laut der Arbeit ein „integratives Medium“?
Aufgrund seiner Portabilität ermöglicht es den jederzeitigen Zugriff auf Wissen, Übersetzungsdienste und Kommunikationswege, was besonders dann hilft, wenn institutionelle Angebote wie Sprachkurse noch nicht unmittelbar zugänglich sind.
- Citation du texte
- Aline Neis (Auteur), 2016, Flüchtlinge, Smartphones und Integration. Empirische Untersuchung der Mediennutzung syrischer Flüchtlinge in Koblenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/347190