Die Bibelübersetzung Martin Luthers


Hausarbeit, 2003

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Biographie Martin Luthers
1.1 Kindheit und Ausbildung Luthers
1.2 Luthers Auseinandersetzung mit der Kirche
1.3 Der „alte“ Luther

2 Die Bibelübersetzung Martin Luthers
2.1 Das Septembertestament
2.2 Luthers Einfluss auf eine einheitliche deutsche Sprache
2.3 Übersetzen und Dolmetschen
2.4 „Sendbrief vom Dolmetschen“

3 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Dieser Essay befasst sich mit der Bibelübersetzung Martin Luthers und deren Einflüsse auf die deutsche Sprache. Der Aufsatz ist in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil sich mit der Biographie Luthers beschäftigt und der zweite Teil näher auf seine Übersetzungsarbeit eingeht.

Ein grober Überblick über das Leben und Wirken Luthers ist für dieses Thema von daher wichtig, weil das Leben und das Werk Luthers nicht voneinander zu trennen ist. Seine theologischen Überzeugungen, die sich im Laufe seines Lebens bildeten, hatten auch wesentlichen Einfluss auf die Art und Weise seines Übersetzens, was, wie noch gezeigt wird, zu Recht als entscheidender Einschnitt in die deutsche Sprachgeschichte zu werten ist. Warum Luther wie übersetzt hat, ist ein wesentlicher Abschnitt des zweiten Teils dieses Aufsatzes und beruht vor allem auf Luthers Aussagen, die er im „Sendbrief vom Dolmetschen“ tätigte.

1 Biographie Martin Luthers

1.1 Kindheit und Ausbildung Luthers

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren und starb in seinem Geburtsort am 18. Februar 1546. Luther entstammte einer bäuerlichen Familie. Später wurde der Vater Bergmann in Eisleben und brachte es bis zum Hüttenpächter, was den Luthers einen gewissen Wohlstand einbrachte. So konnte Luther eine gute gymnasiale Ausbildung in Magdeburg genießen, bei er u.a. Latein lernte. Von Mai 1501 bis zum Januar 1505 besuchte er dann die Artistenfakultät in Erfurt und wurde in Grammatik, Logik, Rhetorik und Philosophie unterrichtet. Ab 1505 begann Luther auf Wunsch des Vaters das Studium der Rechte, das er allerdings wegen eines ihn stark prägenden persönlichen Erlebnisses abbrach: Am 2. Juli 1505 geriet er in ein schweres Gewitter. In seiner Angst leistete Luther das Gelübde, ins Kloster zu gehen, wenn er lebend aus dem Gewitter herauskäme. 15 Tage später setzte er sein Gelübde in die Tat um und trat in das Erfurter Kloster des Augustinerordens ein, das durch seine besondere Askese bekannt war. Die nächste wichtige Station im Leben Luthers war seine Priesterweihe 1507. Zwischen 1510 und 1511 wurde Luther als Gesandter des Klosters auf eine Romreise geschickt, von der er allerdings eher enttäuscht und desillusioniert zurückkehrte. Denn vieles war ihm fremd dort. Später sagte er einmal über seine Romreise: „Ich verstehe die Italiener nicht, und sie verstehen mich nicht!“[1]

1.2 Luthers Auseinandersetzung mit der Kirche

Ab 1511 war Luther in Wittenberg und zwar als Doktor der Theologie. Zwei Jahre später wurde er zum Professor für Bibelexegese ernannt. In seinen Vorlesungen befasste er sich vor allem mit dem Römerbrief und setzte sich mit der Ablass-und Werklehre der Kirche auseinander. Diese Auseinandersetzung gipfelte in dem Anschlag der 95 Thesen an das Portal der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517. Diese Thesen waren besonders gegen den Ablassprediger Johann Tetzel gerichtet, der auf Betreiben des Mainzer Erzbischofs Gelder für die zu erweiternde Peterskirche in Rom sammeln sollte. Johann Tetzel hatte mit „dramatischen“ Inszenierungen und guter Rhetorik („Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt!“[2] ) beachtlichen Erfolg.

Luthers Theologie war nicht plötzlich entstanden, sondern das Produkt einer jahrelangen Suche. Immer wieder hatte Luther danach gefragt, wie er einen gnädigen Gott bekommen könnte. Die Antwort fand er schließlich im Römerbrief des Paulus, in dem Paulus klar zum Ausdruck bringt, dass das Heil nicht durch Werke, sondern nur durch den Glauben an das Erlösungswerk Jesu Christi erreicht werden kann. Und so ist dann auch Römer 1,17 der Schlüsselvers für Luthers Theologie: „Der Gerechte wird aus Glauben leben!“ Damit stand er im Widerspruch zur römisch-katholischen Kirche, die das Heil auf Grund von Werken lehrte. Luther wagte es also am Fundament der Kirche zu rütteln.

Luther bekam für seine Thesen, die sich schnell verbreiteten, starken Zuspruch. Die Kurie wurde zum Reagieren gezwungen. Die erste Reaktion kam auf dem Reichstag 1518. Kardinal Cajetan wollte als römischer Legat Luther zum Widerrufen auffordern, was ihm allerdings nicht gelang. 1519 kam es in Leipzig zu einer Disputation zwischen Luther und dem Ingolstädter Professor für Theologie Johann Eck. Luther betonte stets, dass er nur bereit war, zu widerrufen, wenn ihm ein Fehler in seiner Theologie durch die Bibel bewiesen werden könnte. Diese Betonung der Bibel als höchste Instanz war ebenfalls von der Kirche nicht akzeptabel, denn sie wies dem Papst und Konzilien eine gleichrangige Autorität zu. Der Bruch zwischen Luther und der römischen Kurie war so groß, dass er am 10. Dezember 1520 eine Bannandrohung des Papstes Leo X. vor den Toren Wittenbergs öffentlich verbrannte. 1521 wurde Luther mit dem Kirchenbann belegt. Den Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung auf dem Reichstag zu Worms, bei dem Luther gezwungen werden sollte, seine Schriften zu widerrufen. Luthers Gönner und Beschützer, Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, gleichzeitig Onkel des Kaisers Karl V., erreichte freies Geleit für Luther auf dem Weg nach Worms. Wie zu erwarten, widerrief Luther nicht und erklärte vielmehr: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen.“[3] Die Reichsacht wurde über Luther verhängt und er wurde für vogelfrei erklärt. Auf der Rückkehr von Worms nach Wittenberg wurde er auf Geheiß des sächsischen Kurfürsten entführt und auf die Wartburg gebracht. Luther galt nun in der Öffentlichkeit als verschollen. Unter falschem Namen, Junker Jörg, verbrachte Luther zehn Monate auf der Wartburg. Diese Zeit nutzte er allerdings in einer sehr produktiven Art und Weise: Er übersetzte das Neue Testament ins Deutsche. Auf die Signifikanz dieser Übersetzungsarbeit wird später näher eingegangen.

1.3 Der „alte“ Luther

Ein anderes Problem entstand für Luther dahingehend, dass seine Neuerungen, die er rein geistlich verstanden wissen wollte, von Bauern als Freibrief zum Aufstand gegen die Herrschenden genommen wurde. Luther wandte sich in verschiedenen Schriften scharf gegen diese Bauernaufstände und rief schließlich die Herrschenden zum Eingreifen auf. Bei dem Bauernkrieg von 1525 kamen Tausende von Bauern ums Leben. Luther wird z.T. mitverantwortlich gemacht für dieses Gemetzel. In dieser Zeit trennte sich Luther zudem noch von den sogenannten Schwärmern und Täufern, die sich anfangs auf Luther beriefen, aber letztlich eine andere, eher politisch-ideologische Zielrichtung, als Luther hatten.

Persönlich wurde das Jahr 1525 auch zu einem entscheidenden für Luther, da er die entflohene Nonne Katharina von Bora ehelichte. Gleichzeitig hatte diese Eheschließung aber auch gesellschaftliche Konsequenzen, weil sie den Bruch mit Rom noch vertiefte, indem Luther dadurch das Zölibat aufhob.

Im Jahr 1530 verfasste Philipp Melanchthon, ein enger Mitarbeiter und Freund Luthers, eine Bekenntnisschrift, die auf dem Augsburger Reichstag verlesen werden sollte. Diese sogenannte „Confessio Augustana“ fand auch die Billigung Luthers, der nicht mit zum Reichstag reisen konnte, da er noch unter der Reichsacht stand.

Die letzten 16 Jahre seines Lebens waren bei weitem nicht mehr so spektakulär wie die Zeiten seit seinem Thesenanschlag. Aber auch sie waren von hoher Produktivität gekennzeichnet, einer Vertiefung seiner Lehren. Berühmt geworden ist die letzte Notiz, die Luther in seinem Leben tätigte, quasi ein „hermeneutisches Fazit“[4]: „Wir sind Bettler. Das ist wahr.“[5] In dieser Notiz zeigt sich noch einmal die Theologie Luthers, dass der Mensch nämlich nichts aus sich selbst erreichen kann, sondern in allem von der Gnade Gottes abhängig ist.

2 Die Bibelübersetzung Luthers

2.1 Das Septembertestament

Luther nutzte die Zeit, die er auf der Wartburg verbringen musste, wie bereits erwähnt, sehr produktiv: Er übersetzte innerhalb von elf Wochen das Neue Testament ins Deutsche (Septembertestament). Allerdings muss erwähnt werden, dass Luther nicht der Erste war, der sich an eine Bibelübersetzung ins Deutsche begeben hatte. Vor Luther gab es bereits 72 Übersetzungen, die aber „sprachlich wie sachlich“[6] nicht an die Übersetzung Luthers heranreichten. Dabei ging es Luther aber nicht darum ein, literarisch hochwertiges Werk zu schaffen, sondern seine Sprachmächtigkeit sollte seiner Mission dienen, der Verbreitung des Evangeliums. Luther selbst verstand seine Sprachgewandheit als Gabe Gottes und wusste auch um seine z.T. sehr derbe Wortwahl:

„... ich bin dazu geboren, das ich mit den rotten und teuffeln mus kriegen und zu felde ligen, darumb meiner buecher viel stuermisch und kriegisch sind. Ich mus die kloetze und stemme ausrotten, dornen und hecken weghawen, die pfuetzen ausfullen und bin der grobe waldrechter, der die ban brechen und zurichten mus.“[7]

Die erste vollständige Lutherbibel wurde im Jahr 1534 fertiggestellt.

2.2 Luthers Einfluss auf eine einheitliche deutsche Sprache

Luthers Bibelübersetzung trug wesentlich zu einer einheitlichen deutschen Sprache bei. Das erkannten schon Luthers Zeitgenossen. So sagte ein Freund Luthers namens Justus Jonas: „[...] er [Luther] hat die Deutsche sprach wider recht herfür gebracht“[8] Allerdings kann nicht behauptet werden, Luther sei der Schöpfer des Neuhochdeutschen. Die Bedeutung Luthers für die deutsche Spracheinheit bezieht sich vor allem auch auf den Wortschatz und nicht so sehr auf das Orthographische. Auch im Bezug auf die deutsche Syntax ist Luther nicht als revolutionär zu bezeichnen. Er trug zur gemeinsamen deutschen Sprache bei, aber die Sprache war in gewisser Weise schon existent. Das Hindernis zu einer Spracheinigung waren die vielen dialektalen Ausprägungen. Luthers Leistung liegt darin begründet, dass er „mit seiner deutschsprachigen Bibel [...] die regionalen Sprachschranken“[9] durchbrach.[10] Luther blieb nicht in seinem eigenem Dialekt haften, wie Werner Besch ausführt: „Es wächst die Kenntnis [Luthers] dt. Wortlandschaften in den z.T. unterschiedlichen obd., md. und nd. oder auch gemischten Ausprägungen. [...]. Er [Luther] wählt also aus, tritt aus seinem engeren Herkunftsbereich heraus.“[11] Die Bibel als „Vehikel der großen Einigungsbewegung“[12] verhalf vor allem zu einem einheitlichem schriftsprachlichen Wortschatz.

[...]


[1] Zitiert in: Albrecht Beutel, Martin Luther. München 1991, S.42.

[2] Zitiert in: Beutel, S.49.

[3] Zitiert in: Beutel, S.70.

[4] Beutel, S.131.

[5] Beutel, S.131.

[6] Beutel, S.74.

[7] Zitiert in: Werner Besch, Die Rolle Luthers für die deutsche Sprachgeschichte. In: Besch, W./Betten, A./Reichmann, O./Sonderegger, S. (Hg.). Sprachgeschichte. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Sprache und ihrer Erforschung. 2., vollständige neubearbeitete und erweiterte Auflage. 2. Teilband Berlin/New York 2000 (HSK 2.2), S.1729.

[8] Zitiert in: Besch, S.1714.

[9] Besch, S.1717.

[10] Besch weist auf darauf hin, dass die Bewertung Luthers hinsichtlich seines Einflusses auf die deutsche Sprache stark von seiner Gesamteinschätzung abhinge. Besch, S.1715.

[11] Besch, S.1724.

[12] Besch, S.1724.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bibelübersetzung Martin Luthers
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Deutsche Sprachgeschichte im Überblick
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V34744
ISBN (eBook)
9783638348768
ISBN (Buch)
9783638760140
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Untersucht wird wie Martin Luther seine berühmte Bibelübersetzung tätigte.
Schlagworte
Bibelübersetzung, Martin, Luthers, Deutsche, Sprachgeschichte
Arbeit zitieren
Peter Lindhorst (Autor), 2003, Die Bibelübersetzung Martin Luthers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34744

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